Stina in Island #7: Weihnachten im Stall

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»Von drauß‘ vom Walde komm ich her; ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!« Auch bei Stina auf ihrer Farm in Island startet langsam aber sicher die Weihnachtszeit. Trotz der vielen Arbeit hat sie dort ein ereignisreiches Fest mit isländischen Weihnachtswichteln, Pfefferkuchenhaus und einem Zwergen-Weihnachtsbaum. Erfahre, wie ihr Weihnachten ohne die eigene Familie doch zu einem sehr familiären Weihnachten geworden ist.

Fröbeln!

Sonnenuntergang auf Stinas Farm in IslandNach meinem kleinen persönlichen Schneegestöber ging es eindeutig bergauf. Das erste Adventswochenende verbrachte ich bei den anderen Mädels in Blönduós –  in deren Haushalt schoss Weihnachtsdeko wie Pilze aus dem Boden.

Das hielt sich bei uns auf dem Hof vorerst in Grenzen, bis auf den Stern-Kranz, den ich selbst gefröbelt und unter die Lampe gehängt hatte.

Etwas Weihnachtsstimmung musste aber doch sein, also haben wir Kekse gebacken. Bei den vielen, vom arbeitenden hungrigen Naschkatzen, waren diese allerdings ziemlich schnell verschwunden und verlangten nach Nachproduktion.

Wer knuspert an meinem Häuschen?

Insgesamt hielt sich die Vorweihnachtlichkeit aber vorerst in Grenzen, wegen all der Arbeit. Mit Ausnahme von den Weihnachtseinkäufen am Tag vor Nikolaus, als Gunna und ich und morgens nach Akureyri gefahren sind.

Dort nahm sie mich mit zu einer der Sehenswürdigkeiten von Akureyri: Das Weihnachtshäuschen. Ein lebensgroßes Pfefferkuchenhaus mit Lakritz auf dem Dach, in dem das ganze Jahr über Weihnachtsmusik gespielt und gebrannte Mandeln verkauft werden. Dort findet man wirklich alles, was das Herz an weihnachtlichem Kitsch begehren kann. Das wog die Weihnachtlichkeit des ganzen Dezembers wieder auf und an Weihnachtseinkäufe ohne Gedränge könnte ich mich doch glatt gewöhnen.

Isländische Weihnachtslegenden

Dort erzählte mir Gunna auch von den isländischen Weihnachtswichteln. Das sind dreizehn unflätige Gestalten, die beispielsweise den Skýr stehlen, das Räucherfleisch aufessen, nachts Türen zuschlagen, den Löffel abschlecken oder versuchen den Bock zu melken. Sie sind die Brut einer ungnädigen Mutter, die in ihrem Sack die ungezogenen Kinder einsammelt, um sie zu fressen. Außerdem hat Gunna mir von deren Katze erzählt, die es ihrer Herrin gleichtut und die Kinder frisst, die keine neue Kleidung zu Weihnachten bekommen haben.

Von da an habe ich mich vor den beiden hier streunenden Katzen in Acht genommen, weil ich zwar einen feinen Rock mitgenommen habe, den aber schon vorher getragen hatte.

Einmal frei machen, bitte!

Nach Nikolaus wurden dann die Schafe geschoren. Dafür kam ein Scherer, dem ich zur Hand gehen sollte.

Schafe werden geschertDer Ablauf des Scherens ist wie folgt: Man schnappt ein Schaf, wie in einem meiner vorherigen Artikel beschrieben, beim Kragen. Dann gibt es verschiedene Tipps und Tricks, wie man die Biester auf den Hintern setzen soll, damit sie beim Scheren nicht herumzappeln. Daraufhin wird geschoren und das nackte Schaf gesellt sich zu seinen ebenso entkleideten Kollegen.

Dabei muss man aufmerksam sein, auch wenn die ruhige Gleichmäßigkeit der Arbeit zusammen mit dem Brummen der Schermaschine ziemlich schläfrig macht… Nachdem ich selbst mich mit den Schleif- und Tragetricks am Umdrehen der Schafe versucht habe und mehr oder minder kläglich gescheitert bin, kann ich eindeutig sagen, dass Scheren Knochenarbeit ist.

Deswegen habe ich mich aufs Wolle sortieren und Handlanger spielen begrenzen müssen. Aber mal ehrlich, selbst die kleinsten Schafe wiegen um die vierzig Kilo und ich bin nicht als kleines Kind in den Zaubertrank von Miraculix gefallen.

Schaf-Graffiti

Beim Verabreichen der Wurmkur oder dem Ersetzen der kleinen Lämmerohrmarken konnte ich da schon eher sein. Ansonsten lief die Arbeit bis kurz vor Weihnachten wie gewohnt weiter.

Um den 17. Dezember begannen wir damit, die Schafe herauszusuchen, die inseminiert werden sollten. Das machten wir zweimal am Tag. Nachmittags brachte mein Gastbruder die Samenstäbchen mit und die Schafe, die empfänglich waren, bekamen die Samen der Zuchtböcke inseminiert.

Dafür klopfte Gunna am ersten Tag morgens um sechs, eine Stunde vor meiner eigentlichen Aufsteh-Zeit, lautstark an meine Zimmertür und fragte, ob ich mit den Schafen helfen wollte. Da ich dann nun mal wach war, wollte ich auf jeden Fall. Es ist nämlich wirklich witzig, die weiblichen Schafe, die sich mit den Böcken einlassen, mit Spray-Dosen bunt anzumalen. Für die Böcke muss es der Himmel auf Erden sein, ein Bock für fünfzig Schafe…

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie kurz bist du geraten?

Geschmückter WeihnachtsbaumKurz vor Weihnachten nahmen wir eine Säge und spazierten in das Wäldchen. Island hat so gut wie keine Bäume und die Bäume, die man dann doch findet, sind für meine Brandenburger Verhältnisse winzig. Wir schlugen uns ein kleines, dickes Weihnachtsbäumchen, das mir ungefähr bis zur Schulter reichte, dafür aber seinen ganz eigenen Charme hatte. Zwischen den Bäumen konnte ich mir das Grinsen gar nicht aus dem Gesicht wischen, so schön war der Geruch von Harz und Nadeln. Das Bäumchen zu schmücken, war sogar meine Aufgabe und ich hatte meine helle Freude daran.

Am Tag vor Weihnachten tauchten dann wie aus dem Nichts überall leuchtende Sterne und die bisher fehlende Weihnachtsdeko auf. Die Familie kam angereist und die Lebensmitteleinkäufe bevölkerten die Speisekammer. Davon hätte man gut und gerne ein ganzes Regiment satt füttern können. Vermutlich schon allein mit den Süßigkeiten, aber wer will sich darüber zu Weihnachten beschweren? Kurz um, das Haus war voll und weihnachtlicher Trubel hielt Einzug.

Weihnachten im Stall. Das gab´s schon mal, ich weiß, aber meins war anders…

Heilig Abend ist auf Island bis abends um sechs Uhr ein ganz normaler Tag. Gerade für uns, die Tiere zu versorgen haben, sowieso ein ganz normaler Arbeitstag. Zusätzlich sortierten meine Gastbrüder die Schafe nach Alter, Hörner und Nicht-Hörner und spendierten jeder Reihe einen passenden Schafbock, der die nicht inseminierten Schafe in den nächsten Wochen beglücken durfte. So fangen sie an einem bestimmten Tag im Mai an, Lämmer zu bekommen. Das Jahr ist durch getaktet.

Kurz vor sechs war das Bad dann dauerhaft besetzt. Die Isländer machen sich zu Weihnachten sehr hübsch, und bis acht Leute durchs Bad sind, dauert das eben seine Zeit – es will schließlich keiner zum Weihnachtsessen nach Schaf miefen.

grünes PolarlichtDann ging es ans Weihnachtsessen mit dem traditionellen Jola-Bier, das selbst für die Kinder das Highlight des Essens war, weil es sich hierbei um Malzbier mit Orangenlimonade handelt. Ursprünglich daraus entstanden, dass Orangen auf Island eine Besonderheit zu Weihnachten waren und man den Saft strecken wollte.

Danach ging es aufs Drängeln meiner kleinen Gastgeschwister ins Wohnzimmer – zum Geschenke auspacken! Die Geschenke waren schon unter dem Baum gestapelt, eine ganze Menge sogar. Das Verteilen und Auspacken war besonders schön. Die Kleinen pflückten eins unterm Baum hervor, hielten es hoch und der, von dem es war, sagte, für wen es war. Dem wurde es dann von den Kindern überbracht, dann wurde es ausgepackt und nach einem herzlichen Dank kam das nächste auf die gleiche Weise dran.

Ich bekam ebenfalls Geschenke von meiner Gastfamilie: Schokolade, ein Windlicht und einen Autoatlas mit Reiseführer für Island. Von Zuhause waren ebenfalls zwei Päckchen gekommen, nur das für Gunna war natürlich nicht rechtzeitig eingetroffen. Natürlich skypte ich auch noch mit meiner Familie.

Weihnachten mit der Familie.

Insgesamt kann ich über dieses Weihnachten sagen, dass es ein sehr schönes war. Obwohl ich mich nicht mit einem geschenkten Buch auf die faule Haut legen konnte, wie ich es an den Weihnachtstagen Zuhause getan hätte, obwohl mir alle familiären Traditionen fehlten, obwohl ich gern das Krippenspiel gesehen hätte und obwohl es wirklich seltsam war, Weihnachten nicht mit der Familie zusammen zu sein. Trotzdem war es ein Weihnachten mit der Familie, nur eben nicht mit der eigenen.

Im Nachhinein war auch das eine gute Erfahrung, wie ich auch von anderen Steppies gehört habe, zumal meine Gastfamilie mich ganz lieb mit eingebunden hat.

Vorweihnachtlichkeit nach Weihnachten.

SchneemannAn den Weihnachtsfeiertagen, als die Familie noch frei hatte und auf dem Hof war, tat sich die Arbeit in kürzester Zeit wie von selbst. Ich hatte also frei, ohne tatsächlich frei zu haben. Die freie Zeit füllte ich dann damit, mit meinen kleinen Gastgeschwistern Schneeengel und Schneemänner zu bauen und rodeln zu gehen, Märchen zu gucken und die letzten Plätzchen zu essen. Das macht sich nämlich bei dem vielen Schnee wunderbar.

Kurz vor Silvester musste ich dann leider zwei Tage halb tot im Bett verbringen, wodurch wir unter anderen Umständen, wegen meiner fehlenden Arbeitskraft völlig aufgeschmissen wären, aber Gunnas Jüngster konnte meinen Anteil übernehmen.

Feuerwerk!

Feuerwerk an SilvesterSilvester verbachte ich dann bei den Mädels in Blönduós. Dort traf sich die ganze Stadt um zehn auf einem zentralen Hügel, um dort zunächst ein großes Lagerfeuer unter Nordlichtern zu genießen und im Anschluss ein gigantisches Feuerwerk bestaunen zu können.

Auf Island wird um Mitternacht mindestens genauso viel geknallt, wie Zuhause. Witzig war, schon um elf Uhr all die Neujahrsgrüße von Zuhause zu bekommen, weil es dort ja schon eine Stunde später war.

Eure Stina

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About Stina

Stina

Stina ist 18 Jahre alt, wohnt in Brandenburg und hat dort gerade ihr Abitur bestanden. Nach dem Abistress und der langen Lernphase zieht es sie nach draußen. Dafür reist sie Ende 2016 mit Stepin nach Island, um dort nicht nur frische, kalte Luft zu schnuppern, sondern auch um zu sondieren, wie es danach studien- und berufstechnisch weitergehen soll.


Du interessierst dich auch für das Programm »Farmarbeit in Island«? Hier findest du alle Infos: Farmarbeit Island

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