Stina in Island #5: Wo bleibt der Winter?

Stina in Island #5: Wo bleibt der Winter?

In Island lässt der Winter auf sich warten. Stina schwitzt bei ihrer Farmarbeit in Island im Stall, doch alles halb so schlimm, wenn man anschließend mit Pönnukökur verwöhnt wird. Doch was macht Stina, wenn sie nicht gerade Schafe rettet? Erfahre mehr über ihren Farm-Alltag inklusive kleiner Pannen und schöner Erinnerungen.

Surprise, Surprise!

Der November hielt einige Überraschungen für mich bereit. Nicht nur gute, aber doch auch gute. Nachdem im Oktober schon die Schafe zum Schlachten abgeholt worden waren, hatten wir bisweilen nur die Böcke und die Lämmer, die zur Zucht weiterleben durften, im Stall. Sie fütterte ich immer vorm Mittagessen. Eins der Lämmer war vorher in einen der schlammigen Gräben gefallen und musste geduscht werden. Es gäbe sogar Wollshampoo für Schafe, erzählte man mir, aber in diesem Fall reichte es, das arme Ding mit warmem Wasser durchzuspülen.

Stina mit Schubkarre voll Heu im SchafstallSolange nur die Lämmer und die Böcke drinnen waren, gab es also nicht allzu viel Arbeit mit den Schafen. Wir suchten ab und an nach Nachzüglern, liefen dabei Weiden entlang des Canyons ab, was einen überwältigenden Ausblick bot und holten die Schafe auf die näheren Weiden zurück. Einen Nachmittag entdeckten wir dabei im Canyon zwei in eine Felsspalte eingeschlossene Schafe, die mein Gastbruder dann in einer waghalsigen Aktion abseilen musste, wobei Gunna und ich oben standen und das Seil herunterließen.

Bis dahin war es noch gar nicht so kalt gewesen, aber eineinhalb Stunden im Wind lassen selbst die abgehärtesten Finger einfrieren, ob meine Zehen noch da waren, konnte ich in dem Moment nicht sagen. Die Schafe konnten wir aus ihrer misslichen Lage befreien, es waren aber gar nicht unsere. Der Besitzer kam sie später bei uns im Stall abholen und weil wir nicht da waren, ließ er die Schokolade als Dankeschön dort liegen. Es war wie Ostern.

Pönnukökur! Mmmmmh!

Wie gesagt, zu Beginn des Novembers war es für Island lächerlich warm. Kein Frost, kein Schnee, teilweise ging ich nur mit Overall und Schal raus, keine Jacke, keine Mütze. Während ich den Pferdestall ausmistete, hätte ich es mir allerdings etwas kälter gewünscht, acht Schubkarren Pferdemist können einen ganz schön ins Schwitzen bringen. Doch wenn man wieder reinkommt und mit traditionell isländischen Pfannkuchen verwöhnt wird, lässt einen das die langen Arme schnell wieder vergessen.

Pfannkuchen-Rezept

Anbei das Rezept für diese Leckereien: 4 Eier, 2 Teelöffel Zucker, 1 ¾ Tassen Mehl, 2 Tassen Milch, 1 Teelöffel geschmolzene Butter, etwas Vanillezucker. Zunächst Eier, Zucker, Vanillezucker und Mehl klümpchenfrei verrühren. Dann die Milch und die Butter unterrühren und die Pfannkuchen ganz dünn bei mittlerer Hitze in einer leicht gebutterten Pfanne ausbacken. Das geht schnell, nach 10 bis 20 Sekunden werden sie goldbraun und müssen umgedreht werden.

Diese Leckereien sind meine Empfehlung für einen Sonntagskaffee – unbedingt probieren! Traditionell werden sie zur Feier des ersten Sonnenlichts in den Westfjorden gegessen, wo sich die Sonne im Winter so gut wie gar nicht blicken lässt. Die Pönnukökur werden dann mit Rhabarbermarmelade und Sahne zu Vierteln gefaltet und vernascht. Rhabarbermarmelade gibt es auf Island zu ungefähr jedem Essen, zu dem sie passen könnte, angefangen bei Lammbraten.

Der Rest ist Schweigen

Zwei Reiter von hinten in Richtung Sonnenuntergang reitendAn einem der ersten Novembertage nahm ich dann zum ersten Mal einen Nachmittag frei. Es war so warm, dass man nur im Pulli rausgehen konnte und ich traf mich in Blönduós mit den anderen deutschen Mädels. Wir haben uns Pferde geliehen und sind Reiten gegangen, bevor wir abends zusammen kochten – mit viel Gemüse und ohne Kartoffeln und Fleisch. Das war uns nämlich inzwischen allen etwas über, die Farm-Isländer essen nämlich täglich Fleisch und Kartoffeln. Danach ließen wir es uns bei isländischen Süßigkeiten und einem Film gut gehen bevor wir raus gingen, um nach Nordlichtern zu schauen. Die waren leider nicht zu sehen, obwohl optimale Bedingungen herrschten.

Als ich gegen Mitternacht nach Hause aufbrach, hielt ich die Augen offen. Gunna hatte mir geraten, die Schotterpiste zu fahren und anzuhalten, wenn ich welche sah, weil dort weniger Höfe lagen. Je weniger Lichtablenkung ich hatte, desto besser würde ich die Nordlichter sehen können. Und siehe da, dort waren sie, ganz zart und grünlich. Ich habe also wie geraten angehalten und die Phänomene bestaunt.

Doch dann…

…bin ich eingestiegen, wollte den Motor starten und… nichts. Ich ließ ihn zehn Minuten stehen, probierte es nochmal und hörte das Auto leise unter mir sterben. Weil ich noch näher an Blönduós als am Hof dran war, rief ich zunächst die Mädels an, doch wegen einer dilettantisch mit Holz verkleideten Autobatterie, war auch das Fremdstarten unmöglich. Es wurde immer später, gefühlt immer kälter als die minus fünf Grad und so musste ich nachts um halb zwei noch von meinem Gastbruder aus dem Nirgendwo gerettet werden. Innerhalb von zwei Minuten hatte der das Auto wieder in Gang und nahm es mir nicht mal übel.

Gunna wünschte mir beim Frühstück einen guten Morgen, fragte, wie lange ich geschlafen hätte und dass sie jetzt melken gehe, weil das Milchauto gleich käme. Die Isländer sind die entspanntesten Menschen, die ich kenne. Sowas war mir vorher noch nie passiert und die meinten mit einem Schulterzucken, solche Sachen würden eben einfach passieren. Inzwischen machen wir uns nur noch darüber lustig.

In meinem nächsten Beitrag hat der Winter Island dann doch endlich erreicht. Mit dem Winter kommen allerdings auch erste Schwierigkeiten, weil mein Tagesablauf neu gestaltet werden muss und Schnee die Arbeit deutlich erschwert!

Bis dahin,

Eure Stina

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2 Kommentare

  1. Anna

    28. April 2017 at 03:34

    Hallo Stina,
    ich bin Anna und habe auch an dem Programm „Farmarbeit in Island“ teilgenommen. Ich finde Deine ganzen Blogeinträge sehr spannend und bin sehr beeindruckt von deren Länge. Ich lebe in Patreksfjördur in den Westfjords und mein Auslandsaufenthalt geht leider schon in drei Wochen vorbei…ich habe dann für neun Monate hier gelebt. Ich wollte Dich einfach mal fragen, ob Du Ideen für Abschiedsgeschenke hast (tut mir Leid, dass ich das so offen in die Kommentare schreibe, ich habe keine Möglichkeit gefunden, Dich privat zu kontaktieren…). Ich würde mich riesig freuen, wenn Du antworten würdest.
    Liebe Grüße aus Patreksfjördur,
    Anna

    Antworten

    • Elena (Stepin)

      Elena (Stepin)

      2. Mai 2017 at 11:07

      Liebe Anna,
      Stina kann hier leider nicht direkt antworten. Sie wird sich aber per Mail direkt mit dir in Verbindung setzen.
      Liebe Grüße,
      Elena von Stepin

      Antworten

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About Stina

Stina

Stina ist 18 Jahre alt, wohnt in Brandenburg und hat dort gerade ihr Abitur bestanden. Nach dem Abistress und der langen Lernphase zieht es sie nach draußen. Dafür reist sie Ende 2016 mit Stepin nach Island, um dort nicht nur frische, kalte Luft zu schnuppern, sondern auch um zu sondieren, wie es danach studien- und berufstechnisch weitergehen soll.


Du interessierst dich auch für das Programm »Farmarbeit in Island«? Hier findest du alle Infos: Farmarbeit Island

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