Erfahrungsbericht: Teach and Travel in China: Interview mit Stepin-Teilnehmerin Hanna Dreßen

Erfahrungsbericht: Teach and Travel in China: Interview mit Stepin-Teilnehmerin Hanna Dreßen

Mit 16 Jahren als High School-Schülerin in die USA, nach dem Abi für 6 Monate als Englischlehrerin nach China. Keine Frage, Hanna Dreßen liebt die Herausforderung. Und die befindet sich im besten Fall nicht direkt vor der eigenen Haustür. Amerika war nur der Anfang, danach führte ihr Weg nach Fernost.

Mittlerweile hat sich »Teacher Hanna« von ihren Schülerinnen und Schülern in Südchina verabschiedet und bereitet sich auf die nächste Hürde vor: das Studium der »Wirtschaftssprachen Asien und Management« am Bodensee.  Noch  bleibt uns aber genügend Zeit für ein ausführliches Gespräch über Kulturaustausch im Allgemeinen und ihre Ratschläge für zukünftige Weltenbummler.

Erst High School USA, dann Teach and Travel China – du bist wirklich ein Globetrotter und kannst aus eigener Erfahrung westliche und östliche Welt miteinander vergleichen. Wie würdest Du Deine Eindrücke beschreiben?
Hanna an der chinesischen MauerChina ist wirklich eine ganz andere Welt, es passiert immer genau das Gegenteil von dem, was man erwartet. Nach meinem High School Semester in Amerika, das als 16-jährige genau die richtige Portion Abenteuer bedeutete, ist China nochmal ein ganz anderes Kaliber gewesen. Das war wirklich ein Sprung ins kalte Wasser. Obwohl mich China schon immer fasziniert hat, hatte ich eigentlich überhaupt keine Ahnung, was mich erwartet und alles war ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe.

Auch meine Zeit in den USA vor drei Jahren war für mich damals ein Riesenschritt. Doch vom »American Lifestyle« schwappt schon mehr zu uns nach Europa rüber als aus Asien. Das idyllische Farmleben im Mittleren Westen der USA könnte kaum unterschiedlicher sein zum aufregenden, chaotischen, lauten, überbevölkerten Großstadtdschungel Chinas. Ein echtes Kontrastprogramm!

Karriereplanung in Deutschland: Der China-Aufenthalt hat Deinem Leben eine neue Wendung gegeben. Das zeigt sich auch in der Wahl deines Studienfachs. Wie kam es zu der Entscheidung? Und was konkret erwartet Dich im Studium?
Kurz vor meinem Abschied aus China hat mich eine gute Freundin aus dem kalten Norden im schönen Süden besucht. Sie erzählte mir, da gäbe es so einen Studiengang am Bodensee mit Schwerpunkt Wirtschaftsraum Asien. Gleichzeitig würde man auch noch Mandarin lernen. Da war ich sofort hellwach. Denn in den vielen, vielen äußerst frustrierenden Situationen der letzten Monate, in denen meine Chinesischfetzen und mein großes pantomimisches Talent einfach nicht ausreichten, habe ich mich so wütend, verzweifelt und unglaublich hilflos gefühlt, dass ich mir geschworen hatte, diese verfluchte Sprache endlich zu lernen.

Ohne Chinesisch wirst du in China entweder blöd angestarrt oder ausgelacht und fühlst dich wie ein kleines Kind, ganz allein in diesem riesigen Reich. Das muss geändert werden! Und weil mich auch internationale Wirtschaft schon immer sehr interessiert hat, habe ich mich in letzter Minute, noch von China aus, beworben. Jetzt bin ich also eine von nur 15 Studenten des Studiengangs »Wirtschaftssprachen Asien und Management« im schönen Konstanz. Das Beste ist: In zwei Jahren darf ich wieder hin – für ein ganzes Jahr ins Reich der Mitte! Diesmal hoffentlich als selbstbewusste alte Chinakennerin, die auch noch Chinesisch spricht! ;-)

Hanna und ihre SchulkinderChina ist anders als man denkt… In Westeuropa geistern viele Klischees und Drohbilder über das Reich der Mitte durch die Medien. Wie hast Du das vor Ort erlebt?
China ist viel lustiger, bunter, komplizierter, aufregender, widersprüchlicher, anstrengender, aber vor allem viel normaler als man es sich in Deutschland denkt. Manche Klischees über China stimmen vielleicht: Sie essen wirklich den ganzen Tag Reis und gönnen sich auch gerne mal eine ganz besondere Delikatesse wie Hühnerfüße, Hundefleisch oder Eichhörnchen. Das trifft allerdings auch nur für den Süden zu. Im Rest des Landes rümpfen die meisten Chinesen über diese Bräuche die Nase.

Und ja, am Anfang sehen alle Chinesen gleich aus, doch nach ein paar Wochen war jedes kleine Gesicht meiner 200 Schüler ganz vertraut und einzigartig. Jetzt, zurück in der Heimat, drehe ich mich eher alle paar Meter nach einer Langnase um: »Den kenn ich doch…?«

Die meisten Vorurteile über China sind letztendlich total übertrieben oder kompletter Humbug. Das Land ist für uns Europäer meistens nicht nur physisch, sondern auch kulturell ganz weit weg. Dadurch entstehen viele Märchen, denn wir wollen mit allem, was anders und fremd ist, grundsätzlich erstmal nichts zu tun haben.

Die Weite des Landes, die Schönheit der Natur, die kulturelle Vielfalt: Es gibt viele Dinge, die einen im Ausland emotional berühren. Aber was wir von jedem unserer Teilnehmer hören, sind die besonderen Begegnungen, die manchmal sogar Freundschaften fürs Leben hervorbringen. Wie ist es Dir ergangen?
Gebratene SeesterneSolche Begegnungen gab es erstaunlich oft! Als blondes Mädchen in China bist du einfach, egal wo du auftauchst, das Thema Nummer eins. Alle schauen dich mit großen Augen an, zeigen mit dem Finger auf dich, wollen ein Foto mit dir machen und fragen, wie du heißt, woher du kommst (Russland oder Amerika?) und wie viel du verdienst.

Am Anfang ist das lustig, doch manchmal war ich es einfach nur noch Leid. Viele Menschen waren aber auch sehr freundlich und hilfsbereit. Besonders ist mir das auf meiner 24-stündigen Zugfahrt von Beijing nach Guangzhou aufgefallen, als ich mich ganz allein und ohne Handy in einem Schlafwagen voller Chinesen befand. Ein Mann sprach etwas Englisch, wir unterhielten uns über Schweinsteiger und Özil, er half mir, mich zurechtzufinden und lieh mir sogar sein Handy. Auch heute noch schreibt er mir ab und zu eine Mail und fragt, wie es mir geht.

Als ich dann in Gedanken versunken am Fenster saß und die 2200 Kilometer China an mir vorbeirauschen ließ, schob mir eine alte Frau stumm eine Hand voll Kürbiskernen rüber und brachte mir bei, wir man mit der Zunge die Schale ruck-zuck vom Kern trennt. Solche Momente sind manchmal einfach magisch. Diese uralte Frau mit ihrem runzligen Gesicht, die mich anlächelt und mir ohne jedes Wort eine riesige Freude macht.

Hanna und ihre FreundinnenDein Ratschlag für zukünftige Weltenbummler?
Das allerallerwichtigste in China ist, super flexibel und spontan zu sein. Diesen Satz werdet ihr im Laufe eures Trainings wahrscheinlich noch ein paar Millionen Mal zu hören bekommen. ;) Lasst euch einfach auf dieses China-Abenteuer ein, habt keine Angst, eure wenigen Wörter Mandarin auszuprobieren und nehmt jede noch so bizarre Situation einfach mit Humor.

Und nie vergessen: In China werdet ihr sicher nicht mit jeder Einstellung, Sitte oder Reaktion klar kommen und euch manchmal ärgern, dass euch niemand versteht und es noch nicht einmal probiert. Trotzdem sind es nicht die Chinesen, sondern IHR, die komisch und anders sind. Denn ihr seid nur zu Gast in diesem Land und müsst das akzeptieren. Es passiert ganz schnell, dass man das mal vergisst.

Hanna, wir danken Dir fürs Gespräch und wünschen Dir viel Erfolg beim Studienstart in Konstanz.

 

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