Stina in Island #1: Vorbereitung zu Farmarbeit

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Nach dem Abi, erst einmal »weg« – das war Stinas Plan, als sie 2016 mit der Schule fertig wurde. In Skandinavien geboren, zog es sie zurück in den Norden – genauer gesagt nach Island. Die Bewerbungsformalitäten erledigt, Skiunterwäsche besorgt, den Rucksack gepackt und Freunde und Familie verabschiedet, konnte das Farm-Abenteuer endlich losgehen.

Warum nach Island?

Die Frage habe ich oft gehört, seit ich hier bin und auch schon vorher. Ich bin ein Kind des Nordens, in Skandinavien geboren, am Meer aufgewachsen und so war klar, dass es mich nach der Schule in den Norden zieht. Mein Ausgangsszenario war wohl ein ziemlich weit verbreitetes: Abiturientin, abenteuerlustig, des akademischen Lernens für den Moment überdrüssig, wollte raus von zuhause und die Welt kennen lernen.

Farmarbeit in Island by StepinFolglich hab ich mich nach Möglichkeiten umgesehen, ins Ausland zu gehen und viele gefunden, nur nicht für Island. Und wenn, dann Jobs, bei denen man zumeist drinnen arbeitet, dabei wollte ich doch raus an die frische Luft und mich austoben, meine Grenzen austesten, nachdem ich so lange in der Schule »gesessen« habe.

Dann bin ich auf das Stepin-Programm »Farmarbeit in Island« gestoßen. Es klang vielversprechend – ich greife an dieser Stelle mal vor – ist es auch. Nach einem kurzen Telefonat, in dem mir die Rahmenbedingungen erklärt worden sind, habe ich mich schließlich bei Stepin beworben.

Papierkram ist lästig, aber…

… in diesem Fall wirklich gut händelbar und lohnenswert. Nach der Buchung des Programms bekommt man neben allen wichtigen Informationen eine Handvoll Bewerbungsunterlagen, die man selbst sowie bisherige mögliche Arbeitgeber und ein Arzt ausfüllen müssen. Dazu sammelt man ein paar Dokumente, wie ein Führungszeugnis, und schickt ein paar Fotos mit, die einen bei Freizeitaktivitäten zeigen. Und schon steht man mit dem ersten Fuß im Abenteuer.

Danach folgt ein telefonisches Interview, bei dem Stepin Fragen auf Englisch stellt und man so seine Einstellung und seine Englischkenntnisse unter Beweis stellen kann. Die Bewerbungsunterlagen werden in nächsten Schritt an die isländische Partnerorganisation weitergeleitet, die dann nach einer passenden Einsatzstelle sucht.

Kirkjufell in IslandAb dem Moment heißt es warten. Geduldig sein. Tee trinken. Weiter warten, dabei bitte nicht nervös werden. Es gibt zwar keine Garantie auf eine Vermittlung für die passende Stelle zum gewünschten Datum, dafür aber eine hohe Wahrscheinlichkeit.

Also Nerven bewahren. Ich habe mir die Wartezeit damit vertrieben, in den Urlaub zu fahren, zelten zu gehen und schon mal von Island zu träumen. Nebenher schon mal zu planen, eine Packliste zu erstellen und über Island zu recherchieren.

Zugegebenermaßen bin ich dann doch etwas nervös geworden, als ich eine Woche vor meinem gewünschten Ausreisetermin am ersten Oktober noch immer keine Zusage hatte. Aber die Bewerbungsfrist für die Uni war durch, was also tun? Noch ein bisschen Zeit nehmen, es wird auch nach dem gewünschten Ausreisetermin weiter nach einer Stelle gesucht, und das hat sich in meinem Fall gelohnt. Am vierten Oktober kam die mögliche Vermittlung per Mail.

Nördlicher Norden also!

Es gab ein Stellenangebot im Norden Islands nahe der Stadt Blönduós bei einer alleinstehenden Farmerin. Ich sollte mich entscheiden, ob dieses Angebot etwas für mich wäre. Was für eine Frage! Ich habe sofort bestätigt und mich mit meiner zukünftigen Arbeitgeberin in Verbindung gesetzt, was es für Arbeit gibt, wann ich kommen soll und wie ich dorthin komme. Ich erhielt noch am gleichen Tag eine Mail mit den Antworten zu all meinen Fragen.

Schaf auf IslandMeine Arbeitgeberin heißt Gunna (mit Rufnamen) und betreibt eine Farm mit 26 Milchkühen, 50 Kälbern und Bullen, 70 Pferden und 650 Schafen. Ich nahm die Stelle an, keine Frage. Und das bedeutete für mich, innerhalb von neun Tagen alles vorzubereiten und nach Island zu reisen. Ziemlich kurzfristig, aber ich war ja gewarnt. Und gespannt.

Mein Final Countdown

8 Tage

Ich habe das Flugticket bestätigt, das ich unverbindlich bei dem Reisebüro angefordert hatte, mit dem Stepin zusammenarbeitet.

7 Tage

Genau eine Woche vor dem Abflug habe ich die Buchungsbestätigung für meinen Flug erhalten. Stück für Stück habe ich mit Gunna meine Anreise geplant. Wenn ich Donnerstag ankommen würde, könnte ich am Freitag von einem ihrer Kinder von Reykjavik aus mitgenommen werden. Zudem habe ich mich an diesem Tag noch um meine Reiseversicherung gekümmert, die ebenfalls von Stepin angeboten wird.

6 Tage

Nachdem die Organisation nun weitestgehend abgeschlossen war, kam der wirklich beängstigende Teil: Ich musste es meinen Freundinnen erzählen, die bisher nur vage von meinen Plänen wussten. Da ein »Hey, ich fliege in sechs Tagen für knapp acht Monate nach Island, wir sehen uns.« etwas unsensibel gewesen wäre, lud ich sie unter dem Vorwand, etwas erzählen zu wollen, zu mir ein, servierte wie von ihnen gewünscht Lasagne und rückte dann Stück für Stück mit Reiseplänen raus.

Als ich erzählte, dass ich mit einer isländischen Fluggesellschaft fliegen würde, spotteten sie, dann hätte ich ja schon im Flugzeug die Leute mit Schaf auf dem Schoß. Aber sie freuten sich für mich, selbst wenn der Abschied ein paar Tränen kostete, weil es gleichzeitig das erste und letzte Treffen vor Abflug sein würde. Ein bisschen viel auf einmal. Im Laufe der Woche traf ich alle meine Freunde noch einmal und es gab noch ein paar Tränen mehr, aber auch mehr Zuspruch, als ich erwartet hätte. Ebenso viele Reisewünsche kamen von weiterer Familie, Nachbarn und Bekannten.

5 Tage

Die letzten Besorgungen standen an, also sind Mama und ich nach Berlin gefahren und haben alles besorgt, was ich noch so brauchen könnte: Arbeitskleidung in Form von Gummistiefeln, Handschuhen und Overall würde ich wegen der Desinfektionsrichtlinien nach Island nicht mitbringen dürfen, sondern von Gunna bekommen. Aber für drunter empfiehlt sich, Leggings und warme Socken zu haben.

GummistiefelAlso haben Mama und ich uns in Hinblick auf die zu erwartende Witterung auf die so schön genannte Funktionsunterwäsche gestürzt. Funktionsunterwäsche klingt schon dämlich, hält aber wunderbar warm und trocknet schnell, wenn man doch mal mit dem Wasserschlauch nicht aufpasst, doch mal schwitzt oder von einem Kälbchen abgenuckelt wird. Was eben gerade so vorkommt…

Wir haben vier Sätze Arbeitskleidung bestehend aus Leggings, in meinem Wortschatz unter Heldenstrumpfhosen vermerkt, Woll-Sport-Socken, langärmeligen Oberteilen und einen etwas wärmeren Pullover, pink war hier die erträglichste Farbe, würde mir aber einen schrägen Blick einbringen, gekauft. Zusätzlich einen dicken Wollschal und die dazu gehörige Fleece-gefütterte Mütze, was im Nachhinein betrachtet die beste Entscheidung des Tages war.

Außerdem haben wir nochmal alles, was der Mensch so braucht, besorgt, weil ich einerseits zwar wusste, dass die Isländer natürlich auch alles kaufen können, was sie zum täglichen Leben so brauchen, andererseits ich aber nicht wusste, wann ich wieder die Gelegenheit haben würde. Und da in Island alles importiert werden muss, ist alles teurer.

Dann habe ich noch ein Gastgeschenk besorgt: Frühstücksbrettchen mit der Skyline von Berlin, denn gefrühstückt wird überall. Zusammen mit der selbst gekochten Marmelade und der Schokolade eine nette Geste, die wiederum nicht zu viel Platz und Gewicht im Gepäck einnahm. Wenn man mit begrenztem Gepäck für acht Monate weg will, muss man pragmatisch denken. Mit vollen Tüten und einer vervollständigten Packliste ging es dann wieder nach Hause.

4 Tage

Der letzte ganze Tag mit meiner Familie. Abgesehen davon, dass wir noch einmal ein paar Dokumente durchgehen mussten, was Versicherung, Konto, Flug, etc. anging, waren wir noch einmal gemeinsam unterwegs, haben uns das »Festival of Lights« angeschaut und sind zusammen essen gegangen, Hauptgesprächsthema: Schafe schubsen!

2 und 3 Tage

Die beiden Tage habe ich mit letzten Verabschiedungen, kleineren Vorbereitungen und ein bisschen herumlümmeln verbracht. Natürlich habe ich zum hundertsten Mal per Google Maps versucht, herauszufinden, wo ich demnächst wohnen würde, aber als ich meine Adresse eingegeben hab, konnte leider kein Ergebnis gefunden werden… Lassen wir uns überraschen, wo ich also lande!

1 Tag

Mama weckte mich mit den Worten: »Es ist Packtag!« und klatschte dazu in die Hände. Ich habe tatsächlich den ganzen Tag damit verbracht zu packen. Bin durchs Haus gesprungen, hab hier was gesucht, da was gefunden und alles erstmal fein säuberlich gestapelt, bevor ich mich der »Mission impossible« widmen würde, das alles auch noch in meinem Reiserucksack zu verstauen. Aber auch das war möglich. Zumindest nach dem Abendbrot, gestärkt von meinem Lieblingsessen, das es als Abschiedsessen noch einmal gab.

Packen für IslandAn diesem Abend gab es auch noch kleine Abschiedsgeschenke, einen »Fitnesstracker« von Mama, damit ich die vielen Schritten zählen kann, die ich in Island mache, was sie im Nachhinein vermutlich bereut, weil ich sie um das drei- bis vierfache übertrumpfe. Von Papa bekam ich ein gutes Taschenmesser, damit ich nicht ganz unvorbereitet in meine persönlichen Katastrophen schlittere.

Ich reise mit einem großen Rucksack und einer Tasche als Handgepäck. Es ist erstaunlich, mit wie wenig man in Hinblick auf acht Monate doch auskommt, wenn man sich in seinem Zimmer umsieht und dann die zwei Gepäckstücke betrachtet, die da vor einem liegen. Zugegeben, beide Gepäckstücke waren bis an den Rand gefüllt, aber damit war ich noch immer im Limit mit den erlaubten zehn Kilo für das Handgepäck und fünf unter den zugelassenen zwanzig Kilo für das einzucheckende Gepäck. Einen Rucksack kann ich in Hinsicht auf weitere Trips innerhalb des Landes nur empfehlen, denn die plane ich.

Abreisetag

Aufgeregt. Freudig. Überfordert. Glücklich. Etwas unsicher. Und immer wieder vorfreudig. So bin ich an diesem Morgen aufgestanden, habe mit meiner Familie gefrühstückt und die letzten Dinge in meinen Rucksack geräumt, bevor es dann losging. Es ging los. Tief durchatmen. Mein Bruder konnte leider wegen wichtiger Seminare nicht mit zum Flughafen kommen, sodass ich mich schon nach dem Frühstück von ihm verabschieden musste. Eine feste Umarmung, ein Grinsen und schon war er auf dem Weg.

Time to say Goodbye!

Es waren also meine Eltern, die mich zum Flughafen brachten. An diesem Morgen war es so kalt, dass ich meine neue Winterjacke schon gut gebrauchen konnte. Am Flughafen trank ich mit meinen Eltern noch einen Kaffee. Ein letztes kleines Zusammensitzen. Danach hat Mama mir noch zwei gigantische Sandwiches gekauft, damit ich bis Reykjavik auch ja nicht verhungerte. Außerdem haben wir spontan meine Wertsachen – also Kamera und Laptop – beim Zoll angemeldet. Papa und ich hatten die Tafel studiert, an der angeschrieben war, was angemeldet werden musste und was nicht, woraufhin der freundliche Zollbeamte uns einfach ansprach. Wir mussten nur die Geräte per Seriennummer in ein Formular eintragen, sie ihm zeigen, bekamen einen Stempel auf das Formular und fertig. Soweit so entspannt.

Jetzt kam der Teil, an dem ich durch eine Absperrung in ein Abenteuer eintreten würde. Mein Flug war schon an der Abflugtafel zum Check-In angeschlagen. Also umarmte ich meine Eltern, nahm meinen Rucksack, schmiss ihn auf das Förderband und reihte mich in die Schlange der zu durchleuchtenden Leute ein, die alle links zu den Schaltern abbogen.

Mit Wow Air nach IslandIch war auf der rechten Seite für meinen Flug mit »Wow Air« nach Kevlavik alleine. Also hatte ich alle Zeit der Welt, meinen Boardingpass abzuholen, meinen Rucksack in eine riesige Plastiktüte einzuschlagen und dann zum nächsten Sicherheitscheck weiter zu spazieren.

Ich hatte ja erwartet, dass, nachdem ich am Check-In alleine war, ich auch ziemlich schnell ins Flugzeug kommen würde. Ein kleines bestimmt. Pustekuchen! Vor der Landung sagte der Pilot das Wetter durch: Zehn Grad, Regen, Wind. Genauso stürmisch, wie ich es erwartet hatte…

Ihr wollt wissen, wie meine ersten Eindrücke von Island waren? Dann lest euch meinen zweiten Blogpost durch! ;-)

Bis bald,
Eure Stina

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3 Kommentare

  1. Wenzel Manu

    27. Dezember 2016 at 13:03

    Hallo Stina, macht Spaß zu lesen. Du schreibst auf informative Art dennoch lustig und unterhaltsam!!Ich hoffe sehr auf weitere Post dieser Art viel Spaß beim Schafe schubsen. Liebe Grüße von Manu und Familie

    Antworten

  2. Esther Drusche

    21. Dezember 2016 at 20:35

    Liebe Stina, beste Wünsche für Dich. War spannend zu lesen, schön geschrieben. Sei herzlich gegrüßt von Esther und Frank

    Antworten

  3. Rolf Borges

    21. Dezember 2016 at 11:44

    Spannend, freue mich schon auf die Fortsetzung!

    Antworten

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About Stina

Stina

Stina ist 18 Jahre alt, wohnt in Brandenburg und hat dort gerade ihr Abitur bestanden. Nach dem Abistress und der langen Lernphase zieht es sie nach draußen. Dafür reist sie Ende 2016 mit Stepin nach Island, um dort nicht nur frische, kalte Luft zu schnuppern, sondern auch um zu sondieren, wie es danach studien- und berufstechnisch weitergehen soll.


Du interessierst dich auch für das Programm »Farmarbeit in Island«? Hier findest du alle Infos: Farmarbeit Island

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