Stina in Island #6: Der Winter kommt mit aller Macht!

Stina in Island #6: Der Winter kommt mit aller Macht!

Stina hat sich nach ein paar Monaten schon gut an die Farmarbeit in Island gewöhnt. Doch schon muss sie sich der nächsten Herausforderung stellen: Der Winter kommt und der bringt nicht nur Spaß im Schnee, sondern vor allem harte Arbeit und einen neuen Tagesablauf! Stina geht an ihre Grenzen und wächst über sich hinaus.

Der Schneesturm des Grauens

Mitte November kam dann meine persönliche Woche des Horrors. Mit aller Macht und einem Schneesturm setzte am Dienstag der Winter ein. Montag war noch ganz witzig. Da fuhren wir nachmittags spontan zum Einkaufen und Organisieren meines Kontos nach Blönduós, tranken dort einen Kaffee und taten danach normal unsere Arbeit.

Um neun fuhren wir hinüber in den zweiten Stall, in dem weitere zweihundert Schafe überwintern würden. Dort mussten die Tränken gereinigt und das Heulager geöffnet werden. Wenn ich jetzt sage, dass ich mit meinem Gastbruder ins Heu gegangen bin, könnte das falsch verstanden werden, also sage ich wahrheitsgetreu lieber, dass wir im Heu gearbeitet haben. Dafür mussten wir außen über eine Leiter von oben in den Schober einsteigen und mit einer Heusäge, wie der im Kuhstall ein Rechteck frei schneiden. Das übernahm mein Gastbruder und ich beschäftigte mich derweilen damit, wie ein Kleinkind durchs Heu zu toben und mich mit Schwung hineinzuwerfen und fast darin zu verschwinden. An dem Abend wurde aus unserem Abendessen dann ein Mitternachtssnack.

Wie der verfluchte Schnee die Arbeit erschwert

Dienstag fütterten wir die Schafe auf der Weide mit einem Heuballen, genau in dem Moment war es so windig, dass man keine 40 Meter weit gucken konnte. Eigentlich keine zwei, weil man die Augen bei dem Schneegestöber kaum auf bekam. Keine Viertelstunde später kontrollierten wir dann in schönstem Sonnenschein nochmal die Weiden. Das gleiche taten wir am Nachmittag am anderen Hof noch einmal, in schon unfreundlicherer Witterung. Aber der Dienstag war auch der Tag, an dem mein erstes Päckchen mit meinem Adventskalender kam.

Schneebedeckte Weiden unter dunklen WolkenMittwochvormittag machten wir das Ganze dann gleich nochmal im kniehohen Schnee. Nicht nur, dass das anstrengend ist, der Schnee sammelt sich auch so schön in den Gummistiefeln, wenn man bergauf strabolkert. Schneemäßig brach an dem Tag hier die Hölle los, wenn das denn noch möglich war. Donnerstag hangelte ich mich nur noch gerade so durch den Tag. Der konstante Schlafmangel der letzten Tage nagte an mir und der Schneesturm machte es schwer zu sehen und zu gehen, gerade wenn man vier Heusäcke durch das Gestöber quer über den Hof zerren muss. Eine meiner Lieblingsaufgaben. Genauso wie das Sortieren des Heus, das schimmelig und, noch widerwärtiger, warm war, was uns eine extra Stunde kostete.

Wegen der Schneeverwehungen mussten wir den Traktor zum anderen Stall nehmen und brauchten damit schon für den Weg eine Viertelstunde länger. Im Führerhäuschen des Traktors war es aber wenigstens warm, sodass ich davon eingelullt einschlief. Unsere Mittagspause machten wir dann um halb sechs, bevor wir gleich wieder raus zu den Kühen mussten.

Freitag versenkten wir dann als erstes das Auto in einer Schneewehe. Zuerst versuchten wir es frei zu schaufeln, letztlich zogen wir es mit Stahlseil und Traktor raus. Ansonsten war der Tag genauso hart, wie der davor und ich ging erstmalig wirklich an meine Grenzen.

Samstagmorgen begrüßte Gunna mich dann mit: »Kalt? Müde? Miserabel?« Ich zog mir nur meine Jacke enger um die Schultern und nickte. Aber ab da an ging es bergauf. Mein Gastbruder half und damit waren wir ziemlich schnell durch mit allem und konnten endlich wieder PAUSE machen.

Fuchs voraus!

Schafe in SchneelandschaftEs wird auch alle Anstrengung irgendwie wieder aufgewogen. Sonntag hatten wir schönes, sonniges Wetter und ich durfte mit dem Schneemobil hoch auf die Weiden mitkommen. Dick in drei Schichten Wolle, Helmen und Schneeanzügen, aber wie immer mit Gummistiefeln, sausten wir mit dem Teil dann über die Koppeln. Systematisch fuhren wir an den Zäunen orientiert die Weiden ab und fanden sogar noch 32 Schafe, von denen noch 19 zu uns gehörten, drei holte der Nachbar ab. Wir brachten unsere Schäfchen ins Trockene.

Der Nachmittag machte einen Höllenspaß. Bis oben auf den Kamm waren wir gefahren und hatten sogar einen Schneefuchs gesehen.

Mein neuer Tagesablauf

Danach spielte sich unser neuer Tagesablauf ein: Morgens, wie in einem der vorigen Artikel beschrieben, grob zwischen acht und zehn kümmern wir uns um die Kühe. Inzwischen sind ein paar Kälber dazu gekommen, die wir anfangs mit dem Fläschchen fütterten. Nun ja, wenn man eine zwei Literflasche noch als »Fläschchen« bezeichnen kann.

Kälbchen wird mit Flasche gefüttertAnfangs müssen sie aber selbst das Trinken vom Zitzengummi üben und man muss den kleinen Dingern den Sauger ins Maul schieben. Danach ist man dann verschleimt, als hätte man paranormalen Kontakt gehabt. Beste Grüße an dieser Stelle an Bill Murray in Ghostbusters, wir fühlen mit dir. Zumal die Kälbchen an einem nuckeln, sobald die Flasche leer ist. Zum Unterscheiden von den älteren Kälbern nenne ich die kleinen »Minimuhs«. Warum? Hört ihnen mal zu! Das ist zum Anbeißen niedlich. Aber zurück zum Thema.

Ärmel hoch und ran an die Arbeit!

Nachdem morgens Kühe und Hühner verfrühstückt sind, machen wir die erste Pause bis elf Uhr. Für einen Snack, weil wir dann rausgehen, um die Schafe zu füttern und dafür je nachdem, wie das Heu ist und was sonst noch so anfällt, drei bis vier Stunden brauchen, und bis zum Mittagessen um halb vier hält keiner durch. Wir fangen hier im Stall auf unserem Hof an. Dort müssen die Futterkrippen ausgefegt werden.

Heuwagen über langer Futtertraufe im Stall zum Schafe fütternDie Schafställe sind so aufgebaut, dass es immer eine breite Futtertraufe gibt, an der von beiden Seite fünfzig Schafe fressen können. Auf dem Geländer können wir einen großen Heuwagen entlang schieben, aus dem wir das Heu einfach in die Krippe zerren.

Nach dem Ausfegen bekommen die Pferde, die hinterm Schafstall stehen, die Reste. Die Lämmer bekommen Korn mit Fischmehl gefüttert. Dann müssen die Wassereimer aufgefüllt werden und die Futterkrippen mit Heu gefüllt werden. Pro Reihe verteilen wir zwei Wagen mit dem erstgeschnittenen Heu. Dabei muss man darauf achten, das Heu gleichmäßig und nicht auf den Köpfen der Schafe zu verteilen. Wenn doch, ist immer gleich ein freundliches Schaf zur Stelle, das das Heu kameradschaftlich herunter frisst.

Die Wagen werden aus einer Maschine gefüllt, die die sorgfältig aufgerollten Heuballen wieder abrollt und lagenweise in die Wagen befördert. Dabei kann es passieren, dass ein Heuballen schimmelig ist, was total nervig ist, weil es unendlich viel Zeit kostet, das schimmelige Heu auszusortieren, in der wir teilweise den ganzen Stall nochmal hätten füttern können. Immer dran denken, es kommt auch wieder ein besserer Ballen! Sobald wir hier fertig sind, bringen wir alle zwei, drei Tage mit dem Traktor Heuballen für die anderen Pferde hoch auf die Koppel.

Auf zum nächsten Hof!

Dann fahren wir auf den anderen Hof, knapp fünf Kilometer von hier, den Gunna ebenfalls bewirtschaftet. Dort müssen ebenfalls die in dem Fall aber viel kürzeren Krippen gefegt und die Tränken gefüllt werden. Anders als Zuhause fangen wir hier an, das nassere zweitgeschnittene Heu mit Schubkarren zu füttern, zwei pro Traufe. Das trockene Heu wird hier allerdings nicht aus dem Wagen, sondern per Hand gefüttert. Für mich bedeutet das, es erst mit der großen Heugabel mit den umgebogenen Zinken lose zu zerren, Bauchmuskeln und Schultern lassen grüßen, bevor ich es Arm für Arm in die Traufen trage. Pro Reihe brauche ich acht bis zehn Arme, die ich Gunna hinterher arbeite, die mit den Schubkarren vorneweg arbeitet. Am Anfang musste ich noch häufiger laufen, weil ich nicht so viel auf einmal tragen konnte, inzwischen bin ich beinahe Profi. Abgesehen von meinem verrückten, jüngsten Gastbruder, der eine Reihe auch mal in drei Armen füttert.

Sobald das dann erledigt ist, füttern wir auch Zuhause das zweitgeschnittene Heu, einen Wagen pro Reihe, und dann sind wir – fertig! Also Mittagessen und einmummeln bis wir abends um sechs wieder raus müssen. Das sind normalerweise drei Stunden, die wir mit Kaffee und bequemlich sein verbringen. Insgesamt ist das zwar ein starrer, aber guter Tagesablauf.

Eine Bitte:

Ich wollte mit diesem Artikel niemanden abschrecken, bitte seid nicht abgeschreckt! Aber so oft meine Freunde auch feststellen, wie gut mir Island tut und wie gut jedem so ein Auslandsaufenthalt tun kann, ist es eben auch mal schwierig. Anderseits hüpft man auch Zuhause nicht nur glücklich über Blümchenwiesen. Ich will nur ehrlich sein und nicht vorheucheln, es sei immer alles gut. Gut war an der ganzen Geschichte, dass ich gelernt hab, wie weit ich gehen kann, und danach fast unbeschwerter weiter machen kann. Man lernt sich doch ganz gut kennen, wenn man mal richtig ran muss.

Ich hab an einem Tag gefragt, ob wir auch noch ruhige, sonnige Wintertage bekommen würden. Gunna lachte kurz, weil sie das auf die Arbeit auslegte, ich nicht. In dem Moment, muss ich gestehen, habe ich darüber nachgedacht, dass wenn das Wetter so bleiben würde, ich vermutlich in zwei Wochen meinen Rucksack packen und nach Hause abhauen würde. Hab ich aber nicht. Und übers Abbrechen hab ich auch nie wieder nachgedacht. Eher übers länger bleiben. Also kurzum: Es ist nicht einfach, aber in solchen Momenten durchzuhalten lohnt sich. Ich bin inzwischen wieder quietschfidel und gucke nur noch lachend auf diesen blöden Schneesturm zurück.

Bis bald,
Eure Stina

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About Stina

Stina

Stina ist 18 Jahre alt, wohnt in Brandenburg und hat dort gerade ihr Abitur bestanden. Nach dem Abistress und der langen Lernphase zieht es sie nach draußen. Dafür reist sie Ende 2016 mit Stepin nach Island, um dort nicht nur frische, kalte Luft zu schnuppern, sondern auch um zu sondieren, wie es danach studien- und berufstechnisch weitergehen soll.


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