Interkulturelle Kommunikation: Mimik, Gesten und Körpersprache

Interkulturelle Kommunikation: Mimik, Gesten und Körpersprache

Alle Menschen dieser Erde gehören einer bestimmten Kultur an, einer Gruppe von Menschen, die die gleichen Handlungsgewohnheiten, Bräuche und Traditionen teilen. Eine bestimmte Kultur wird außerdem durch Kunst, Religion, Sprache, Essgewohnheiten und Ethik definiert. Doch auch innerhalb eines Landes gibt es viele regionale Unterschiede, die manchmal schon fast einen eigenen Kulturkreis bilden.

Fährt man zum Beispiel nur ein paar hundert Kilometer von seinem Wohnort weg, so merkt man, die Menschen reden dort in einem ganz anderen Dialekt und auch ihre Leibspeise ist die Schweinshaxe und nicht der rheinische Zwiebelkuchen. Das liegt daran, dass eine Kultur aus vielen Subkulturen besteht. Das können geographische Subkulturen sein, wie zum Beispiel die Ostfriesen oder die Bayern; das können berufliche Gruppierungen sein, wie zum Beispiel Ärzte, Beamte oder Lehrer; das können aber auch Jugendgruppen sein, in denen eine bestimmte Sportart ausgeübt oder eine bestimme Musik gehört wird.

Interkulturelle Kommunikation: Gastfamilie mit ihrer Gasttochter

Neben den wirklich offensichtlichen Unterschieden, wie der Sprache, den Essgewohnheiten, der Religion oder dem äußeren Erscheinungsbild, gibt es aber noch viel tiefer liegende kulturelle Unterschiede. Damit ist weniger die Sprache an sich gemeint, sondern die nonverbale Kommunikation, die aus Gesten, Mimik, Augenkontakt, Distanzzonen und vegetativen Symptomen, wie Erröten, besteht.

Diese Unterschiede zu kennen, ist sehr wichtig für die interkulturelle Kommunikation, denn fast 55% unserer Signale, die wir beim Kommunizieren senden, sind nonverbal. Manchmal erkennen wir so auch, wenn jemand flunkert.

Interkulturelle Kommunikation: Gastschwestern mit ihrem GastbruderAuch wenn aus dem Mund des Lügenbold ein Satz erklingt, den wir verstehen und der auch logisch erscheint, er einem dabei aber nicht in die Augen schauen kann, wissen wir, dass etwas im Busch ist. In den USA, wenn man sich wirklich clever fühlt, tippt man sich an die Stirn. In Deutschland macht man das eher, wenn man das Gefühl hat, da ist wohl bei dem Gegenüber »eine Schraube locker«.

Mimik

Forscher sind sich einig, dass Gesichtsausdrücke existieren, die die sechs grundlegendsten Emotionen abbilden und weltweit verstanden werden.  Dazu zählen Wut, Trauer, Freude, Überraschung, Ekel und Angst. Laut dem Forscher Eckmann sind diese Ausdrücke nicht erlernbar, also kulturell abhängig, sondern genetisch bedingt. Wer sich aber darauf verlässt, ohne ein Wort Mandarin zu sprechen nach China zu reisen, dem soll gesagt sein, dass Asiaten Probleme haben, die Gefühle und Ausdrücke der Westeuropäer zu lesen.

Interkulturelle Kommunikation: chinesische SchulklasseAsiaten achten nämlich, um das Gefühl und den Ausdruck des Gegenübers zu lesen, sehr auf die Augenpartie – das erkennt man vor allem an den Animé- und Manga-Filmen, bei denen die Augen der Comicfiguren immer sehr groß sind und an denen die Emotionen gezeigt werden. Westeuropäer hingegen achten mehr auf den Mund, daher haben Asiaten oft Schwierigkeiten Emotionen eines Westeuropäers zu verstehen, da die Augenpartie sich bei den unterschiedlichen Ausdrücken oft nur leicht verändert.

Gestik

Auch unterschiedliche Gesten, wie das ganz alltägliche Kopfschütteln, von dem man denken könnte, dass es überall auf der Welt als »Nein!« verstanden wird, bedeutet in Indien und Bulgarien das genaue Gegenteil. Und auch im vorderen Orient, wird nur das nach unten nicken als Zustimmung gedeutet, während Nicken nach oben eine Ablehnung ist. In Asien wackelt man mit dem Kopf nach rechts und links für eine Zustimmung, in Tibet streckt man sich zur Begrüßung die Zunge raus und auf den Philippinen bedeutet das Hochziehen der Augenbraue »Hallo«.

Zeichen und Symbole

Zeichen und Symbole können in den einzelnen Kulturen genauso unterschiedlich sein, wie der Gesichtsausdruck und die Gestik. Eine geballte Faust mit einem ausgestreckten Daumen nach oben bedeutet bei uns so etwas wie »Super«. In Australien gilt das als Beleidigung, in China als Zahl »5« und in Indonesien steht das für die Zahl »6«. Auch im Iran steht ein nach oben gestreckter Daumen für eine Beleidigung.

Wenn etwas »Okay« ist, bilden wir mit dem Daumen und dem Zeigefinger ein O, welches das O für Okay repräsentiert. Die Amerikaner machen es uns gleich. Bei den Franzosen allerdings signalisiert man mit dieser Geste, dass etwas wertlos ist. Als unangebrachte Geste mit eindeutig sexuellem Bezug versteht man dieses Zeichen in Lateinamerika, Russland und Osteuropa. In Japan bedeutet es wiederum »Geld«, bzw. dass man über Geld reden möchte. Das ist in etwa vergleichbar, wenn wir den Daumen an unsere restlichen Finger reiben und fragen: »Wie viel kostet das denn?«

Interkulturelle Kommunikation: Thailändische SchulklasseEin ebenfalls heikles Zeichen ist das sogenannte V-Zeichen. Dabei streckt man Zeige- und Mittelfinger in einem V auseinander. Allgemein gilt dieses Zeichen als »Peace«-Zeichen – dreht man die Hand dabei um, um beispielsweise zu sagen, man hätte gerne zwei Bier, kann der Kellner schon einmal wütend werden, besonders, wenn man in Australien, England, Irland oder Neuseeland ist.

Das Handzeichen, welches Heavy Metal Fans benutzen (Faust, bei der Zeige- und kleiner Finger abgespreizt sind) nutzt man es in Italien, um seinem Gegenüber zu zeigen, dass seine/ihre Partner/in ihn/sie betrügt. In den USA bedeutet es »I love you«.

Streckt man den Daumen und den kleinen Finger als Zeichen für »Ich ruf dich an«, so wird es in Italien als Frage »Gehen wir mal etwas zusammen trinken?« verstanden. Fährt man mit der ausgestreckten Hand an der eigenen Kehle vorbei, so verheißt dies in europäischen Ländern nichts Gutes, in Polen aber bedeutet es, dass jemand sehr betrunken ist und wörtlich den Hals voll hat.

In China und im Orient gilt die linke Hand als unrein. Schüttelt man die Hände oder übergibt Gegenstände macht man das ausschließlich mit der rechten Hand. Nimmt man aber die Linke gilt dies als große Beleidigung, genau wie das Zeigen oder Werfen von Schuhsohlen.

Körperzonen

Interessanterweise gibt es auch bei der Körpernähe kulturelle Unterschiede. Wir Deutschen fühlen uns schnell unwohl, wenn jemand Fremdes nah an uns rückt.

Interkulturelle Kommunikation: thailändische Schülerin Im Aufzug oder in der Bahn schauen die meisten daher auch auf den Boden, aus den Fenstern oder die Wand an, weil Augenkontakt zu befremdend und unbehaglich wäre. In lateinamerikanischen Ländern und im Orient ist die persönliche Komfortzone viel geringer.

In arabischen Ländern gilt es sogar als unhöflich, ein Stück wegzutreten, wenn jemand zu nahe kommt. Lateinamerikaner haben mit Fremden sowie mit Bekannten viel mehr Körperkontakt und in der Familie ein innigeres Verhältnis zueinander. In Islamischen Ländern wiederum gilt öffentlicher Körperkontakt, sogar das Händchenhalten von einem verheirateten Pärchen als unangebracht.

Verreist man also, sollte man solche wesentliche Unterschiede kennen. Aber mit unserem interkulturellen Kommunikations-Knigge kann ja nun eigentlich nichts mehr schief gehen und das Abenteuer im Ausland kann starten!

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Ein Kommentar

  1. Ting Ting

    1. März 2013 at 10:49

    Ein wirklich sehr interessanter Artikel…und wieder mal was neues dazu gelernt :D
    lg

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