Shetland Reisebericht: Ein Besuch bei unseren britischen Nachbarn

Shetland Reisebericht: Ein Besuch bei unseren britischen Nachbarn

Andy Arz, ehemaliger Stepin-Teilnehmer, lässt das Fernweh ebenfalls nicht los. Erst kürzlich machte er sich auf Entdeckungsreise zu unseren liebenswerten Nachbarn auf die britischen Inseln. Ein Reisebericht über kulinarische Genüsse, eine einzigartige Tierwelt und faszinierende Naturkulissen jenseits des Ärmelkanals.

Es ist immer wieder ein Erlebnis, wenn ich mich aufmache, unsere europäischen Nachbarn im Vereinigten Königreich zu besuchen. Nie weiß man, was einen erwartet. Besonders dann nicht, wenn man in neue Regionen vorstoßen möchte. Diesmal sollte mich der Weg nach Shetland führen. Die kleine Insel, hoch im Norden vor Schottland, die nicht zuletzt bekannt ist für ihre kleinen, kräftigen Ponys.

Shetland Reisebericht: Shetland beim Sonnenaufgang

Mit dem Flieger ging es an einem schönen, aber verschneiten Frühlingsmorgen von Frankfurt nach Aberdeen in Schottland. Ich freute mich ganz besonders auf das schottische Panorama, wenn das Flugzeug im Landeanflug das Festland kreuzt; auf den Moment, wenn die dicke Wolkendecke, welche Schottland von Haus aus abonniert hat, durchstoßen wird und der Blick auf die kräftig grünen Hügel fällt. Dieses Mal bot sich jedoch ein anderes Bild, das mich befürchten ließ, der Pilot habe sich verflogen oder ich hätte versehentlich eine Maschine nach Österreich bestiegen: Das ganze Land war unter einer dichten Schneedecke begraben. Es ist zwar nicht ungewöhnlich, dass im Norden Großbritanniens auch mal Schnee fällt, doch im März hatte ich nicht damit gerechnet. Somit hatte sich meine Aussage von oben schon bewahrheitet: man weiß nie was einen erwartet!

Keinesfalls abgeschreckt von den Wetterverhältnissen machten meine Begleiter und ich uns auf, unseren Mietwagen abzuholen. Es gibt die Möglichkeit, die Insel Shetland in einem 12-Stunden-Ritt direkt mit der Fähre zu erreichen. Jedoch empfiehlt es sich, den 350 Kilometer langen Weg zur schottischen Nordküste mit dem Auto zurückzulegen. Der Weg führt durch die beeindruckende schottische Landschaft mit zahlreichen landestypischen Whisky-Destillerien und natürlich über die legendären schottischen Highlands. Ein besonderer Reiz ist obendrein die Insel Orkney, welche auf dem Weg nach Shetland liegt. Hier einen ein- bis zweitägigen Zwischenstopp einzulegen, sollte in jedem Fall auf der To-Do-Liste stehen. Die beiden größten Städte Kirkwall und Stromness laden herzlich zum Verweilen ein.

Shetland Reisebericht: Die Hafenstraße Kirkwall

Aber nicht nur an kleinen gemütlichen Städten hat Orkney einiges zu bieten. Auch in kultureller Hinsicht gibt es einiges zu entdecken. So kommen Fans und Anhänger von Steinkreisen hier voll auf Ihre Kosten. Gleich mehrere kann man hier erkunden, wie zum Beispiel der beeindruckende Ring of Brodgar oder – etwas kleiner, aber nicht weniger  beeindruckend – die Standing Stones of Stenness.

Shetland Reisebericht: Die Standing Stones of Stenness

Ein besonderes Highlight auf Orkney ist ein Zeugnis der Lebenskulturen vergangener Zeiten, die Ausgrabung des 5000 Jahre alten Dorfes Skara Brae. Hier ist es hautnah und zum Anfassen möglich, das Leben unserer Vorfahren kennen zu lernen.

Shetland Reisebericht: Die alte Siedlung Skara Brae

Nach so viel Kultur soll natürlich auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen. Zum Tagesabschluss bietet zum Beispiel Kirkwall die Möglichkeit für einen kleinen Pub-Crawl. Nach dieser lokalen und klassischen Stärkung ist man dann auch bereit, den weiteren Streckenabschnitt nach Shetland auf sich zu nehmen.

Shetland Reisebericht: traditionelles Frühstück

Der Fährableger ist gleich in Kirkwall gelegen. Jetzt sind es noch ca. sieben Stunden durch die wilde Nordsee bis zum Ziel. An die anfängliche Schaukelei der auf Fähre gewöhnt man sich relativ schnell. Für Passagiere mit empfindlichen Mägen finden sich überall an Bord der Fähre entsprechende Tüten für die unkomplizierte Erleichterung. ;) Ein besonderes Vergnügen ist die Überfahrt über Nacht. Die Stimmung ist gelöst und in der an Bord befindlichen Bar „steppt der Bär“ neben den Schotten. Spätestens nach einem solchen Abend hat man sich an den teilweise schwierigen schottischen Akzent gewöhnt. Die Jüngeren neigen lediglich zu einer starken Betonung des Buchstaben „R“, wobei die ältere Generation zu dieser Betonung noch einen schwer verständlichen lokalen Dialekt packt. Man könnte sie liebevoll „die Bayern des Vereinigten Königreiches“ nennen.

Nach einer definitiv spannenden und lustigen Überfahrt öffnet Shetland dann seine Arme für die Neuankömmlinge und man erreicht kurz darauf die Hauptstadt Lerwick. Die Anfahrt zum Hafen bietet ein sehenswertes Panorama und rechts und links bereits einen Vorgeschmack auf die einzigartige Landschaft Shetlands.

Shetland Reisebericht: Ausblick auf Lerwick

Wer es nicht schon teilweise auf Orkney bemerkt hat, wird jetzt spätestens hier feststellen, dass die Infrastruktur bzw. die Bauweisen vieler Häuser speziell auf dem Land nicht typisch britisch sind. Hier werden norwegische Einflüsse deutlich sichtbar. Historisch gesehen gehörte Shetland noch bis vor einigen hundert Jahren zu Norwegen. Nach der Besitzvereinigung im 14. Jahrhundert auch zu Dänemark und Schweden. Und wie das halt so war in den guten alten Zeiten, wenn die Prinzessin einen Prinzen heiratete, verschenkte Papa König gerne ein schönes Stück Land. So war es auch im Falle Shetlands, welches durch die Heirat von Prinzessin Margarethe von Dänemark mit dem schottischen König James bzw. Jakob III. von Schottland annektiert wurde. Aber genug der Romantik. Durch diese geschichtlichen Hintergründe erklären sich jedenfalls die norwegischen Einflüsse und heute noch guten Kontakte zu Norwegen auf Shetland.

In Lerwick angekommen, empfiehlt sich gleich ein kleiner Streifzug durch das Town Centre. Alles ist gut zu Fuß zu erreichen und die vielen kleinen gemütlichen Cafés und Pubs geben der ganzen Innenstadt einen besonderen Charme. Wer noch keine weitere Planung gemacht hat, was Übernachtung oder Besichtigungen angeht, ist im lokalen Tourist Center sehr gut aufgehoben. Hier erhält man so ziemlich alle Infos, welche für den Inselaufenthalt benötigt werden.

Shetland Reisebericht: Lerwick Town Centre

Die Suche nach einer Unterkunft kann auf Shetland allerdings zur Geduldsprobe werden, wenn vorab keine Reservierungen vorgenommen wurden. In der Hauptsaison, also zwischen Mai und Oktober, kommen zahlreiche Besucher hierher und in der restlichen Zeit hält die Industrie die meisten Unterkünfte besetzt. Daher empfiehlt sich die frühzeitige Buchung! Der Januar ist dabei besonders erwähnenswert als zu empfehlender Frühbuchermonat, da in dieser Zeit das alljährliche „Up Helly Aa“-Festival auf der Insel stattfindet. Die Unterkünfte sollte man für dieses Event bis zu einem Jahr im Voraus buchen. Das Up Helly Aa kann vom Spektakel her ein wenig mit dem rheinischen Rosenmontag verglichen werden. Von den Verkleidungen her geht es aber eher in Richtung Wikinger und Folk. Das ganze Event besteht aus viel Feuer und vor allem Trinken. Höhepunkt ist das Anzünden und Versenken eines Wikingerschiffes, welches nur für diesen einen Tag nachgebaut wird.

Wir hatten Glück bei der Unterkunftssuche: Eine nette Familie hatte nach stundenlanger Suche Mitleid mit uns und nahm uns mit zu sich nach Hause. Nach Tee und Keksen telefonierte die Hausherrin das Telefonbuch durch, bis sie uns in einem traumhaften familiären Bed & Breakfast untergebracht hatte. Diese Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft, gerade in den britischen Ländern, ist für mich persönlich immer ein Highlight.
Unser B’n’B war sensationell gelegen. Direkt an der Küste mit einem herrlichen Ausblick, dennoch so zentral, dass jeder Punkt der Insel gut erreichbar war. Auf den Felsen an der Küste machten sich morgens immer ein paar Seehunde breit, um von der Morgensonne wachgeküsst zu werden.

Shetland Reisebericht: Seelöwen, die sich sonnen

Mit den verbleibenden Tagen und jeder Menge Entdeckergeist in den Knochen machten wir uns auf, die Insel zu erkunden. Das Wetter spielte uns dabei auch in die Karten. Shetland hat das ganze Jahr über fast durchgehend das gleiche Wetter. Im Gegensatz zum drastischen Wintereinbruch auf dem britischen Festland waren wir mit schönstem Sonnenschein gesegnet. Spannend waren jedoch auch die sog. „Four-Season-Days“. Diese kommen laut den Einheimischen ständig vor: Morgens steht man zum Beispiel bei wildem Schneetreiben auf, gegen Mittag lichtet sich das Wetter und geht in einen verregneten Herbst über. Am Nachmittag beginnt der Frühling und der Abend bringt dann noch sommerliche Gefühle mit sich. Die Reihenfolge variiert dabei gern. Daher ist es immer ratsam, eine dicke Jacke im Auto zu haben, denn ein frühlingshafter Morgen kann schnell in winterliche Verhältnisse umschwenken. Jedenfalls macht das die Insel nur noch reizvoller.

In welche Himmelsrichtung man sich auch bewegt, überall begegnen einem nostalgische Burgen, beeindruckende Hügellandschaften und nicht zuletzt  fantastische Steilklippen an jeder Küste.

Shetland Reisebericht: Shetlandponys auf der Weide

Wie es halt so ist, gehen auch hier die schönsten Tage irgendwann zu Ende. Nach ein paar erlebnisreichen Tagen auf Shetland stand schon bald wieder die Überfahrt durch die Nordsee nach Aberdeen auf dem Programm. So ging es nach einem letzten Nachmittag in Lerwick gegen Abend auf die Fähre. Mit unserem mittlerweile vom schottisch-shetischen Akzent geprägten Englisch freuten wir uns auf einen lustigen Abend in der Lounge an Bord, um mit unseren Mitreisenden die schönsten Eindrücke von Shetland zu teilen.

Aber es war mit Sicherheit nicht das letzte Mal bei unseren britischen Nachbarn. Wir alle haben wirklich viel mitgenommen und ziehen das gleiche Résumé: Wir kommen wieder! See ya soon!

Shetland Reisebericht: Foto aus dem Flugzeug beim Rückflug

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