Alle Menschen gehören einer bestimmten Kultur an und teilen die gleichen Handlungsgewohnheiten, Bräuche und Traditionen. Kulturen werden außerdem durch Gemeinsamkeiten bezüglich Sprache, Religion, Kunst, Essgewohnheiten und Ethik definiert. Wenn verschiedene Kulturen aufeinandertreffen, kann es allerdings schnell zu Missverständnissen oder auch lustigen Situationen kommen. Hier ist ein kleiner Kommunikations-Knigge für alle, die bald ins Ausland reisen.

Nonverbale Kommunikation: Fehlinterpretationen sind vorprogrammiert

Neben den wirklich offensichtlichen Unterschieden, wie der Sprache, den Essgewohnheiten, der Religion oder dem äußeren Erscheinungsbild, gibt es aber noch viel tiefer liegende kulturelle Unterschiede. Damit ist weniger die Sprache an sich gemeint, sondern die nonverbale Kommunikation, die aus der Körpersprache – also Gesten, Mimik, Augenkontakt, Distanzzonen und vegetativen Symptomen (z.B. Erröten) – besteht.

Interkulturelle Kommunikation: Gastfamilie mit ihrer Gasttochter

Für die interkulturelle Kommunikation ist es sehr wichtig, diese Unterschiede zu kennen, denn fast 55% unserer Signale, die wir beim Kommunizieren senden, sind nonverbal. Auf diese Weise erfahren wir auch ohne den Gebrauch von Sprache ganz schön viel. Manchmal erkennen wir so auch, wenn jemand flunkert.

Wenn beispielsweise aus dem Mund eines Lügenboldes ein Satz erklingt, den wir verstehen und der logisch erscheint, er einem dabei aber nicht in die Augen schauen kann, dann wissen wir, dass etwas im Busch ist. In den USA tippt man sich an die Stirn, wenn man sich wirklich clever fühlt. In Deutschland hingegen bedeutet diese Geste, dass man denkt, sein Gegenüber »ticke wohl nicht richtig« – also zeigt man ihm den »Vogel«.

Interkulturelle Kommunikation: Gastschwestern mit ihrem Gastbruder

Mimik

Forscher sind sich einig, dass es eine Reihe von Gesichtsausdrücken gibt, die die sechs grundlegendsten Emotionen ausdrücken und weltweit unabhängig des eigenen kulturellen Hintergrundes verstanden werden. Dazu zählen Wut, Trauer, Freude, Überraschung, Ekel und Angst. Laut dem Forscher Paul Ekman sind diese Ausdrücke nicht erlernbar, also nicht kulturell abhängig, sondern genetisch bedingt. Wer sich aber auf diese genetisch bedingten Gesichtsausdrücke verlässt und beispielsweise nach China reist, ohne ein Wort Mandarin zu sprechen, dem soll gesagt sein, dass Asiaten Probleme haben, die Gefühle und Ausdrücke der Westeuropäer zu lesen.

Interkulturelle Kommunikation: chinesische Schulklasse

Asiaten achten nämlich sehr auf die Augenpartie, um das Gefühl und den Ausdruck des Gegenübers zu lesen. Das erkennt man sehr gut an Mangas und Anime-Filmen: Der Fokus liegt dort immer auf den großen Augen der Comicfiguren. Westeuropäer hingegen achten mehr auf den Mund. Asiaten haben daher oft Schwierigkeiten, die Emotionen eines Westeuropäers zu verstehen, da sich die Augenpartie bei den unterschiedlichen Gesichtsausdrücken oft nur leicht verändert.

Gestik

Damit man die Körpersprache richtig deuten kann, muss man sich also der kulturellen Unterschiede bewusst sein. So sind auch Gesten international verschieden. Beispielsweise bedeutet das alltägliche Kopfschütteln, von dem man denken könnte, dass es überall auf der Welt als »Nein!« verstanden wird, in Indien und Bulgarien das genaue Gegenteil.

Im vorderen Orient hingegen wird es als Zustimmung gedeutet, wenn man nach unten nickt, während das Nicken nach oben als Ablehnung verstanden wird. In Asien wackelt man mit dem Kopf nach rechts und links für eine Zustimmung, in Tibet streckt man sich zur Begrüßung die Zunge raus und auf den Philippinen bedeutet das Hochziehen der Augenbraue »Hallo«.

Zeichen und Symbole spielen eine wichtige Rolle in der interkulturellen Kommunikation

Zeichen und Symbole können in den einzelnen Kulturen genauso unterschiedlich sein, wie der Gesichtsausdruck und die Gestik. Eine geballte Faust mit einem ausgestreckten Daumen nach oben bedeutet bei uns so etwas wie »Super«. In Australien gilt das als Beleidigung, in China als Zahl »5« und in Indonesien steht das für die Zahl »6«. Auch im Iran wird ein nach oben gestreckter Daumen als Beleidigung verstanden.

Wenn etwas »Okay« ist, bilden wir mit dem Daumen und dem Zeigefinger ein O, welches das O für Okay repräsentiert. Die Amerikaner machen es uns gleich. Bei den Franzosen allerdings signalisiert man mit dieser Geste, dass etwas wertlos ist. Als unangebrachte Geste mit eindeutig sexuellem Bezug versteht man dieses Zeichen in Lateinamerika, Russland und Osteuropa. In Japan wiederum bedeutet es »Geld«, bzw. dass man über Geld reden möchte. Das ist in etwa mit der Geste vergleichbar, wenn wir den Daumen an unsere restlichen Finger reiben und fragen: »Wie viel kostet das denn?«

Körpersprache in anderen Kulturen: Schmaler Grad zwischen freundlicher Geste und Beleidigung

Ein ebenfalls heikles Zeichen ist das sogenannte V-Zeichen. Dabei streckt man Zeige- und Mittelfinger in einem V auseinander. Allgemein gilt dieses Zeichen als »Peace«-Zeichen – dreht man die Hand dabei um, um beispielsweise zu sagen, man hätte gerne zwei Bier, kann der Kellner schon mal wütend werden, besonders, wenn man in Australien, England, Irland oder Neuseeland ist.

Interkulturelle Kommunikation: Thailändische Schulklasse

Das Handzeichen, welches Heavy Metal Fans benutzen (Faust, bei der Zeige- und kleiner Finger abgespreizt sind) nutzt man es in Italien, um seinem Gegenüber zu zeigen, dass seine/ihre Partner/in ihn/sie betrügt. In den USA bedeutet es »I love you«.

Streckt man den Daumen und den kleinen Finger als Zeichen für »Ich ruf dich an«, so wird es in Italien als Frage »Gehen wir mal etwas zusammen trinken?« verstanden. Fährt man mit der ausgestreckten Hand an der eigenen Kehle vorbei, so verheißt dies in europäischen Ländern nichts Gutes, in Polen aber bedeutet es, dass jemand sehr betrunken ist und wortwörtlich »den Hals voll« hat.

In China und im Orient gilt die linke Hand als unrein. Schüttelt man die Hände oder übergibt Gegenstände macht man das ausschließlich mit der rechten Hand. Nimmt man aber die Linke gilt dies als große Beleidigung, genau wie das Zeigen oder Werfen von Schuhsohlen.

Körperzonen

Interessanterweise gibt es auch bei der Körpernähe kulturelle Unterschiede. Wir Deutschen fühlen uns schnell unwohl, wenn jemand Fremdes nah an uns rückt.

Im Aufzug oder in der Bahn schauen die meisten daher auch auf den Boden, aus den Fenstern oder auf unser Smartphone, weil Augenkontakt zu befremdend und unbehaglich wäre. In lateinamerikanischen Ländern und im Orient ist die persönliche Komfortzone viel geringer.

Interkulturelle Kommunikation: thailändische Schülerin

In arabischen Ländern gilt es sogar als unhöflich, ein Stück wegzutreten, wenn jemand zu nahe kommt. Lateinamerikaner haben mit Fremden sowie mit Bekannten viel mehr Körperkontakt und in der Familie ein innigeres Verhältnis zueinander. In islamischen Ländern wiederum gilt öffentlicher Körperkontakt, sogar das Händchenhalten von einem verheirateten Pärchen, als unangebracht.

Andere Länder, andere Gesten!

Verreist man also, ist es wichtig, in Sachen Körpersprache internationale Unterschiede zu erkennen. Aber mit unserem interkulturellen Kommunikations-Knigge kann ja nun eigentlich nichts mehr schiefgehen und das Abenteuer im Ausland kann starten!

1 KOMMENTAR

HINTERLASSE EINEN KOMMENTAR

Please enter your comment!
Please enter your name here