Paul in Australien #2: Mein erster Job

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Gerade hat Paul seinen ersten Job bei seinem Working Holiday Aufenthalt in Australien gefunden, da steckt er auch schon mitten im Arbeitsleben. Was genau er auf der Erdbeerfarm tun muss und wie er die anstrengenden Arbeitstage meistert, erfährst du in seinem zweiten Bericht.

Der erste Arbeitstag

Es war endlich soweit – mein erster Job in Australien! Als dann um 5 Uhr morgens der Wecker klingelte, hielt sich die Begeisterung zwar noch in Grenzen, aber trotzdem rafften wir uns auf und unser Gastgeber Sam fuhr uns netterweise zur Farm.

Trolleys im ErdbeerfeldWir kamen noch im Dunkeln an und suchten unsere Supervisorin, die sich uns als »Big Mama« vorstellte und die auch so aussah, kein Scherz! Big Mama zeigte uns kurz die Farm und erklärte uns, wie alles lief, was eigentlich ziemlich einfach war:

Jeder bekam einen eigenen dreirädrigen Trollie, in den man sich setzte und sich mit den Füßen vorwärts zog. Dabei fuhren die Räder durch die Furchen im Feld und man wühlte rechts und links von sich durch die Sträucher und pflückte alle Erdbeeren die reif genug waren. Diese sammelte man dann in Körben die man auf dem Trollie abstellte und legte in jeden ein Zettelchen mit seiner Nummer drauf, damit die Verpacker wussten, wer schuld war, wenn sie (da man ja pro Kilo bezahlt wurde) zu viele unreife Erdbeeren bekamen.

Am Ende jeder Reihe stieg man kurz aus, brachte die Körbe zur nächsten Waage und das Ergebnis wurde bei jedem auf seinem Armband gespeichert und am Tagesende ausgewertet, danach suchte man sich die nächste Reihe.

Keine Gnade

Jetzt lernten wir auch unsere Kollegen kennen. Eine Frau aus Malta, Jessica, die uns in Zukunft zur Arbeit und zurück bringen würde, sowie etwa 40 Taiwanesen. Als die Arbeit anfing, legten diese auch direkt doppelt so schnell los wie wir und ließen uns leicht eingeschüchtert zurück.

neue-freundeBig Mama fand glücklicherweise einige aufmunternde Worte für uns: »If you feel like you are left behind, you better run!« Derart motiviert versuchten wir die Asiaten einzuholen, Reihe um Reihe, Korb um Korb, Stunde um Stunde. In unserer Eile pflückten wir dann entweder zu viel unreife Erdbeeren oder ließen zu viele gute zurück und mussten immer wieder aus dem Trollie aussteigen und die Reihe nochmal mit einem neuen Korb unterm Arm wiederholen, was durch das ständige Bücken sofort auf den Rücken ging.

Big Mama zeigte keine Gnade und die nächsten zwölf Stunden wurden wir mit Rufen wie »Pick faster!«, »Hurry up!« oder »Hundred percent red!« angefeuert, nur unterbrochen von einer halbstündigen Mittagspause. Als wir endlich fertig waren, ging die Sonne bereits wieder langsam unter und jeder bekam einen Zettel auf dem stand, wie viele Kilos man gepflückt hatte. Wir fühlten uns wie gerädert, sodass wir, kaum Zuhause angekommen, erschöpft ins Bett fielen.

Die nächsten Wochen

Erbeerkisten zur Waage schleppenIn den nächsten Tagen gewöhnten wir uns langsam an das frühe Aufstehen und wurden auch beim Pflücken immer schneller. Leider hatten die Supervisor und Bosse ein besonderes Auge auf uns, sodass wir immer wieder neu erklärt bekamen, alle roten und keine grünen Beeren zu pflücken. Wobei es wirklich schwer war, herauszufinden, was der jeweilige Boss als zu grün oder rot genug empfand.

Trotzdem kamen wir gewissermaßen in eine Art Rhythmus und die Arbeit war nicht mehr ganz so anstrengend. Wir lernten auch unsere Kollegen etwas kennen und stellten fest, dass sie alle super nett waren, vor allem mit Jessica verstanden wir uns gut. Dadurch dass man während der Arbeit auch reden oder Musik hören konnte, wurden die langen Tage erträglich, trotzdem fielen wir jeden Abend wieder todmüde ins Bett.

Paul chillt mit KängurusAußerdem hatten wir Glück, dass die Erdbeersaison langsam aber sicher endete, sodass wir hin und wieder frei hatten und etwas mit Jessica und ihrem Freund Kazaf oder anderen Kollegen von der Farm unternehmen konnten.

So gingen wir beispielsweise ein paarmal zusammen Essen, gingen in eine Karaokebar, erkundeten die Gegend (die sogenannten »Glasshouse Mountains«) und trafen uns an einem Wasserfall in der Nähe, an dem man mit einem riesigen »Rope Swing« in den See darunter springen konnte. An einem dieser freien Tage schafften wir es dann sogar in den Zoo, und hatten dort einen echt tollen Tag mit Krokodil-Show, Koalas streicheln und Kängurus füttern –  also das volle Programm!

Es geht weiter… ans Meer

Die Tage vergingen und die Erdbeersaison stand kurz vor dem Ende. Jeden Tag gab es weniger zu holen, also verdienten wir auch weniger – wobei 65 Cent pro Kilo sowieso ein echter Hungerlohn war!

Paul lässt sich einen neuen Haarschnitt verpassenGestört hatte uns das bisher nicht, schließlich war es eine tolle Erfahrung gewesen und wir hatten neue Freunde gefunden. Außerdem war es ja auch unser erster Job, aber mittlerweile lohnte sich die Arbeit einfach nicht mehr für uns. Wir überlegten also eine Weile hin und her und entschieden uns dann weiter nach Norden zu ziehen und unterwegs nach einem neuen Job zu suchen, bei dem wir dann hoffentlich etwas mehr verdienen.

Wir kündigten also und schmissen bei Sam eine kleine Abschiedsparty mit Jessica, Kazaf (der mir dabei direkt einen neuen Haarschnitt verpasste) und den anderen Backpackern aus unserem Haus. Gleich am nächsten Tag hieß es dann Koffer packen und auf gut Glück den Bus nach Mooloolaba nehmen – einem kleinen Küstenort im Norden. Es geht also endlich ans Meer, ich bin gespannt!

Mein Fazit

Ich kann eindeutig sagen, dass ich noch nie so hart gearbeitet habe. Jeden morgen um 5 Uhr aufstehen, in der Kälte in nassen Pflanzen wühlen bis die Sonne einen brutzelt, stundenlang in einem Trollie über die Felder ziehen und kaum Pausen. Dazu kommt vor allem Langeweile, denn auch die beste Playlist hat man irgendwann satt.

Trotzdem würde ich wieder dort arbeiten und auch jedem empfehlen Farmwork zu machen. Wenn nicht um das Second Year Visa zu bekommen (durch 88 Tage Arbeit in bestimmten Betrieben und Gebieten, unter anderem den meisten Farmen, wird einem das Working Holiday Visum noch einmal vergeben), dann wenigstens für ein oder zwei Wochen, um die Erfahrung zu machen.

Ich habe hier gelernt, was es bedeutet, wirklich hart für das eigene Geld zu arbeiten. Man bekommt eine ganz andere Sichtweise, wenn man im Supermarkt auf einmal überlegt, wie lange man für die Tüte Chips oder den leckeren Joghurt pflücken müsste. Ich habe hier zum ersten Mal das Gefühl gehabt, wirklich auf eigenen Füssen zu stehen ohne Hilfe von Mama und Papa. So anstrengend die Arbeit auch ist, das ist ein tolles Gefühl!

Darüber hinaus habe ich tolle Leute kennengelernt, ohne die die vergangenen Wochen nicht dasselbe gewesen wären. Ich habe auch festgestellt, wie sehr gemeinsames Arbeiten verbindet – zum Beispiel bei Nora und Lisa. Nach einer Weile lernt man die kleinen Marotten und Eigenheiten des Anderen kennen, was bei uns zum Glück kein Problem war. Deshalb stürzen wir uns auch gemeinsam ins nächste Abenteuer!

Bis dahin,

Euer Paul

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About Paul

Paul

Der 19-jährige Paul aus Dortmund hat endlich sein Abi in der Tasche und macht sich auf ins Work and Travel Abenteuer nach Australien. Ein großer Schritt das Hotel Mama hinter sich zu lassen, aber er ist fest entschlossen es zu schaffen: ein Jahr auf eigenen Füssen stehen, richtig arbeiten, selbständig sein und natürlich reisen.


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