Neuseeland – ein Ort, der mich für immer berührt und bis heute eins meiner vielen Zuhause ist. Vor fünf Jahren, als ich 15 Jahre jung war, saß ich im Flugzeug in das größte Abenteuer meines Lebens. Ich weiß noch genau, wie ich aus dem Fenster schaute und mir ausmalte, wie meine Zeit in Neuseeland wohl aussehen würde. Nie hätte ich jedoch erwartet, dass ich in Auckland und am Avondale College eine zweite Familie finden würde. Dass ich im Māori Unterricht sitzen würde und über die Indigene Bevölkerung Neuseelands lernen würde. Dass ich mich mit einer Gruppe Surfern anfreunden würde, die mich mit auf ihre Trips quer über die Nordinsel nehmen würden. Dass ich eine Leidenschaft fürs Tanzen entwickeln würde und mit meiner Dance Class vor der ganzen Schule auftreten durfte. Dass meine Gastfamilie und ich zusammen zahlreiche Sonnenuntergänge am Piha oder Bethells Beach schauen würde. All dies erwartete ich nicht, jedoch wurde ich während meines Auslandsjahrs in Neuseeland mit all dem beschenkt.

Neuseeland war meine erste Reise alleine. Zum allerersten Mal in meinem Leben konnte ich eine neue Kultur und einen neuen Kontext unabhängig erkunden und für mich selbst entscheiden, wann ich wo was tun würde. Für eine 15-Jährige war dies nicht nur ein riesiges Abenteuer, doch auch eine große Herausforderung. Ich war aufgeregt und hatte selbstverständlich Angst vor dem großen Unbekannten, das da auf mich zu kam. Aber obwohl ich viel Respekt vor Neuseeland hatte, übertraf die Vorfreude meine Angst. Ich konnte es nicht erwarten, meinen Traum endlich in meine Realität zu verwandeln. Die Magie und Zauber, den Neuseeland in sich trägt, verzauberte mich vom ersten Tag an. Mit den Menschen, die ich in Neuseeland kennenlernen durfte, bin ich bis heute in Kontakt und es ist wunderbar zu sehen, wie wir uns in den letzten fünf Jahren entwickelt haben.

Ich persönlich bin durch Neuseeland und die Zeit danach sehr als Person gewachsen. Neuseeland gab mir so viel: Zum einen wurde ich selbstbewusster. Neuseeland gab mir die Möglichkeit, aus meiner Komfortzone herauszukommen. Ich musste mich selbst in mein Leben am Avondale College einbringen und aktiv Menschen kennenlernen. Dazu muss ich aber auch sagen, dass die Kiwis zu den freundlichsten Menschen der Welt gehören und einen mit offenen Armen empfangen. Ich fand schnell Anschluss und meine Freunde interessierten sich sehr für mich als Person und meine Herkunft. Das gab mir ein bestimmtes Level an Sicherheit; zu wissen, dass ich auch am Ende der Welt Anschluss finde und mir ein Leben aufbauen kann.

Meine Zeit in Neuseeland war für mich ein echtes Abenteuer.

Die Zeit in Neuseeland hat natürlich auch mein Englisch verbessert. Aber für mich war diese Erfahrung mehr als nur »eine andere Sprache lernen«. Englisch half mir, meinen Tellerrand zu erweitern – in Neuseeland und auf meinen weiteren Reisen in der Welt. Ich konnte mich mit fast jedem, den ich traf, austauschen und die Person als Ganzes kennenlernen. Englisch gab mir das Geschenk, mit der Welt in Kontakt treten zu können. In Neuseeland wurde ich ins kalte Wasser geworfen. Ich sprach kaum Englisch und selbst mit meinem kleinen Vokabular hatte ich nicht das Selbstbewusstsein, einfach mit Locals zu reden. Doch in Neuseeland musste ich das tun. Und ich lernte Neues und Unbekanntes zu navigieren und es zur neuen Norm zu machen.

Rückkehr in den Alltag

Die Zeit nach Neuseeland war schwer für mich. Ich hatte mich in den sechs Monaten Neuseeland mehr entwickelt, als in meinen 15 Jahren davor. Ich kam als jemand zurück, der sich verändert hatte. Für mich war das kein Problem – ich kannte mein neues Ich besser als irgendjemand anders. Doch für meinen alten Kontext – das kleine behütete Königswinter – kannte mich als die »alte“ Miriam. Es war eine Herausforderung, damit klarzukommen. Durch einen Auslandsaufenthalt wird man zu einer neuen Person – man sieht, was möglich ist, wenn man alle Sicherheit verlässt und dem Leben vertraut, dass die Entscheidung gut war.

»A mind that is stretched by a new experience can never go back to its old dimensions.« – Oliver Wendell Holmes.

Ich hatte das Gefühl, die Flügel, die ich in Neuseeland bekommen hatte, nicht ausspannen zu können. Ich fühle mich, als ob dort draußen eine Welt war, die für mich gemacht war und die nur darauf wartete, entdeckt zu werden. Für mich war Königswinter mein Zuhause; mein Ort der Sicherheit. Doch nach Neuseeland wollte ich keine Sicherheit; keine Komfortzone – ich wollte raus in die Welt, Neues und Fremdes entdecken. Ich wollte alles kennenlernen, was ich noch nicht kannte. Und in Königswinter kannte ich alles und jeden.

Nach Hause zurückzukehren hat sich manchmal angefühlt wie ein schwieriger Balanceakt.

Ich erinnere mich noch oft daran, wie manche Leute in meinem Umfeld mir vorwarfen, ich hätte mich verändert. Für mich jedoch war dies doch genau der Punkt, warum Neuseeland so wunderbar war. Ich antwortete immer: »Ich hoffe doch, dass ich mich verändert habe.« Ich verstehe jetzt, dass es für meine Familie und Freunde natürlich eine Umstellung war und ich erwartete damals, dass sie diese Umstellung einfach annehmen würden. Zum Glück taten dies meine engen Freunde und Familie auch. Sie waren neugierig, wie ich mich verändert hatte und wer ich geworden war. Ich bin bis heute sehr dankbar für die Geduld meiner Eltern und Freunde, die mich so annahmen, wie ich war.

Meine Eltern schätzen Neuseeland sehr und waren froh zu sehen, wie ich in eine neue, reifere und selbstbewusstere Person wuchs. Durch Stepin und das Stipendium durfte ich meinen Traum erfüllen und dies machte meine Eltern unglaublich glücklich. Ich glaube ein Traum jeder Eltern ist es, das Kind zu sehen, wie es das Leben zu hundert Prozent nutzt und wertschätzt. Und genau das tat ich in Neuseeland. Meine Eltern sind dankbar, dass ich dieses Abenteuer haben durfte und ich bin mir sicher, sie würden es jeder jungen Person empfehlen. Vor allem jedoch war meine Familie überwältigt, da ich ohne die finanzielle Unterstützung Stepins niemals nach Neuseeland hätte gehen können. Es ist so wunderbar, wenn Menschen an einen glauben – vor allem, wenn man erst 15 Jahre alt ist. Dafür werde ich Stepin immer dankbar sein.

Zurück ins Land meiner Träume

Neuseeland war so perfekt und utopisch, dass ich wusste, ich muss noch einmal in meinem Leben zurückkommen. Doch für mich war das ein Traum, der weit entfernt war und der fast unmöglich erfüllbar war. Dank Stepin und dem Sternesystem, wo man einen Freiflug bekommt, wenn man 5000 Sterne sammelt, wurde dieser Traum noch einmal Wirklichkeit. Im Januar konnte ich endlich zurück nach Neuseeland. Ich saß, wie damals vor fünf Jahren, im Flugzeug und malte mir aus, wie es sich wohl anfühlen würde, endlich wieder zu Hause in Neuseeland zu sein. Das Gefühl, das ich hatte, als ich in Auckland ankam ist unbeschreiblich. Ich wusste, jetzt bin ich endlich wieder hier – jetzt bin ich Zuhause. Meine beste Freundin Christina wartete auf mich am Flughafen und ihr in die Arme zu fallen, Freudentränen zu weinen und ihr zu sagen, wie sehr ich sie vermisst hatte, war wunderbar. Mit ihr fuhr ich zum Sonnenaufgang durch Auckland und Erinnerungen von vor fünf Jahren kamen auf. Überall wo ich hinsah, erkannte ich Orte, Menschen, Farben, Gerüche oder Musik. Es war wie in einem Traum, der zu schön ist, sodass man nicht aufwachen will.

Zusammen planten wir einen Roadtrip in den Süden der Nordinsel. Ich hatte leider nur 3 ½ Wochen Zeit und deshalb mussten wir unsere Zeit gut nutzen. Wir machten zum einen eine viertägige Wanderung um den Lake Wakairemoana. Wir beide waren noch nie dort und darum war es umso schöner zusammen mit ihr neue Ecken Neuseelands zu entdecken. Einer der schönsten Momente der Wanderung war, als wir zum Sonnenuntergang auf einen Berg gewandert waren und uns dort über die letzten Jahre ausgetauschten. Wir beide hatten uns so sehr entwickelt, doch trotzdem fanden wir direkt wieder zu einander.

Nach der Wanderung fuhren wir zurück zur Coromandel Peninsula und verbrachten zwei weitere Tage dort. Ich war im neuseeländischen Sommer dort und konnte deshalb viel Sonne am Strand tanken. Danach ging es zurück nach Auckland, wo wir Weihnachten mit Christinas Familie feierten. An den Weihnachtstagen hatte die Schule geöffnet und so konnte ich ans Avondale College kommen und mir meine alte Schule abschauen. Wo auch immer ich auf dem Schulhof hinschaute, erinnerte ich mich an meine Freunde und die Momente, die wir dort erleben durfte. Wie ich immer auf Ollie und Sam vor dem Biounterricht gewartet hatte, wie ich und Iris immer am Kiosk gewartet hatten oder wie Marin und Joaley uns jede Pause am »International Spot“ trafen. Es sind Erinnerungen, die auch nach fünf Jahren noch in meinem Gedächtnis sind.

Silvester am Strand

Nach Weihnachten bin ich dann mit Christinas Familie in den Norden der Nordinsel gefahren, um in Whananaki zu campen. Dieser Ort ist unbeschreiblich schön. Das wilde Meer und seine großen Wellen schlagen auf die steilen Klippen und den sanften Sandstrand und zeichnen so ein Bild einer Idylle. An einem Tag fuhren wir fast zwei Stunden aufs offene Meer hinaus und gingen auf einer kleinen Insel schnorcheln. Es war das erste Mal, dass ich so viele Fische auf einmal um mich herum sah und mich in dem Blau der Tiefsee verlieren durfte. Wir gingen auch surfen und wandern – die Kiwis sind ja sehr bekannt für ihre Liebe zur Natur und ich kann das nur bestätigen. Leider hatte ich einen kleinen Surfunfall und zerriss mir meinen Wadenmuskel. Deshalb fuhren Christina und ich zurück nach Auckland und feierten New Year’s Eve mir Fish ‘n Chips am Muriwai Beach – meinem absoluten Lieblingsplatz in Neuseeland.

Am nächsten Tag sah ich endlich Matthew, einen meiner besten Freunde aus Neuseeland, wieder. Damals lernten wir uns durch einen Surfkurs kennen und wir sind bis heute eng befreundet. Wir fuhren zum Bethells Beach und wanderten zu einem Wasserfall. Er kennt alle »Secret Spots« und so führte er mich zu den water pools am Anfang des Wasserfalls. Wie immer, wenn wir zusammen ein Abenteuer erleben, war es magisch. Am Abend saßen wir dann mit Doughnuts und Pineapple Lumps am Muriwai Beach und schauten uns den Sonnenuntergang an. Auch ihn hatte ich fast 5 Jahre nicht gesehen und so hatten wir uns viel zu erzählen.

Bei meiner Rückkehr hatte ich die Möglichkeit, alte Freunde endlich wiederzusehen.

In den nächsten Tagen traf ich mich mit Iris und Logan – zwei meiner engsten Freunde vom Avondale College. Zusammen kochten wir bei Iris zu Hause und hatten einen wunderbaren Dinner Evening. Iris und Logan sind beide sehr kreative Menschen und haben es beide geschafft, ihre Leidenschaft zu einem Beruf zu machen.

Am Ende meines Trips hatte ich dann endlich die Chance, Chris und Michelle Klaassen wiederzusehen. Den beiden habe ich es zu verdanken, dass ich für 3 weitere Monate in Neuseeland bleiben durfte. Sie glaubten an mich und meine Träume und dafür werde ich ihnen für immer dankbar sein. Wir trafen uns in einem Restaurant und verbrachten Stunden damit zu lachen und die Anwesenheit der anderen Person zu schätzen. Michelle und Chris sind zwei meiner Vorbilder und ich bin so glücklich, dass ich die Chance hatte, sie wiederzusehen.

Am liebsten wäre ich nie wieder gegangen und hätte weitere Monate in Neuseeland verbracht. Ich habe das Gefühl, nie lange genug dort zu sein – wahrscheinlich sollte ich einfach dorthin ziehen und nie wieder zurückkommen. Aber alles hat ein Ende und so stand ich mal wieder am Flughafen in Auckland und umarmte meine Liebsten; wissend, dass der Abschied schmerzhaft ist, aber dass ich wiederkommen werde. Dieser Trip hat mir gezeigt, dass ich in Neuseeland zu Hause bin und dass die Beziehung mit den Menschen, die mir wichtig sind, nie enden wird. Unsere Freundschaft hält alles aus – auch fünf Jahre Distanz. Neuseeland wird immer in meinem Herzen bleiben und ich werde sobald es geht wieder zurückkommen. Es ist alles nur eine Frage der Zeit.

Neuseeland hat mir so viel für meine Zukunft gelehrt. Zurzeit studiere ich in Vancouver, Kanada, wo ich ein Vollstipendium erhalten habe. Meine Erfahrungen in Neuseeland halfen mir definitiv, mich in meinem neuen Kontext zurecht zu finden und Menschen mit Offenheit zu begegnen. Durch Neuseeland hatte ich mehr Selbstvertrauen und Bewusstsein, dass Vancouver die richtige Endscheidung ist. Meine Zukunft ist zwar nicht genau geplant, aber ich weiß, dass Neuseeland definitiv Teil meiner Zukunft sein wird. Neuseeland ist ein Ort, der zu meinem Zuhause geworden ist und ich werde mich immer nach diesem besonderen Fleck Erde sehnen. Stepin hat mir dieses unglaubliche Geschenk gegeben und auch fünf Jahre später denke ich immer noch mit einem Lächeln auf meinen Lippen an meine Zeit zurück.

Eure Miriam


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