Wildes Licht – Ein Interview mit dem Herausgeber und Übersetzer Dieter Riemenschneider

11
Aug

Im Zusammenhang mit Neuseeland fällt vielen Deutschen – sicherlich bedingt durch den Erfolg der “Herr der Ringe”-Filme – zumeist die spektakuläre und weite Landschaft Aotearoas ein. Zumindest lässt sich dies seit einigen Jahren den Äußerungen zahlreicher Reisender entnehmen. Demgegenüber scheint die neuseeländische Literatur- und Lyrikszene hierzulande gänzlich unbekannt zu sein. Entsprechend möchten wir heute ein Buchprojekt vorstellen, das den Versuch unternimmt,  dem deutschen Leser einen kurzen Überblick der zeitgenössischen Lyrikszene Neuseelands zu geben. Dieter Riemenschneider:  Wildes Licht. Gedichte aus Aotearoa Neuseeland (www.tranzlit.de). Die Weltneugier hatte Gelegenheit mit dem Herausgeber und Übersetzer ein ausführliches Interview zu führen.

Hallo Herr Riemenschneider. Zunächst vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unsere Fragen und das Interview genommen haben. Wo erreichen wir Sie gerade?

Sie erreichen mich in Deutschland, genauer, in Kronberg im Taunus. Zwar haben wir einige Jahre in Neuseeland gelebt, doch trotz guter Erfahrungen dort bin ich gerne zurückgekehrt.

Bevor wir konkret in das Interview einsteigen, möchten wir Sie bitten, sich unseren Lesern kurz vorzustellen.

Mein Interesse an fremden Kulturen hat mich seit meiner Jugend in andere Länder geführt. Ein langjähriger Aufenthalt in Indien, wo ich an zwei Universitäten Deutsch unterrichtete und als Anglist auf die englischsprachige Literatur des Landes stieß, sollte sich dann als Ausgangspunkt für meine akademischen Tätigkeit im Bereich der  neuen englischsprachigen (oder postkolonialen) Literaturen erweisen. Ich promovierte mit einer Arbeit über den indisch-englischen Roman, lehrte dann über dreißig Jahr an der Universität Frankfurt und richtete hier ein Lehr- und Forschungszentrum zu den neuen englischsprachigen Literaturen und Kulturen (NELK) ein.

Meine Lehr- und Forschungstätigkeit konnte ich mit Vortragsreisen und regelmäßigen Aufenthalten an außereuropäischen Universitäten (in Indien, Australien, Neuseeland, Kanada) verbinden und daneben auch an vielen internationalen Kongressen teilnehmen. Die unumgängliche Pensionierung vor einigen Jahren bedeutete nicht den Abschluss meiner Forschungstätigkeit, doch habe ich mich, nach Anfängen in den achtziger Jahren, nun verstärkt der Übersetzung literarischer Texte ins Deutsche zugewandt – die ja in Wildes Licht, einer zweisprachigen Anthologie neuseeländischer Gedichte, ihren Niederschlag gefunden hat.

Damit zum Thema: Wir möchten das Interview gerne in drei größere Fragenblöcke aufteilen: (a) die neuseeländische Literatur bzw. Lyrik im Allgemeinen, (b) Ihr Buchprojekt „Wildes Licht“, und schließlich (c) die Arbeit als Übersetzer. Beginnen wir daher mit (a). Sie stellen in der Einleitung zu Ihrem Buch recht treffend fest, dass die neuseeländische Literatur und Lyrik in Deutschland so gut wie unbekannt sind. Spontan würde uns vielleicht noch Alan Duffs „Warriors“ einfallen, ansonsten müsste wir – vor allem in Bezug auf die Lyrik – allerdings auch passen.

Zunächst eine kurze Anmerkung. Neben Duffs Warriors hatte ich dem Unionsverlag in Zürich auch Romane von Patricia Grace empfohlen, von denen einige in Übersetzung vorliegen (Potiki, Drei Cousinen und Anapuke, Berg der Ahnen). Daneben wären als übersetzte Autorinnen auch Keri Hulme und Janet Frame zu nennen. Sucht man nach übertragener Lyrik, so finden sich nur eine kurze Gedichtsammlung von Allen Curnow (Bäume, Bilder und bewegliche Dinge) sowie einige Gedichte von Hone Tuwhare und Michelle Leggott, die aber unter die Rubrik ‚graue Literatur‘ fallen, weil sie nicht von einem Verlag publiziert wurden.

Vielleicht fangen wir daher auf einer sehr allgemeinen Ebene an. Was würden Sie als Charakteristikum „typisch neuseeländischer“ Lyrik ansehen?

Das ist eine Frage, die ich  nicht einfach beantworten kann, und der sicher auch neuseeländische Kritiker gerne aus dem Wege gehen. Am ehesten lässt sich dem ‚neuseeländischen‘  vielleicht auf die Spur kommen, wenn ich einen Blick auf thematische, sprachliche und formale Eigenheiten werfe, ohne allerdings eine endgültige Antwort daraus abzuleiten. Ich  beziehe mich  auf meine Lektüre einer großen Zahl moderner Gedichte,  mit der ich es bei meiner Auswahl zu tun hatte.

Thematisch nicht zu übersehen sind Beispiele, die sich mit der nationalen Identität, z.B. in Abgrenzung zum ehemaligen Mutterland England, befassen. Dies geschieht immer wieder durch subjektive Bezüge zum eigenen Land und zu Erfahrungen seiner Landschaften, aber auch in der Beschäftigung mit der Siedler- und Siedlungsgeschichte. In den vergangenen drei Jahrzehnten haben sich allerdings jüngere Autoren hiervon distanziert und u.a. Anregungen der internationalen, vor allem amerikanischen Gegenwartslyrik aufgenommen.

Das hat zu einer sehr viel heterogeneren sprachlichen und formalen Qualität der neuseeländischen Dichtung geführt; einmal durch die Öffnung zur lokal geprägten Sprache und Sprachmelodik, und andererseits zum postmodernen Schreiben — ironische Brüche, Sprachspiele, Vielstimmigkeit, selbstreferentielle Bezüge und offene Formen. Schließlich hat, gegenüber der Vergangenheit, die deutliche Präsenz weiblicher Stimmen ebenso wie der Auftritt von Maoriautoren und Dichtern aus dem pazifischen Raum zu einer größeren Vielfalt und unterschiedlichen Nuancierung der Thematik  und zum Einbezug indigener lyrischer Traditionen geführt.

Woran liegt die eingangs angesprochene Unbekanntheit Ihrer Meinung nach begründet? Gerade vor dem Hintergrund, dass die moderne Welt vor allem durch das Internet um einiges enger zusammengerückt ist, scheint die abgelegene  geographische Lage Neuseelands doch nur noch bedingt als Grund angeführt werden zu können.

Es gibt wohl mehrere Gründe. Einer von ihnen und ein gewichtiger, glaube ich, ist die mangelnde Selbstdarstellung, die Zurückhaltung – um es vornehm auszudrücken – seitens neuseeländischer Schriftsteller, Verlage und Verbreitungsmedien, der eigenen Literatur ein deutlicheres Profil nach außen zu verschaffen.  Zwar gibt es Niederlassungen internationaler Verlage, vor allem in Auckland, von denen man dies ja erwarten würde. Doch auch sie konzentrieren sich vornehmlich auf den heimischen Markt. Mangelnde internationale Präsenz verknüpft mit der geographischen Abgelegenheit des Landes stellen einfach nicht die Öffentlichkeit her, die nötig wäre, die eigene, ohne Zweifel interessante und vielfältige Literatur bekannter zu machen.

Und wer sich über das Internet mit ihr vertraut machen möchte, wird ebenfalls entdecken,  dass man sich in Neuseeland mit sich selbst begnügt. Hier spreche ich auch aus eigener Erfahrung. Möglichkeiten,  die sich z.B. durch neuseeländische Kulturinstitutionen anbieten, werden vorwiegend für eine nach ‚innen‘, auf das eigene Land  zielende und nicht eine international ausgerichtete Förderung genutzt.

Einen weiteren Grund für die Unbekanntheit sehe ich in der deutschen Verlagsszene. Hier lässt sich die Vernachlässigung der Literatur des ‚kleinen‘ Neuseeland durchaus mit der vergleichbarer ‚kleiner‘ Länder erklären. Was wissen wir schon über die skandinavischen Literaturen, die der baltischen Länder, der Ukraine oder der Balkanstaaten? Unsere Vernachlässigung Neuseelands fällt hier keineswegs aus dem Rahmen.

Sie berichten in der Einleitung von „Wildes Licht“ von einer sehr regen Autoren- und Verlagsszene in Neuseeland. Würden Sie in diesem Zusammenhang auch einen Unterschied zur deutschen Verlagsszene sehen? Können Sie uns darüber hinaus ein paar wichtige Namen nennen bzw. unseren Lesern ein paar Anregungen geben, welche Autoren sie sich anschauen sollten?

Ich denke, die neuseeländische Verlagsszene kann sich mit der deutschen messen. Von Vorteil erweist sich, dass in einem geographisch ähnlich großen Land wie Deutschland nur etwa viereinhalb Millionen Menschen leben, die über exzellente Kommunikationsmöglichkeiten  verfügen – und sie auch nutzen! Hinzu treten der kulturelle Wettbewerb der größeren Städte – Auckland, Wellington, Christchurch, Dunedin -  untereinander, ein relativ hoher Bekanntheitsgrad der Schriftsteller und, last but not least,  ein deutliches Engagement vonseiten der Kritik, der akademischen wie der journalistischen,  über Neuerscheinungen, Lesungen und andere literarische  Veranstaltungen zu berichten. All dies trägt zu einer Litertatur- und Verlagsszene bei, die sich mit der deutschen ganz sicher messen lässt.

Gerne möchte ich einige Autoren nennen und so ein wenig zu ihrem Bekanntheitsgrad auch bei uns beitragen. Als Lyriker zählen hierzu Allen Curnow, Vincent O’Sullivan, Bill Manhire, Fleur Adcock und Cilla McQueen und auch der Maoridichter Robert Sullivan. Janet Frame und Keri Hulme besitzen vor allem durch ihre Prosa einen Namen, haben aber auch – wie übrigens C.K. Stead und Albert Wendt – Gedichte geschrieben. Schließlich vertreten Witi Ihimaera und Patricia Grace die Maoriprosaliteratur, während Albert Wendt, der in Neuseeland lebt, der führende Autor Samoas ist.

Damit zum zweiten Fragenblock und Ihrer Anthologie „Wildes Licht“. Sie schreiben, dass Sie das Buch vor allem als Einladung zu einer literarischen Reise verstanden wissen möchten, die dem Leser – neben den geographischen Orten – auch einen Blick auf die unterschiedlichen Menschen und den Wandel der Lebenswelt Neuseeland eröffnen soll. Erzählen Sie uns doch zunächst etwas über die Hintergründe und Entstehungsgeschichte des Buches.

Neben meinem Interesse an postkolonialer Literatur (der ich die neuseeländische durchaus zurechne) hat mich meine Frau, die aus Neuseeland stammende Dichterin Jan Kemp, angeregt, zu überlegen, ob nicht eine Anthologie übersetzter Gedichte Anklang in Deutschland finden könnte. Sie selbst hat während unserer Zeit im Land ein sehr umfangreiches Archiv neuseeländischer Lyrik aufgebaut. 171 Dichterinnen und Dichter sind hier versammelt mit ihren selbst ausgewählten und in Tonstudios auch von ihnen gelesenen Gedichten. Insgesamt entstanden so 40 CDs, die die Tonaufnahmen und die Texte umfassen und der Öffentlichkeit in der Nationalbibliothek in Wellington und der Universitätsbibliothek in Auckland zugänglich sind. Eine Auswahl dieser ‘New Zealand Poets in Performance‘ liegt in drei Bänden vor. Dieses Archiv diente mir als Ausgangspunkt, dem ich dann mit der Lektüre vieler Lyrikbände vor allem in der Bibliothek der Universität Auckland nachgegangen bin.

Da ich stets im Kopfe hatte, diese Sammlung für deutsche Leser zu erstellen, musste ich mich von einem Motiv leiten lassen, das sie zu seinem solchen Buch führen könnte, und da schien mir der Gedanke der Reise durch das Land ganz einleuchtend. Und Reise heißt  ja nicht nur die Fortbewegung von Ort zu Ort und das Erlebnis neuer Umgebungen, sondern auch Begegnung mit Menschen und deren Geschichte und Geschichten. So ergab sich fast zwangsläufig die Gliederung und Abfolge der einzelnen Abschnitte meiner Anthologie.  Erwähnen sollte ich aber auch, dass das Reisen Neuseeländern ganz und gar nicht fern liegt. Nicht nur die Geschichte belegt, wie wichtig es zur Besiedlung des Landes war, sondern bis zum heutigen Tag zieht statistisch betrachtet jeder Neuseeländer alle fünf Jahre an einen anderen Ort. Was die Reise betrifft, so kann ich also von einem Doppelmotiv sprechen.

Nach welchen Kriterien haben Sie die 51 zeitgenössischen neuseeländischen Dichter und Dichterinnen ausgewählt?

Abgesehen vom bereits Gesagten  ging es mir auch darum, Gedichte einiger seit langem sehr bekannter Dichter wie Allen Curnow, Hone Tuwhare,  Alistair Te Ariki Campbell, Lauris Edmond oder  C.K. Stead aufzunehmen und sie jüngeren Stimmen gegenüberzustellen. Der Leser kann so einen Eindruck gewinnen, wie sich die poetisch-subjektive Aneignung der Landschaft und Geschichte in den letzten Jahrzehnten verändert hat; wie Dichter z.B. nun weniger mit Fragen ihrer neuseeländischen Identität befasst sind, sondern mit dem geschichtlichem Wandel und dem des eigenen Selbstverständnisses. Ein zweiter Blickwinkel richtet sich auf den für mich sehr spezifischen neuseeländischen Humor, der z.B. durch eine besondere Wortwahl oder idiomatische Wendungen zum Ausdruck kommt und sehr genau Stimmungen und soziale Bezüge widerspiegelt.

Sie haben das Buch in Ihrem eigenen Verlag Tranzlit veröffentlicht. Was hat Sie zum Schritt der Verlagsgründung bewogen?

Die Herstellung der Anthologie hat hierzu eigentlich nicht den Ausschlag gegeben, obwohl ein kleiner Verlag sich, ohne das Sortiment zu bemühen, finanziell bei der Vermarktung eigener Produkte besser steht. Entscheidend war die Überlegung, dass meine Frau und ich unser literarisches Engagement seit langem als Vermittlung verstehen, ganz besonders als Vermittlung zwischen den Kulturen.  Meine eigene Arbeit, ob als Literaturkritiker oder –lehrer war im Grunde von Anfang an hierauf gerichtet. Und so habe ich auch zu Beginn meiner Unterrichtstätigkeit die Arbeit als Deutschdozent in Indien verstanden. Das gleiche gilt für meine Frau, die in vielen Ländern Englisch unterrichtet hat und literarisch tätig war. Tranzlit (www.tranzlit.de) ist deshalb zutreffender als eine Vermittlungsinstanz, eine Agentur zu verstehen, die nicht nur die Übersetzung literarischer Werke vorantreiben und fördern, sondern auf vielfältige Weise zwischen den Kulturen vermitteln möchte.

Das Buch ist Ihrer Frau Jan Kemp gewidmet, die als neuseeländische Lyrikerin ebenfalls in der Anthologie vertreten ist. Inwieweit war sie in die Entstehung von „Wildes Licht“ involviert?

Neben ihrer entscheidenden Anregung, die ich bereits erwähnte, war sie natürlich eine unersetzliche Hilfe für mich, vor allem wenn es darum ging, neuseeländische Besonderheiten, seien sie sprachlicher oder ganz allgemein kultureller Art, (besser) zu verstehen. Darüber hinaus war ihre Kontakt mit jenen 171 Dichterinnen und Dichtern von unschätzbarem Wert. Ich konnte mich bei ihnen nicht nur auf sie berufen, sondern auch hoffen, so die Glaubwürdigkeit meines Vorhabens – und die eigene – zu belegen.

Damit zum dritten Frageblock: Ihre Arbeit als Übersetzer. Uns hat an „Wildes Licht“ besonders gefallen, dass neben der deutschen Übersetzung die englischsprachigen Originaltexte mit abgedruckt sind. Wie dürfen wir uns die Übersetzungsarbeit mit Gedichten vorstellen bzw. welche Besonderheiten gilt es zu beachten?

Ich sollte betonen, dass ich hier nur für mich spreche und dass meine Bearbeitungen von Übersetzungstheorie(n) ebenso wenig beeinflusst waren – und auch in Zukunft sein werden – wie vom Erfahrungsaustausch mit anderen Übersetzern; also ein ganz autodidaktisch geprägtes Vorgehen.

Vielleicht war die Hörerfahrung neuseeländischen Sprechens nicht ganz unschuldig daran, dass ich mir vorstellte, in erster Linie müsse in meinen Übersetzungen ein Echo des gesprochenen neuseeländischen Englisch zu vernehmen sein, wenn man sie laut läse. Das habe ich zunächst mit den Originalen auch getan: sie immer wieder laut gelesen, um mir die Sprachmelodie, ihre Hebungen und Senkungen, Betonungen und Verschleifungen ‚hörbar‘ einzuprägen und dann ins Deutsche umzusetzen. Dass das nicht immer misslungen ist, hat mir eine ganze Reihe neuseeländischer  Autoren ungefragt bestätig. Was mich natürlich sehr gefreut hat.

Daneben meine ich, dass dem Original auch typographisch entsprochen werden sollte. Die Erfahrung hat mir verdeutlicht, dass Dichter sehr großen Wert auf ihre Zeilen- und Versabfassung wie auch auf die Verwendung von Satzzeichen legen. Das engt sicherlich Übersetzungen in eine andere Sprache ein, findet aber, meine ich, Ausgleich dadurch, dass der originale Rhythmus weitgehend erhalten bleibt – auch wenn englische Wörter viel häufiger einsilbig sind als deutsche. Doch hier lässt sich der mehrsilbigen deutschen Sprache durch unbetontes und verschliffenes Sprechen entgegenwirken. Das lenkt also noch einmal den Blick darauf, dass ich Lyrik als gesprochene Sprache schätze, der der ansonsten stille Leser durchaus nachgehen sollte.

Um noch mal den Aspekt des „typisch neuseeländisch“ aufzugreifen: Würden Sie einen Unterschied in der Übersetzungsarbeit bei den vorliegenden Gedichten im Vergleich zu anderen englischsprachigen Ländern – z.B. USA oder Irland – sehen? Falls ja, worin liegt diese Differenz?

Im Prinzip natürlich nicht, denn  ich würde mich stets mit der gesprochenen Sprache der jeweiligen Lyrik auseinandersetzen. Natürlich gibt es hier eine bestimmte Variationsbreite, bedingt durch regionale oder soziale Unterschiede.  Darauf müsste man sicher genau achten, so wie ich dies bei den soziolinguistisch unterschiedlichen neuseeländischen Beispielen glaube getan zu haben. Als besonders schwierig stelle ich mir allerdings Übersetzungen aus einer Zweitsprache vor, etwa dem Englischen in Indien. Hier weist das gesprochene Englisch doch erhebliche Unterschiede nicht nur von Varianten auf, die sich ja auch bei Muttersprachlern finden, sondern auch noch regional. ‘Bombay-Englisch‘  z.B. differiert von südindischem oder bengalischem Englisch. Vielleicht widme ich mich mal solchen Übersetzungsversuchen.

Bevor wir zum Schluss kommen, was sind Ihre Pläne für die nahe Zukunft bzw. gibt es schon ein konkretes Übersetzungsprojekt?

Ja, auf der Tagesordnung steht eine Band mit neuseeländischen Essays, den ich für den Unionsverlag in dessen Reihe ‘Reise nach …‘ zusammenstellen und übersetzen werde. Sicher nicht vergleichbar mit der Übersetzung von Lyrik, doch ebenfalls reizvoll, weil ich auf unterschiedliche, individuell geprägte, aber auch von der Thematik her geleitete Schreibstile stoßen werde, denen ich gerne gerecht werden möchte.

Ok, damit die Chance auf die berühmt-berüchtigten letzten Worte (…)

Der Wunsch, dass der Leserkreis nicht nur von literarischen  Übersetzungen ständig wachsen möge,  so dass unsere Beschäftigung mit anderen Kulturen gefördert wird, was schließlich zu größerer, gegenseitiger Toleranz in einer immer enger verflochtenen Welt beitragen möge.

Vielen Dank.

Gerne, und ebenfalls herzlichen Dank an Sie.

Herr Riemenschneider war so freundlich und hat uns eine seiner Übersetzungen als Leseprobe zur Verfügung gestellt: Man wird es wissen wenn man dort ist (Wildes Licht, S. 77). In diesem Sinne möchten wir eine klare Empfehlung für Wildes Licht aussprechen und das Buch allen Neuseeland-Fans unbedingt ans Herz legen.

Kurzinfo:

Dieter Riemenschneider (Herausgeber/Übersetzer):
Wildes Licht: Poems / Gedichte aus Aotearoa Neuseeland (englisch-deutsch)
Kronberg: Tranzlit, 2010, 177 Seiten
Weiter Infos auf der Website des Verlags

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