Walter Leppers – Mit dem Fahrrad auf Weltreise

Walter Leppers – Mit dem Fahrrad auf Weltreise

Die Weltreise gilt nach wie vor als »Königsdisziplin« des Reisens. Auch wenn man in Zeiten des »Around-the world-tickets« nicht mehr – wie einst Philias Fock – 80 Tage für einen Trip über alle Kontinente braucht, bedarf es immer noch einer ganzen Menge an Vorbereitung und Planung.

Dies gilt umso mehr, wenn jemand ein solches Unternehmen mit dem Fahrrad angehen will. Die Weltneugier hatte Gelegenheit, ein Gespräch mit dem 62-jährigen Dülkener Walter Leppers zu führen, der gemäß seines Mottos: »Man hört nicht auf bestimmte Sachen zu tun weil man alt wird, man wird alt weil man aufhört Dinge zu tun« ab April 2011 eine Weltreise per Fahrrad starten wird.

Stepin: Hallo Herr Leppers. Zunächst vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unsere Fragen genommen haben. Wo erreichen wir Sie gerade?

Walter LeppersWalter Leppers: Ich sitze zu Hause, das ist in Viersen–Dülken am PC und aktualisiere meine Internetseite.

Stepin: Bevor wir in das eigentliche Interview einsteigen, möchten wir Sie bitten, sich unseren Lesern kurz vorzustellen.

Walter Leppers: Ein paar Tage vor der Währungsreform 1948 kam ich in Dülken, die Perle am linken Niederrhein, zur Welt. Schon in der Volksschule war Erdkunde mein Lieblingsfach. Als ich meinen Gesellenbrief als Modellbauer in der Tasche hatte, wurde ich zu den Fallschirm-Jägern nach Zweibrücken eingezogen. Nach zwei spannenden Jahren wurde ich als Stabsunteroffizier der Reserve aus der Fernspäh Kompanie 200 in Weingarten entlassen.

Meine erste große Reise machte ich mit meiner späteren Frau Hanni. Wir fuhren mit einer alten Ente nach Griechenland. Ab dem Zeitpunkt zog es uns immer wieder in die Ferne. Als unsere beiden Kinder erwachsen waren, konnten wir wieder mehr unternehmen. Im Jahr 1996, während einer Radtour mit meinem Freund Walter Mees durch Marokko, erlitt meine Frau eine Blutung im Hirn (Aneurysma). Das war wohl das Schlimmste was ich erlebt habe.

Von der Weltreise, wenn wir mal in Rente sind, haben wir zu der Zeit schon geträumt. Jetzt sind es, bis zum Start, noch etwa vier Monate und ich kann es kaum erwarten diesen neuen Lebensabschnitt zu beginnen.

Stepin: Die meisten Leute werden sich sicherlich fragen, warum jemand eine Weltreise mit dem Fahrrad unternehmen will. Der Frage schließen wir uns gerne an: Was ist die Motivation mit dem Rad um die Welt zu fahren?

Walter Leppers: Das ist auch nicht so leicht zu erklären. Es hat sich mit der Zeit so entwickelt. Die vielen Radreisen waren meist genau geplant, weil man ja wieder nach vier Wochen an irgendeinem Flughafen sein musste. Das hat in mir den Wunsch geweckt einfach von zu Hause losfahren: Ende offen. Das Rad als Fortbewegungsmittel ist ideal. Man »ERFÄHRT« die Landschaft mit all seinen Sinnen und ist nah an den Menschen, was manchmal anstrengend sein kann. Morgens losfahren ohne zu wissen wo man abends sein Zelt aufbaut.

Stepin: Auf Ihrer Website geben Sie als Starttermin der Reise den 2. April 2011 an. Uns interessiert nun vor allem, wie Sie an das Projekt herangegangen sind und welches Maß an Vorbereitung und Planung für ein solches Unternehmen nötig waren. Spontan fallen uns dazu Aspekte wie das Fahrrad, die Ausrüstung, die Reiseroute und der zeitliche Rahmen ein. Dementsprechend möchten wir einige dieser Punkte näher beleuchten. Beginnen wir mit der Route und dem zeitlichen Rahmen. Welche Route wollen Sie nehmen bzw. welche Faktoren gilt/galt es während der Vorbereitung zu beachten und was gibt es organisatorisch für Sie – Stand heute – noch zu erledigen?

Walter Leppers unterwegs in MarokkoWalter Leppers: Mit der Planung der Tour hab ich zwei Jahre vorher begonnen. Dabei waren für mich zwei Faktoren entscheidend: Von der Haustür losfahren und langsam neuen Ländern und Kulturen näher kommen. Das erste größere Ziel ist Australien, weil dort meine Tochter lebt. Warum Startdatum 2. April 2011 – ich wollte nach der Monsun-Zeit durch Pakistan fahren aber noch vor dem Winter die Himalaya-Region bereisen.

Weitere Planung sehe ich nur als grobe Vorplanung an, die ich jederzeit ändern kann. Wenn es mir irgendwo gut gefällt, möchte ich auch mal länger bleiben können, ohne dabei in Zeitnot zu kommen. Auf meiner Ausrüstungsliste steht der Punkt Reiselaptop noch offen. Zwei Impfungen (Gelbfieber und Tollwut) bekomme ich noch im Frühjahr. Zwei neue Reisepässe werde ich noch beantragen. Für die Beantragung der Einreise-Genehmigungen werde ich einen Visa-Dienst in Anspruch nehmen, spart Zeit und Nerven.

Stepin: Ein paar Worte zur Dauer Ihrer Reise. Gibt es einen bestimmten Zeitpunkt, an dem Sie wieder zurück sein möchten oder geht es Ihnen eher darum, die gewählten Etappenziele zu erreichen?

Walter Leppers: Die Reise habe ich in drei Etappen aufgeteilt. Erste Etappe: Europa – Asien – Indonesien – Australien. Die zweite Etappe soll durch den amerikanischen Subkontinent gehen. Von Südafrika starte ich dann die dritte Etappe: Von Kapstadt über den Landweg nach Hause. Nach Möglichkeit möchte ich die Etappen durchgehend fahren und hab mir erstmal keinen zeitlichen Rahmen gesetzt. Wie das versicherungstechnisch aussieht muss ich noch klären.

Stepin: Welche Rolle spielt die körperliche und mentale Vorbereitung? Körperliche Fitness lässt sich sicherlich trainieren. Was ist mit der psychologischen Seite?

Walter Leppers: Eine gute körperliche Verfassung ist eine Voraussetzung für solch eine Tour. Eine besondere Vorbereitung braucht man nicht. Ist man erst mal ein paar Wochen auf Achse kommt die Kondition von alleine. Eine Vorliebe für Ausdauer-Sportarten ist sicher hilfreich.

Die mentale Vorbereitung fängt schon in der Planungsphase an – so macht man sich langsam mit dem Projekt vertraut. Durch die ungefähre Festlegung der Route und die Aufteilung in Etappen wird die Unternehmung berechenbarer. Einfach losfahren und wenn es schwierig wird und die Lage aussichtslos erscheint, am Ziel festhalten und sich selber motivieren: Das sind die Qualitäten die man braucht, um so eine Tour durchzustehen.

Walter Leppers mit dem Fahrrad auf Weltreise

Stepin: Eine solche Tour lässt sich sicherlich kaum mit einem handelsüblichen Gefährt bestreiten. Gerade nicht, wenn Ausrüstung und Gepäck mitgenommen werden sollen. Erzählen Sie uns doch bitte etwas über Ihr Rad und worin es sich von »normalen« Fahrrädern unterscheidet.

Walter Leppers: Natürlich kann man auch mit einem Rad von der Stange eine große Tour machen. Wenn Teile kaputt gehen, muss man diese unterwegs reparieren oder austauschen können. Mein Rad ist von einer kleinen Fahrrad-Schmiede bei Hamburg nach meinen Körpermaßen und meinen Wünschen gebaut worden. Der Rahmen wurde aus verschieden starken gemufften Stahlrohren zusammen gelötet. Der Velo-Rahmen bekommt so eine hohe Steifheit und Stabilität. Die Komponenten sind von einer guten Qualität, soliden und einfachen Technik. So kann ich die meisten Reparaturen und Wartungsarbeiten selber durchführen.

Bei dem neuen Velo habe ich jede einzelne Komponente festgelegt. Angefangen vom Rahmen über Schaltung, Bremsen, Sattel bis zu den Speichen. Herr Pallesen von NORWID hat viel Geduld aufbringen müssen. Ein Beispiel: Die Kurbel von Middelburn (die Beste) konnte er nicht besorgen. Ich habe sie dann selber über einen befreundeten Fahrradhändler organisiert. Mit dem Rad habe ich schon mehrere Testfahrten gemacht. Im Winter bei Eis und Schnee, in Marokko bei Hitze und Sand und über sieben Pässe in den Alpen, jeweils mit kompletten Gepäck und Anhänger.

Da ich auf meiner Reise möglichst unabhängig sein möchte, habe ich relativ viel Gepäck dabei. Da kommen schnell 35-40 kg zusammen. Ein Einradanhänger, an dem zwei Gepäcktaschen befestigt werden, erlaubt mir das Gewicht auf drei Achsen gleichmäßiger zu verteilen und den Schwerpunkt möglichst tief zu halten. Das wirkt sich positiv auf die Fahreigenschaften aus, besonders bei Bergetappen.

Walter Leppers in ÄgyptenGute Bremsen und ein bergtaugliche Gangschaltung sind ein Muss. Den Nabendynamo in Verbindung mit einem E-Werk und Batterieladegerät sorgen dafür, dass ich mit der Stromversorgung für meine elektronischen Geräte (Navi, Laptop, Handy, Digitalkamera und Akkus) relativ unabhängig von der Steckdose bin.

Stepin: Was werden Sie an Ausrüstung und Gepäck mitnehmen?

Walter Leppers: Wenn ich unterwegs bin, ist die Natur mein Zuhause. In keinem noch so schönen Haus oder Garten könnte ich mich wohler fühlen. Ein Zweimannzelt mit Liegematte und ein guter Schlafsack sorgen dafür, dass ich morgens ausgeruht aufwache. Den Kaffee am Morgen oder das Essen in den Abendstunden, kann ich mir auf meinem Benzinkocher zubereiten.

Das Equipment soll leicht funktional, robust und pflegeleicht sein. Da ich durch alle Klimazonen fahre, brauche ich auch die dementsprechende Kleidung. Das nötige Werkzeug und Ersatzteile für anfallende Wartungsarbeiten oder Reparaturen nehme ich mit. Die Ausrüstung, sprich Zelt, Liegematte, Schlafsack, Kocher usw. habe ich auch getestet. Ich habe fast alles in Viersen in einem Camping-Fachgeschäft gekauft. Ich kann die Sachen testen und bei Reklamation gibt es keine Probleme.

Erste-Hilfe-Set und Medikamente gehören dazu. Wohin mit all den Sachen? In Wasser und staubdichte Packtaschen wird alles Gepäck verstaut – zwei Radtaschen am Vorderrad, zwei hinten und zwei kommen an den Hänger. In einem Packsack auf dem Gepäckträger wird das Zelt verstaut und verzurrt. Jetzt fehlt nur noch die Lenkradtasche für Wertsachen und Kamera und eine kleine Tasche vorne auf dem High-Träger für Elektronik und Krims-Krams .

Stepin: Und in der guten Tradition der berühmt-berüchtigten letzten Worte – hier ist Ihre Chance

Walter Leppers: Mit dieser Reise erfülle ich mir einen lang gehegten Traum. Unterwegs wird es sicher aufregend, vielleicht auch gefährlich werden. Überglücklich und total fertig werde ich manchmal sein, aber eines werde ich bestimmt nicht haben: Langeweile! Es gehört schon etwas Mut dazu, so einfach los zu fahren, aber vielleicht braucht man mehr Mut dazu um nach Jahren absoluter Unabhängigkeit und Freiheit zurück zu kommen. Ich kann nur jedem raten: »Erfülle dir deine Träume solange du noch welche hast.«

Stepin: Vielen Dank und »travel safe«!

Wer mehr über Walter Leppers Reise erfahren bzw. die Tour ab dem nächsten Jahr verfolgen möchte, dem empfehlen wir einen Besuch seiner Website: www.radtraum.de

(c) Alle Fotos: Walter Leppers – www.radtraum.de

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2 Kommentare

  1. Robert

    13. Januar 2011 at 13:19

    Ein wirklich beeindruckendes Vorhaben. Was dieser Mann sich traut, würden die wenigsten Leute wagen, selbst wenn sie erst halb so alt sind wie er.
    Da bleibt nur noch, eine wundervolle Zeit und vor allem eine sichere Heimkehr zu wünschen.

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  2. tomsbikecorner

    24. November 2010 at 14:07

    Ein wirklich eindrucksvoller Bericht und großartige Leistung.

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