Miriam in Neuseeland #15: Mein Abschlussbericht

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Sich lebendig fühlen. Jede Möglichkeit nutzen und leben. In verschiedenen Sprachen lachen. Die komplette Milchstraße bestaunen, umringt von den engsten Freunden, die mehr als nur deine »international family« sind. Lernen, dankbar zu sein und jeden Moment voll und ganz zu leben. Sein Leben verändern. Man selbst sein. Mutiger werden. Sich darin sicher sein, dass seine Träume wahr werden können. Lernen, das Leben zu lieben. Das sind nur ein paar der vielen Dinge, die Stipendiatin Miriam während ihren fünfeinhalb Monaten Schüleraustausch in Neuseeland erleben, lernen und erfahren durfte.

»You will never be completely home again, because part of your heart will always be elsewhere. That is the price you pay for the richness of living and knowing people in more than one place.«

Mein Traum

Wo soll ich nur anfangen, meine Zeit irgendwie »zusammenzufassen«? Ich kann das nicht. Man kann wahrscheinlich sein Auslandsjahr und all die tausend Abenteuer genau so wenig zusammenzufassen wie sein Leben »davor«. In einem Auslandsjahr lebt man ein neues Leben. Und all die Erfahrungen kann ich nicht auf ein paar Seiten schreiben und sie kurz fassen, denn dafür sind sie viel zu wertvoll.

Nach Neuseeland zu gehen, generell für eine längere Zeit im Ausland zu leben, das war mein Traum. Ich rede nicht von einem Traum wie man ihn hatte, als man klein war, sondern einer von der Sorte, mit dem man sich nie abfindet, bis er in Erfüllung geht. Einer von der Sorte, der einen nachts wach hält, der einen an seine Grenzen gehen lässt und NIEMALS aus dem eigenen Kopf verschwindet.

Fünf Jahre verließ dieser Traum mich nicht und mit genau diesem wunderbaren Gefühl, dem Überglücklich-Sein, der Ich-lebe-meinen-Traum-Einstellung bin ich in das Land meiner Träume geflogen. Und das ist genau der richtige Weg, um aus seinem persönlichen Auslandsaufenthalt das Beste zu machen. Genau aus diesem Grund hatte ich die perfektesten fünfeinhalb Monate meines Lebens. Keiner sagt euch, wie ihr diese Zeit leben sollt, es ist eure Entscheidung und eure Verantwortung. Ihr seid für euch selbst verantwortlich und es liegt ganz allein in euren Händen, welchen Weg ihr einschlagen wollt.

Letzte Tage in der Blockhouse Bay

Stipendiatin Miriam schmückt den Weihnachtsbaum in NeuseelandNachdem ich zwei abenteuerreiche Wochen lang mit meinem Vater und meinem belgischen Freund Matthias quer über die Südinsel getourt war, kam der Moment meiner Rückreise immer näher. Nachdem ich die ganze Nacht damit verbracht hatte, meine Sachen zusammenzupacken und seitenlange Briefe an meine Gastfamilie geschrieben hatte, schmückte ich mit Sean und Diane den Weihnachtsbaum und dekorierte das ganze Haus. Leaf, unser Hund, tobte um meine Beine und Sean umarmte mich mindestens hundertmal, obwohl ich noch gar nicht weg war. Zusammen fuhren wir noch ein letztes Mal zu unserer Oma, denn auch sie ist mir sehr ans Herz gewachsen und ich wollte mich von ihr verabschieden.

Wieder in der Blockhouse Bay angekommen, stand mein Vater auch schon vor der Tür und war bereit, mich und ihn zum Flughafen zu fahren. Und jetzt kam der schreckliche Moment, in dem ich meiner neugewonnenen Familie »Auf Wiedersehen« sagen musste. Wir schossen letzte Fotos und ich umarmte die beiden bestimmt drei Minuten am Stück und weinte mir die Augen aus, während ich irgendwie versuchte, den beiden zu sagen, wie dankbar ich ihnen bin. Ich schenkte beiden einen Stein, auf den ich jeweils ein Mandala malte und »zweite Familie« und »kleiner Bruder« auf Deutsch drauf schrieb. Als ich dann im Auto war und der sommerliche Fahrtwind mir durch die Haare wehte, rief Sean »WE LOVE YOU SO MUCH!«, was mich heute noch zu Tränen rührt.

Time to say Goodbye

Abschiednehmen von Freunden am Flughafen in NeuseelandIch fuhr zusammen mit meinem Vater nach New Lynn, um drei meiner besten Freunde abzuholen, denn sie hatten versprochen, mit mir zum Flughafen zu kommen. Ich hatte sie ganze zwei Wochen nicht gesehen. Als wir zusammen im Auto saßen und über all unsere Abenteuer und Geschichten redeten, fühlte ich mich so glücklich und vollkommen, dass ich auch am Flughafen keine Trauer verspürte, denn alles was ich brauchte, um glücklich zu sein, war hier.

Wir hatten noch knapp drei Stunden Zeit, bevor ich einchecken musste, weshalb wir uns einen Kaffee holten und uns noch ein letztes Mal zusammensetzten. Um 16:00 Uhr kam meine beste Freundin nach und wir fielen uns in die Arme, als hätten wir uns Jahre nicht gesehen. Matthias, mein Freund aus Belgien, sagte mir bzw. uns: »Stellt euch das vor, Neuseeland und das Avondale-Leben ohne Miri. Ich meine, es haben uns schon viele verlassen, weil sie wieder nach Hause mussten. Aber dass Miri geht… ich kann das nicht.« Ab diesem Moment fühlte ich, dass der Abschied Wirklichkeit war. Ich musste gehen, obwohl mein großes Herz das noch nicht zulassen wollte.

Freunde fürs Leben

Ich hatte Marin, meinem besten Freund, eine Rede zum Abschied geschrieben, die er sich dann aber selbst durchlesen musste, weil ich zum Vortragen viel zu sehr weinen musste. Ich versuchte zu beschreiben, wie wichtig er und alle meine anderen Freunde geworden waren, welche Erfahrungen und vor allem wie das Taurewa Camp mit ihm mich geprägt hatten. Nachdem er die letzten Zeilen gelesen hatte, lagen wir uns weinend in den Armen.

Abschiednehmen am FlughafenDann durfte ich seine Rede lesen, und ich kann euch eines sagen: Diese Zeilen, die er mir schrieb, bedeuten mir so viel! Ich wünsche jedem dort draußen, dass ihr mindestens einmal in eurem Leben einen Freund wie Marin findet.

Er schrieb vor allem über das Camp und den Moment, in dem sich das Sternenzelt über unseren Köpfen ausbreitete und wir uns so vollkommen wie nie fühlten. Hier ist der Teil, der mir am meisten bedeutet: »Miri, I am glad we gave our tears to the sky, while watching the Milky Way, all those trillions of stars of the everlasting universe above us. And, from all those stars you were probably the one that was shining the most.«

Dann kam der Moment, in dem ich durch das Gate gehen und meine Freunde, meine Lieblingsmenschen, meine Gründe, warum Neuseeland so perfekt war, ein letztes Mal umarmen konnte. Dieses Gefühl, das dein Herz auseinander gerissen wird, dieses flaue Gefühl im Magen, die tausend Tränen, die dir über die Wangen laufen. Sich das letzte Mal umdrehen, ihnen in die Augen schauen und ihnen irgendwie versuchen klarzumachen, dass sie zu einem der wichtigsten Teile deines Lebens gehören. Es hat mir das Herz gebrochen all die traurigen, tränenerfüllten Gesichter hinter mir zu lassen. Ich habe mich noch nie in meinem Leben so elend gefühlt, noch nie habe ich so viele Tränen vergossen wie an diesem Tag.

Meine unvergessliche Zeit in Neuseeland

Als ich im Flugzeug saß und der Flughafen langsam immer kleiner wurde, während wir in die Luft stiegen, fühlte ich mich so elend wie nie. Dieses Land, das ich kennenlernen durfte, was ich lieben gelernt habe – Neuseeland – lehrte mich so viel über mich selbst, mein Leben, meine Träume, meine Ziele, meine Einstellung und meinen Charakter.
Ich kann meine Zeit in diesem Land mit nichts vergleichen, und niemand könnte meine Erfahrung gegen irgendetwas eintauschen. Das kann mir niemand nehmen, denn niemand hat und wird jemals das gleiche erleben. Ich habe mein eigenes persönliches Stück Miri in Neuseeland gelassen und das kann niemand entfernen.

Über den WolkenIch habe gelernt, jede Möglichkeit zu nutzen, auch wenn es heißt, um 4:30 Uhr aufzustehen, damit man den Tag am Strand verbringen kann. Ich lernte, dass jeder Moment geschätzt werden muss, dass es nicht selbstverständlich ist, in Neuseeland leben zu dürfen und mit ins Taurewa Camp zu fahren, sondern dass es einen Grund hatte. Und dieser Grund war, mir zu zeigen, wie wertvoll unser Leben ist und dass wir es so leben sollten, als wäre es morgen vorbei.

Ich habe gelernt, dass es nicht wichtig ist, wo du bist, sondern mit wem du dort bist. Das Camp, mein Roadtrip, das Zelten an der Coromandel, das Surfen, das Schwimmen unter einem Wasserfall – all diese wunderbaren Erinnerungen wären längst nicht so perfekt, wenn ich sie nicht mit meinen engsten Freunden hätte teilen können. Marin, Matthew, Matthias, Andrea, Joaley, Alex, Aranxta, Bronwen, Pearl: Ich danke euch so sehr dafür, dass ihr meine Zeit so bereichert habt. Ich habe gelernt, dass man nie zu groß träumen kann. Ich hatte einen Traum, ein Ziel, welches ich nie aus den Augen verloren habe und genau deshalb ist es mir auch eine Ehre, diesen Abschlussbericht zu verfassen. Denn er ist der Beweis, dass es Wirklichkeit war mit Neuseeland, dass es eben kein Traum war.

Träume können wahr werden!

Wer auch immer dort draußen vielleicht genau in der gleichen Situation ist, wie ich vor zwei Jahren war. Einen Traum zu haben, der sich schwer erfüllen lässt: Ich will euch hiermit ermutigen, nicht aufzugeben und eure Ziele im Auge zu behalten. Ich weiß, dass manche Träume in Erfüllung gehen können, und dank Stepin, der Unterstützung meiner Familie und meinen Freunden wurde mein Herzenswunsch erfüllt. An das ganze Stepin-Team: Ich bin euch so dankbar, ihr könnt euch das nicht vorstellen, wie glücklich ihr mich gemacht habt. Dass ihr mich auf diese Reise geschickt habt, bedeutet mir mehr als alles andere. Danke. Danke. Danke.

Neuseeland wird immer mein Zuhause bleiben, ich werde immer an meine Zeit zurück denken, ich werde immer in Erinnerung schwelgen und mein Fernweh wird immer stärker werden. Ich werde mir immer wünschen, wieder an dem Ort meiner Träume zu sein und den Sonnenaufgang am anderen Ende der Welt zu bestaunen. Mein Herz wird immer in Neuseeland sein.

Eure Miri

»Hier geht’s zur Übersicht aller Artikel der Serie »Miriam in Neuseeland««

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About Miriam

Miriam

Miriam aus Königswinter gehörte zu unseren Stipendiaten der Saison 2015/16. In Avondale bei Auckland besuchte die 16-Jährige für 3 Monate eine neuseeländische High School. Hier auf der Weltneugier berichtete sie regelmäßig von ihren Erlebnissen.

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