Manchmal läuft das Leben anders als geplant. So auch für Janina. Ihr Traum, ein Auslandsjahr in Kalifornien zu machen, platzte auf Grund medizinischer Vorschriften. Doch so schnell wollte sie nicht aufgeben und so fand Janina auf den 2. Blick die »Liebe ihres Lebens«.

Als geborene Weltenbummlerin wollte ich schon immer ins Ausland. Ursprünglich dachte ich immer über Kalifornien nach. Nach einer Schüleraustauschmesse schien ich die perfekte Organisation mit Kalifornien-Garantie gefunden zu haben. Ich machte mich sofort an das Ausfüllen der Bewerbungsunterlagen, bemerkte jedoch erst am Ende, dass mir mein sparsam ausgefüllter Impfpass im Wege stand. Daran ließ sich auch nichts ändern.

Nach einem geplatzten USA-Traum, aber dem überwältigenden Bedürfnis ein Auslandsjahr machen zu wollen, musste ein neues Land und auch eine neue Organisation her. Australien oder doch lieber Kanada? Ein Video auf dem Stepin Infoabend über die kleine kanadische Provinz Nova Scotia nahm mir die Entscheidung ab. Bei Stepin fühlte ich mich auf der Stelle gut aufgehoben und wurde auch auf meinem langen Weg immer zuverlässig betreut.

Meine Gastfamilie

kanadische Eltern mit zwei Austauschschülerinnen
Meine kanadische Gastfamilie

Meine Gastfamilie setzte sich aus Mom und Dad (die selbst keine Kinder haben), meiner brasilianischen Gastschwester Letícia, den Hunden Emma und Banner und der Katze Spooky zusammen. Jedoch verbrachten wir auch viel Zeit mit Grandma, Grandpa und Moms Bruder Jody.

Als ich Mom am Flughafen das erste Mal sah, schloss ich sie sofort ins Herz und ich wusste, dass ich in der richtigen Familie gelandet war. Grandma lernte ich auf dem Weg nach Hause kennen und Dad am nächsten Morgen. Das Haus, welches Mom mir mit den Worten »and this is home« präsentierte, lag mitten im Wald am Molega Lake in der kleinen Community Chelsea. Ich fühlte mich in dem heimelig eingerichteten Haus sofort wie Zuhause.

Letícia kam einen Tag nach mir an. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten, wuchsen wir eng zusammen und haben auch heute noch Kontakt.

Meine Zeit in Nova Scotia

Nicht nur die ersten Tage waren aufregend, sondern jeder einzelne Tag. Auch wenn ich einen ganzen Sonntag nur auf dem Sofa verbrachte und mit Dad Eishockey schaute oder einen Shoppingtrip nach Halifax unternahm – ich lebte in jedem Moment und genoss mein neues Leben.

Und ein neues Leben war es allemal. Ich ging auf eine viel größere Schule als hier in Deutschland (und doch kannte jeder jeden), lebte in einer neuen Familie und hatte neue Freunde. Trotzdem fand ich mich von Tag 1 an zurecht und fühlte mich willkommen und überhaupt nicht fremd.

Meine High School

Am ersten Schultag fanden sich alle 44 Internationals meiner Schule zusammen. Trotz 21 unterschiedlicher Nationalitäten waren wir größtenteils auf der selben Wellenlänge und so wurden schnell neue Freundschaften geschlossen.

drei Schülerinnen vor einem selbstgemalten Banner, die eine Aktion in der Schule bewerben
Action in der Schule

Die Schule war entspannter als in Deutschland, da ich pro Tag nur fünf Stunden und insgesamt nur vier Fächer belegte. In den Kursen vertieften sich die Freundschaften und ich freundete mich auch mit einigen Kanadiern an. Anfangs war ich gehemmt zu sprechen und achtete auf meine Formulierungen. Schließlich traute ich mich, vergaß dabei zwar meine komplette Grammatik, baute sie aber nach und nach wieder auf. Nur, dass sie diesmal nicht mehr theoretisch, sondern verinnerlicht war.

It’s all about friends and the family

Das Highlight jeden Tag war das Schulbusfahren. Die Schule begann um 9:28 Uhr morgens, der Bus kam um 7:35 Uhr und brauchte insgesamt 1,5 Stunden hin und eine Stunde zurück. Im Bus lernte ich meinen kanadischen besten Freund kennen und einige andere kanadische Jungs, mit denen ich auf jeder Fahrt Tränen gelacht habe. Daraus habe ich gelernt, dass man Freunde an den ungewöhnlichsten Orten trifft, wenn man nur offen dafür ist.

zwei Schülerinnen steigen in den typisch gelben Schulbus ein und lächeln in die Kamera
Highlight: die tägliche Fahrt mit dem Schulbus

In meiner Freizeit besuchte ich oft das lokale Fitnessstudio. Doch auch Sport war nur eine Nebenbeschäftigung, denn das Studio eignete sich perfekt um nach der Schule Zeit mit Freunden zu verbringen und anschließend noch den Tim Hortens, ein Starbucks-ähnliches Café, zu stürmen.

An den Wochenenden und freien Tagen unternahm ich viel mit meiner Gastfamilie. Wir fuhren z.B. im Indian Summer nach Cape Breton und besuchten nach Weihnachten Dad’s Mutter und ihren Lebenspartner. Gemeinsame BBQ’s und Filmabende durften natürlich auch nicht fehlen. Außerdem gingen wir ganz klassisch jeden Freitag zu den Eishockeyspielen, bei denen wir viele uns bekannten Gesichter antrafen.

Snowboarden mit Freunden

»You will never be completely at home again because part of you will always be elsewhere. That’s the price you pay for the richness of loving and knowing people in more than one place.« – Miriam Adeny

Abschied auf Zeit

Der Abschied von meinem neuen Leben mit vielen Höhen, aber auch Tiefen, fiel mir sehr schwer und ich vermisste Nova Scotia, meine Familie und meine Freunde so sehr, dass ich mich dazu entschloss im Sommer für einen Monat zurückzufliegen. Mom und Dad nahmen mich wieder mit offenen Armen auf und ich erlebte erneut neue wunderbare Momente.

»Travel far enough, you meet yourself«

Rückblickend kann ich sagen, dass meine zweite Familie mir vor Augen geführt hat, wie wichtig Familie ist und dass man das Leben nur genießen kann, wenn man einen Kopfsprung in den Moment macht und sich auf alles einlässt und neuen Möglichkeiten eine Chance gibt. Meine Erfahrungen haben mich selbstbewusster und toleranter gemacht. Ich würde ohne zu zögern wieder ins Ausland gehen und plane auch schon fest meine Weltreise nach dem Abi. Ich kann nur jedem ans Herz legen keine Erwartungen zu haben und offen für alles zu sein, weil nur dann das Beste aus allem herausgeholt werden kann!

Mein Schüleraustausch in Nova Scotia: die beste Entscheidung meines Lebens!

Genießt eure Zeit im Ausland. Es ist wundervoll!!!


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