Vier Monate bevor Merle bei ihrem Schüleraustausch in Kanada die Verabschiedung ihrer neugewonnenen Familie durchstehen musste, kam sie mit einem Haufen Erwartungen in Nova Scotia an. Und die haben sich auch erfüllt. In Kanada hat Merle ein zweites Zuhause gefunden, von dem sie sich jetzt nur schweren Herzens verabschieden konnte…

Verabschiedung von Freunden

Nun wurde meine Zeit wirklich knapp und ich hatte nur noch ein paar Tage mit meinen Freunden und meiner Gastfamilie in Kanada. Da Weihnachtszeit war, hat jeder mehr Zeit mit seiner Familie verbracht. So entschied ich mich keine Abschiedsfeier zu machen.

Freunde überraschen Merle zum Abschied

Da hatte ich jedoch nicht mit meinen Freunden gerechnet. Nichts ahnend hatte ich mich mit meiner Freundin in der Stadt verabredet. Aber als ich ankam, saß da nicht nur meine Freundin, sondern alle anderen Freunde auch. Ich war so überrascht und war echt dankbar, auch wenn es ein paar wegen der Spontanität nicht geschafft hatten zu kommen. Wir verbrachten ein paar Stunden in einem kleinen Café und am Ende verabschiedete ich mich ein letztes Mal von allen.

Quality Time mit der Host Family

Meine letzten Tage mit meiner Gastfamilie waren für mich mit die schönsten, denn dadurch, dass uns allen bewusst war, was für eine kurze Zeit wir nur noch hatten, waren wir noch enger zusammen als je zuvor.

Nächtlicher Spaziergang mit der Gastfamilie

Wir sind essen gegangen, sind zum Strand gegangen, an dem es super windig war und an meinem letzten Abend sind wir alle zu meinem Lieblingsort gelaufen – einem kleinen Wasserfall in der Nähe unseres Hauses. Da es schon dunkel wurde, hatte meine Gastmutter Leuchtstäbe dabei und so sind wir ohne Handys und Taschenlampen zum Wasserfall spaziert. Wir mussten zwei große Hängebrücken überqueren, was ziemlich aufregend war, da man auf dem Eis die ganze Zeit ausrutschte. Wir hatten einfach super viel Spaß und es ist eine der schönsten Erinnerungen, an die ich zurückdenken kann.

Goodbye

Als ich an meinem allerletzten Tag in Kanada aufwachte, fühlte sich alles normal an und als könnte keine Kraft der Welt mich einfach hier aus meinem Leben reißen. Ohne es überhaupt zu merken, saß ich kurz darauf auch schon im Auto und sah das Haus, das mein Zuhause geworden war, kleiner werden.

»Wie konnte das denn sein?«, fragte ich mich die ganze Zeit. Es fühlte sich an, als wäre ich gerade erst angekommen, erst jetzt hatte es angefangen, sich wie mein richtiges Leben anzufühlen. Die zweistündige Autofahrt war bedrückend. Es lag eine Traurigkeit in der Luft – gemischt mit Witzen und Lachen. Ich versuchte die Verabschiedung so lange wie möglich heraus zu zögern, aber schließlich war es einfach nicht mehr möglich.

Merle mit Kanada-Flagge

Mich zu verabschieden war eine der schwersten Dinge in meinem Leben. Es war, als könnten wir nicht mehr aufhören zu weinen und uns noch und noch einmal zu umarmen. Als mich meine Gastmutter ein letztes Mal umarmte, fragte meine Gastschwester, warum meine Gasteltern überhaupt Gastschüler aufnehmen, wenn es doch so schwer ist, sich wieder zu verabschieden. Meine Gastmutter sagte nur »Weil wir somit wunderbare neue Töchter finden, die uns in den besten Wegen verändern«.

Ende August 2016 kam ich zu einer Gastfamilie, die ich nun als Familie wieder verließ. Ich bin ihnen unglaublich dankbar, dass sie mich in ihrer Familie wie ihre eigene Tochter aufgenommen haben. Als ich durch die Sicherheitskontrolle ging, drehte ich mich immer und immer wieder um und schließlich winkte ich ein letztes Mal und begann meine Reise zurück nach Deutschland.

»How lucky am I to have something that makes saying goodbye so hard.« – Winnie the Pooh

Mein Abenteuer-Heimflug

Der Rückflug begann mit einem Schock: Mein Flugzeug ist wegen eines Defekt ausgefallen. Total aufgewühlt und unsicher, was ich machen sollte, habe ich nach einiger Zeit eine Flughafenarbeiterin gefunden, die mir helfen konnte. Sie hat mir einen Platz im nächsten Flugzeug, das nach Frankfurt ging reserviert. Ich bin ihr super dankbar, dass sie ihre Arbeit für mich liegengelassen hat und mir half, denn wäre ich wirklich ins Hotel gefahren, hätte man mich dort gar nicht reingelassen, da ich unter 21 Jahre bin.

So wartete ich vier Stunden plus einer zusätzlichen Stunde an Verspätung, da es anfing kälter zu werden und zu schneien. Ich war total froh, als ich endlich im Flugzeug saß und wir trotz eines wackeligen Starts in der Luft waren. Als wir in Frankfurt tiefer flogen, um zu landen, fiel mir auf, wie dreckig die Luft war, wie viele Häuser es gab und umso weniger Natur und ich wünschte mich direkt zurück.

Merle mit Welcome back-Schild

Im Flughafen schaute ich unbewusst nur auf die englischen Wegweiser und redete unabsichtlich mit dem Arbeiter in der Passkontrolle Englisch. Ich fand meine Eltern schnell und es war total schön, sie nach dieser langen Zeit wiederzusehen und wir machten uns auf den Weg nach Hause.

In meinem nächsten und letzten Blogeintrag erzähl ich euch, wie es mir mit dem Einleben zurück in Deutschland geht.

Bis dahin,
Eure Merle

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