Für Max geht sein Work and Travel in Australien langsam zu Ende. Mit einem spannenden Roadtrip setzt er seinen bisherigen Erlebnissen nochmal einen drauf. Erfahre hier, welche Höhen und Tiefen Max dabei erlebt hat.

On the Road again

Manchmal läuft es schneller, als man denkt. Es waren keine 48 Stunden vergangen, seit ich den Flieger von Cairns nach Melbourne verlassen hatte, als ich bereits wieder mit gepackten Taschen am Checkout unseres Hostels stand. Draußen auf der Straße hupte schon ungeduldig unser neues Zuhause für die nächsten Wochen: ein schneeweißer Ford Falcon.

Jugendliche mit weißem Auto

30 Tage – 12.000 km. Das war unser Plan. Vom schönen Melbourne aus über die Great Ocean Road nach Adelaide, dann »all the way up« durch das berüchtigte Outback zur Westseite Australiens, um diese dann entlang der Küste herunter bis Perth abzufahren. Im Zick-Zack durch halb Australien – selbstverständlich also, dass wir bestens vorbereitet waren.

Ich packe mein Auto und nehme mit…

… eine Menge unnützes, platzverbrauchendes und möglichst schwer zu verstauendes Gepäck.

Tatsächlich hatte keiner der Insassen von Morti (so hieß unser 4-Räder, da er von seiner Form her eine verblüffende Ähnlichkeit mit einem Leichenwagen aufwies) eine Ahnung, was man für einen Roadtrip eigentlich alles braucht. Einen zweiten Wasserkanister zum Beispiel, Gas für den Campingkocher oder einfach genügend stabile Campingstühle… egal auf welchem Campingplatz, wir waren stets die am schlechtesten ausgestatteten Camper.

Max im Auto

Doch Campingplätze sind was für Warmduscher

Die australischen Weiten bieten eine Menge wunderschöne Campingplätze an tollen Orten an – aber keinen, der zu uns passte. Und so gehört es zum Freiheitsgefühl eines Roadtrips morgens früh das Auto zu laden und einfach loszufahren ins australische Blau. Ohne Ziel, ohne Vorgaben. Zu Orten, an denen bisher vielleicht kein anderer war, an denen man einfach anhalten kann, das Zelt aufschlägt und sich Gruselgeschichten am Lagerfeuer erzählt. Klingt nach kitschigem Sonntagnachmittagsfilm im Ersten – aber genau diese Stimmung kommt in einem auf, wenn man sich einmal richtig frei fühlen will.

Autos mit Campingausrüstung

Und so stand schnell für uns fest: wir wollten keine vollen Campingplätze, auf denen sich ein australischer »Wohnbus« nach dem anderen reiht, mit seinen warmen Duschen und großen Küchen.

Wir wollten Abenteuerplätze. Das volle Programm!

All you can see

Unfassbar, was man in 30 Tagen alles erleben kann. Der Platz in diesem Blogpost reicht bei Weitem nicht aus, um alles zu berichten, denn jeder – wirklich jeder – Tag des Roadtrips war ein Erlebnis, sowohl positiv, als auch negativ – leider.

Outback links, Outback rechts, Outback überall

Outback HighwayHighlight der ganzen Reise und für mich einmalig auf der Welt waren die ewigen Weiten des australischen Outbacks. Als hätte jemand den Ozean leer gepumpt und eine einzige Straße hindurch gebaut, erstreckt sich dieses Niemandsland über eine Fläche, die fast so groß ist wie Europa. Fährt man den »Outback Highway« entlang, überkommt einen nicht nur einmal der Drang, auszusteigen und einfach ein bisschen zu Fuß die Straße entlang zu laufen, in den endlosen Wind zu schreien oder sich einfach mal auf den heißen Asphalt zu legen, über einem der ewig wolkenlose Himmel. Denn hier wächst einfach nichts. Plattes Land zur Linken, plattes Land zur rechten. Schläft man als Beifahrer ein, wacht man nach 2 Stunden verwirrt auf und denkt: »Sind wir überhaupt von der Stelle gekommen?«

Ayer's RockGute 7.000 Kilometer ging es durch das Outback. Wir haben eine Stadt namens »Coober Pedy« gesehen, deren Häuser größtenteils unterirdisch gebaut wurden, um vor der Hitze zu schützen.

Wir sind durch einen Nationalpark gefahren, der größer war als Deutschland, schwammen durch Wasserfälle und unterirdische Wassertunnel (übrigens – sehr gruselig).

Und natürlich haben wir auch dem Uluru einmal »Hallo« gesagt und der Sonne zugeschaut, wie sie sich langsam über dem riesigen Stein erhebt (Es ist tatsächlich ein Stein, kein Berg).

Ein unvergesslicher Moment!

Ganz ohne Touristen: die Westküste

Doch auch die Westküste war ein unglaubliches Erlebnis. Während die Ostküste Australiens vor Touristen nur so wimmelt, sagen viele, an der Westküste erlebe man das wahre Australien. Und tatsächlich: Noch nie habe ich mich der Natur so verbunden gefühlt wie hier.

Rochen im WasserNirgendwo in Australien bekommt man die Chance, an einem menschenleeren Strand mit Schnorchel ins Wasser zu springen und ein Schiffswrack aus der Zeit des zweiten Weltkriegs zu erkunden, während hinter einem plötzlich wilde Delfine durchs Wasser springen und der Schatten eines Rochens einem fast die Luft unter Wasser raubt. Nein ich rede hier nicht vom Legoland, sondern von Rottnest Island.

MuschelstrandDie Westküste zeigt einem Orte, die man sonst nur aus Reportagen im Fernsehen kennt. Einen Strand zum Beispiel, der ausnahmslos nur aus Muscheln besteht und wo Strandburgenbauen zur Verzweiflungstat wird.

Oder die Devils Marbles, eine wirklich sehr eigenartige Felsformation, deren Entstehung ich euch nicht erklären kann und die plötzlich einfach am Straßenrand auftauchen. Es reiht sich ein zu erkundendes Korallenriff an das Nächste, gefolgt von Sandstränden so lang wie die Strecke von Hamburg nach Kiel und außerirdisch wirkenden »Pink Lakes«, rosaroten Seen, die durch Algen im Wasser aussehen, als wären sie nicht von dieser Erde.

All das gibt es ganz ohne das konventionelle Tourismusgeschäft und seine nervigen Prospekten von fröhlichen Menschen, die einem Freiheit und Abenteuer versprechen. Man braucht keinen Guide, keine Wochen vorher gebuchte Tour, kein Ticket. Ganz nach dem Motto: All you can see. All you can do.

Max und Pink Lakes

Wenn die Sonne untergeht…

Neben Badeerlebnissen und Naturschauspielen waren auch die Nächte abenteuerlich.  Es gab die schönen Nächte: Einschlafen bei Meeresrauschen, vor dem Lagerfeuer oder unter einem sternenklaren Himmel, an dem die Milchstraße glitzert.

Und es gab die Nächte, die man lieber nur einmal über-/erleben möchte: Von heulenden Wildhunden, die nachts unser Lager umkreisten, über Krokodile im Gewässer keine 30 Meter entfernt von unserem Schlafplatz, bis zur Mückenplage, die uns schließlich zu dritt in ein Einmannzelt zwang. Denn Mücken schlafen nachts leider nicht.

See umgeben von SteinenAm unangenehmsten war dabei jedoch eine Nacht im Outback auf einem »Free Campingground« (Quasi ein kostenloser Campingplatz, meist nicht mehr als ein leeres Feld am Straßenrand) ungefähr 100 Kilometer nach Alice Springs, also tief im Outback. Erst später erfuhren wir, dass in dieser Gegend schon häufig  Menschen verschwunden waren und es generell ziemlich gefährliche dort sei. Vermisstenanzeigen der örtlichen Polizei waren an das Gitter des Platzes getackert und jemand hatte eine gruselige Warnung vor einem Mann namens »Perry« an die Toilettentür geschrieben. Echte Gänsehaut.

Leider konnten wir den Platz nicht mehr verlassen, da der nächste Ort weit entfernt und Wildunfälle nachts nichts Ungewöhnliches waren. Ohne Handyempfang haben wir uns dann im Auto eingeschlossen und mit Bratpfanne und Autowerkzeug bewaffnet. Im Nachhinein klingt es sehr witzig, doch in der Nacht hat wirklich niemand von uns gelacht.

Mit einem Schrecken davongekommen

Autowrack in WüsteLeider nahm der Roadtrip auch kein schönes Ende. Man trifft gerade im Outback viele Autowracks, die nach einem Unfall am Straßenrand stehen gelassen werden, weil der Transport zum nächsten Schrottplatz meist mehr als einen Tag braucht. Dass man jedoch selbst so ein Wrack werden könnte, hätte niemand von uns gedacht. Und so kann aus einem spaßig gemeinten Überholmanöver schnell ein schwerer Unfall mit abruptem Ende im Busch und Totalschaden werden.

Ich glaube jeder von uns hat seine Lektion aus der Geschichte gelernt. Ich für meinen Teil habe seit Australien ein Stück der Frontscheibe unseres Wagens bei mir im Auto liegen, als Talisman und Erinnerung daran, wie schnell man die Kontrolle verlieren kann.

Morti kam seinem Namen zum Glück nicht nach und wie durch ein Wunder hatte sich niemand ernsthaft verletzt. Gerade das war der Grund dafür, dass wir den Roadtrip nicht abgebrochen haben, sondern zu dritt ins Auto unserer Freunde gestiegen sind. Nicht sehr komfortabel aber glücklich haben wir auch die letzten 2.000 Kilometer gemeistert und sind ohne Verluste nach Perth gelangt. Denn obwohl wir uns erst wenige Wochen kannten, war gerade unser Zusammenhalt als Gruppe das Beste, was uns passieren konnte. Und das Letzte, woran es uns fehlte, war der Humor.

Gelbes Auto Strand

Man soll aufhören, wenn‘s am schönsten ist

In Perth endet meine Reise quer durch die australische Insel. Es war für mich die spanneste Zeit meines bisherigen Lebens. Mit vielen Höhen und Tiefen zwar, aber vor allem mit Erlebnissen, die mich die nächsten Jahre noch begleiten werden. Was ich gelernt und erlebt habe, kann einem keine Schule der Welt zeigen.

Steinformationen Wüste

Mit Stolz ziehe ich deshalb mein Resümee:

251 Tage war ich unterwegs, knapp 14.500 km entfernt von allem, was ich kenne. 35.000 km Strecke habe ich mit Flugzeug, Bus, Bahn, Boot, Auto oder meinen blanken Füßen gemacht und dabei ganze 3 Kilo abgenommen. Ich lag in knapp 40 verschiedenen Betten, während ich dank 43 verschickter Bewerbungen bei 9 Jobs insgesamt 24.000 AUD verdient habe…

…und alles inklusive meiner Reisereserven wieder auf den Kopf gehauen habe.

So kehre ich nun mit meinem letzten Cent im Portemonnaie, dem letzten Paar Socken ohne Loch und einer Frisur wie aus der Steinzeit nach Deutschland zurück. Meine Taschen sind jedoch voll mit Erinnerungen und Souvenirs, die mir wertvoller sind, als alles Geld der Welt, alle Socken meines Schrankes und alle Haare meines Kopfes. Und wer jetzt nicht seinen Koffer packt, der verpasst das Leben.

Zum letzten Mal also,

Cheers,

Euer Max

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