Erfahrungsbericht: Freiwilligenarbeit in Südafrika – Born to be wild!

Erfahrungsbericht: Freiwilligenarbeit in Südafrika – Born to be wild!

Nicolas hat acht Wochen im Wildlife-Projekt in Südafrika verbracht und durfte dabei eine einzigartige Zeit erleben. Jetzt möchte er seine Begeisterung mit uns teilen. Lest hier seinen Erlebnisbericht:

Wildlife-Projekt Südafrika: ErfahrungsberichtAls Stepin mich bat, einen Erfahrungsbericht über meinen Aufenthalt in Südafrika zu schreiben, sagte ich „ja klar, nichts lieber als das“, aber jetzt bin ich am Überlegen, wie ich diese absolut mega-geile Zeit in einem „kurzen“ Bericht zusammenfassen kann. Wo fange ich am besten an…?

Vorweg möchte ich euch sagen, dass man anfangs ja Bedenken hat, ob das alles so wird wie man es sich vorstellt. Nicht, dass man dann vor Ort ist und nichts zu tun hat, wie ihr vielleicht schon von anderen Reiseberichten gehört habt. Diese Bedenken hatte ich auch, aber sie waren völlig unnötig, denn wir hatten schon ab dem ersten Tag sehr gut zu tun, wie ihr noch lesen werdet.

Ankunft in Südafrika
In Südafrika kommen in der Regel immer montags die neuen Volontäre an und die, deren wunderbare Zeit vorbei ist, verlassen montags das Reserve. Als ich und auch andere im Januar ankamen, wurden wir zunächst vom Flughafen abgeholt und zum Projekt gefahren. Dort wurde uns das Gelände gezeigt, das für die Dauer unseres Aufenthaltes unser Zuhause sein würde. Der Schlaftrakt besteht aus 16 Zimmern mit jeweils zwei Betten und eigenem Bad mit Dusche. Die Zimmer sind geräumig und haben jeweils einen Kleiderschrank. Außerdem bieten die Zimmer z.T. eine Terrasse mit wunderschöner Aussicht. Das Hauptgebäude besteht aus der Küche sowie einem Esszimmer, einem Wohnzimmer mit TV, DVD-Player, Billardtisch sowie einem Computer für die Allgemeinheit. Im Hauptgebäude befinden sich zudem ein Unterrichtszimmer sowie das Büro. Außen gibt es eine große überdachte Veranda, unter der sich eine Tischtennisplatte und zwei Sofas befinden. Außerdem gibt es in unmittelbarer Nähe einen Swimmingpool, ein Volleyballplatz und die Boma Area.

Wildlife-Projekt Südafrika: GiraffeDas Reserve besteht mehr oder weniger aus zwei Teilen, dem Haupt-Reserve, wo alle Tiere sind und die Lodges für die Touristen, und das „geschützte Reserve“, wo es keine Raubtiere gibt, aber viele andere Tiere – unter anderem das selten Cape Mountain Zebra. Hier in diesem Teil war auch unsere Unterkunft, also alles relativ sicher.

Der Tagesablauf
Die Tage gestalteten sich meistens so, dass man morgens in das Reserve gefahren ist und gearbeitet hat und mittags nach dem Essen noch mal rausgefahren ist, um Tiere zu beobachten. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Typische Arbeiten, die wir gemacht haben, waren z.B. Bäume fällen mit Hilfe von Macheten. Diese Pinien kamen aus Australien, sind also in Südafrika nicht heimisch und würden sich ansonsten, da sie keine natürlichen Feinde haben, verbreiten „wie die Pest“. Die Arbeit ist körperlich hart, aber wenn man das Ergebnis sieht, ist man stolz wie Oscar.

Andere Arbeiten waren das „Road Clearing“, wo wir mit Hilfe von Macheten sowie Sägen überhängende Äste und Büsche, die in die Wege ragten, entfernt haben. Wir haben außerdem beschädigte Zäune repariert, Wasserlöcher gereinigt, große Löcher in den Wegen mit Steinen aufgefüllt und etliche andere Dinge erledigt, die zu erzählen allerdings den Rahmen dieses Berichtes sprengen würde.

Wildlife-Projekt Südafrika: ElefantDer Mittag bestand dann aus Tierbeobachtungen, wobei wir manchmal nur rausgefahren sind, um allgemein zu schauen. Oder wir haben speziell nach Elefanten, Nashörnern oder Raubkatzen gesucht. Manche Nashörner, Geparden oder Leoparden haben ein Ortungshalsband oder einen implantierten Transmitter, mit denen man sie orten kann. Den Ortungstransmitter durften wir Volontäre betätigen. Sobald wir die Tiere geortet hatten, haben wir die Elefanten anhand der Ohren und Stoßzähne, und die Nashörner anhand von Einkerbungen in den Ohren identifiziert. Jedes Tier hat charakteristische Merkmale, die man anhand eines Datenblattes zuordnen kann. Nach einer Weile waren wir echt gut! Den Ort und den Namen haben wir notiert und später in ein PC-Programm eingetragen.

Wildlife-Projekt Südafrika: LöwenuntersuchungWas haben wir sonst so gemacht? So vieles! Ich nenne mal ein paar der Highlights: Wir haben geholfen, zwei männliche Büffel zu betäuben, um sie einmal in den Norden und einmal in den Süden zu verlegen, um den Genpool im Reserve zu mischen. Dabei haben wir geholfen, den Büffel in die richtige Lage zu rollen und beim Verladen dafür gesorgt, dass er nicht von der Rampe fällt.

Unterwegs mit der Born Free Foundation
Ein weiteres Highlight war die Löwen-Betäubung in der Born Free Foundation. Born Free befreit weltweit Löwen und andere Tiere aus Misshandlungen und anderen unwürdigen Umständen. Sie verbringen ihren Lebensabend in der Born Free Foundation, die sich auf unserem Gelände befindet. Wir mussten ein Mutter-und-Sohn-Gespann betäuben, beide haben wir verlegt und vorher medizinisch untersucht und behandelt, wobei wir dem Tierarzt zur Hand gehen durften. Wir durften auch bei der OP von der Leoparden-Dame Sandele dabei sein, diese hat einen neuen internen Transmitter bekommen, da beim alten Transmitter die Lebensdauer fast vorbei war. Die OP wurde von einem französischen TV-Sender dokumentiert.

Wildlife-Projekt Südafrika: LeopardIch könnte hier seitenweise Highlights aufführen und ein Buch daraus machen, denn es gab so viele – das eine auszusuchen, was mich am meisten fasziniert hat, ist echt verdammt schwer. :)

Einmal hatten wir im wahrsten Sinne des Wortes tierisches Glück und konnten beobachten, wie zwei Löwinnen erfolgreich zwei kleine Warzenschwein-Babies gejagt und getötet haben. Bei den Löwinnen handelte es sich um Mutter und Tochter, wobei wir die Tochter längere Zeit beobachten konnten. Sie wusste allerdings noch nicht richtig, wie das Töten funktioniert und hat mit dem schwer verletzten Ferkel eine Weile gespielt, welches immer mal wieder gequiekt und geschrien hat. Nach fünf Minuten hat sie es dann endgültig getötet.

Wir haben auch einmal in der Wildnis übernachtet, nur im Schlafsack und am Lagerfeuer. Zwei unser Koordinatoren machten derzeit ihren Master: Der eine über Hyänen; ihm haben wir geholfen, Hyänen-Ausscheidungen auf deren Ernährungsgewohnheiten hin zu untersuchen. Die andere bezog sich auf Wildkatzen; hier haben wir bei getöteten Wildkatzen (einige werden von Bauern erschossen, da diese sie als Gefahr für deren Nutzvieh sehen) den Mageninhalt untersucht. Außerdem durften wir einen ganzen Tag in der Born Free Foundation verbringen, um dort hinter die Kulissen zu schauen und mitzuhelfen. Wir durften auch einmal auf die Schießbahn, um mit einem Gewehr und einer Pumpgun zu schießen und und und…

Wildlife-Projekt Südafrika: NashörnerSchulbesuch in Patterson
Jeden Freitag waren wir in dem nahegelegenen Dorf namens Patterson. Dort unterstützt das Projekt eine Vorschule und einen Kindergarten. In der Schule haben wir einmal ein Klassenzimmer gestrichen und ein Gemüsebeet eingezäunt und überdacht. Im Kindergarten haben wir mit den Kindern gespielt und ein bereits vorhandenes Klettergerüst weiter ausgebaut, mit Materialien, die in unserem Reserve nicht mehr benötigt wurden.
Nach den Arbeiten im Kindergarten oder in der Schule hatten wir dann immer etwas Zeit, in Patterson einkaufen zu gehen. So Dinge, die wir unter der Woche brauchen: Snacks, Getränke, Hygieneartikel usw. Es gab einen Supermarkt, Getränkemarkt, Metzger, Postamt und diverse Bankautomaten.

Freizeit
Was haben wir nach Feierabend bzw. am Wochenende gemacht?
Unter der Woche hatten wir meist so gegen 17 Uhr Feierabend und Abendessen. Da man das Reserve nicht verlassen kann, war danach Karten-, Billard- oder Tischtennis spielen, einen Film gucken, im Internet surfen (gegen geringe Gebühr) oder am Lagerfeuer sitzen und Geschichten erzählen angesagt. Man ist meistens so gegen 21 oder 22 Uhr müde ins Bett gefallen, da der Tag anstrengend war und man in Afrika ja mit der Sonne lebt. Freitags haben wir uns fast immer ein Taxi bestellt und sind in eine nahe „Stadt“ gefahren, um dort ins Pub zu gehen. Man zahlt umgerechnet 10 Euro und das Taxi wartet dann den ganzen Abend bis man wieder heim will. In dem Pub gab es echt leckere Pizza, die Stimmung war ausgelassen, es spielte die neuste Musik und man hatte eine gute Zeit. Ach ja – die Neuen müssen „den Roadkill machen“. Was das ist, wird nicht verraten, das müsst ihr selbst ausprobieren.

Wildlife-Projekt Südafrika: LöwenWochenende
Zum Wochenende: Es gibt zwei große Veranstalter, die Programme für die Wochenenden anbieten bzw. es für einen individuell zusammenstellen. Wir wurden samstags abgeholt und abends wieder zurück gebracht, manchmal sind wir auch über Nacht geblieben, je nach Umfang des Ausflugs. Die Guides von diesen Anbietern haben uns immer begleitet, Bilder gemacht und alles organisiert. Die Jungs waren immer gut drauf und wir hatten eine Menge Spaß. Wir waren Elefantenreiten, Quad-Bike fahren, Sandboarding, machten einen Bootsausflug mit Braai am Strand, haben Surfen gelernt, haben ein Cricket-Spiel besucht, waren in einem Gepardenaufzuchtsprojekt, gingen shoppen oder lagen einfach mal nur am Strand.

Es finden sich immer ein paar Leute, die etwas zusammen unternehmen wollen. Die Preise für die Ausflüge sind im Vergleich zu europäischen Verhältnissen sehr günstig. Hat man auf so etwas Durchgeplantes keine Lust, kann man sich – ähnlich wie bei dem Pub – ein Taxi bestellen, das einen den ganzen Tag rumfährt, wo auch immer man hin möchte. Sonntags haben wir meist relaxt, gelesen, am Pool gelegen oder getan worauf auch immer man Lust hatte.

Es ist immer jemand da
Bei diesem Projekt wurde sich immer gut um einen gesorgt. Die Koordinatoren stehen einem immer mit Rat und Tat zur Seite. Alle haben ein unglaubliches Fachwissen, das sie mit viel Freude und Leidenschaft an die Volontäre weitergeben. Man spürt, dass sie mit Herzblut bei der Sache sind. Es hat hier und da gefährliche Situationen im Busch gegeben, wo uns das ein oder andere Tier näher kam als uns lieb war, aber die Koordinatoren hatten zu jeder Zeit alles voll unter Kontrolle, man fühlt sich sehr sicher mit ihnen. Außerdem kann man mit ihnen jede Menge Spaß haben, wir haben mehr als einmal Tränen gelacht und ihr Humor war einfach nur ansteckend.

Wildlife-Projekt Südafrika: ElefantenherdeWelche Annehmlichkeiten hatten wir? Die Zimmer wurden zweimal pro Woche gereinigt. Mittwochs war immer Waschtag, man konnte seine Wäsche morgens abgeben und hat sie abends gebügelt und sauber zurückbekommen. Wir wurden mit Frühstück, Mittag- und Abendessen versorgt. Das Essen war immer sehr lecker, viele afrikanische und lokale Gerichte aber auch mal typisch westlich, wie Hamburger mit Pommes. Mittwochabends gab es immer was vom Grill und freitags gab es ein spätes Hot Breakfast. Auch auf die Vegetarier wurde Rücksicht genommen, es wurde immer etwas extra für sie zubereitet. Wenn man mal den ganzen Tag unterwegs war, gab es ein Lunchpaket, was zwar einfach, aber völlig ausreichend war.

Wildlife-Projekt Südafrika: Wildlife purFazit
Zum Schluss möchte ich sagen, dass dies die schönste Zeit meines Lebens war, wobei das noch maßlos untertrieben ist – ich hab so viele neue nette Leute aus der ganzen Welt kennen gelernt. Dabei haben sich Freundschaften fürs Leben geformt! Ich war acht Wochen vor Ort, manche Volunteers haben mich über den ganzen Zeitraum begleitet, einige gingen früher, einige blieben länger, aber jeden Montag, wenn es Zeit war, von denen Abschied zu nehmen, die uns verlassen mussten, blieb selten ein Auge trocken. Auch wenn das Ganze vielleicht ein bisschen teuer war, es war jeden einzelnen Cent mehr als wert. Ich weiß jetzt schon, dass ich wiederkommen werde.

Ich hoffe, ich konnte mit meinem kleinen Bericht die ein oder andere Frage beantworten und so Zweifel und Unsicherheiten aus dem Weg räumen. Am Ende muss jeder für sich entscheiden, ob das etwas für einen ist oder nicht – aber ich kann garantieren, ihr werdet es nicht bereuen!

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