Work and Travel Neuseeland: Interview mit dem Stepin-Teilnehmer Nicolas Halkhoree

Work and Travel Neuseeland: Interview mit dem Stepin-Teilnehmer Nicolas Halkhoree

Im Rahmen der Weltneugier-Themenwoche Neuseeland haben wir heute ein Interview mit dem Stepin-Teilnehmer Nicolas Halkhoree im Angebot. Der dreißigjährige Münchener bereist seit August 2010 zusammen mit seiner Freundin Katharina Neuseeland mit dem Working Holiday Visum und wir haben es uns nicht nehmen lassen, ihn zu den Themen Work and Travel Neuseeland, seinen Eindrücken von Kiwi-Country und – leider auch – zu dem schweren Erdbeben, das Christchurch vor einigen Wochen getroffen hat, zu befragen.

Stepin: Hallo Nico. Zunächst vielen Dank, dass du dir etwas Zeit für unsere Fragen genommen hast. Wo erreichen wir dich gerade?

Nicolas: Ich bin gerade in Nelson, an der Nordküste der Südinsel Neuseelands. Allerdings nur noch wenige Tage. Danach geht es weiter Richtung Blenheim.

Stepin: Bevor wir mit dem eigentlichen Interview beginnen, würden wir dich bitten, dich unseren Lesern kurz vorzustellen.

Nicolas: Ich lebe in einem Vorort von München und meine größte Leidenschaft ist, wie könnte es auch anders sein, das Reisen! Ich habe bei einem großen Reiseveranstalter in München eine Ausbildung absolviert und auch dort die erste Berufserfahrung gemacht, die sich in Neuseeland als sehr nützlich herausgestellt hat.

Stepin: Ok, damit zu unseren Fragen. Mit Blick auf Neuseeland ist natürlich leider das schwere Erdbeben in Christchurch ein großes Thema. Wo warst du während des Erdbebens und kannst du uns ein paar Infos zur aktuellen Situation geben?*

Nicolas: Zum Zeitpunkt des Bebens war ich bei der Arbeit in Rolleston (Vorort von Christchurch – ca. 15 Kilometer entfernt). Bei uns fielen nur einige Flaschen um. Aber wir merkten schon, dass es ein sehr langes Beben war. Das ganze Ausmaß wurde uns erst bewusst, als wir den Fernseher eingeschaltet haben und fassungslos die ersten Live-Bilder sahen. Es war ja mitten am Tag. Die folgende Nacht mit den zahlreichen Nachbeben war ebenfalls schlimm. In den Tagen nach dem Erdbeben gab es kaum Nahrungsmittel und Wasser nur begrenzt. Es kam zu Hamsterkäufen bei Benzin, da eine Benzinknappheit befürchtet wurde. Inzwischen läuft die Versorgung zum Glück aber wieder halbwegs normal.

So richtig mies habe ich mich vor allem aber in der zweiten Nacht gefühlt: Da regnete es und war wirklich sehr kalt. Und wir saßen im warmen Zimmer und wussten, dass nicht einmal sechs Kilometer weiter immer noch Menschen vielleicht lebendig unter Trümmern begraben sind und nur ums nackte Überleben kämpfen.

Stepin: Konntet ihr auch in irgendeiner Form helfen?*

Nicolas: Wir haben durchs Fernsehen erfahren, dass die Notunterkünfte überfüllt sind. Spontan haben wir uns entschlossen, in die Stadt zu fahren und beim Roten Kreuz eine Unterkunft anzubieten. So konnten wir einem Engländer und einem Neuseeländer, die nur das noch hatten, was sie zum Zeitpunkt des Erdbebens bei sich trugen zumindest einen Platz zum Übernachten anbieten.

Stepin: Was hat man seitens der neuseeländischen Regierung unternommen?*

Nicolas: Primär wurde versucht, alle Gestrandeten aus Christchurch wegzubringen, meistens nach Wellington oder Auckland per Flieger. So auch unsere beiden »Gäste«. Alle die nach Wellington, Auckland oder auch woanders gebracht wurden, kamen ebenfalls bei Privatpersonen unter.

Auffällig fand ich, dass der Zusammenhalt der Neuseeländer sehr groß war. Alle Firmen in Neuseeland helfen immer noch wo sie nur können. Die Leute haben Essen, Kleidung Spielzeug für die Kinder zu den Notunterkünften gebracht oder auch einfach nur mit Betroffenen geredet.

Stepin: Du bist im Sommer letzten Jahres zusammen mit deiner Freundin mit dem Work and Travel-Visum nach Neuseeland aufgebrochen. Warum ausgerechnet Neuseeland? Was hat dich gereizt ans andere Ende der Welt zu reisen?

Nicolas: Die Frage höre ich hier auch immer wieder. Der Hauptgrund war bestimmt auch der Film »Der Herr der Ringe«. Die Landschaften waren einfach atemberaubend…! Da wollten wir auch hin.

Zum anderen war ich schon immer fasziniert vom »Haka«, dem Ritualtanz der Maori. Wenn man sich entsprechende Videos, z.B. den Haka der »All Black´s«, der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft auf Youtube oder MyVideo anschaut, ist Gänsehaut schon fast  garantiert. Darüber wollen wir einfach mehr erfahren und am besten natürlich »live« erleben. Zudem ist die Berufserfahrung im Ausland und das Vertiefen der eigenen Englischkenntnisse ein weiterer positiver Effekt.

Stepin: Warum hast du dich für Work and Travel entschieden?

Nicolas: Von meinen bisherigen Jobs weiß ich, dass Berufserfahrung im Ausland oder auch nur Auslandsaufenthalte sehr wichtig sind. Work and Travel gab mir die Möglichkeit sowohl diese Berufserfahrung zu sammeln, als auch Neuseeland ausgiebig und in aller Ruhe zu bereisen.

Stepin: Erzähl uns etwas über deine Erlebnisse während deiner Zeit als Backpacker im Land der Kiwis. Was waren deine ersten Eindrücke und wie bist du zurechtgekommen?

Nicolas: Die »Kiwis« sind freundliche, stets hilfsbreite Menschen. Hier ist alles nicht so stressig, wie wir es evtl. in Deutschland gewohnt sind. Sie reden gerne, auch mit Touristen und geben hilfreiche Tipps.

Das Team der Quad-Bikingtour

Stepin: Bestes Reiseerlebnis bisher?

Nicolas: Das war eine umfassende Quad-Biking-Tour durch den Tongariro National Park. Wir haben diese Tour von unserem damaligen Arbeitgeber als Dankeschön geschenkt bekommen! Wir alle hatten wirklich unglaublich viel Spaß. Wirklich eine sehr nette Geste!

Stepin: Und natürlich auch das Gegenstück »schlimmstes Reiseerlebnis«? Wahlweise kannst du hier auch die Kategorien »peinlich« oder »ekelig« wählen. ;-)

Nicolas: Schlimmstes Ereignis war definitiv das Erdbeben in Christchurch! Man kann sich das nicht vorstellen, wenn man es nicht selber erlebt hat.

Stepin: Könntest du dir vorstellen, langfristig nach Neuseeland auszuwandern?

Nicolas: Auf jeden Fall. Unser letzter Arbeitgeber hat uns auch schon angeboten, bei der Antragsstellung für das Work-Visum und später dann die Residence zu helfen! Leider müssen wir erst einmal nach Deutschland zurück, aber wer weiß schon, was z.B. in 10 Jahren sein wird.

Stepin: Für viele Leute, die einen Work & Travel-Aufenthalt planen, stellt sich zunächst die Frage, ob sie mit einer Organisation reisen oder den Trip selber auf die Beine stellen können/wollen. Was denkst du darüber?

Nicolas: Grundsätzlich kann man ein Jahr Working Holidays in Neuseeland selber auf die Beine stellen, ohne Hilfe einer Organisation. Die Vorteile überwiegen aber die Nachteile.

Hier mal ein paar Beispiele, die aus meiner Sicht für die Organisation sprechen:

  • Hilfe bei Steuernummer und Steuererklärung
  • Ständige Postadresse
  • 24 Stunden Telefon
  • Hilfe bei Kontoeröffnung
  • Günstige Traveller-Angebote

Stepin: Würdest du mit der heutigen Erfahrung wieder mit einer Organisation reisen bzw. was würdest du heute anders machen?

Nicolas: Ich würde wieder mit einer Organisation reisen (Gründe siehe oben), allerdings würde ich z.B die »Packliste« völlig anders gestalten! Zudem würde ich mir etwas mehr Information vorab über die Agentur in Neuseeland wünschen.

Stepin: Die Rugby-WM in Neuseeland (09.09.-23.10.2011) wirft Ihre Schatten voraus und immerhin ist dies das drittgrößte Sportereignis weltweit. Wir wissen, dass Rugby in Neuseeland einen wesentlich höheren Stellenwert als hier in Deutschland besitzt. Kriegst du von den Vorbereitungen etwas mit bzw. interessierst du dich überhaupt für den Sport?

Nico und Co. vor einer Gletscherkulisse

Nicolas: Das bekommt man hier an jeder Straßenecke mit! Die Stimmung ist in etwa vergleichbar mir Deutschland im Jahr 2006! Vor allem die Region um Christchurch erhofft sich einen großen Auftrieb nach dem Erdbeben. Mein Interesse an Rugby ist ganz OK, allerdings beschränkt es sich eher auf die Super 15 Liga, in der je 5 Mannschaften aus Südafrika, Australien und Neuseeland spielen!

Stepin: Wir haben uns vor einigen Monaten im Rahmen einer Themenwoche sehr intensiv mit den australischen Ureinwohnern, ihrem Verhältnis zum australischen Staat und dem Kampf um politische Anerkennung beschäftigt. Soweit wir es aus der Distanz beurteilen können, ist das Verhältnis bzw. die gesellschaftliche Stellung der Maori in Neuseeland ähnlich kompliziert. Uns würde nun interessieren, inwieweit dieses Thema Teil der öffentlichen Wahrnehmung ist? Kannst Du uns darüber etwas berichten?

Nicolas: Soweit wir das jetzt mitbekommen haben sind die Maori (vor allem ihre Kultur) viel mehr in die gesellschaftliche Struktur integriert, als das z.B. bei den Aborigines in Australien ist. Die Maori-Sprache (Übersetzung) findet man z.B. bei jeder Beschreibung einer Sehenswürdigkeit oder amtlichen Briefen! Dennoch gibt es hier nach wie vor das Problem, das viele Maori zur ärmeren Bevölkerung gehören!

Stepin: Und zum Schluss auch für Dich natürlich die Chance auf die berühmt-berüchtigten »letzten Worte« (…)

Nicolas: Man kann Neuseeland nicht beschreiben, man muss es erleben…

Stepin: Vielen Dank.

*Quelle dieser Antworten ist ein Interview vor einigen Tagen in der Münchener tz gegeben hat: http://www.tz-online.de/aktuelles/muenchen-region/tz-ismaninger-erlebt-erdbeben-christchurch-1139791.html

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