Ayers Rock vs. Uluru – das Rote Zentrum Australiens

Ayers Rock oder Uluru, egal wie man diesen riesigen Felsbrocken nennen möchte, er zieht jeden in seinen Bann. Hunderte Mythen, Sagen und Geschichten drehen sich nur um den großen roten Felsen, der zum Wahreichen Australiens geworden ist. Ziemlich genau in der Mitte des 5. Kontinents gelegen, vereint der Ayers Rock zwei Welten: die der australischen Ureinwohner, Aborigines, und die der weißen Entdecker und Siedler und heutzutage natürlich der Touristen.

Der Ayers Rock im roten Zentrum von Australien

Uluru oder Ayers Rock?

Nach jahrzehntelangen Kämpfen um das Land der Urvölker hat man sich auf einen Kompromiss geeinigt. Der Fels „gehört“ den Aborigines. Die Weißen, insbesondere die Touristen, werden nur geduldet. Durch Kulturtourismus und spezielle Schulungen sollen die jährlich Millionen Besucher aufmerksam gemacht werden auf die Bedeutung der Erde, auf der sie für ein paar Stunden wandeln – und diese zu achten und zu respektieren.  Nur diesen Aufklärungsmaßnahmen ist es zu verdanken, dass immer mehr Besucher den Fels, der eigentlich jedenrmann geradezu einlädt, ihn zu erklimmen, davon Abstand nehmen, diesen tatsächlich zu besteigen. Die Anangu sehen den Berg als heilig an und besteigen ihn niemals. Ich selbst war mit dem Vorsatz, bei meinem Besuch Ayers Rock zu besteigen, ins Rote Zentrum gereist und habe mich erst vor Ort dagegen entschieden. Es wirkt also bei manchen ;)
Der Name »Ayers Rock« soll sogar weitestgehend wieder in Vergessenheit geraten, die Bezeichnung soll durch den Aboriginal-Namen »Uluru« in den Köpfen der Menschen ersetzt werden. Die Urvölker Australiens holen sich so ihr Land auf friedliche Art und Weise zumindest teilweise zurück und verdienen dabei unsere Unterstützung.

Kata Tjuta

Welche ungeheure Bedeutung der Fels für alle Australier hat, begreift man wahrscheinlich nie hundertprozentig – allerdings kann ein persönlicher Besuch im Red Centre Australiens schon dabei helfen, einem Menschen die Augen für die Kultur und Herkunft der Aborigines zu öffnen. Besucher werden durch speziell geschulte Guides über die Entstehungsgeschichte der diversen Felsformatione informiert, sowohl aus der wissenschaftlichen als auch aus der spirituellen Sichtweise. Letztere ist die Version aus der sogenannten Traumzeit – »dreamtime« – der „Glaubenslehre“ der Aborigines, aus welcher sich alle Traditionen, Bräuche, Sprache, Glaube und letztendlich alles Leben auf der Erde ergab. Die Aborigines haben keine Schriftsprache – seit Jahrtausenden werden alle Informationen zu Kultur und Überleben im Busch mündlich an die nachfolgende Generation weitergegeben.

Straßenschild zum Ayers Rock

Des Wahrzeichens Ursprung

Die verschiedenen geologischen Erscheinungen über der Oberfläche des roten Kontinents, also Ayers Rock, die Olgas und Mount Connor, haben wahrscheinlich alle denselben Ursprung. Sedimente eines riesigen Binnenmeeres haben sich über die verschiedenen Erdzeitalter abgesetzt und sind versteinert. Durch geologische Vorgänge faltete und brach diese Sedimentschicht und verzog sich so, dass sich die zwei entgegengesetzten Enden nach oben bogen.  Durch Erosion des umliegenden Landes hoben sich die vorher genannten Gebirgsformationen quasi „aus dem Boden“.  Dies ist halt nicht ganz korrekt  – Ayers Rock und Co. blieben vielmehr an derselben Stelle, nur das umliegende Gestein, welches nicht so hart und widerstandsfähig beschaffen ist, wurde abgetragen – so kamen die drei Formationen langsam zum Vorschein.

Der Ghan

Warum ins Red Centre?

Nicht nur diese Naturdenkmäler sind Attraktionsfaktoren im Roten Zentrum Australiens. »Der Ghan«, der bekannteste Zug Australiens, durchquert den Kontinent einmal komplett von Nord nach Süd und umgekehrt. 3.000 km legt er dabei zurück und macht u.a. auch halt in Alice Springs. Name und Logo dieser australischen Ikone haben ihren Ursprung in einem anderen Phänomen der Geschichte des Red Centers: Gastarbeiter aus Nordafrika und Vorderasien wurden Mitte des 19. Jahrhunderts nach Australien gebracht, inklusive einer Herde Kamele, um in der sengend heißen, trockenen Wüste Transporte zu verrichten. Obwohl die Männer aus vielen verschiedenen Nationen kamen, wurden sie schlicht „Afghans“ genannt. Die Kamele leisteten gute Dienste, bis die Bahnstrecke irgendwann fertig gestellt war und man die Tiere nicht mehr brauchte. Man entließ sie daher einfach in die Freiheit, woraus eines der massivsten ökologischen Probleme des heutigen Australiens entstand. Mit Nahrung in Hülle und Fülle und ohne natürliche Fressfeinde vermehrten sich die Tiere über die Jahrzehnte rasend schnell. Schätzungsweise 1 Million Kamele bevölkern mittlerweile den Kontinent, und zwar überall – in Queensland, Western Australia, South Australia und dem Northern Territory. Experten gehen davon aus, dass sich die Plage weiter ausbreitet – alle 9 Jahre verdoppelt sich sogar die Population. Die Tiere bedrohen dabei die ursprüngliche Flora und Fauna Australiens. Derzeit werden verschiedene Lösungsansätze diskutiert, von Sterilisation bis Massentötung durch Scharfschützen ist alles dabei. An diesem Beispiel kann man einmal mehr erkennen, was für Schäden der Mensch verursacht, wenn er bewusst oder unbewusst in ein Ökosystem eingreift.

Kamele am Ayers Rock

Nicht verpassen!

Neben den unzähligen Erlebnissen, die Uluru und Kata Tjuta und der gesamte Nationalpark bieten, möchte ich vor allem auf ein Event der besonderen Art eingehen und einen Besuch jedem empfehlen. Worum geht’s? Nun, die Stadt Alice Springs liegt am Todd River, welcher jedoch aufgrund der Witterung die meiste Zeit des Jahres gar kein Wasser führt. Die Australier, das erfinderische und humorvolle Völkchen, das sie nun mal sind, haben sich für das ausgetrocknete Flussbett eine Verwendung ausgedacht: herausgekommen ist die »Henley on Todd – Regatta« oder »Todd River Race« (in Anlehnung an die „Henley-on-Thames“-Regatta in England). Ein extrem witziges Event, vielleicht ein bisschen vergleichbar mit einem Badewannenrennen hierzulande, nur ohne Wasser ;) Was zählt, ist der Auftritt der einzelnen Teams und das Aussehen der „Boote“, die keinen Boden haben und von 3-4 Personen einfach durchs staubtrockene Flussbett getragen werden. Dieses in den 1960ern erfundene „Bootsrennen“ zieht heutzutage jährlich um die 20.000 Zuschauer an – also, nichts wie hin!

Aussie Wildlife am Ayers Rock

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