Sven in New York #2: Von Brücken im Regen, Bankern und einer zauberhaften Schweizerin

  • Sven in New York #2: Von Brücken im Regen, Bankern und einer zauberhaften Schweizerin
  • Sven in New York #2: Von Brücken im Regen, Bankern und einer zauberhaften Schweizerin
  • Sven in New York #2: Von Brücken im Regen, Bankern und einer zauberhaften Schweizerin
  • Sven in New York #2: Von Brücken im Regen, Bankern und einer zauberhaften Schweizerin
  • Sven in New York #2: Von Brücken im Regen, Bankern und einer zauberhaften Schweizerin
  • Sven in New York #2: Von Brücken im Regen, Bankern und einer zauberhaften Schweizerin
  • Sven in New York #2: Von Brücken im Regen, Bankern und einer zauberhaften Schweizerin
  • Sven in New York #2: Von Brücken im Regen, Bankern und einer zauberhaften Schweizerin
  • Sven in New York #2: Von Brücken im Regen, Bankern und einer zauberhaften Schweizerin
  • Sven in New York #2: Von Brücken im Regen, Bankern und einer zauberhaften Schweizerin

New York, eine faszinierende Stadt. Auch für Sven, der so nett ist, für uns auf der Weltneugier seine einwöchige Reise in den »Big Apple« in einer Artikelserie zu beschreiben. Sein Tag führt ihn von der Brooklyn Bridge über den Broadway in ein Konzert Sophie Hungers.

Donnerstag, 28. April 2011: Es ist früher Morgen in Downtown Brooklyn. New York zeigt sich eher von seiner tristen Seite, nämlich grau und regnerisch. Aber hey, es gilt eine ganze Stadt zu entdecken und da muss schon ein bisschen mehr kommen als heftige Schauer. Gesagt, getan – Kamera, Reiseführer und Stadtplan werden in den Rucksack gepackt.

75 Smith Street New York

Nach dem Frühstück führt der der Weg zur bzw. über die Brooklyn Bridge nach Manhattan. Zumindest war das der Plan bis zum Einsetzen des nächsten Platzregens (…) aber auch der ging irgendwann vorüber und immerhin habe ich Urlaub. Also, keine Eile – Du hast Zeit, denke ich. Eigentlich ein für New York eher untypischer Gedanke ;-).

Brooklyn Bridge

Nun ist die Skyline Manhattans aber auch bei schlechtem Wetter ziemlich spektakulär: Viele Wolkenkratzer verschwinden in den tief hängenden Wolken und gerade von der Brooklyn Bridge lässt sich dieses Schauspiel hervorragend beobachten.

Brücke in New York

Weiterer netter Nebeneffekt: Touristen sind ein wasserscheues Pack Volk und dementsprechend ist die Brücke nahezu menschenleer. Nur ein paar vereinzelte hart gesottene Radfahrer und Jogger kreuzen meinen Weg. Sehr eigentümliche Atmosphäre mit leichter Endzeitstimmung, die durch die großformatige Aufforderung zur täglichen Bibellektüre am Gebäude des »Watchtowers« noch verstärkt wird.

Hmm, Regen und christliche Betbrüder – wahrlich nicht die beste Kombination zum Start auf der »Sehnsuchtsbrücke«, die seit ihrer Freigabe am 24. Mai 1883 von vielen als Symbol für den Traum vom besseren Leben in Manhattan gesehen wurde.

Kirche in New York

Ein paar Basic Facts zur Brücke selbst: Historisch gesehen ist die ehemalige »New York and Brooklyn Bridge«, die Manhattan und Brooklyn über den East River hinweg miteinander verbindet, eine der ältesten Hängebrücken der Vereinigten Staaten und war zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung mit 1833,68 Metern auch die weltweit längste Brücke dieser Bauform.

Heute gilt sie als eines der Wahrzeichen New Yorks und verfügt neben dem Fuß- und Radweg über eine 6-spurige Straße. Zu Fuß kann man die Brücke in ca. 60 Minuten überqueren.

Nach einer Stunde im Nieselregen gelange ich allerdings zu der Erkenntnis, dass ich nun Mal auch nur ein wasserscheuer Tourist bin und Sehnsucht sich wohl eher auf den Wunsch nach etwas weniger Wasser vom Himmel beziehen sollte (…) und siehe da, es klart auf und die Sonne kämpft sich ihren Weg durch die Wolken. Zeit für einen ersten Kaffee in Manhattan. Manchmal ist man(n) dann doch sehr leicht zufrieden mit sich und der Welt. :-)

Downtown Manhattan und der Broadway

Die Brooklyn Bridge endet an der Südspitze Manhattans (City Hall/ Municipal Building) nicht weit entfernt von Bowling Green, dem südlichen Ende des Broadways. Gemeinhin assoziiert man den Namen Broadway ja mit dem Theater-Viertel am Times Square, tatsächlich wird hiermit aber auch die älteste und mit mehr als 25 Kilometern längste Nord-Süd-Durchquerung Manhattans bezeichnet, deren Ursprung in einem alten Indianerpfad liegt, der bereits von den ersten holländischen Siedlern ausgebaut wurde.

Menschenmengen New York

Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass die Straße nicht den Vorgaben des »Commissioners Plan« von 1811 folgt, sondern als einzige Straße nördlich von Greenwich Village aus dem (Planquadrat-)Raster von berühmten und berüchtigten Avenues und Straßen ausbricht und einen diagonalen Verlauf nimmt. Menschen gibt es hier übrigens auch genug.

Wer von Brooklyn aus nach Manhattan kommt, für den ist der Broadway sicherlich eine der besten Möglichkeiten, die Stadt zu erkunden. Aufgrund seiner Länge könnte man sich theoretisch nur entlang dieser Straße viele Sehenswürdigkeiten und Stadtviertel Manhattans anschauen: den Financial District mit der Wall Street, die New Yorker City Hall, TriBeCa und SoHo, Greenwich Village, den Theaterdistrikt sowie die Upper Westside mit dem Central Park und natürlich Harlem im Nordwesten.

Wall Street

An den Schnittpunkten mit den Avenues finden sich weiterhin stark frequentierte Plätze wie Union Square (Fourth Avenue), Herald Square (Avenue of the Americans/Sixth Avenue), Times Square (Seventh Avenue) und Columbus Circle (Eighth Avenue). Man muss halt nur gut zu Fuß sein oder ein Taxi bzw. die U-Bahn nehmen ;-).

Wall Street und Ground Zero

Mein erster Abstecher nach besagter Kaffee-Pause führt zur Wall Street, der weltweit wohl geballtesten Konzentration von Banken und Börsen auf relativ kleiner Fläche. Kurzum, ein globales finanzielles Machtzentrum, welches zur Mittagszeit nur so von Bankern, Security Personal, Brokern und sonstigen Anzugträgern auf dem Weg in ihre Mittagspause wimmelt.

Die New Yorker Börse

Um ehrlich zu sein, ein Ort mit ganz, ganz schlechtem Karma, an dem ich mich nicht des Eindrucks erwehren kann, am Schauplatz eines der schlechtesten Scherze auf Kosten anderer Leute in der jüngeren Geschichte zu stehen. Best faith hat ja inzwischen den worst case der Finanzkriese wieder ersetzt und alles geht hier seinen gewohnten Gang.

Drei Dinge kommen mir in den Sinn: 1) Meine Wut auf die Gier der verantwortlichen Personen, 2) das Foto eines Protestschilds während der Demonstrationen im Januar/Februar 2009 und 3) Neil Youngs »Rockin in the Free World«. Kein Grund, sich hier länger als nötig aufzuhalten. Ich verabschiede mich mit einem gemurmelten »Jump! You Fuckers!«, balle die Faust in der Tasche und mache mich – vorbei an der Trinity Church und ihrem kleinen Friedhof – auf den Weg zum »Ground Zero«.

Kleiner Friedhof in New York

Im Gegensatz zu meinem letzten NYC-Aufenthalt hat sich einiges verändert: War das Gelände des ehemaligen World Trade Centers damals eine Baugrube, die einen tiefen Blick in die »Eingeweide« der Stadt erlaubte, ist davon heute nichts mehr zu sehen. Inzwischen stehen hier riesige Rohbauten, die zumindest erahnen lassen, welche Dimensionen das neuen World Trade Center haben wird.

Und trotz dass es sich hier um eine riesige Baustelle handelt, ist es vor allem und in erster Linie ein Ort des Gedenkens an die Opfer der Anschläge vom 11. September 2001. Ground Zero sollte im Verlauf meines Aufenthalts nochmals eine wichtige Rolle spielen bzw. von der Aktualität der Ereignisse eingeholt werden. Aber dazu später mehr (…)

Im Regen den Broadway hinauf

Das Schöne an New York ist, dass man sich wunderbar mit dem Strom der Menschen treiben lassen kann und es eigentlich im Minutentakt interessante Dinge im Straßenbild zu entdecken gibt. So stolpere ich auf meinem Weg den Broadway hinauf über einen Frauenchor, dessen Mitglieder hauptsächlich älteren Semesters sind.

New Yorker Straßenchor

Unter der Leitung eines sehr engagierten Chorleiters, ein eher eigenwilliges Set an Songs zum Besten geben: Folksongs, Kirchenlieder und eine A-cappella-Version der Rocky-Filmmusik. Mindestens interessant, denke ich und halte einen Moment inne. Und die Westen haben auch irgendwie was (…) zumindest irgendwie. Trotzdem liegt in diesem Auftritt auch etwas Würdevolles. Rock’n’Roll, Ladies ;-).

Es geht weiter den Broadway hoch und je näher ich dem Bereich zwischen TriBeCa und SoHo komme, desto stärker verändert sich auch die Architektur. Auffällig sind hier zum einen die Glas-Gusseisenfassaden (Italianate-Stil) vieler Gebäude, was der Gegend auch den Namen Cast-Iron Historic District eingebracht hat und zum anderen die Vielzahl an Geschäften, die für deutsche Verhältnisse relativ günstig Klamotten verkaufen. Dementsprechend überfüllt ist die Gegend und so manche Kreditkarte soll hier schon ihren Geist aufgegeben haben ;-).

New Yorker Straßenverkehr

Inzwischen hat sich der scheinbar unentbehrliche Regen aber wieder zurückgemeldet und nach diversen Zwischenstopps unter Vordächern und in einem kleinen, niedlichen Cafe beschließe ich, dass es reicht. Es wird so langsam Zeit, auf die U-Bahn umzusteigen. Mein nächster Halt: Greenwich Village. Ein Highlight meines diesjährigen Aufenthalts.

Greenwich Village und Sophie Hunger im Le Poisson Rouge

Am Abend des ersten Tages gab es ein erstes Highlight dieser Reise: Das Konzert der absolut großartigen und zauberhaften Schweizerin Sophie Hunger. Anlass: Release ihres ersten Albums für den amerikanischen Markt. Ort: Les Poisson Rouge, Bleeker Street 158 im Greenwich Village. Einlass: 18:00 Uhr – Beginn: 19:00 Uhr.

New Yorker Türeingang

Etwas früh für ein Konzert, dachte ich anfangs, aber ich habe mich dann dennoch belehren lassen, dass viele amerikanische Venues mehrere Veranstaltungen an einem Abend durchführen. Deshalb starten sie abends folglich mit entsprechenden »Early Gigs«. Wie dem auch sei, das Konzert findet in einem kleinen Saal im Keller des Clubs statt.

Es gab den Hinweis per E-Mail, dass man bitte pünktlich sein möge, um einen Platz zu bekommen. Mache ich doch gerne. Gegen 18:10 Uhr hat sich bereits eine kleine Schlange gebildet. Mein Name steht auf einer Gästeliste, ich kriege einen Stempel und ein Armband und die Security-Leute interessiert weder mein Rucksack noch die Kamera-Ausrüstung. Man wird einfach freundlich mit dem Hinweis: »Enjoy the concert!« durchgewunken. Sollten sich einige Veranstalter und Clubs in Deutschland mal ein Beispiel dran nehmen ;-).

Ein Konzert in New York

Der Konzertsaal selbst birgt dann allerdings noch einige Überraschungen: Eine voll aufgedrehte Klimaanlage und eine wirklich komplett kreisrunde Bühne in der Mitte des Saals, welche von kleinen Tischen umgeben ist. Das ganze Setting erinnert eher an ein Restaurant als daran, dass hier gleich ein nicht gerade unbekanntes Konzert stattfindet.

Am Eingang wird dann man auch standesgemäß von einer Kellnerin in Empfang genommen. Aber, so erfahre ich, auch das ist nichts Ungewöhnliches für amerikanische Venues. Vor allem viele Jazzclubs verfahren nach dem Prinzip Dinner und Konzert. Immerhin haben sie eine – wenn auch kleine – Discokugel unter der Decke hängen ;-).

Für die Band ergibt sich dadurch folgende Situation: Sie steht relativ dicht gedrängt zwischen ihren Instrumenten mit dem Rücken zum Publikum und konkurriert mit dem servierten Essen um dessen Aufmerksamkeit. Ich weiß anfangs nicht, ob ich das wirklich gut finden soll. Vor dem Konzert läuft Bob Dylan über die PA, man gibt sich also traditionsbewusst – wir sind hier immerhin in Greenwich Village. Nach und nach füllen sich der Saal bzw. die Tische. Das Publikum – ca. 200 Leute – ist relativ gemischt. Verfolgt man die Gespräche an den Tischen, so scheinen viele Europäer vor Ort zu sein (Schweizer, Franzosen).

Ein Konzert in New York von Sophie Hunger

Zum Konzert selber: Die Musiker sind anfangs definitiv nervös, aber auf Sophie Hunger ist Verlass. Immer. Ich habe einfach noch keinen schlechten Auftritt von ihr gesehen :-). Highlight des Abends: Der abschließende Song »Train People«, an dessen Ende die Musik verklingt und den Saal für mehrere Minuten in gebanntem Schweigen hinterlässt.

Selbst das Rauschen der Klimaanlage fügt sich hier in den musikalischen Kontext ein. Niemand traut sich, nur irgendeinen Laut von sich zu geben. Die Schönheit des Augenblicks treibt mir die Tränen in den Augen. Ganz, ganz großes Kino. Danke, Sophie. Thank you, New York :-).

Nach dem Konzert mischt sich die Band unter das Publikum, ich unterhalte mich mit einigen Schweizern und zwei Amerikanerinnen, die absolut begeistert sind. Oh, und mit der guten Sophie habe ich auch kurz Smalltalk gemacht. Sympathische Person :-). Irgendwann ist aber auch der schönste Abend mal vorbei und es wird Zeit nach Hause zu gehen. Mache noch einen kleinen Spaziergang durch das Village und fahre mit der U-Bahn-Linie 4 zurück nach Brooklyn. In Gedanken hallt immer noch »Train People« nach (…) alles ist gut :-).

Svens vorheriger Artikel Deine Möglichkeiten in den USA

Share this Story

Verwandte Artikel

Hinterlasse einen Kommentar (mind. 10 Zeichen)

Deine E-Mail wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Unsere Gratis-Kataloge

Zu unseren Programmen

Stepin auf Facebook

Stepin auf Instagram

Newsletter-Abo

Bleib auf dem Laufenden und erhalte regelmäßig News zu neuen Artikeln!

Wir geben keine Daten an Dritte weiter!