Vom »City Girl« zum »Country Girl«

Stepin RedaktionGeschätzte Lesezeit 6 min.
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Vom »City Girl« zum »Country Girl«

Hi, ich bin Lisa und jetzt bin ich schon über ein halbes Jahr wieder zurück in Deutschland von meinem Auslandsjahr in den USA.

Hi, ich bin Lisa und jetzt bin ich schon über ein halbes Jahr wieder zurück in Deutschland von meinem Auslandsjahr in den USA, doch es fühlt sich an als war es erst gestern, dass ich zum ersten Mal, mit ein wenig Angst aber mega viel Abenteuerlust, meine Gastfamilie gesehen habe.

Ganz am Anfang

Nachdem ich im Frühjahr die Application für mein Auslandsjahr abgeschickt hatte, wurde die Vorfreude nur noch größer und größer. Ich hatte mir schon einiges vorgestellt, wollte mir aber keine Erwartungen machen, damit ich mich umso schneller in meiner neuen Heimat einfinden konnte.

Am 29. Juli war es dann endlich soweit. Meine Familie hat mich früh morgens nach Frankfurt zum Flughafen gebracht und mein Abenteuer konnte endlich starten! Nach einem Zwischenstop in Chicago bin ich dann endlich gelandet. Meine Gastfamilie hat mich am Flughafen in Memphis empfangen und mir direkt meine ganze Angst genommen. Sie waren so lieb und herzlich und haben mich von Anfang an wie ein Familienmitglied behandelt. Meine Gastfamilie bestand aus Nikki und Jonathan, meine Gasteltern, die beide Mitte 30 waren, Seth, Tyler und Molly Kate, meine Gastgeschwister, die 13, 11 und 7 Jahre alt waren und außerdem bestand sie aus vier Hunden, einer Katze und einem Lizard. Da ich in Deutschland keine Haustiere habe, dachte ich zuerst die vielen Hunde würden ein Problem darstellen, doch wie sich herausstellt, war ich tief im Innneren schon immer ein Hundemensch gewesen.

Erste Eindrücke

Als ich das erste Mal in die Stadt hineingefahren bin, in der ich die nächsten zehn Monate verbringen sollte, habe ich mich erstmal erschrocken. Ich wusste zwar, dass Senatobia, Mississippi eine Kleinstadt ist, aber so klein hatte ich es mir dann auch wieder nicht vorgestellt. Es gab nur eine Straße mit kleinen Geschäften und alles andere bestand aus gefühlt unendlich großen Grundstücken. Alle 100 Meter stand ein Haus. Aber mit der Zeit habe ich Senatobia schätzen und auch lieben gelernt. Das ist das Gute daran, wenn man ohne Erwartungen in sein Auslandsjahr startet. Eine Kleinstadt bringt viele Vorteile mit sich. Alle Leute kannten sich untereinander und haben mich zum Beispiel auch in der Kirche sehr schnell aufgenommen und sich immer erkundigt, wie es mir geht. Auch in der Schule hatte ich einen einfachen Start. Natürlich war ich total aufgeregt vor meinem ersten Schultag. Ich hatte Angst, dass die Leute mich nicht verstehen oder dass ich die Leute nicht verstehe. Immerhin war ich in Mississippi und man hatte mich vorgewarnt, dass der »Southern Accent« nicht zu überhören wäre. Aber alles ist mehr oder weniger gut gelaufen. Mich hat es sehr gefreut, dass viele Leute auf mich zugekommen sind, denn ich wäre zu schüchtern gewesen sie selber anzusprechen. Da die Schule, genau wie der Ort, sehr klein war haben alle sofort gewusst, dass ich neu bin. Ich wurde von so vielen Leuten angesprochen und über Deutschland ausgefragt und habe mich direkt wohl gefühlt.

Die Sprache

Eine meiner weiteren Ängste war, dass ich in der Schule sprachlich nicht mitkomme, da ich Fachbegriffe nicht kenne. Aber meine Angst war unberechtigt. Die meisten Wörter kannte ich bereits und wenn nicht, dann hat auch keiner blöd geguckt, wenn ich nachgefragt habe. Was allerdings am Anfang ein wenig problematisch war, war die ungewöhnliche Aussprache der Leute aus Mississippi. Viele Wörter wurden verbunden (»y’all« oder »ain’t«) und die Vokale (vor allem die A’s) wurden oft besonders betont. Zuerst war der »Southern Accent« gewöhnungsbedürftig, aber bereits nach drei Wochen habe ich alles verstanden und nach einem halben Jahr haben Leute schon zu mir gesagt, dass sie gar keinen Unterschied zwischen ihrem und meinem Akzent gehört haben. So ein Kompliment hört man als Austauschschüler natürlich besonders gerne.

Countrygirl

Als ich gehört habe, dass ich nach Mississippi komme habe ich erstmal alles, was ich irgendwie mal in einem Westernfilm gesehen habe damit verbunden. Aber zum Glück war es nicht ganz so schlimm. Keiner ist mit seinem Pferd zur Arbeit oder zum Einkaufen geritten. Trotzdem gab es Dinge an die man sich gewöhnen musste. Viele Leute aus Mississippi (vor allem Männer) gehen gerne jagen. Als wir an Weihnachten zum Beispiel bei der Mutter meiner Gastmutter Weihnachten gefeiert haben hat der Bruder meiner Gastmutter aus dem Küchenfenster heraus ein Reh erschossen. Das fand ich etwas heftig, aber es sind Traditionen und Angewohnheiten, die man respektieren muss. Außerdem ist der Style der Leute sehr anders. Viele meiner Mitschüler kamen mit Cowboyboots in die Schule. Aber gerade das fand ich so toll. Das ich eine Kultur kennenlernen durfte, die total anders ist, vielleicht etwas konservativer, aber auch viele Vorteile mit sich bringt.

Mein Auslandsjahr hat sich mehr als nur gelohnt! Ich habe so viel gelernt und bin jetzt um einige Lebenserfahrungen reicher. Du wirst offener im Umgang mit fremden Leuten und lernst auf sie zuzugehen. Es war schön zu sehen wie man sich im Laufe von zehn Monaten entwickeln kann und sogar einen Akzent antrainieren kann. Und habe ich nicht nur viele Erfahrungen mehr sondern habe auch eine Familie und eine Heimat mehr!