Endlich hat Paul genug Geld zusammen um sich ein Auto zu kaufen. Wie genau er sich den Restbetrag erarbeitet hat, welche spannenden Abenteuer er beim Programm Work & Travel Australien nun erlebt und was es für eine Erfahrung ist, Weihnachten und Silvester in Down Under zu feiern, erzählt er hier.

Manchmal ist ein bisschen Lügen erlaubt

Zurück von der Baumwollfarm stellte ich mit großem Bedauern fest, dass mein Erspartes immer noch nicht für das heiß ersehnte Auto reichte. Mittlerweile hatte ich allerdings eine Entdeckung gemacht, die meinen Aufenthalt auf dem roten Kontinent verändern sollte: Gumtree! Für diejenigen unter euch, die es noch nicht kennen, Gumtree ist euer Freund! Das Ganze ist eigentlich nur eine Website, auf der man alles Mögliche posten kann, von einem Fahrrad oder Auto das man verkaufen will, bis hin zu einer Anzeige in der man quasi seinen Lebenslauf postet und die Art von Arbeit, nach der man sucht. Unten noch die Telefonnummer angeben und dann heißt es warten…und es funktioniert! Gut, ich hatte vielleicht 2 Jahre Arbeitserfahrung auf dem Bau in Deutschland dazu geschummelt, aber ansonsten stehen die Jobchancen auch einfach deutlich schlechter. So oder so konnte ich wenige Tage später bei Fergus und Marc, Vater und Sohn, auf ihrer Baustelle anfangen. Die beiden hatten ihren eigenen Familienbetrieb, den sie vergrößern wollten, die Renovierung des neuen Gebäudes übernahmen sie selbst, ab jetzt mit meiner fachkundigen Hilfe.

Mein Plan geht auf

Dunkelblauer Van wird umgebautDer Job fing schon direkt entspannt an. Mir wurde einfach nur ein Hammer in die Hand gedrückt mit den Worten: Diese Wand muss weg! Ich machte mich ans Werk und so vergingen einige Wochen. Da ich einen Großteil der Aufgaben wie Vermessen, Sägen, Bohren, Flexen und andere Heimwerker-Tätigkeiten schon von zuhause konnte, vertrauten mir die beiden immer mehr an und so machte ich bald Bekanntschaft mit Betonschneider, Dachdecken, Hebebühne, Gabelstapler und Presslufthammer – im Prinzip mit allem, was der beinahe komplett taube Fergus in seinem Renovierungswahn kaufte oder noch zuhause rumfliegen hatte. Bei mehr als guter Bezahlung und einer 48 Stunden Woche schaffte ich es endlich, genug Geld zu sparen, um ernsthaft über einen Autokauf nachzudenken. Gesagt – getan. Ich schnappte mir Marcel und Simon und sah mir mehrere Autos bei mehr oder weniger vertrauenswürdigen Händlern an, bis ich meins gefunden hatte: einen blauen Mercedes Vito, also einen Van. Wenn auch noch komplett leer, sollte sich das in den nächsten Wochen ändern. Netterweise konnte ich meine neue Errungenschaft auf der Baustelle parken, und durfte sogar sämtliche Werkzeuge einfach benutzen, sodass ich mich nur im Baumarkt mit Brettern und Schrauben eindecken musste – Cheers Fergus!

Das Innere des Vans
Während also tagsüber geschuftet wurde, arbeitete ich abends an meinem Auto weiter und entwarf mir meinen eigenen Plan für den Umbau. Dass ich abends überhaupt dazu gekommen bin, an meinem Auto zu arbeiten, grenzt zusätzlich an ein kleines Wunder. Auf Fergus‘ Baustellen herrschten Sicherheitsbedingungen, die jeden deutschen Bauleiter vor Schreck tot hätten umfallen lassen. Nachdem Fergus bemerkt hatte, dass ausgerechnet genau gegenüber ein Sicherheits-Trainingscenter für Baustellen ansässig war, bekam ich immerhin einen Helm. Trotzdem brach ich einmal durch das marode Dach, was mich aber nicht davon abhielt weiterhin auf dessen alten Holzbalken in 5 Meter Höhe zu balancieren: no risk – no car! An diesem bastelte ich, sobald die Planung beendet war, fleißig weiter, bis es irgendwann geschafft war und ich mir einen Traum erfüllt hatte. Ab jetzt konnte es losgehen, im eigenen Auto mit Bett, völlig frei und ohne genauen Plan!

Aufbruchsstimmung

Paul in der NaturDiesen nicht vorhandenen Plan besprach ich dann nochmal mit Marcel und Simon, mit denen ich schon den ein oder anderen Tagesausflug oder entspannten Abend in den letzten paar Wochen verbracht hatte, zum Beispiel nach Surfers Paradise oder Stradbroke Island. Wir entschlossen uns kurzerhand Richtung Norden die Ostküste rauf zu fahren, bis nach Cairns am Great Barrier Reef. Gesagt – getan, ich kündigte meinen Job und wir deckten uns bei Kmart (super guter, günstiger Laden für eigentlich fast alles!) mit Campingequipment ein. Einen Tag vor der Abreise entscheiden wir uns dann spontan um und fuhren doch zuerst in den Süden bis nach Sydney, um dort mit Freunden aus dem Hostel Silvester zu verbringen.

Mein erster richtiger Roadtrip

Und genau das taten wir dann auch. Ganz aufgeregt und voller Vorfreude fuhren wir einfach am Abend aus der Stadt raus und campten auf irgendeiner Wiese im Nirgendwo. Ein paar Bier und romantische Lagerfeuerstimmung durch unsere Mücken-Abwehr-Kerze, mehr brauchten wir nicht für einen perfekten ersten Abend „on the road“.

Paul beim SurfenDanach fuhren wir durch die interessante und auf ihre Weise einzigartige »Kifferstadt« Nimbin und durch Surfer-Küstenorte wie Surfers Paradise und Byron Bay, wo wir uns auch selbst in die Wellen stürzten. Danach führte uns der Weg durch einige tolle Nationalparks und letzendlich landeten wir in Port Stephens. Dort verbrachten wir ein etwas anderes Weihnachten mit 35 Grad und Ananas am Strand. Dieser Umstand hindert die Australier allerdings nicht daran, ihre Schneemann- und Eiszapfen-Lichterketten aufzuhängen. Ob sie schonmal in ihrem Leben Schnee gesehen haben oder nicht, spielt dabei scheinbar keine Rolle. Abends statteten wir einem Steakrestaurant einen Besuch ab, seit langer Zeit gab es endlich mal wieder was anderes zu Essen als Nudeln. Spaghetti Bolognese ist aber auch einfach kein gutes Weihnachtsessen.

Kleine Hütten in der WüsteAm nächsten Tag sahen wir uns dann die riesigen Dünen von Port Stephens an, in denen man beim Sandboarden das Gefühl bekam, in einer echten Wüste zu stehen. Beim Besuch von ein paar (tatsächlich bewohnten) Hütten, die sehr an den Endzeit Film »Mad Max« erinnerten, der sogar teilweise dort gedreht wurde, wurde dieses Gefühl immer mehr bestätigt. Weiter ging es über die atemberaubend schönen Blue Mountains, in denen wir beim Wandern noch etwas Naturluft schnupperten, bevor wir uns in die Riesenmetropole Sydney wagten.

Feuerwerk über BrückeHier trafen wir uns mit unseren Freunden aus dem Hostel, die sich hier ein Haus gemietet hatten. Das Ganze ist dann leider etwas eskaliert, da jeder noch zwei oder drei weitere Freunde eingeladen hatte, sodass wir statt offiziell 8, mittlerweile 23 Leute waren. Es hatte was von einer Hausbesetzung, war aber auch irgendwie ziemlich lustig. Wir erkundeten gemeinsam die typischen Sehenswürdigkeiten und das Nachtleben von Sydney, bis es endlich soweit war und wir gemeinsam das weltweit bekannte Feuerwerk ansehen konnten. In der ersten Reihe mit Blick auf das Opera House und die Harbour Bridge zu stehen und das Spektakel zu beobachten, ein wirklich unvergessliches Erlebnis!

Mein Fazit

Schöne Aussicht über ein TalEs tat gut endlich loszukommen, Brisbane hinter sich zu lassen und dieses aufregende Land zu erkunden. Mit Marcel und Simon hatte ich dafür auch noch genau die richtigen Begleiter, sodass wir unzählige tolle Abende verbrachten und auch heute noch über die unvergesslichen Momente und Zitate lachen. Ich würde auch sagen, dass für mich der Autokauf genau das Richtige war, und würde es auch jedem weiterempfehlen. Zweifel hatte ich natürlich auch, schließlich hört man immer wieder wie leicht man abgezockt werden kann und die meisten haben, genau wie ich, nicht den Hauch einer Ahnung von Autos. Auch ist das Ganze deutlich teurer als Busse oder Flüge, besonders wenn man es sich alleine kauft. Und trotzdem, es bedeutet so viel diese Freiheit zu haben und einfach in der Lage zu sein, spontan wegfahren zu können. Bus und Flugzeug bringen einen auch gut von Stadt zu Stadt, allerdings kommt man unmöglich zu versteckten Stränden, Wanderwegen oder Wasserfällen. Außerdem ist ja auch irgendwie der Weg das Ziel, und wenn man überall nur vorbei rauscht verpasst man einfach was!

Das Schönste aber eigentlich war, dass sich die viele harte Arbeit endlich ausgezahlt hat. Jedes Mal, wenn ich nachts mit den anderen ums Auto saß und wir uns unterhielten, war mir klar, dass wir einen solchen Moment niemals ohne Auto hätten haben könnten: Irgendwo hinzufahren wo man spontan Lust drauf hatte, am Strand zu schlafen und aufzustehen ohne zu wissen, wohin die Reise weitergeht!

Euer Paul

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