Willkommen zurück zu einem weiteren USA-Auslandsbericht von mir! Ich hoffe, euch ist die Abenteuerlust in der Zwischenzeit nicht abhandengekommen. Falls doch, seid ihr genau beim richtigen Artikel gelandet. Seit meinem letzten Bericht zu meinem Auslandsjahr in den USA ist viel passiert: von einer Hochzeit, Homecoming und Halloween bis zu Thanksgiving und den alltäglichen Abenteuern.

Eine atemberaubende Hochzeit

Fangen wir also von vorne an: Beim letzten Mal habe ich euch meine Schule und Gastfamilie vorgestellt. Glücklicherweise hat sich beides nicht geändert und ich bin nach wie vor super glücklich in meiner Gastfamilie. Ich werde wirklich immer in alles eingebunden, so auch in die Hochzeit meines Gastbruders, was bis jetzt ein absolutes Highlight war.

Begonnen haben die Vorbereitungen mit dem Junggesellenabschied der zukünftigen Braut. Nachdem wir morgens gemeinsam eine Zumba-Stunde hatten, gemeinsam lecker gegessen haben und dann von unserem Partybus abgeholt wurden, sind wir singend (oder eher schreiend) und tanzend zu einem Weingut gefahren. Von dort tourten wir von Station zu Station, um dann langsam wieder nach Hause zum Lagerfeuer zu gelangen.

Ende September hat dann auch schon die große Hochzeit stattgefunden und wow, es war atemberaubend. Mit 300 Gästen waren die Kirche und die Location gut gefüllt. Es war wunderschön gemeinsam zu feiern und außerdem eine sehr emotionale Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Spirit Week und Homecoming

Kurz nach der Hochzeit standen dann auch schon die nächsten Highlights an: Spirit Week und Homecoming. Bei uns begann die Homecoming-Woche bereits an einem sonnigen Sonntag, als sich die gesamte High School im Stadtpark getroffen hat und wir, in Gruppen aufgeteilt, eine Schnitzeljagd gemacht haben. Es wurden verschiedene Spiele und ein Kostümwettbewerb veranstaltet und schließlich gemeinsam gegessen.

In der Spirit Week hatten wir jeden Tag ein anderes Motto.

Eine typisch amerikanische Homecoming-Sache, die ich erleben durfte, ist die Spirit Week, in der sich die gesamte Schule täglich nach einem bestimmten Motto kleidet (wir hatten z.B. Mottos wie »Lieblingslehrer«, »Gruppentag« oder »Jerseys«). Während der Homecoming-Woche sollte jeder Jahrgang außerdem eine Tür, einen Zaunabschnitt und ein Float (mehr dazu später) designen und ein »Mini-Theaterstück« vorbereiten, was dann jeweils am Freitag vor Homecoming vorgeführt und bewertet wurde. Ich habe wirklich selten so viel gelacht, wie in dieser Woche und besonders an diesem Freitag.

Am Samstag begann mein Tag dann mit der Homecoming-Parade. Hier hat sich das ganze Dorf versammelt hat, um den von jedem Jahrgang selbst geschmückten Wägen (Floats) zu zujubeln. Der andere Austauschschüler an meiner Schule und ich durften auf einem Cabrio sitzend winken, lächeln und Süßigkeiten verteilen. Dieser Moment war für mich sehr besonders, da ich noch nie so ein starkes Gemeinschaftsgefühl innerhalb einer Stadt erlebt habe und mich sehr verbunden und eingebunden gefühlt habe.

Nach der Parade ging es dann weiter zum Homecoming Football Spiel, was wir natürlich 45:2 gewonnen haben. Anschließend habe ich mich zu Hause mit meinen Gastschwestern für den eigentlichen Homecoming-Tanz fertig gemacht und bin dann auch schon zu einer Freundin gegangen, bei der wir Bilder gemacht haben. Von dort aus sind wir dann alle gemeinsam essen gegangen, bis der Moment schließlich gekommen war: mein erster und letzter Homecoming-Tanz.

Nachdem ganz klassisch Homecoming König- und Königin gekürt wurden, wurde die Tanzfläche gestürmt. Genau bis Mitternacht haben wir dann durchgetanzt und es war eine großartige Erfahrung, auch wenn sie, aufgrund der Größe meiner High School kleiner und weniger »pompös« war, als ich sie mir vorgestellt hatte.

Für den Homecoming-Tanz haben wir uns besonders schick gemacht.

Nach der Homecoming-Woche sind wir alle wieder zu unseren alten Routinen zurückgekehrt, die ich euch bei dieser Gelegenheit ein wenig genauer erläutern werde: Nach dem Frühstück werden meine Gastschwester und ich gegen acht Uhr zu Schule gefahren. Dort sind wir dann bis mindestens 15:30 Uhr, danach geht sie nach Hause und ich zu meinen »Nachmittagsaktivitäten«. Bis vor einer Woche haben diese noch regelmäßige Theaterproben beinhaltet, allerdings hatten wir letztes Wochenende unsere Abschluss-Vorführung, weshalb das nun leider wegfällt.

Die Theaterzeit war dennoch eine unbeschreiblich tolle Zeit, aus der ich super viel mitgenommen habe und die nochmal gezeigt hat, wie sehr es sich lohnt, über den eigenen Schatten zu springen und sich gelegentlich auch vor neuen Menschen komplett zu blamieren.

Nach den Theaterproben stand dann ab Anfang November auch Basketball-Training an. Zugegebenermaßen, gerade am Anfang war Basketball auf vielen Ebenen sehr fordernd. Jeden Tag zwei Stunden Training sind körperlich extrem anstrengend und meine Zeiteinteilung hat sich komplett geändert. Aber nach jetzt fast einem Monat kann ich euch nur empfehlen, dem Ganzen (und Neuen) eine Chance zu geben, auch wenn es am Anfang sehr überfordernd sein kann. Mit dem eigenen Team zusammenzuwachsen und gemeinsam besser zu werden, ist es wert.

Halloween und Thanksgiving

Nach Homecoming stand dann auch schon Halloween vor der Tür. An den zwei Wochenenden vor Thanksgiving haben meine Gastfamilie und ich bei einer »Haunted Hayride« geholfen. Dabei werden die Besucher auf einem offenen Wagen durch ein bestimmtes Gebiet transportiert und auf dem Weg gibt es immer wieder Stationen, an denen sie (von uns) erschrocken werden. So verbrachten wir also die vier Nächte vor Halloween in Clowns-Kostümen im Feld versteckt und haben Leute erschreckt.

An Halloween haben wir uns natürlich verkleidet.

Ein weiteres typisch amerikanisches Event, das ich erleben durfte, ist Thanksgiving, was bei uns allerdings ziemlich untraditionell verlaufen ist. Der Thanksgiving-Tag hat für mich und meine Gastmutter mit einem »Turkey Trott« begonnen, was ein Lauf ist, der einmal im Jahr an Thanksgiving stattfindet.

Als »Belohnung« dafür gab es an der Ziellinie dann Kürbis-Pastete, was eine weitere Thanksgiving Tradition ist. Im Anschluss ging es zum Bruder meiner Gastmutter, mit dem wir Thanksgiving verbracht haben. Wir haben Thanksgiving also (anders als in meiner Vorstellung) nur zu viert verbracht und anstatt Truthahn in schicker Kleidung zu verspeisen, haben wir unser Chicken Alfredo in Jogginghosen genossen.

Die rosarote Brille

Auch wenn ein Auslandsjahr natürlich nicht perfekt ist und es Hürden gibt, muss ich zugeben, dass ich noch immer das Gefühl habe, die »rosarote Brille« zu tragen.

Vor meinem Auslandsjahr wurde mir oft gesagt, dass man besonders am Anfang des Jahres diese »Hochgefühle« verspürt, das aber irgendwann weg geht. Nachdem ich nun aber schon fast vier Monate hier bin, bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich die rosarote Brille ist, denn ich bin noch genauso dankbar und glücklich und habe noch immer Schmetterlinge im Bauch, wie am ersten Tag. Auch wenn vieles Neues mittlerweile schon zur Gewohnheit wurde. Natürlich gibt es Hürden wie Heimweh und manchmal laufen die Dinge einfach nicht so, wie sie sollen. Aber selbst in diesen Momenten bin ich von Dankbarkeit erfüllt, da ich weiß, wie ich daran wachse und wachsen werde.

Zum Abschluss meines Berichts gebe ich euch noch einen kleinen Zukunftsausblick auf mein Auslandsjahr: Im Dezember stehen zum Glück erst einmal Weihnachtsferien an.

Da wird mich Lea, eine Freundin, von der ich euch im letzten Artikel berichtet hatte,

für eine Woche besuchen kommen. Mit ihr gemeinsam werden wir dann zu Hause eine Silvesterparty veranstalten.

Im Januar werden wir dann wahrscheinlich einen kleinen Trip nach Chicago machen. Auch sonst sind noch ein paar kleinere Trips geplant, von denen ich euch aber erzähle, wenn es soweit ist.

Das wars auch schon von mir, aber keine Sorge, ich melde mich bald wieder.
Bleibt neugierig und gesund!

Eure

Emmy


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