Erfahrungsbericht: Freiwilligenarbeit #2 – Zwei Schwestern engagieren sich – Von Speyer in die Welt

Erfahrungsbericht: Freiwilligenarbeit #2 –  Zwei Schwestern engagieren sich – Von Speyer in die Welt

Heute folgt der zweite Teil des spannenden Interviews mit den Geschwistern Barho aus Speyer am Oberrhein. In Teil 1 haben uns Katrin und Corinna bereits darüber aufgeklärt, warum sie sich ausgerechnet für Freiwilligenarbeit in Peru bzw. Freiwilligenarbeit in Sri Lanka entschieden haben. In Teil 2 folgen vor allem Details über ihr Leben vor Ort und besonders herausragende Ereignisse während ihrer Aufenthalte als freiwillige Helfer. Enjoy :)Freiwilligenarbeit in Peru: Katrin auf dem Inka Trail in Peru

Wie war der Tagesablauf? Was waren eure Aufgaben? Wie seid ihr mit der Sprache zurecht gekommen?

Katrin: Aufgrund des guten Unterrichts und vor allem wegen der geduldigen und interessierten Menschen in meiner Umgebung wurde mein Spanisch schnell besser. In den ersten vier Wochen ging ich morgens und nachmittags in die Sprachschule, mittags und abends erkundeten wir die Stadt und das Nachtleben. Im zweiten Monat arbeitete ich im Kinderhort, bastelte mit ihnen und organisierte Spiele. Als am letzten Tag meine „Abschiedsolympiade“, die ich organisiert hatte, vorbei war und es Zeit war zu gehen, fiel der Abschied sehr schwer.

Corinna: Bei mir wechselten die Tagesabläufe und Aufgaben ziemlich häufig. In meiner zweiten Woche in Kandy fuhr ich morgens mit dem Bus von unserem Haus zu dem Kloster, in dem die Kindermönche wohnen und unterrichtete sie für drei Stunden, indem ich mit ihnen auf Englisch spielte und ihnen verschiedene Länder der Welt beibrachte. Für die Mittagspause von 12 bis 14 Uhr fuhr ich wieder mit dem Bus zurück ins Haus, wo es immer Essen gab. Mit dem Tuk-Tuk, einem dreirädrigen „Auto“, fuhren dann zwei Mädels und ich ins Baby-Waisenhaus, wo wir uns nachmittags um die Kleinen kümmerten. Im Elefanten-Waisenhaus wechselte der Tagesablauf auch fast täglich, weil es immer verschiedene Dinge zu tun oder zu sehen gab, wie zum Beispiel ein Besuch vom Arzt oder ähnliches. In Ambalangoda bei den Schildkröten war der Tagesablauf dann wieder klar geregelt. Morgens um 9 Uhr gingen wir, ungefähr zehn Volunteers, über die Straße in die Station, um sie zweimal pro Woche mit frischem Fisch zu füttern oder sie zu waschen und die Becken zu putzen. Das kann auch schon mal den ganzen Tag dauern, weil manche Schildkröten keine Flossen mehr haben oder Kieferprobleme, dann dauert es länger bis sie gefüttert sind. Von 12 bis 14 Uhr hatten wir dann wieder Mittagspause und danach erledigten wir die übrig gebliebene Arbeit vom Vormittag. Ab 16 Uhr konnte man uns dann nur am Strand treffen, der direkt vor der Station lag. Mit der Sprache war es teilweise etwas schwierig, weil man in Sri Lanka Singhalesisch spricht, aber viele können eine paar Brocken Englisch und wenn mal jemand kein Englisch spricht, suchen sich die Sri Lanker schnell jemanden, der übersetzt.

Freiwilligenarbeit auf Sri Lanka: Corinna schrubbt einen Elefant

Was habt ihr alles gesehen? Seid ihr auf eigene Faust auf Entdeckungstouren gegangen oder habt ihr auf die Angebote unserer Partnerorganisationen vor Ort zurückgegriffen?

Katrin: Wir waren am Wochenende total viel unterwegs und kamen richtig viel rum. Weil Peru so riesig ist, waren die Ausflüge natürlich ein wenig beschränkt, weil wir unter der Woche ja wieder in Cusco sein mussten. Aber wir machten eine 4-Tages-Tour nach Macchu Picchu, mit Wanderungen auf einem Teil des Inca Trails und außerdem eine dreitägige Raftingtour, mit Campen am Fluss und allem drum und dran. Das war wirklich super. Auch am Titicacasee waren wir. Diese Reise organisierte die Schule für uns, sonst waren wir auch viel auf eigene Faust unterwegs, weil alle Peruaner sehr nett sind und gerne weiterhelfen. Reisen in Peru ist außerdem sehr billig.

Corinna: Bei mir war es so, dass sich immer über die Woche kleine Grüppchen an Freiwilligen bildeten, die am Wochenende zusammen etwas unternahmen. Zum Beispiel war ich im Udawalawe Nationalpark, auf dem Königsberg Sigiriya, in den Höhlentempeln in Dambula, in Nuwara Elyia, an den Stränden von Mirissa, Unawatuna und Hikkaduwa und in Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas. Wir organisierten uns die Wochenendtrips selbst, aber fragten immer die Koordinatoren vor Ort, die uns dann halfen, Hotels zu finden und Tuk-Tuks für den Weg zu organisieren.

Freiwilligenarbeit in Peru: Katrin und die Kids

Was ist euch – vor allem dir, Katrin, weil dein Aufenthalt schon länger zurückliegt – am besten in Erinnerung geblieben? Woran denkt ihr gern zurück? Was waren eure absoluten Highlights?

Corinna: Also bei mir ist vor allem das strahlende Lächeln der Kindermönche und der Sri Lanker allgemein im Kopf geblieben, aber auch die Warmherzigkeit unsres „Koordinator-Dads“ Dhammika, der den Volunteers allgemein sehr dankbar ist und somit die Mentalität der Sri Lanker widerspiegelt. Meine Highlights waren auch die vielen Ausflüge und da wiederum vor allem der Ausblick von Sigiriya Rock. Gerne denke ich außerdem zurück an die geselligen Abende im Volunteerhaus, an denen wir alle zusammen saßen und ich viel von anderen Ländern gelernt habe.

Katrin: Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt, die mir absolut am Herzen liegen. Trotz Facebook habe ich mit den wenigsten noch wirklich Kontakt, aber das ist nicht das, was für mich zählt. Ich habe wundervolle Sachen erlebt und die Freundschaften, die ich damals geschlossen habe, werde ich nie vergessen. Natürlich haben auch die Landschaft Perus und meine tollen Wochenendausflüge Eindruck hinterlassen. Bilder von Macchu Picchu und dem Titicacasee hängen jetzt in der Küche in meiner WG und die anderen Fotos sehe ich mir auch immer noch gern an.

Gibt es etwas, was ihr hier in Deutschland nun ganz arg vermisst?

Corinna: Ich vermisse den Trubel auf den Straßen und vor allem das ständige Lächeln der Menschen und vor allem das Wetter und das Leben direkt am Meer.

Katrin: Das Reisen generell. Neues entdecken, fremde Kulturen, Dinge, die man nicht erwartet. Und Spanisch! Ich mache hier öfter einen Sprachkurs, um dran zu bleiben, aber das ist nicht dasselbe, als wenn Spanisch tatsächlich die wirkliche Kommunikationssprache ist.

Freiwilligenarbeit in Peru: Katrin beim Basteln
Wie haben euch diese Auslandsaufenthalte geholfen, euch persönlich und beruflich weiter zu entwickeln?

Katrin: Ich war schon immer ein offener Mensch, und das hat der Aufenthalt in Peru nur bestätigt. Was im Leben zählt, sind die Menschen, die man kennen lernt. Mit Kindern zu arbeiten war auch schon immer mein Traum. Und weil Bildung die Zukunft der Kinder ist, was gibt es Wichtigeres als Lehrer? :)

Corinna: Wie meine Schwester bin ich auch ein sehr offener Mensch, aber durch jedes Abenteuer lernt man sich ein Stück weit besser kennen und erweitert seine Horizonte. Ich möchte auch weiterhin so viel wie möglich über die Menschen anderer Kulturen und Länder lernen, weil man immer das Beste für sich mitnimmt und sein Leben dadurch bereichert.

Eure Chance für letzte Worte: Was sind eure Zukunftspläne? Welche Reiseziele stehen noch auf euren Listen?

Corinna: Ich mache momentan eine Ausbildung zur Biotechnischen Assistentin und möchte danach ein Studium dranhängen. Auf meiner Liste steht eindeutig als nächstes ein südamerikanisches Land, Brasilien fände ich toll. :) Außerdem will ich unbedingt nach Südafrika – am liebsten nochmal mit Freiwilligenarbeit, weil man nie genug helfen kann.

Katrin: Ich studiere Deutsch, Latein und Sport auf Lehramt. Ich habe die weiten Reisen nicht aufgegeben, dieses Jahr war ich in Chile, Argentinien und Uruguay. Tja, Reiseziele gibt es so viele. Es gibt noch so viel an Südamerika, das ich noch nicht gesehen habe. Und Nepal würde ich gerne sehen. Das war damals eines der Länder, für das ich mich auch fast entschieden hätte. Irgendwann hole ich das nach! Aber andererseits: Zu Hause ist es auch schön :) !

…mit diesen letzten Worten verabschieden wir uns. Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch, ihr beiden! 

Share this Story

Verwandte Artikel

Hinterlasse einen Kommentar (mind. 10 Zeichen)

Deine E-Mail wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>