Work und Travel in Australien besteht nicht nur aus Surfen und in der Sonne am Strand liegen. Paul arbeitet hart, um sich ein Auto leisten zu können. Doch trotz all der Arbeit ist er guter Dinge und genießt die schönen Momente, die ihm das Leben in Down Under bietet.

Brisbane, schon wieder

Back in Brisbane überkam mich zuerst das Gefühl irgendwie auf der Stelle zu treten, ich wollte immerhin das Land entdecken und möglichst viel sehen und jetzt war ich wieder allein am Ausgangspunkt. Ich schmiedete den Plan ab jetzt zu arbeiten bis ich mir ein Auto leisten konnte um dann ENDLICH richtig loszulegen. Die Stimmung besserte sich dann aber, trotz gefühlten tausend Bewerbungen auf umliegenden Baustellen.

Ich machte immer mehr mit den Leuten im Hostel zusammen und irgendwann zeigten sie mir einen Trick den ich noch den Rest des Jahres benutzen sollte: Den Waschmaschinentrick! Also aufgepasst, ich habe damit viel Geld fürs Waschen und Trocknen gespart! Normalerweise kostet beides zusammen nämlich etwa 8AU$ – also viel zu viel. Das Ganze könnt ihr euch aber sparen indem ihr einen laminierten Zettel (hängen da überall rum mit Aufschriften wie »Spült gefälligst euren Kram« oder »Eastcoast Special« usw.) in schmale Streifen schneidet und diese unter dem »Schlitten«, in den normalerweise die Münzen gelegt werden, durchquetscht. Wenn man ein Klicken hört, hatte man Erfolg und man kann den Schlitten zurückschieben und die Maschine starten. Das Gefühl gerade einen Hochsicherheitssafe geknackt zu haben ist normal und gehört dazu! Viel Spaß beim Ausprobieren!

Treffpunkt Nudelregal

Nach einem mehr als filmreifen Jobinterview als Umzugshelfer bei dem ich mit einem riesigen Kühlschrank auf einer Sackkarre durch Hütchen Slalom fahren musste, traf ich dann beim Einkaufen Marcel und Simon aus Noosa wieder – Bei den Nudeln, wie könnte es anders sein!

Die beiden wechselten zu mir ins Hostel und wir tauschten uns über die letzten paar Tage aus. Dann gaben mir die beiden eine Nummer vom Chef einer Baumwollfarm, auf der sie auch bald arbeiten wollten. Ich versuchte mein Glück und nachdem ich erklärt hatte wer ich war und was ich wollte, bekam ich ein »Mate, this is really hard work in fairly primitive conditions, are you sure you want to do that?« als Antwort. Ich sollte später erfahren warum. So oder so hatte ich aber endlich wieder einen Job, mit deutlich besserer Bezahlung, und morgen sollte es losgehen.

Irgendwo im Nirgendwo

Es war soweit, ich packte meinen Kram, verabschiedete mich von Simon und Marcel und begab mich zum Treffpunkt. Dort angekommen warteten noch vier andere Backpacker mit mir und die Tochter von Farmchef Bruce. Wir bekamen die Autoschlüssel, 200AU$ und die Anweisung zu einer winzigen Stadt irgendwo im Outback 700 Kilometer nach Westen zu fahren und unterwegs eine Waschmaschine zu kaufen – aber bitte so gut es geht nach unten gehandelt. Wir waren alle erstaunt wie viel Vertrauen uns einfach so entgegengebracht wurde, schließlich kannte keiner von uns Bruce, trotzdem saßen wir mit seinem Geld in seinem Auto und hätten Gott weiß wo hinfahren können.

Wir machten uns nach erfolgreichem Waschmaschinenkauf auf den Weg und fuhren stundenlang nach Westen, während die Gegend immer kahler und die Straßen immer schlechter wurden. Irgendwann waren wir am Treffpunkt in Dirranbandi angekommen, einer Stadt die eigentlich nur aus einer Straße mit einem Supermarkt, einer Bar und einer Tankstelle bestand.

spärliche Küche

Wir wurden von Mike, einem anderen Arbeiter der Farm begrüßt und folgten ihm über eine Stunde lang über Schotterpisten bis hin zu unserer Unterkunft auf der größten Farm der südlichen Hemisphäre. Über diese Unterkunft möchte ich jetzt noch gar nicht zu viel verraten, ich denke mal die Bilder reichen aus, jedenfalls ließ mich der erste Eindruck direkt begreifen was mit »primitive conditions« gemeint war.

Und so viel sei noch gesagt: der Trick ist es sich ein wenig Shampoo unter die Nase zu schmieren, dann merkt man den Gestank der Dusche nicht. Empfang gab es auch keinen.

Mein Traumjob

Nachdem wir unser Zeug eingeräumt hatten trafen wir unseren Boss Bruce, der uns über die unvorstellbar riesige Farm führte. Riesig bedeutete hier, dass man mehrere Stunden mit dem Auto in eine Richtung fahren könnte und immer noch auf der Farm wäre! Ich erfuhr bei der Führung auch endlich, was genau eigentlich unser Job war.

sehr dreckiges Auto

Das Ganze sah im Groben so aus: Die Farm bestand aus vielen Reihen nebeneinanderliegender Felder, die jeweils mit einem großen Wasserkanal als Zufluss über eine Schleuse verbunden waren. In den dreckigsten Autos aller Zeiten fuhren wir von Feld zu Feld und erledigten unsere Aufgaben. Eine war das sogenannte »Dry-Digging«, bei dem man mit einer Schaufel die Eingänge zu den Furchen im Feld frei schaufelte sodass jede Reihe genug Wasser bekam, wenn die Schleusen geöffnet wurden.

Ein mit Wasser geflutetes Feld

Zum anderen gab es noch das »Wet-Digging«, bei dem das Feld schon geflutet war und man (teilweise mehrere hundert Meter) durch den knietiefen Schlamm watete bis zu einer Stelle an der das Wasser nicht lief. Dann grub man mit der Hand (da die Schaufel nur im Schlamm stecken blieb) einige Verbindungen zu den Reihen rechts und links damit das Wasser gleichmäßig verteilt wurde und die Baumwoll-Samen alle gleich bewässert wurden.

Das machte man dann einfach 7 Tage die Woche, 12 Stunden am Tag mit einer unbezahlten 15 Minuten Pause. Ich bekam direkt die Nachtschicht zugeteilt, sodass meine Arbeitszeiten von 18:00 bis 6:00 waren.

Durchhalten

Ich muss gestehen, dass ich mehr als einmal kurz innegehalten habe, überall beschmiert mit Schlamm und Dreck, in schwärzester Nacht mit meiner Schaufel, und mich gefragt habe was zur Hölle ich hier eigentlich tue. Aber auch hier waren es wieder die Dinge die man zuerst nicht bemerkte, die alles ausmachten: Sei es der schönste Sternenhimmel meines Lebens, Kängurus die in Herden neben den Autos herrannten, oder einfach diese völlig skurrile Erfahrung an sich.

Noch nie in meinem Leben hatte ich so hart gearbeitet, und das auch noch an einem derart trostlosen und fliegenverseuchten Ort. Denn auch das war nicht zu unterschätzen: sobald man draußen war hatte man einen Schwarm von Fliegen um sich und nicht den Hauch einer Chance sich diese vom Leib zu halten. Während man nach der im Nacken schlug, hatten sich schon wieder zwei in dein Auge gesetzt. Ich dachte erst, dass ich dieses Problem in der Nachtschicht nicht haben würde, es stellte sich dann aber relativ schnell fest, dass es nachts einfach andere Krabbel- und Fliegeviecher gab, die natürlich alle mit Freuden zu dem einen einzigen Licht in der Nacht kamen – meiner Kopflampe!

Nach und nach vergingen die Tage, wie im Schneckentempo und ich sammelte nicht nur überall Blasen, sondern auch einige Erinnerungen, die ich nie wieder vergessen werde. So bekam ich zum Beispiel, als ich einen meiner Handschuhe vergessen hatte großzügiger Weise eine alte, stinkende Socke von meinem Chef, die dieser irgendwo unter seinem Fahrersitz gefunden hatte und eigentlich nur loswerden wollte. Und ich hatte meine ersten Begegnungen mit ein paar tödlichen Spinnen, die plötzlich auf mir saßen.

Paul mit einem Hammer in der Hand im Wasser

Als dann nach einem Gewitter der Strom weg war und sämtliche Autos im Schlamm stecken blieben, mussten wir kurz abbrechen und ich hatte eine Woche Zeit, um mich in Brisbane zu erholen, die ich wieder mit Simon und Marcel verbrachte, dann ging es zurück.

In meiner ersten Schicht – diesmal von 3:00 bis 15:00 jeden Tag – holte ich mir direkt den Sonnenbrand des Todes, was die Arbeit noch unangenehmer machte. Was ich auch nie vergessen werde sind die kleinen »James Bond« Aufgaben von Bruce, bei denen ich zum Beispiel mit einem Hammer bewaffnet im Zufluss Kanal tauchen musste um eines der Rohre zu befreien – was für ein Heidenspaß!

Mein Fazit

Irgendwie verging die Zeit dann aber doch und so hart es auch war, ich würde es genauso wieder tun! Dieser Job ließ selbst das Schuften auf der Erdbeerfarm wie Kinderkram aussehen und doch hatte man immer wieder Momente, in denen man einfach lachen musste, weil man unter normalen Umständen NIEMALS in solch einer Situation gewesen wäre.

Es gab viele tolle und unvergessliche Momente die mir niemand nehmen kann, und ich bin froh, dass ich durchgehalten habe. Manchmal muss man einfach aufhören sich über Dreck oder Anstrengung oder andere Kleinigkeiten den Kopf zu zerbrechen und die Dinge laufen lassen, genießen was für unglaubliche Erfahrungen das Leben für einen bereit hält!

Euer Paul

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