Das Abenteuer meines Auslandsaufenthalts begann kurz nach meinem Geburtstag, früh an einem Morgen im September, mit einer zweistündigen Autofahrt von meinem Wohnort zum Frankfurter Flughafen. Hier hieß es dann Abschiednehmen von meiner Familie, der der Abschied deutlich schwerer als mir selbst fiel. Aber natürlich war auch ich aufgeregt und vor allem voller Vorfreude, was mein Auslandsjahr in Kanada anging. Von Frankfurt aus flog ich mit einem Direktflug zusammen mit einem anderen Stepin-Austauschschüler zunächst nach Toronto.

Nach kurzem, etwas hektischem Aufenthalt mit ausführlicher Zollkontrolle und dann mit »Study Permit« in den Händen ging es dann mit einer kleineren Maschine gleich weiter nach St. Johns, der Provinzhauptstadt von Neufundland, wo ich nach insgesamt 18-stündiger Reise von meiner Gastfamilie und meinem Gastbruder aus Italien abgeholt und herzlich begrüßt wurde. Von Anfang an habe ich mich sehr wohl und willkommen gefühlt und habe während meines fünfmonatigen Aufenthalts in Neufundland ich viele, tolle Erfahrungen sammeln dürfen, bis ich dann Anfang Februar doch etwas wehmütig, aber mit schönen Erinnerungen wieder zurück nach Deutschland fliegen musste.

Wohnort und Tagesablauf

Ich habe in einem kleinem Dorf (1000 Einwohner), etwa eine anderthalbstündige Autofahrt entfernt von der Provinzhauptstadt St. Johns gewohnt. Unser Haus lag auf einem kleinen Hügel, von dem man einen wunderschönen Blick in die Meeresbucht hatte und in nur fünf Minuten direkt hinunter zur Küste laufen konnte. Die Häuser des Dorfes lagen alle wie in einer Reihe direkt an der Küste, so dass das Dorf sich sehr langzog. Besonders schön habe ich immer die Sonnenaufgänge und den frühen Morgen am Meer erlebt, als sich die Sonne auf dem Wasser spiegelte.

Ein normaler Tag begann meist mit dem Aufstehen um sieben Uhr. Anschließend frühstückte ich gemeinsam mit meinem italienischen Gastbruder Müsli, während meine Gasteltern meist schon unterwegs waren. Danach hatte ich noch bis 7:40 Uhr Zeit, ins Bad zu gehen und meine Schultasche zu packen, da der Schulbus pünktlich um 7:45 Uhr abgefahren ist. Mein Gastbruder Luca und ich sind dann meistens, weil wir getrödelt haben, den Hügel und die 200 Meter runter zur Bushaltestelle gerannt. Die Busfahrt dauerte meistens eine gute halbe Stunde, bis wir dann alle Schüler der umliegenden Dörfer abgeholt hatten und kurz vor Unterrichtsbeginn am Parkplatz unserer Schule ankamen.

Um 8:45 Uhr begann dann der Unterricht und mit fünf einstündigen Unterrichtsstunden dauerte der Schultag dann bis 14:45 Uhr. Es gab eine fünfzehnminütige Pause am Vormittag, in der ich mit meinen Freunden immer in der Kantine Kartenspiele gespielt habe oder wir uns einfach unterhalten haben. In der langen Mittagspause von 13.00 – 13.45 Uhr bin ich manchmal mit meinen Freunden in die Schulkantine gegangen, habe mir dort etwas Warmes zu Essen gekauft oder habe mein (selbst vorbereitetes) Pausenbrot gegessen. Wir gingen auch manchmal zur Pause in die Turnhalle, um die Zeit für ein extra Fußballtraining zu nutzen. Am Ende des Schultages sind mein Gastbruder und ich entweder direkt wieder mit dem Schulbus nach Hause gefahren oder gleich in der Schule für das Fußballtraining, Volleyball oder Basketball geblieben.

Zu Hause haben wir uns dann meist kurz ausgeruht und noch etwas gegessen, bevor wir uns mit unseren kanadischen Freunden meist zum Fußballspielen im Dorf oder einfach bei jemanden zu Hause getroffen haben. Öffentliche Einrichtungen wie Cafés, Kinos oder auch Shops oder öffentlichen Nahverkehr gab es in der ländlichen Gegend meines Dorfes nicht, weshalb sich das Freizeitleben im Wesentlichen in der Schule oder in den Häusern von Freunden abgespielt hat und vor allem auch die Eltern als »Chauffeurs« fungierten. Am Abend haben wir dann nach einem warmen gemeinsamen Abendessen mit unseren Gasteltern oft noch gemeinsam einen Film angeschaut.

Gastfamilie

Meine Gastfamilie bestand aus meiner Gastmutter Kathleen, meinem Gastvater Michael, meinem 17-jährigen italienischem Gastbruder Luca und unseren Haustieren Titus (Katze) und Fancy (Hund). Ich habe mich wirklich sehr schnell in meiner Gastfamilie eingelebt, was auch sicherlich daran lag, dass ich einen etwa gleichaltrigen Gastbruder hatte, mit dem ich mich sehr gut verstanden habe, aber auch vor allem daran, dass mich meine Gastfamilie vom ersten Tag an wie ein Familienmitglied behandelt hat und sehr herzlich aufgenommen und überall mitgenommen hat.

So habe ich zum Beispiel meinem Gastvater am Wochenende und Feiertagen öfters bei seiner Arbeit als selbständiger Klempner/Schreiner geholfen, bin mit meiner Gastmutter regelmäßig zu meiner 93-jährigen »Gastoma« zu Besuch gefahren oder wir waren alle zusammen zum Frühstücken bei Tim Hortons (kanadisches Schnellrestaurant). Regelmäßig etwa alle zwei Wochen sind wir auch zu Besuch bei meinen erwachsenen Gastschwestern Cheyenne (23) und Destiny (19) in St. Johns gewesen. Dort haben wir dann zur Abwechslung das Stadtleben mit Shopping Malls, Kino, Kneipen und Cafés genossen. Mit meiner Gastmutter habe ich auch manchmal gekocht und gebacken und ihr einige deutsche Gerichte, wie zum Beispiel Spätzle vorgestellt.

Als besonders schöne Erlebnisse mit meiner Gastfamilie habe ich Thanksgiving und das Weihnachtsfest in Erinnerung. Leider endete Aufenthalt für meinen Gastbruder bereits nach drei Monaten, weshalb ich die letzten zwei Monate sozusagen ein »Einzelkind« war.

Schule und Freizeitangebote

In der Schule habe ich sieben verschiedene Fächer gehabt, die es alle auch in Deutschland gab, da die für mich besonderen und unbekannten Kurse, wie zum Beispiel Healthy Living, leider schon mit kanadischen Schülern besetzt waren. Meine Schule hieß Crescent Collegiate und war mit etwa 600 Schülern verhältnismäßig klein. Die Nachmittagsangebote waren super, da man viele verschieden Kurse von Sport über Theater, Kunst, Handwerken und Kochen oder Musik besuchen konnte. Ich habe das Fußball, Volleyball- und Basketballteam besucht.

Für die verschiedenen Teams musste man sich in Tryouts qualifizieren, was mir glücklicherweise in allen Teams gelungen ist. Mit meinem Fußballteam haben wir uns sogar nach den Siegen im Regional Tournament für das Provincial Tournament qualifiziert, in dem die besten Schulteams aus ganz Neufundland gespielt haben. Das Provincial Tournament fand für ein ganzes Wochenende in St. Lawrence statt. Für uns und mich war es ein Highlight, dass wir mit dem ganzen Team in einem Hotel schlafen und während des Turniers gegen tolle, andere Teams spielen und nette andere Jungs kennenlernen durften.

An diese Zeit erinnere ich mich deshalb so gerne, weil es etwas total Neues war und ich in Deutschland noch nie so ein großes Turnier mit einem Schulteam gespielt habe. Es war toll, mit dem ganzen Team zusammen für die Schule zu spielen und mit den anderen Spielern, auch aus anderen Schulen näher in Kontakt zu kommen. Diese Atmosphäre, die im Team geherrscht hat, war echt unglaublich, weil jeder einfach von Freude und Motivation erfüllt war und jeden anderen damit angesteckt hat. Ich würde alles dafür geben, noch einmal diesen Moment zu wiederholen.

Freunde

Ich habe zu meinem Glück durch die Sportteams sehr schnell kanadische Freunde gefunden. Es hat aber auch geholfen, dass die Schule so klein war und man deshalb als Austauschschüler so im Fokus stand. Dennoch habe ich vor allem auch durch ein einfaches »Hello« und meine offene Art schnell Freundschaften geschlossen. Mit meinen Freunden haben wir uns freitags immer bei einem Freund zu Hause getroffen und dort den Abend mit viel Spaß ausklingen lassen. Manchmal haben wir uns auch am Abend während der Woche gesehen, waren auf dem örtlichen Fußballplatz oder in der Natur unterwegs.

In den fünf Monaten meines Auslandsaufenthalts habe ich enge Freundschaften geschlossen, so dass ich noch heute regelmäßig mit ihnen telefoniere und wir uns schon auf unser Wiedersehen bei meinem Besuch in Neufundland in den nächsten Sommerferien freuen.

Gewöhnung an die Sprache und Kultur

Am Anfang habe ich mich nicht wirklich getraut, Englisch zu sprechen und mich etwas zurückgehalten, obwohl mein Englisch nicht so schlecht war und ich eigentlich schon sehr schnell alles verstanden habe, wenn man mal von dem ganz eigenen neufundländischen Slang absieht. Aber schon nach ein paar Wochen fiel es mir immer leichter und ich konnte mich unbefangen in Englisch unterhalten und sogar in Englisch träumen.

Kulturell war es anfangs schon eine gewisse Umstellung, da die Stimmung in der Schule anders war, weil das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern wesentlich enger und auch privater war, was zum einen auch sehr schön, aber auch sehr ungewohnt für mich war. Einen großen Unterschied gab es auch in der Ernährungskultur und der Auffassung von gesunder Ernährung.  Obst und Gemüse oder Mineralwasser zum Trinken gab es eher weniger bei uns in der Familie oder auch in der Schulkantine, sondern es herrschte eher auch die in Nordamerika bekannte Fast-Food-Kultur.

Veränderungen

Als ich aus Kanada wieder zurückgekommen bin, habe ich gemerkt, dass meine Englischkenntnisse sich enorm verbessert haben. Ich hatte eine Drei auf dem Zeugnis, bevor ich nach Kanada gegangen bin und habe dann im nächsten Halbjahr nach meiner Rückkehr eine Eins erhalten, die ich auch jetzt mit wenig Aufwand gut verteidigen kann. Auch in den anderen Fächern verbesserten sich für mich überraschend meine Leistungen zum Teil deutlich, obwohl ich ja ein halbes Schuljahr verpasst hatte. Aber ganz offensichtlich bin ich durch meinen Auslandsaufenthalt etwas produktiver und effektiver oder einfach nur »reifer« und »erfahrener« geworden.

Ich hatte in Neufundland die bisher beste Zeit meines Lebens und kann nur jedem empfehlen, für einige Zeit ins Ausland zu gehen, um wirklich tolle und unbezahlbare Erfahrungen zu machen. If you never go – you will never know!

Euer Anton


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