Stina in Island #9: Hotpot, Lämmerkindergarten und Freudentränen

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Stina macht die Arbeit auf der isländischen Farm immer noch Spaß – vor allem, wenn dann auch noch die ersten zuckersüßen Lämmchen geboren werden. Sie stellt außerdem wieder fest, was für ein seltsames Völkchen die Isländer doch sind – hier gibt es strikte Regeln rund um den Besuch im Freibad und Böcke namens Ramsay Bolton.

Die Pedanterie der isländischen Schwimmbäder

Schon mal im Februar im Freibad gewesen? Nein? Ich vorher auch nicht – Bis zum 1. Februar. Da die isländischen Schwimmbäder aber alle mit Erdwärme beheizt werden, sind die warm. Man muss es nur vom Umkleideraum bis in den Hotpot schaffen, ohne zum Eiszapfen zu gefrieren.

Bei ihren Schwimmbädern sind die Isländer sehr eigen und es gibt einen genauen Ablauf, an den man sich bei einem Schwimmbadbesuch zu halten hat.

Stall mit SchafenMan bezahlt, zieht im Vorraum die Schuhe aus, oder man verpackt sie fein säuberlich in Plastiktüten, wenn man sie in den Spind tun möchte. Geduscht wird nackt, da wird Wert draufgelegt. Die Isländer verulken die Penibilität sogar auf ihren Postkarten, auf denen typische Isländer neben unwissenden Touristen in Badekleidung unter dem Spruch: »Du musst es ausziehen« abgedruckt werden.

Dann kann man ganz in Ruhe seine Bahnen ziehen, in die Sauna gehen, nach Herzenslust rutschen (allerdings nur im Sommer, im Winter ist die Rutsche abgeschaltet, weil sie sonst einfrieren würde) und mit Kaffee im heißen Topf entspannen. Ja, in Island haben sie große Thermoskannen mit Kaffee zur freien Verfügung, mit dem man sich dann in den Pool setzen kann.

Dort wird sich dann stundenlang unterhalten, ob mit Freunden oder Fremden ganz egal. Danach läuft die Pedanterie dann rückwärts ab. Es gibt in den Umkleiden zwei durch Gummimatten auf dem Boden getrennte Bereiche, den hinter den Duschen, in dem man sich abtrocknen soll, und den tatsächlichen Umkleidebereich. Man darf ja keinen einzigen Tropfen Wasser über die Gummimatten tragen, das ist unter jeglichen Umständen und bei Todesstrafe untersagt!

Insgesamt ist so ein Schwimmbadbesuch aber jedes Mal wieder Hochgenuss pur. Kein Wunder, dass jeder Tag ohne für die Isländer ein vergeudeter Tag ist. Besonders wenn es sonnig und windstill ist, kann man sich nach einem ausgiebigen Hotpotbesuch schon im Januar sonnenbaden ohne allzu schnell zu frieren und nicht wie ich nur von Nasenspitze bis Haaransatz.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Ansonsten lief der Februar ähnlich ab, wie der Januar. Kühe, Schafe, Schafe, Schafe, Mittagspause, Kühe, Essen, Duschen, Schlafen. Die lange Mittagspause gibt mir immer viel Zeit, zu lesen, backen, Filme zu schauen und sonst nicht was. Abgesehen vom Kaffee und den obligatorischen Keksen dazu.

Und täglich grüßt die Praktikantin

Waffeln steheb auf dem gedeckten TischAnfang März bekamen wir Gesellschaft. Eine ungarische Landwirtschaftsstudentin wollte ihr sechswöchiges Praktikum bei uns absolvieren. Gunna hatte mich schon im Februar gefragt, ob ich damit einverstanden sei, wenn sie mit in meinem Zimmer einzieht. Dort ist ein freies Bett, genug Platz, damit noch jemand sein Chaos dort ausbreiten konnte und ich halte mich sowieso nur zum Schlafen dort auf. Warum also nicht?

Wir waren vom ersten Augenblick an auf einer Wellenlänge, teilten die Leidenschaft fürs Backen, wetteiferten schon bald, wer den leckereren Kuchen zum Sonntagskaffee auftischen konnte, tauschten Rezepte – und verursachten ein Mörderchaos in unserem Zimmer. Wenn zwei Grazien wie wir beide all unsere Habseligkeiten durcheinanderwerfen und das in einem ungefähr 10 Quadratmeter großen Zimmer, kann man sich das Ausmaß des Infernos vorstellen.

Stina füttert ein Kalb mit der FlascheInsgesamt entspannten sich damit die Tage ungemein. Sechs statt vier Hände schaffen mehr, im Kuhstall haben wir gleich am Anfang aufgeteilt, wer was macht und verkürzten damit die Zeit dort auf ein bisschen mehr als die Hälfte, obwohl wir selten wirklich schneller waren, weil wir unseren »Patensohn«, das erste Kalb, das wir gemeinsam aufzogen, immer schön betüddeln mussten.

Gunna konnte sich auch gut und gerne mal zurücklehnen und Papierkram machen, während sie und ich die Schafe übernahmen. Unsere Bestzeit dabei war zweieinhalb Stunden für alles. Dementsprechend hatten wir nachmittags mehr als genug Zeit, gemeinsam Kartoffelwaffeln zu backen.

Freudentränen

grüne Polarlichter am HimmelEines unserer absoluten Highlights war der Abend, an dem unser Gastbruder hereinkam und meinte, ob wir die Nordlichter gesehen hätten. Wir sind also schnellstens in unsere Stiefel gestürzt und aufs Feld gerannt und tatsächlich war es, als glühe der gesamte Himmel grün. Wirklich. Der. Gesamte. Himmel! Wir hatten so ein Glück. Sie vergoss dabei vor Rührung und Freude sogar ein paar Tränen, weil es gerade mal das zweite Mal war, dass sie Nordlichter sah, ein paar Tage zuvor hatten wir schon einen Schimmer gesehen.

Grüne Polarlichter am HimmelAber ich will mich mal nicht allzu weit aus dem Fenster hängen, schließlich habe ich beim ersten breiten Streifen grün am Himmel erst meinen Gastbruder umgerannt, wäre dann beinahe übers Auto gestolpert und hab mir dann die Nase am Fenster plattgedrückt. Nur das mit dem Fotografieren hat nicht allzu gut funktioniert, weil ich kein Stativ dabei hab und meine Kamera es leider ab und an zu kalt fand und den Auslöser blockiert hat.

Minimäh!

Im März mussten allerdings auch ein paar Schafe medikamentös behandelt werden. Gerade bei den Böcken macht das keinen Spaß, wenn die einem die Hörner in die Oberschenkel rammen, weil sie nicht stillhalten wollen, aber was muss, das muss.

Neugeborenes Lamm im stallAls Gunna und ich eines Abends nach dem Melken oben in den Schafstall kamen und schon die Futterkrippe fast durchquert hatten, mähte es hinter uns. Gut, in einem Schafstall mit 400 Schafen wohl nichts Ungewöhnliches, könnte man meinen. Trotzdem fuhren Gunna und ich auf Kommando herum und starrten uns dann an. Wäre es nicht für ein so liebreizend winziges, hohes Mäh-Stimmchen gewesen, hätten wir wohl nicht so einen Aufstand gemacht, aber es waren die ersten zwei Lämmer geboren. Zwei Monate zu früh!

Wir suchten sofort nach Mama und Kindern, ich hob die beiden noch halb schleimigen Dingerchen hoch, brachte Mamaschaf dazu, mir zu folgen, und separierte die kleine Familie im Korridor. Gott, waren die niedlich! Mamaschaf schleckte sie dort in ihrem Eck weiter fleißig trocken, bekam ein bisschen Heu und einen Eimer Wasser und uns blieb nur, dem anderen Schaf seine Spritze zu verabreichen und unten ganz aufgeregt von den ersten beiden Lämmern zu erzählen.

Lämmerkindergarten

Neugeborenes Lämmchen trinkt MuttermilchEs dauerte nicht allzu lange, bis dann die nächsten Lämmer nachkamen. Hier zwei, dort zwei und schon hatten wir unsere eigene kleine Lämmerzeit schon im März. Nicht optimal, aber jetzt nicht mehr zu ändern. Insgesamt waren es zwischen dreißig und vierzig Schafe, die schon Lämmer bekamen. Das waren dann zu viele, als dass wir sie im Korridor hätten halten können, also zogen sie in den bisweilen unbewohnten Pferdestall, der kurzerhand zum Lämmerkindergarten umfunktioniert wurde.

Das war dann zwar ein Arbeitsauftrag mehr, aber die Lämmer schmusen zu dürfen, machte das mehr als wett. Es ist schon goldig, wie die durch die Gegend hüpfen. Eines von den Schafen hatte ich sogar melken müssen, um die Lämmer anfüttern zu können, weil die Zitzen zu groß für die winzigen Mündchen waren und dieses Schaf schien mich jetzt als drittes Kind akzeptiert zu haben, denn jedes Mal, wenn ich in den Stall kam, kam sie näher und sah mich an, als wolle sie sagen: »Da bist du ja, mein Kind, schön dass du kommst.«

Aber von nun an habe ich den größten Respekt vor Leuten, die Schafskäse herstellen. Aus so einem Schafseuter ist nur mit Mühe und viel Geduld ein winziges bisschen Milch heraus zu bekommen, vor allem, wenn die Biester meinen, in ihrem Abteil im Kreis laufen zu müssen. Wenn ich aber schon Kälber mit der Flasche füttern lustig fand, Lämmer brachten nochmal mehr Spaß. Die machen zwar mindestens genauso eine Sauerei mit der verschlonzten Milch, aber die nimmt man dafür auf den Arm oder auf den Schoß und füttert sie mit einem Fläschchen.

Ups.

Zu all dem Lämmerkram mehr im Mai, wenn wir wirklich Lämmerzeit haben. Dass ich davon schon jetzt einen Vorgeschmack bekam, war ein bisschen mir geschuldet. Denn meinem Gastbruder und mir ist da wohl ein mal ein kleines Malheur passiert. Andererseits war das noch in der Zeit, als ich gerade so Schaf von Lamm unterscheiden konnte, weil die Lämmer ja im Herbst fast so groß und vor allem wollig wie die Mütter sind, also kann man mir da eigentlich nichts vorwerfen.

Welpenbonus! Mein jüngster Gastbruder und ich hatten nämlich die Böcke von den Weiden zusammentreiben sollen und haben wohl irgendwie leider ganz ausversehen einen, ähm, vergessen. Ups. Entweder wir haben ihn gar nicht erst mit runtergebracht, oder wir haben ihn wegen der fehlenden Hörner übersehen und wieder mit rausgeschickt. Es gibt nämlich Böcke mit majestätischen Hörnern und welche ohne, die dann ziemlich nackig aussehen. Wie auch immer. Der eine glückliche war dann unter den Schäfinnen der Hahn im Korb und konnte sie nach Herzenslust beglücken. Also ist es nicht nur meine Schuld und mein Gastbruder… der fängt die Böcke, die an ihm vorbeirennen förmlich aus, packt die an den Hörnern, dreht sich mit denen um die eigene Achse, um den Schwung raus zu nehmen und geleitet sie dann in ihr Apartment, dabei wiegen die Viecher zwischen 90 und 120 Kilo. Darüber hat man dann schon wieder vergessen, dass er es verpatzt hat.

Ramsay Bolton

Bock mit blauer Markierung auf dem KopfNur einen Bock muss man nicht fangen, der läuft einem egal wohin nach. Ich wollte es nicht glauben, bis ich es gesehen hab, aber Ramsay Bolton ist über den Sommer per Hand aufgezogen worden, dementsprechend an Menschen gewöhnt und verlangt (!) Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten. Kurz zum Namen und für alle, die Game of Thrones kennen: Ramsay ist netter, als sein Namensverwandter. Ram=Bock, also Ramsay Bolton, weil meine Gastbrüder Game of Thrones Fans sind. Trotzdem fragwürdig, einen Bock nach einem Schlächter zu benennen.

Eure Stina

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About Stina

Stina

Stina ist 18 Jahre alt, wohnt in Brandenburg und hat dort gerade ihr Abitur bestanden. Nach dem Abistress und der langen Lernphase zieht es sie nach draußen. Dafür reist sie Ende 2016 mit Stepin nach Island, um dort nicht nur frische, kalte Luft zu schnuppern, sondern auch um zu sondieren, wie es danach studien- und berufstechnisch weitergehen soll.


Du interessierst dich auch für das Programm »Farmarbeit in Island«? Hier findest du alle Infos: Farmarbeit Island

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