Was macht eigentlich…Marcus? Über die Zeit nach seinem Abenteuer Farmarbeit Australien

Was macht eigentlich…Marcus? Über die Zeit nach seinem Abenteuer Farmarbeit Australien

Vom Business Graduate zum Farmer und wieder zurück – Marcus Kleint unternahm 2011 die Reise seines Lebens: es ging einmal um die Welt nach Australien. Dabei entschied er sich nicht für ein x-beliebiges Programm, nein – es sollte Farmarbeit in Australien sein. Warum genau dieses Programm und wie es ihm seitdem erging, bringe ich in diesem Interview in Erfahrung.

Es war eine großartige Zeit mit einer Menge Abenteuer und einzigartigen Erinnerungen, die mich mein Leben lang begleiten werden!!!

Farm & Travel Australien: Schatten eines ReitersHallo Marcus, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, uns heute ein wenig über dich zu erzählen. First things first: wie kamst du dazu, nach Australien zu gehen? War das schon immer dein Traum?
Die Entscheidung nach Australien zu gehen fiel bei mir recht spät, nämlich erst zum Ende meines Bachelor Studiums hin. Mein Abschluss rückte näher und ich musste mich mit meiner weiteren Zukunft auseinandersetzen. Praktikum, Arbeit oder direkt einen Master studieren?

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie darüber nachgedacht, ein  Jahr ohne Schule und Studium zu verbringen (ich hatte direkt nach dem Abi mit dem Studium angefangen). Doch während ich weiter über meine berufliche Entwicklung nachdachte, merkte ich, dass ich noch nicht bereit war, einen Job in einem Büro anzufangen. Ich wollte Abenteuer!!! Ich wollte frei sein und nicht ständig über Noten, Klausuren und meine späteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt nachdenken!

Warum mit Stepin – und warum Farmarbeit und nicht das „normale“ Work and Travel?
Ich habe in meiner Uni eine Broschüre von Stepin gefunden und angefangen, darin zu blättern und bin auf das Farmarbeits-Programm gestoßen. Stepin hat mir die ganze organisatorische Arbeit abgenommen was Visum, Tickets und erste Unterkunft angeht. Da ich in der Zeit vor meinem Reiseantritt mit meiner Bachelor-Arbeit beschäftigt war, hat mir das sehr geholfen.

Ich habe mich für Farmarbeit und nicht Work and Travel entschieden aus einem einfachen Grund: Während meines Bachelor-Studiums hatte ich u.a. schon als Kellner in Hotels, Restaurants und Bars gearbeitet. Ich wollte nicht um die halbe Welt fliegen, um ähnliche Jobs zu machen, die es auch überall in Deutschland gibt. In einer Bar, einem Shop, einem Restaurant oder Hotel kann man auch in Europa arbeiten.
Doch Rinder auf einem Pferd / Motorrad / Quadbike durch das Outback treiben kann man hier nicht. Die Weite und die Magie des Outbacks habe ich dank meiner direkten Arbeit dort kennen und lieben gelernt. Ich bin mir nicht sicher, ob ein Trip mit dem Auto quer durch das Outback mir die gleichen Erfahrungen ermöglicht hätte.

Farm and Travel Australien: MarcusWie wir wissen, hat es dir super gefallen da unten. Was genau reizt dich persönlich am Leben im Outback?
Die Freiheit, die Weite und das Abenteuer! Auch die gewisse Primitivität des Lebens dort draußen war fantastisch. Die ersten sieben Wochen auf der ersten Farm habe ich in einem Camp im tiefsten Outback verbracht (zum Verständnis: Die Hauptstation der Farm war über eine Schotterpiste mit der nächsten „Stadt“ in 220 km Entfernung verbunden und das Camp war nochmal weitere 80 km weg). In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass man auch ohne Probleme auf Internet, ständige Elektrizität und ein Federbett verzichten kann.

Wir hatten das Glück, auf dieser Farm sehr viel auf uns alleine gestellt arbeiten zu können, frei von Vorschriften und ständiger Überwachung. Am Morgen haben wir von unserem Chef gesagt bekommen, was wir zu tun haben und dann war es an uns, den Tag zu planen.

Fehlt es dir – jetzt wo du wieder zurück in Europa bist?
Die Freiheit und Unbeschwertheit fehlen auf jeden Fall. Im Outback musstest du dir um nichts Gedanken machen. Du hast den Tag über gearbeitet, bist abends total erschöpft ins Camp zurückgekommen, hast noch ein, zwei Stunden mit den anderen zusammengesessen und gegessen und bist ins Bett. Ich habe in dieser Zeit von einem Tag in den anderen gelebt, ohne mir Gedanken über anstehende Klausuren, Hausarbeiten und Bewerbungen machen zu müssen.

Was ich auch sehr genossen habe, war die Tatsache, dass ich im Outback alles lernen und selber machen konnte. Ich habe zum Beispiel Motorrad, Quadbike, Trecker und Truck fahren und Reiten gelernt. Desweiteren habe ich gelernt, zu schweißen, mit einer Kettensäge zu arbeiten und Rinder zu schlachten und auszunehmen. Es hat da draußen niemanden interessiert, ob ich einen Führerschein für die Fahrzeuge hatte oder ob ich eine Sachkundeprüfung abgeschlossen hatte. Solange du dich clever anstellst und schnell lernst, stehen dir im Outback sehr viele Möglichkeiten offen.

Jetzt da ich wieder zurück in Europa bin, wo es für jeden Lebensbereich Vorschriften und Beschränkungen gibt, vermisse ich diese Freiheit natürlich schon von Zeit zu Zeit. Auf der anderen Seite habe ich aber festgestellt, wie luxuriös es ist, warm duschen zu können, ohne erst eine halbe Stunde vorher ein Feuer unter dem Wasserkessel zu entzünden ;-)

Farm and Travel Australien: SonnenuntergangWelche/s war dein/e beste/s und schlimmste/s Erlebnis oder Erkenntnis?
Es gab so viele schöne Erfahrungen, dass ich mich nicht wirklich auf DIE BESTE Erfahrung festlegen kann/ möchte. Eine der schönsten während meiner Arbeit auf der ersten Farm war ein zahmes Kälbchen, das wir mutterlos im Outback aufgelesen und mit der Flasche großgezogen haben.

Eine recht ernüchternde Erkenntnis war jedoch, dass du als arbeitender Backpacker recht einfach auswechselbar bist. Wenn du nicht damit zufrieden bist, wie dich dein Chef behandelt, hast du keine andere Wahl, als die Farm zu wechseln, da er schon zwei oder drei weitere Backpacker in der Hinterhand hat, die deine Position füllen können.

Am schlimmsten ist das übrigens beim Fruitpicking. Für einen Monat wollte ich mir ein wenig Geld mit Fruitpicking verdienen und hatte zweimal ziemlich Pech mit meinen Chefs. Da du nicht nur mit anderen Backpackern um die Jobs konkurrierst, sondern auch mit sehr eifrigen und leidensstarken Asiaten, bist du in null-komma-nix ersetzt, wenn du aufmuckst oder nicht schnell genug pflückst…

Farm and Travel Australien: KälbchenWas möchtest du uns zu deinem Stopover in Asien berichten? Wie gefielen dir Malaysia und Thailand?
Ich habe mich recht spontan mit drei Schwedinnen dazu entschieden, für sieben Wochen Thailand und Malaysia zu bereisen, bevor wir alle zurück nach Europa gingen. Ich kann nur empfehlen, es genauso zu machen wie wir. Vor allem in Thailand ist es verhältnismäßig billig im Vergleich zu Australien, was die Unterkunft und vor allem die Verpflegung angeht.

Ein Beispiel: Wir haben in Phuket für ein 3-Sterne-Doppelzimmer in einem Hotel pro Person genauso viel bezahlt, wie für ein Bett in einem Sechsbettzimmer in einem Hostel in Sydney. Auch das Reisen kostet fast nichts. Daher kann ich nur empfehlen, nicht alles Geld in Australien auf den Kopf zu hauen, sondern das wunderschöne Thailand und Malaysia auch zu genießen, wenn man schon mal „da unten“ ist!

Farm and Travel Australien: RinderDas Thema deiner Bachelor Thesis drehte sich um Autos, außerdem hast du schon mal ein Praktikum bei Mazda gemacht und verfolgst also offenbar eine Karriere in der Automobilindustrie – wie, meinst du, hat dir dieser Auslandsaufenthalt dabei weiter geholfen?
Ich glaube für meine Qualifizierung in der Automobilindustie direkt hilft mir mein Auslandsaufenthalt nicht wirklich viel weiter. ;-) Aber natürlich hat sich mein Englisch perfektioniert und vor allem habe ich meine Soft Skills (wo heutige Arbeitgeber ja großen Wert drauf legen) sehr stark erweitern können. Ich bin mir sicher, dass sich meine Teamfähigkeit, meine Stresstoleranz und mein Durchhaltevermögen stark verbessert haben dank meiner Arbeit auf den Farmen.

Inzwischen machst du an der Escuela de Alta Dirección y Administración (EADA) in Barcelona deinen Master. Wie kam es dazu? Warum eben diese Uni? Was genau lernst du dort?
Ich studiere einen Master in International Finance und bin im Sommer dieses Jahres fertig (Studiensprache Englisch). Das Studium und Barcelona habe ich komplett unabhängig von meiner Australienzeit gewählt. Ich wollte mein Spanisch auf den gleichen Level gebracht haben, wie mein Englisch, wenn ich mit dem Studium fertig bin. Ich denke mir, zwei Fremdsprachen sicher zu beherrschen, bringt Pluspunkte auf dem heutigen Arbeitsmarkt.

Farm and Travel Australien: Trinkende HerdeVom Business Graduate zum Farmer und wieder zurück – was ist das für ein Gefühl?
Es war eine großartige Zeit mit einer Menge Abenteuer und einzigartigen Erinnerungen, die mich mein Leben lang begleiten werden!!! Klar, einige in meinem Alter haben dieses Jahr genutzt, um Praktika zu machen, die den CV aufhübschen, doch diese Zeit hat meine Persönlichkeit so stark positiv beeinflusst, dass es das wert war, ein Jahr darauf zu  „verschwenden“.

Kannst du dir vorstellen, auch in Zukunft wieder einmal auf einer Farm zu arbeiten, oder gar komplett „umzusatteln“ (vielleicht im Ruhestand)?
Sagen wir es mal so: Ich kann mir nicht vorstellen, mein Leben lang in einem Büro zu arbeiten und 12 Stunden am Tag auf einen Monitor zu starren! Aber ob ich zurück ins Farmerleben gehe, das weiß ich (jetzt) noch nicht… ;)

Super, vielen Dank Marcus, dass Du uns hier so bereitwillig Auskunft zu deinen Erfahrungen gegeben hast! Wir wünschen Dir viel Erfolg beim Studium und für deine weitere Karriere!

Wenn euch dieser Artikel inspiriert hat und ihr mehr über das Programm „Farmarbeit in Australien“ erfahren möchtet, surft doch einfach mal auf unserer Website unter www.stepin.de/farmarbeit-australien vorbei.

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