Vom Leben in Kanada und Deutschland #1 – Die Wahrheit über Eishockey, Gartenzwerge und andere Klischees

Vom Leben in Kanada und Deutschland #1 – Die Wahrheit über Eishockey, Gartenzwerge und andere Klischees

Nahezu jedem Land werden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Ob diese der Wahrheit entsprechen oder nur ein Klischee sind, sei einmal dahingestellt. So gelten wir Deutschen im Ausland als besonders zuverlässig, pünktlich und ordentlich – leider manchmal auch als humorlos. Kanada steht demgegenüber in erster Linie für Wildnis, Weite und wird vor allem als das Land des Ahornsirups und des Eishockeys angesehen.

Aber was wissen wir sonst noch voneinander? Wo liegen die kleinen aber feinen Unterschiede zwischen den beiden Ländern und wie erlebt jemand das jeweils andere Land, wenn dies auf einmal zu seinem Lebensmittelpunkt wird? Kurzum, was passiert, wenn jemand aus Deutschland nach Kanada bzw. umgekehrt von Kanada nach Deutschland auswandert?

Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, starten wir gemeinsam mit Mein Kanada-Reiseplaner (MKR) das folgende Interview-Projekt: Ole Helmhausen, deutscher Redakteur von MKR, lebt seit 1993 in Kanada bzw. Montréal und wird sich den Fragen unserer Leserschaft stellen.

Ole Helmhausen

Ole HelmhausenBeruf: Freier Journalist für zahlreiche Print- und Onlinemedien. Darüber hinaus Autor von über 40 Reiseführern.

Derzeitiger Wohnort: Montreal (Kanada)

Nach Kanada ausgewandert: Im Jahr 1993

Ole Helmhausen wird uns heute in einem Interview von seinem Entschluss zur Auswanderung, seinen intensiven Vorbereitungen und davon, was er im Nachhinein für sich aus diesen Erfahrungen ziehen konnte, berichten.

Interview mit Ole Helmhausen: Ein Deutscher in Kanada

Stepin: Hallo Herr Helmhausen. Vielen Dank, dass Sie sich etwas Zeit für uns und unser Interview genommen haben. Wo erreichen wir Sie gerade?

Ole: Auf dem Sprung von Montreal nach Toronto. Ich nehme das Flugzeug, sonst dauert’s zu lange. Das Land ist ja riesig.

Stepin: Die meisten Leute werden sich zunächst sicherlich fragen, warum Sie überhaupt ausgewandert sind. Dem schließen wir uns gerne an: Warum Kanada und wann?

Ole: Es gibt für alles die richtige Zeit. Meine war so um 1993. Ich war bereit für ein neues Kapitel. Eines schönen Tages habe ich meine zukünftige Frau kennengelernt, die zufällig Kanadierin war. Frankokanadierin, um genau zu sein. Dass es da große Unterschiede gibt, wusste ich vorher nicht. Überhaupt wusste ich damals von Kanada nur, dass es das Land über den USA ist.

Stepin: Wie haben Sie sich vorbereitet bzw. was galt es alles zu beachten?

Ole: Erstmal kam die seelische Vorbereitung. Kannst Du Dir das vorstellen, alles, aber wirklich alles zurückzulassen und in einem fremden Land ganz von vorne anzufangen? In gleich zwei fremden Sprachen, weil Québec ja französischsprachig ist, während der Rest des Landes meist Englisch spricht.

Blick auf ein herbstliches TorontoDann kam die gesamte berufliche Vorbereitung. Da musste vorher genau überlegt werden, wenn das nicht daneben gehen sollte. Vor dem endgültigen Umzug bin ich deshalb auch einige Male drüben gewesen, um einfach mal zu sondieren. Könnte ich mich dort wohlfühlen, kann ich mit den Leuten und vor allem: Werde ich Kompromisse machen können?

Stepin: Die deutsche Bürokratie hat ja – um es mal vorsichtig zu formulieren – nicht unbedingt den besten Ruf. Wie groß waren die bürokratischen Hürden in Kanada?

Ole: Ich bin ja nicht der typische deutsche Auswanderer, der sich mit so und so vielen Punkten qualifizieren musste oder investiert hat. Ich bin den schwierigeren Weg gegangen. Jedenfalls sage ich das gern … :) Bürokratie gab es jedenfalls nicht viel. Das Schönste – nach der Trauung – passierte, als ich »permanent resident« wurde. Dazu musste ich zuerst aus- und dann offiziell wieder einreisen.

Wir machten das, indem wir von Québec aus für ein paar Stunden den US-Bundesstaat New York besuchten und dann wieder nach Kanada einreisten. Die Zollbeamtin war so wahnsinnig nett, unsere Geschichte rührte sie dermaßen, dass sie anfing, von sich und ihrem Freund zu erzählen und einfach nicht aufhörte, obwohl hinter uns mindestens noch weitere 20 Autos warteten! Das vergesse ich nie!

Stepin: Wie dürfen wir uns den Umzug nach Kanada vorstellen bzw. was haben Sie mitgenommen und in Deutschland zurückgelassen?

Ole: Ich habe meine sämtliche materielle Habe in Deutschland verkauft, um ein finanzielles Polster zu haben, und bin mit genau zwei großen Koffern und klopfendem Herzen nach Kanada gekommen.

Stepin: Was zeichnet Kanada Ihrer Meinung nach aus? War es schwer mit den Locals in Kontakt zu kommen?

Ole Helmhausen vor einer RelingOle: Kanada ist riesengroß. Irgendwie ist das beruhigend. Selbst wenn man in einer Großstadt lebt: In spätestens zwei Stunden ist man in der Wildnis und kann tief durchatmen. Das ist schön zu wissen. Im Übrigen war es überhaupt nicht schwer, Einheimische kennenzulernen. Besonders nicht in Québec. Die Québécois sind die Latinos des Nordens. Die empfangen jeden mit offenen Armen, auch nach bald 20 Jahren in dieser Provinz würde ich das jederzeit bestätigen. Die haben eine Lebensenergie und -freude, das ist einfache irre. Die Anglokanadier sind in dem Punkt etwas zurückhaltender, aber deshalb nicht weniger freundlich.

Aufgepasst und mitgemacht: Fragen ist erlaubt. Was wollt Ihr von Ole Helmhausen wissen?

An dieser Stelle halten wir mit unseren eigenen Fragen kurz inne und möchten Euch einladen: Lest Euch das beigefügte Kurzprofil von Ole Helmhausen und den ersten Teil des Interviews durch. Nun habt ihr eine Woche lang Zeit euch Fragen an ihn zu überlegen und hier als Kommentar oder auf der Stepin-Facebook-Seite zu stellen. Was brennt euch schon lange unter den Nägeln? Welche Tipps könntet ihr gebrauchen und was habt ihr euch vorher noch nie zu fragen getraut? Nach Ablauf der sieben Tage bündeln wir diese zu einem Fragenkatalog und Herr Helmhausen wird sie dann beantworten.

Also, Freunde, haut in die Tasten und bringt die Seite zum Kochen. Wir freuen uns auf neugierige, witzige, intelligente und ausgefallene Fragen!

Deine Möglichkeiten in Kanada

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2 Kommentare

  1. Ulrich

    27. Juni 2011 at 00:46

    Hallo Herr Helmhausen,

    ich habe dieselbe Frage bereits auf dem anderen Blog an Frau De Luca gestellt, möchte dies aber auch an Sie weitergeben. Unsere Tochter plant 2012/13 ein Schuljahr im englischsprachigen Ausland zu verbringen, ist sich aber noch unsicher, in welches Land es gehen soll. Daher möchten wir Sie fragen, welche Vorteile Kanada diesbezüglich bietet?

    Freue mich auf Ihre Antwort.
    Mit freundlichen Grüßen
    U. Behringer

    Antworten

  2. Kristin

    23. Juni 2011 at 11:55

    WOW – find ich super, dass man hier die Möglichkeit bekommt, Fragen direkt an leibhaftige Auswanderer zu richten!
    Ich war selbst mit Stepin in Kanada (allerdings bei den „Anglokanadiern“) und habe dieses Land mitsamt seinen Bewohnern und deren Lifestyle, der unglaublichen Landschaft und seiner Kultur kennen und, ich glaube das kann ich wirklich so sagen, lieben gelernt. Ich habe mich dort sofort angekommen und zuhause gefühlt – das daraus resultierende ständige Fernweh und die ganzen schönen Erinnerungen führen natürlich zu der Überlegung, Kanada vielleicht wirklich einmal zu meinem Zuhause zu machen :)

    Deshalb würde mich Folgendes sehr interessiern:
    Wie gut stehen die Chancen für Personen aus der Hotelbranche, in Kanada dauerhaft und beruflich erfolgreich Fuß zu fassen?
    Was sind für Sie Grundvoraussetzungen, die für eine reibungslose Auswanderung notwendig sind? Worum sollte ich mich als erstes/am intensivsten kümmern, wenn ich eine Auswanderung plane?
    Gibt es etwas, das Sie an Deutschland absolut vermissen – vielleicht das gute deutsche Schwarzbrot? ;)

    Ich freue mich auf Antworten und Anregungen durch Herrn Helmhausen bzw. Frau De Luca! Vielen Dank!
    Liebe Grüße,
    Kristin

    Antworten

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