Mein letzter Bericht

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Mein letzter Bericht

Unsere Kanada-Stipendiatin Samira ist wieder zu Hause in Deutschland angekommen. Was hat sie in ihrer restlichen Zeit in Nova Scotia erlebt?

Unsere Kanada-Stipendiatin Samira ist wieder zu Hause in Deutschland angekommen. Was sie in den letzten Wochen ihres Auslandsjahrs in Nova Scotia erlebt habt und wie sich die Rückkehr für sie angefühlt hat, das erzählt sie uns in ihrem letzten Statusbericht.

Seit einer Woche bin ich jetzt wieder in Deutschland. Meine letzte Zeit in Nova Scotia war nochmal richtig gut. Wir hatten Examenswoche. An den Tagen, an denen man selber kein Examen hatte, hatte man schulfrei. Ich hatte nur zwei Examen, die auch nicht allzu schwer waren. Da ich bald zurück nach Deutschland gehen würde, haben mich meine Gasteltern nochmal zu verschiedenen Freunden gefahren, so dass wir viel Zeit miteinander verbringen konnten. Einmal haben wir mit der Cheerleading-Gruppe in der High School übernachtet.

Wir hatten deutlich mehr Schnee, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Das habe ich sehr genossen. Ich habe sogar Skifahren gelernt. Das hatte ich mir schon lange gewünscht und es hat sehr viel Spaß gemacht. Auch sonst haben wir viel Zeit draußen verbracht. Die Küste war sehr beeindruckend mit Eiszapfen, die teilweise über einen Meter lang waren. Jetzt wo ich wieder in Deutschland bin, vermisse ich das gute Küstenwetter und den Schnee. An einem Abend haben wir das Mamma Mia-Musical besucht. Neben dem Skifahren war das auch eins meiner Highlights.

Wenn ich auf die Zeit in Kanada zurückschaue, gibt es viele schöne, aber auch viele schwierige Momente. Im Großen und Ganzen würde ich sagen, es war eine gute Zeit, in der ich viel lernen durfte und viele wertvolle Erfahrungen gemacht habe. Ich bin dankbar für die Zeit und dass mir dies durch das Stipendium von Stepin ermöglicht wurde. Ich konnte Menschen kennen und schätzen lernen, die verteilt auf dem ganzen Globus leben und habe Freunde aus anderen Ländern gefunden, wie Spanien, Japan, Italien oder Kolumbien. Ich habe erfahren, wie es sich anfühlt, ein halbes Jahr in Kanada zu leben, dort in die Schule zu gehen und in einer kanadischen Familie zu wohnen. Ich konnte Thanksgiving und Weihnachten auf eine ganz andere Art feiern und einfach den Alltag teilen.

Nicht alles war so, wie ich es mir vorgestellt hatte, und es war schwer, meinen Traum loszulassen. Zum Beispiel hätte ich gerne mehr unternommen und vom Land gesehen oder zumindest ein engeres Verhältnis zur Gastfamilie aufgebaut und dort mehr gemeinsame Zeit verbracht. So habe ich beispielsweise gemeinsame Mahlzeiten oder gemeinsame Familienabende sehr vermisst. Dadurch, dass ich weit von der nächsten kleinen Stadt weggewohnt habe und es in Nova Scotia keinen öffentlichen Verkehr gibt, war es schwierig für mich, meine Freunde zu besuchen. Das erschwerte es auch, in Freundesgruppen hineinzukommen und Beziehungen aufrecht zu erhalten.

Trotzdem habe ich ein paar sehr gute Freundinnen gefunden, mit denen ich jetzt auf jeden Fall noch in Kontakt bleiben möchte. Besonders eine Freundschaft hat mich in dieser Zeit sehr gestärkt, und es war so gut, jemanden vor Ort zu haben, mit dem ich über alles reden konnte.

Mich von meinen Freunden zu verabschieden, fiel mir nicht leicht, da alle über die Welt verstreut leben, und man nicht weiß, wen man noch wiedersieht. Und selbst dann ist es nicht das gleiche. Meine beste Freundin wird mich im Sommer für ein paar Tage in Deutschland besuchen, aber man sieht sich eben nicht mehr jeden Tag in der Schule.

Der Rückflug war etwas abenteuerlich, da ich auf Grund von starkem Schneefall mit zwei Stunden Verspätung in Halifax gestartet bin und dann eigentlich meinen Anschlussflug in Toronto verpasst hätte, wenn das Flugzeug nicht gewartet hätte. Ich bin dann aber gut angekommen und wurde von meiner Familie und meiner besten Freundin am Flughafen in Empfang genommen.

Gerade genieße ich es sehr, wieder in Deutschland zu sein und alle Menschen wiederzusehen und Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Gestern war mein erster Schultag an meiner neuen Schule. Dort wurde ich sehr lieb aufgenommen und habe das Gefühl, im Unterricht ganz gut mitzukommen. Natürlich muss ich jetzt einiges nachholen, aber das war mir Kanada auf jeden Fall wert.

Eure Samira