Was macht eigentlich…Angela? Über ihre Zeit nach ihrem Auslandspraktikum in Australien

Was macht eigentlich…Angela? Über ihre Zeit nach ihrem Auslandspraktikum in Australien

Den Anfang dieser Interviewreihe macht unser Gespräch mit Angela Neumann. Sie ist mit Stepin nach Australien gereist und hat damals ein Fachpraktikum in einem Fotostudio in Sydney absolviert.

»Ich bin noch begeisterter von dieser tollen, bunten Welt, als ich es vorher war«

Angela Neumann (Australien)Was machst du zurzeit? Wie sah dein beruflicher Werdegang zuvor aus?
Zurzeit bin ich Volontärin einer großen, deutschen Tageszeitung. Ab Mai werde ich in Paris arbeiten. Nach der Schule habe ich zunächst ein Jahr Praktika gemacht und gejobbt, unter anderem in Italien und Nordengland. Danach bin ich zum Studieren nach Bremen gegangen, wo ich meinen Bachelor in dem Studiengang Internationale Fachjournalistik abgeschlossen habe. Danach bin ich für ein Praktikum in einem Fotostudio nach Sydney gezogen und von da aus nach London, wo ich meinen Master in Fotojournalismus gemacht habe. Und nun bin ich seit eineinhalb Jahren wieder in Deutschland.

Hagia SophiaStichwort Auslandsaufenthalt – Du hast einige interessante Stationen hinter dir, u.a. Praktikum und Studium in Australien bzw. anschließendes Studium in England, Reise nach Afrika. Wie haben dich rückblickend diese Aufenthalte beruflich und persönlich geprägt?
Es ist schwer zu sagen, wie man wäre, wenn man etwas nicht gemacht hätte. Ich würde zu gerne das »Ich ohne Auslandserfahrungen« und das »Ich mit Auslandserfahrungen« nebeneinanderstellen, um zu sehen, wie es mich verändert hat. Aber auch ohne das kann ich sagen, dass die Erfahrungen, die ich in anderen Ländern gemacht habe, mich auf positive Weise verändert haben. Ich bin weltoffener, verständnisvoller, mutiger geworden.

Und ich bin noch begeisterter von dieser tollen, bunten Welt, als ich es vorher war. Außerdem – und das ist genial – habe ich viele echte Freunde gefunden. Klar, man lernt beim Reisen wahnsinnig viele Leute kennen, mit denen man nie wieder Kontakt hat. Aber da gibt es eben immer auch diese Menschen, mit denen man sich sofort versteht und die bleiben. Und ich bin mir sicher: Wenn ich mit 60 Jahren auf meiner Veranda meines kleines Steinhäuschens in Südfrankreich sitze (das Haus, das ich dann bestimmt haben werde), werden mich meine Freunde besuchen und wir werden über unsere schöne Zeit damals in Australien (oder England sprechen).

ZebrasWas auch noch ganz wichtig ist: Es gibt auch im Ausland schwierige Momente. Wenn das Studium nicht so läuft, wie man möchte, wenn man keine Wohnung findet, krank wird oder sonstiges. Aber auch diese Momente verändern einen und machen stärker. Ich weiß jetzt, dass ich viel mehr aushalten kann, als ich vorher je gedacht hätte. Und ich komme alleine klar. Das ist eine ganz wichtige Erfahrung, die alle ermutigen sollte, mal raus zu kommen.

Ach ja, und beruflich haben mich die Zeiten im Ausland natürlich auch geprägt. Was das Studium angeht, war es spannend, zu sehen, wie in anderen Ländern unterrichtet wird und auch inhaltlich habe ich viel gelernt. Wer würde sich schon in Deutschland mit der nicht-funktionierenden Integration der Aborigines in die australische Kultur beschäftigen? Meine Zeit in Ruanda hat mich wohl beruflich am meisten geprägt, denn durch sie weiß ich, dass ich mich in Zukunft fachlich mehr mit internationaler Politik und Entwicklungspolitik auseinandersetzen möchte.

EichhörnchenAus allen gesammelten Erfahrungen im Ausland: Welche Momente bleiben dir besonders im Gedächtnis?
Ich werde sicher nie vergessen, wie mich meine Freunde aus Versehen im Nationalpark in Tasmanien vergessen haben. Ich stand mitten im Winter auf einem Berg. Es war kalt und ich hatte keinen Handyempfang und dachte: »Ach witzig. Abenteuer!« Nach einer Stunde haben sie gemerkt, dass sie mich vergessen hatten.

Außerdem werde ich die vielen tollen Abende in Salsabars in Melbourne und London nicht vergessen und das Bummeln über Kunsthandwerkermärkte mit meinen Freundinnen in Sydney. Und natürlich meine Freunde im Ausland, die ich leider viel zu selten sehe.

Hagia Sophia von InnenWelchen Ratschlag würdest du zukünftigen Weltenbummlern mit auf den Weg geben?
Ich würde sagen: Herzlichen Glückwunsch zu der Entscheidung, ins Ausland zu gehen! Ihr macht genau das Richtige und werdet unglaublich viel erleben. Habt Mut und macht euch keine Sorgen, wenn etwas nicht so läuft, wie geplant.

Wenn ihr Heimweh habt: Das vergeht. Irgendwann werdet ihr euch im Ausland noch mehr zuhause fühlen als in eurer Heimatstadt. Wenn ihr im Ausland seid, versucht, nicht nur mit Deutschen Zeit zu verbringen. Ihr lernt die andere Sprache und Kultur nur kennen, wenn ihr auch mit Leuten vor Ort Zeit verbringt. Und das wichtigste: Habt Spaß und genießt das Leben!

Angela, vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen über Angela Neumann findet ihr auf ihrer Webseite:
http://www.neumann-photo-journalism.de

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2 Kommentare

  1. Angela

    28. März 2013 at 23:22

    Hallo Kerstin,
    da hast du sicher Recht. Ein Auslandsaufenthalt ist nicht immer eine Garantie, einen guten Job zu bekommen. Das ist bei mir leider auch nicht so. Aber ich würde genauso wie du immer wieder ins Ausland gehen.
    Liebe Grüße,
    Angela

    Antworten

  2. Kerstin

    28. März 2013 at 15:09

    Schöner Artikel. Da bekomme ich selbst wieder Fernweh. Aber man muss auch erwähnen, dass nach der Rückkehr nicht zwangsläufig alles toll und super wird. Zumindest nicht, wenn man kein Studium plant oder absolviert. Ich habe nach dem Abitur eine Ausbildung gemacht und bin danach für ein knappes Jahr nach Neuseeland gegangen mit dem Working Holiday Visum. Nach meiner Rückkehr dachte ich, dass mir ein Auslandsaufenthalt bei der Jobsuche bestimmt hilft. Dem war leider nicht so. Zuerst war ich ein komplettes Jahr arbeitslos und dann habe ich für einen Hungerlohn ein weiteres Jahr als Verkäuferin in einem schäbigen Textildiskonter arbeiten müssen. Erst danach hat es Dank Vitamin B wieder mit einem Job in meinem erlernten Beruf geklappt. Grund: Nach der Ausbildung keine Berufserfahrung gesammelt. Mit Abitur und einem Auslandsaufenthalt zu überqualifiziert für einen Job im Büro. Mittlerweile bin ich noch überqualifizierter und vermeintlich teurer als damals. Und trotzdem. Ich würde jederzeit wieder ins Ausland gehen. Es war eine sehr schöne und auch charakterbildende Zeit, an die ich mich sehr gerne zurückerinnere.

    Antworten

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