Malina in Asien #9: Rückblick in die Ferne

Malina in Asien #9: Rückblick in die Ferne

Es hat zwanzig Grad, die Sonne scheint, die Leute kramen schon ihre Sommerkleidung hervor und versuchen, sich bräunen zu lassen. Ich bin also wieder zu Hause in Österreich. Eingekuschelt in einen warmen Pullover sitze ich auf der Gartenbank hinter unserem Haus und kichere vor mich hin, als mir meine Freunde ‚Selfies‘ aus Asien schicken. Sie sind noch länger dort geblieben und schicken mir nun kleine Nachrichten, die sofort wieder Fernweh hervorrufen. Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass das Käsebrot, das ich vorhin gegessen habe, bei ihnen auch ziemlich großen Neid verursachen würde.

Nach fast drei Monaten in Thailand und Sri Lanka kann ich nun endlich wieder den Komfort des Westens genießen und bin mir gar nicht mal so sicher, ob ich ihn wirklich so sehr vermisst habe. Aber alles hat seinen Ort und seine Zeit, nicht wahr? Und für mich ist jetzt die Zeit des Auspackens, Aussortierens und Verarbeitens angebrochen. Gar nicht so einfach, sich nicht in der Masse von Bildern zu verlieren.

Gleich bei einem der ersten Bilder bleibe ich hängen. Es bildet eine ganz normale Straße ab, nichts Besonderes scheint daran zu sein. Ich will es schon fast löschen, als mir klar wird, warum ich die Aufnahme damals spannend fand: Ich hatte es wohl fotografiert, als ich den ersten Tag in Bangkok verbrachte und noch nicht an die überirdischen Stromkabel und die sehr spezielle Fahrweise der Autos und TukTuks gewohnt war. Sofort bin ich in Gedanken wieder in einer der lauten, dreckigen Straßen der Großstadt und versuche, mir einen Weg durch das Gedränge zu bahnen. Ich kann das Hupen der Fahrzeuge regelrecht in Gedanken hören. Eine eindrucksvolle Szenerie für mich, schließlich war dies meine erste Asienreise und ich hatte keine Ahnung gehabt, was mich wirklich erwarten würde. Natürlich hatte ich einen ‚Stereotyp Asien‘ in dem ich alles an Hektik, Hitze, Verschmutzung, Gewusel und Traumstränden vereinte, aber die echte Begegnung war dann doch ganz anders.

Rückblick: Thailand
Wie empfinde ich meine Reise rückblickend? Beginnen wir mit Thailand: Ein Land, das einem nicht gar so fremd ist, schließlich boomen in Europa die Thai-Restaurants und jeder kennt mindestens eine Person, die schon einmal einen Urlaub dort verbracht hat. Thailand ist ein Tourismusmagnet. Für Einsteiger, wie mich, ist es perfekt. Es versprüht genug asiatischen Charme, um die Erwartungen zu stillen, bietet aber ebenso viele westliche Anhaltspunkte, um einen in gewohnter Sicherheit zu wiegen. Es ist eines der einfachsten Länder um zu reisen, auch für Alleinreisende. Die Leute sind hilfsbereit und freundlich, man trifft ständig potentielle Reisegefährten und irgendwie kommt man immer ans Ziel. Anfangs hatte ich mir noch Sorgen gemacht, schließlich hatte ich in Asien ein undurchschaubares System erwartet, zumindest was den öffentlichen Verkehr betrifft. Aber nicht mal das. Meistens war es so einfach wie Zuhause und manchmal nimmt man es am besten einfach so hin, wie es ist – solange es funktioniert.

Die Organisation in Thailand war meine zweite Besorgnis. Schließlich wusste ich nicht, wie sich mein Alltag dort wirklich gestalten würde. Im Endeffekt, würde ich sagen, ist dort für jeden etwas dabei und wenn nicht, dann lässt es sich richten und neu koordinieren. Mit der Hauptunterkunft im Herzen von Thailand, fühlte sich das Camp an wie ein sicherer Hafen, zu dem wir immer wieder heimkehren konnten. Immer wurde man herzlich begrüßt und in die Gruppe zurück willkommen geheißen, wenn man von einem Wochenendausflug oder einer auswärtigen Projektwoche zurückkam. Insgesamt herrschte dort eine sehr familiäre Atmosphäre unter den Bewohnern, deren Anzahl sich jedoch von Woche zu Woche veränderte. Die gesamte Struktur war jedoch in Richtung Gemeinschaft aufgebaut. Die kleinen Ausflüge und Aktivitäten während der Woche hoben dies ebenso in den Vordergrund. Die Projekte selbst waren teilweise etwas kommerziell gehalten, aber es bestand immer die Möglichkeit sich selbst einzubringen.

Sehr gelungen waren die Abenteuer- und Erholungswochen, die mich jedes Mal wieder positiv überraschten. Allgemein am beliebtesten war in den letzten Monaten dabei die Elefantenwoche, die mit dem Mix aus Wildlife und Trekking begeisterte. Somit stellte sich die Organisation für asiatische Verhältnisse als recht organisiert dar. Der Fokus schien auf Jugendliche nach dem Schulabschluss gelegt zu sein.

Rückblick: Sri Lanka
Der Altersschnitt in Sri Lanka war deutlich höher, ebenso wie die Eigenverantwortung. Organisierte Freizeitaktivitäten gab es dort keine. Allerdings bestand auch eine einfachere Möglichkeit, selbst in die Stadt zu kommen. Einen sehr guten Eindruck hatte ich dort von den Volunteerprojekten. Der Leiter des Camps hielt täglich ein Abendmeeting mit uns ab, um zu sehen wie die Projekte sich entwickelten und um unsere Anregungen umzusetzen. Trotz alledem war Sri Lanka definitiv eine Destination für diejenigen, die gerne selbstständig sind. In allen Fällen gilt jedoch: Immer mehrmals fragen und für sich einstehen! Auch die Projektleiter kommen hin und wieder durcheinander oder vergessen für einen persönlich wichtige Anliegen, denn sie müssen schließlich alle koordinieren. Also nie scheu sein, sich mehrmals zu melden!

Wer nach Abenteuer und Exotik sucht, ist in Sri Lanka genau richtig. Die Insel gibt sich noch weitaus originaler als Thailand und ist etwas weniger für den Tourismus aufbereitet. Dies hat Vorteile und Nachteile: Die permanente Aufmerksamkeit, die man als Fremder auf sich zieht, kann bald ins Unangenehme umschlagen und die Suche nach einem netten Kaffeeladen ist oft sehr nervenaufreibend. Doch genau das gibt einem das Gefühl, nicht im touristischen Strom zu schwimmen und nur einer von Tausenden zu sein. Es gibt natürlich auch in Sri Lanka touristische Gebiete, aber besucht man das Land, sollte man sich auf jeden Fall auch auf den echten sri-lankischen Charme einlassen.

Diese Reise war eine Erfahrung, die ich in ihrer Gesamtheit gar nicht in Worte fassen kann. Sie hat die Begeisterung und Neugier für einen Kontinent geweckt, unbezahlbare Begegnungen mit sich gebracht und wird mich in vielen Entscheidungen in der Zukunft beeinflussen. Das Gefühl erleben zu können, sich in verschiedensten Orten in der Welt zuhause fühlen zu können, ist wunderbar. Es ist eine Art von Freiheit.

Freiwilligenarbeit in Asien

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About Malina

Malina

Als ehemalige Stepin-Teilnehmerin hat Malina den einen oder anderen Asien-Tipp beigesteuert und uns in neun wunderbaren Berichten an ihren Erlebnissen als Volunteer teilhaben lassen: eindrucksvolle Kultur, ehrwürdige Traditionen, pures Leben und so manche Extreme. Wann immer es Malina wieder in die Ferne zieht, wird sie auch weiterhin als Gastautorin auf der Weltneugier darüber berichten.

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