9 Vorurteile über China – welche stimmen?

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Über China und die Chinesen gibt es bei uns im Westen viele Vorurteile. Kein Wunder, denn welche Kulturnation ist unserer europäischen Kultur fremder als die chinesische? Wenn ihr euch selbst fragt, ob China wirklich so ist, wie alle denken, kann euch dieser Artikel vielleicht ein wenig weiterhelfen – oder ihr findet es bei einer Reise einfach selbst heraus!

1. »In China essen sie Hunde« (und Katzen)

Wie so viele Vorurteile stimmt diese Aussage nicht komplett, sondern nur in Teilen: Hunde und Katzen werden in China gegessen, allerdings nicht in ganz China.

Marktfrau verkauft Fleisch in ChinaDas Vorurteil kommt aus der Provinz Guangdong, die nördlich von Hongkong liegt, denn dort gibt es durchaus mal Hund oder Katze, auch wenn es eher eine Seltenheit ist. So mancher Chinese außerhalb Guangdong rümpft auch die Nase bei dem Gedanken, Hunde oder Katzen essen zu müssen.

Normalerweise wird in China also kein Hunde- oder Katzenfleisch verzehrt. Bis auf Kühe, haben Chinesen nämlich recht ähnliche Nutztiere wie wir hier auch. Übrigens sagen die Menschen in Guangdong selbst, dass sie alle Tiere essen, die mit dem Rücken zur Sonne laufen.

2. Chinesen können kein »R« aussprechen

Von Natur aus kann wirklich kein Chinese das uns geläufige »R« aussprechen, das im Rachen gebildet wird. Denn die chinesische Sprache hat keinen solchen Laut. Genau so geht es aber auch jedem englischen Muttersprachler! Das englische, im vorderen Mundraum ausgesprochene »R« dagegen, fällt den Chinesen durchaus leichter. Allerdings kann jeder lernen, das »R« im Rachen zu sprechen, egal ob Chinese oder Amerikaner.

Wenn du einen Namen mit einem deutsch ausgesprochenem »R« hast, solltest du dir vielleicht überlegen, deinen Namen anders auszusprechen oder dir einen chinesischen Namen aussuchen, um es den Chinesen einfacher zu machen. Oder du akzeptierst, dass du nicht ganz richtig angesprochen wirst. Aus »Laura« wird dann schnell »Laula« oder »Lauga«.

3. In China trägt jeder einen Mundschutz

Auch wenn uns das von den Smog-Meldungen in den Nachrichten vorgegaukelt wird: die meisten Chinesen tragen keinen Mundschutz. Die Gebiete, die am meisten vom Smog betroffen sind, liegen lediglich im Norden um Beijing in der Provinz Hebei.

Chinesin mit MundschutzAuch wenn man hier hört, dass 90 Prozent der chinesischen Städte die empfohlenen Grenzwerte für die Luftverschmutzung überschreiten, hat man in China selbst den Eindruck, dass es die Menschen nicht großartig schert. Das Leben geht dort ganz normal weiter, wenn es nicht gerade unerträgliche Smogwerte sind, die man in der Luft sehen kann. Oft sind es auch nur die jungen Leute, die in China über die Luftverschmutzung informiert sind und deshalb Mundschutz tragen.

Insgesamt machen die chinesischen CO2-Emissionen ein Viertel der gesamten Emissionen weltweit aus. Das scheint erstmal auch gerechtfertigt, denn die Chinesen stellen knapp ein Viertel der gesamten Menschheit dar. Doch da Chinesen aufgrund ihres Lebensstandards eine geringere Menge CO2 ausstoßen als zum Beispiel Amerikaner, müssten die chinesischen CO2-Emissionen eigentlich niedriger liegen. Es gibt in China einfach eine veraltete Industrie, die viel mehr Emissionen verursacht, als es mit neuer Technik möglich wäre.

Besonders in nördlichen Regionen kannst du trotzdem in fast jedem Supermarkt einen Mundschutz kaufen. In China ist es nämlich üblich, während und nach einer Erkältung nur mit Mundschutz aus dem Haus zu gehen, um niemanden anzustecken.

4. Chinesen sehen alle gleich aus und sind klein

Genau wie bei uns in Europa ist die Körpergröße auch in China regional sehr unterschiedlich. Spanier oder Italiener sind meist kleiner als Finnen oder Schweden, so sind Südchinesen auch kleiner als Nordchinesen. Im Norden Chinas ist es durchaus nicht ungewöhnlich jemanden mit einer Körpergröße von 1,80m oder 1,90m anzutreffen.

Der größte Mensch der Welt kommt sogar aus China! Über 2,40m ist die Frau aus der Provinz Anhui groß, die allerdings an einer krankhaften Wachstumsstörung leidet. Tendenziell werden auch die Chinesen – wie die Europäer – immer größer – besonders in den wohlhabenderen Milieus.

Chinesische SchulklasseDass die Chinesen gleich aussehen, kann man mit Sicherheit verneinen. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass man die Menschen der eigenen Hautfarbe oder Herkunft am besten voneinander unterscheiden kann, weil man es von Geburt an so gelernt hat. Für Chinesen sehen wir Europäer deshalb auch alle gleich aus – egal ob blond oder brünett. So geht es uns auch mit den Chinesen.

Aber je länger man in einer Kultur lebt und je mehr unterschiedliche Menschen man sieht, desto besser lernt man sie auseinander zu halten. Das lernst du schon, wenn du zum Beispiel als Lehrerin vor einer Klasse Chinesen stehst, alle dieselbe Schuluniform tragen und du dir so viele Namen wie möglich einzuprägen versuchst!

5. Alle Chinesen essen zu jeder Mahlzeit Reis

Das kann man so nicht sagen, denn auch hier gibt es wieder regionale Unterschiede. Der Yangtze teilt das Land in die nördlichen Nudelesser und die südlichen Reisesser. Das liegt ganz einfach daran, dass im Süden Reis und im Norden Weizen angebaut wird.

Reisgericht in ChinaAußerdem gilt Reis in China als ein »Arme-Leute-Essen«. Aus diesem Grund ist es Tischsitte, dass der Reis in Restaurants immer zum Schluss gereicht wird.  Dadurch soll nicht der Eindruck entstehen, der Gastgeber wolle die Gäste mit Reis »abfüllen«, bevor sie die Gelegenheit haben, das teurere Essen zu probieren.

Allerdings wird in Schulkantinen, in denen du wahrscheinlich öfter essen wirst, häufig Reis – auch dreimal täglich – angeboten, denn er ist günstig und sättigt gut.

6. Chinesen arbeiten die ganze Zeit für wenig Geld

Oft bekommen wir den Eindruck, die Chinesen seien wie ein Bienenvolk: immer am arbeiten, immer in Bewegung, aber ohne viel dafür zu bekommen. Dazu kann man nur sagen, dass Chinesen genauso fleißig sind, wie wir Deutschen immer pünktlich sind. Es kommt immer darauf an.

Ein Beweis dafür, dass die Chinesen auch nicht immer fleißig sind, ist ihr Mittagsschlaf. Der ist in China nämlich weit verbreitet. Allerdings machen die Chinesen ihren Mittagsschlaf meist dort, wo sie sich gerade befinden: auf Bürotischen, auf Fahrrädern oder Betonsäcken. Immer gerade da, wo sie arbeiten und wo man es sich halbwegs bequem machen kann.

Chinesisches GeldMan muss auch sagen, dass viele Chinesen, im Vergleich zu Europäern, eine geringere Schulbildung sowie Fachwissen besitzen und ein weniger konsequentes Ausbildungssystem haben – besonders auf dem Land. Deshalb müssen Chinesen manchmal auch mehr arbeiten, um dieselbe Arbeitsleistung zu erbringen.

Bezüglich ihres Einkommens sind Chinesen selber meist der Ansicht, dass sie genug verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Es kommt dabei sehr darauf an, ob man auf dem Land oder in der Stadt wohnt. Man muss bei Vergleichen immer bedenken, dass die Lebenshaltungskosten in China viel geringer sind als beispielsweise in Deutschland. Deshalb kann man nicht allein von den chinesischen Gehältern beurteilen, ob die Verdienste für einen angemessenen Lebensstandard ausreichen.

7. Chinesen haben alle nur ein Kind

Die chinesische Regierung hat in den 1970er Jahren die sogenannte Ein-Kind-Politik beschlossen, mit der das rasche Bevölkerungswachstum unter Kontrolle gebracht werden sollte. Denn das Bevölkerungswachstum schien alle wirtschaftlichen Aufschwünge zunichte zu machen. Die Jahrhunderte zuvor wurde die Bevölkerung durch verschiedene Naturkatastrophen, Hungersnöte oder Kriege begrenzt gehalten. Erst 1949 begannen die Bevölkerungszahlen rasant anzusteigen. In der westlichen Welt war dieses Gesetz sehr umstritten, da es die Rechte der Chinesen stark einschränkte.

Die Ein-Kind-Politik galt allerdings nur für all jene Chinesen, die laut Eintrag in ihrem Familienbuch – vergleichbar mit einer Geburtsurkunde, nur für die gesamte Familie – »Städter« waren und die der Volksgruppe der Han-Chinesen angehören. Die Han machen etwa 90 Prozent der Chinesen aus, für alle anderen 56 nationalen Minderheiten galt die Ein-Kind-Politik nicht.

Chinesische Frau mit KleinkindWenn ein Chinese in seinem Familienbuch als »Bauer« gekennzeichnet wurde, durfte er ein zweites Kind haben, wenn das Erstgeborene ein Mädchen war. In China ist die Erbfolge nur über männliche Nachkommen geregelt. Mädchen gehen mit der Heirat in die andere Familie über und sind nicht mehr verantwortlich für die Eltern. Söhne gelten in China quasi als Rentenvorsorge, denn die Söhne müssen sich um ihre Eltern im Alter kümmern, besonders auf dem Land ist diese Tradition noch weit verbreitet.

Chinas Probleme mit der Ein-Kind-Politik

Allerdings verursachte die Ein-Kind-Politik auch einige Probleme in der chinesischen Gesellschaft. Viele Mädchen werden in China abgetrieben, weil die Eltern lieber einen Sohn haben möchten. 2009 gab es auf 120 Jungengeburten nur 100 Mädchengeburten. Außerdem kommen auf 100 Geburten 30 – 50 Abtreibungen, was ebenfalls damit zusammenhängt. Wie in Deutschland steigt auch in China der Anteil der älteren Bevölkerung, während die jüngere Bevölkerung, die die ältere Bevölkerung finanzieren muss, schrumpft. Das wird besonders auf dem Land problematisch, wo die jüngeren Menschen abwandern, um in den Städten Karriere zu machen.

Zwei verkleidete chinesische KinderWenn die Menschen gegen die Regelungen der Ein-Kind-Politik verstießen, weil sie ein zweites Kind bekommen haben, mussten sie hohe Geldstrafen zahlen. Außerdem wurden ihnen staatliche Leistungen wie das Kindergeld für beide Kinder verwehrt. Viele Chinesen konnten sich das nicht leisten.

Deshalb wurde die Ein-Kind-Politik mit der zeit immer weiter aufgeweicht. Ab 2014 zum Beispiel durften Paare zwei Kinder bekommen, wenn beide Elternteile selbst Einzelkinder waren. Zum Januar 2016 wurde die Ein-Kind-Politik schließlich für beendet erklärt. Frauen dürfen nun durchschnittlich zwei Kinder haben, denn für stabile Bevölkerungszahlen muss eine Frau 2,1 Kinder bekommen. Die Chinesinnen bekamen durchschnittlich nur 1,6 Kinder.

Trotzdem hat die Lockerung der Ein-Kind-Politik bisher nicht zu massiven Anstiegen der Geburtenzahlen geführt. Viele Eltern können sich angesichts der Wohnraum- und Ausbildungspreise ein zweites Kind einfach nicht leisten.

8. Die Kommunistische Partei kontrolliert ganz China

Ja, China ist ein kommunistisches Land, das über einen großen Kontrollapparat verfügt. Man sollte in China nicht alles sagen, was man denkt. Und ja, das Internet unterliegt einer Zensur. Trotzdem hat auch die Kommunistische Partei (KP) selbst Probleme, ihre Macht aufrecht zu halten und auszubauen.

Gebäude in BeijingDie KP besteht grundsätzlich aus vielen kleineren Machthabern der einzelnen Provinzen, was man mit Ortsverbänden vergleichen kann. Die Mächtigen innerhalb der Provinzen haben oft ihre eigenen Interessen im Blick. Sie sind manchmal recht wenig daran interessiert, was Beijing anordnet. Die KP hat somit genug damit zu tun, sich selbst zu kontrollieren und kann so nicht jeden gesellschaftlichen Bereich komplett überwachen.

Generell bekommt man in China den Eindruck, dass die Politik ganz weit weg vom täglichen Leben der Menschen ist. So lesen die Chinesen beispielsweise nicht jeden Morgen die Tageszeitung – so wie es in Europa eher üblich ist, um sich auf dem Laufenden zu halten. Auch als Gesprächsthema ist Politik eher verpönt.

9. Ausländer sind in China eine Besonderheit

In teilweise jahrzehntealten Berichten von ausländischen China-Besuchern, hört man öfters, dass sich ganze Menschentrauben um sie gebildet haben, sobald sie in die Öffentlichkeit getreten sind. Das ist heute nicht mehr ganz so, denn allein durch die vielen amerikanischen Serien und Filme sind Chinesen mit einem westlichen Aussehen vertraut, wenn auch nicht unbedingt in der Realität.

Touristin in ChinaAls Ausländer erntest du in China schon Blicke, besonders wenn du dich nicht in den Touristenstädten sondern in typisch chinesischen Gegenden aufhältst. Es kann sein, dass du dort der erste Ausländer bist, den ein Chinese je gesehen hat. Oft wirst du auch um Fotos gebeten. Doch du solltest nicht vergessen, dass die Chinesen sehr höflich sind und deine Privatsphäre höchstwahrscheinlich respektieren werden. Natürlich können manche ihre Neugier nicht zurückhalten. Sie sprechen dich gerne mal an, was ganz praktisch sein kann, wenn du gerade Hilfe brauchst.

Einen Vorteil hat es auch, ein Ausländer in China zu sein: Du kannst dich verhalten, wie du möchtest, die Chinesen denken immer, dass es unglaublich cool ist, was du tust! Westlich zu sein ist in China nämlich »in«.

Deine Möglichkeiten in China

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