Malina in Asien #8: Beim Schildkröten-Projekt in Sri Lanka

Malina in Asien #8: Beim Schildkröten-Projekt in Sri Lanka

Am Sonntag um vier Uhr morgens stand ich mit ein paar Freunden im Innenhof des „Green House“ in Kandy, bereit zum Aufbruch in den Süden. Trotz Schlafmangel eine eigentlich sehr angenehme Zeit, da die Temperaturen im Hochland in der Nacht doch stark sanken und ein erfrischender Start in den Tag somit garantiert war. Mit TukTuks brausten wir im Dunkeln zum Hauptbahnhof und sicherten uns dort gleich die Sitzplätze im schon bereitgestellten Zug. Mit Sitzplatz auf der linken Seite bekommt man nämlich den Sonnenaufgang, Lokomotivfriedhöfe, Seen und die Urwälder zu sehen.

Nach einer sechsstündigen Fahrt kamen wir schließlich in Ambalangoda an: der Standort für das Schildkrötenprojekt. Das Dorf selbst ist direkt am Meer gelegen und nicht sonderlich attraktiv für Touristen. Es gibt ein paar Supermärkte, Händler und ein paar Bäckereien rund um den Busbahnhof, alles einfach und schnell zu Fuß zu erreichen. Tritt man aus dem Bahnhofsgebäude, erwarten einen schon mehrere TukTuk-Fahrer. Als sie uns fragen, wo wir unterkommen und wir ihnen von Captain, dem Leiter im Süden, erzählen, wissen sie sofort Bescheid. Captain, unter dessen Schutz wir in Ambalangoda stehen, ist ein Mann der Worte. Geschickt hat er sich Kontakte mit den wichtigsten Leuten in seinem Heimatdorf und der Umgebung aufgebaut und scheint einigen Einfluss gewonnen zu haben. Wiederholt versichert er uns, dass wir bei ihm gut aufgehoben sind und hat damit wohl auch Recht. Sicher fühlen konnten wir uns zur Gänze.

Untergebracht sind wir in einer kleinen, simplen Ferienanlage am Strand, in der acht Zimmer für uns Volontäre reserviert sind. Drei Gehminuten entfernt davon befindet sich die Anlage für das Schildkrötenprojekt. In Betontanks leben dort die beeinträchtigten Schildkröten, welche nicht mehr für ein Leben im offenen Meer gewappnet sind und einige, die wieder aufgepäppelt werden konnten und später freigelassen werden sollen. Die gesunden Tiere warten nun auf ein ‚Okay‘ von der Regierung, um wieder zurück ins offene Wasser zu dürfen.

Eine Schildkrötendame, die eigentlich schon frei schwimmen dürfte, hat sich bis jetzt anders entschieden und beschlossen zu bleiben. Ein kleiner Bereich ist auch für die Eier reserviert, aus denen im Laufe der Woche verschiedene Arten von Schildkröten schlüpfen, und in Containern schwimmen die Babys, die allgemeine Verzückung hervorrufen. Das Schicksal der meisten Schildkröten ist gleich: Als sie sich in einem Fischernetz verfingen, wurden ihnen die Flossen abgeschnitten, da die Fischer keine Geduld hatten, sie anderwärtig aus dem Netz zu bekommen, und ließen sie dann im Meer zurück. Abgesplitterte Panzerstücke und eingeschlagene Gesichter sind dabei auch keine Seltenheit. Obwohl die Tiere bis zu drei Monate ohne Futter auskommen, werden sie oft bald ziemlich erschöpft an den Strand geschwemmt, da sie nicht mehr fähig sind, ihre Beute zu erwischen.

Die Projektaufgaben
Unsere Aufgabe beim Projekt war es nun, den Schildkröten ein angenehmes Dasein in der Anlage zu ermöglichen. Jeden zweiten Tag, Beginn am Montag, durften wir sie mit kleingeschnittenen Fischen füttern. Das Aufbereiten der Fische in Mundgerechte Stücke war wohl nicht die beliebteste Arbeit, die Fütterung dafür umso spannender. Manchen der Tiere musste man helfen, nach den Fischstücken zu tauchen, da sie Luft in ihrer Schale hatten und so nicht weit genug hinunterkamen. Einer blinden Schildkröte musste das Futter direkt ins Maul gelegt werden. Gar nicht so ungefährlich, denn mit dem schnabelartigen Mund können sie ganz schön stark zuschnappen. Die Babys mussten jeden Tag gereinigt werden und wurden mit Sand geschruppt. Es schien fast, als würden sie diese Prozedur wirklich genießen, wenn sie die Flossen austreckten und Augen schlossen, während man ihren Bauch kraulte.

Dienstags wurden die Tanks geputzt und neues Wasser eingelassen. Eine schweißtreibende Arbeit, besonders wenn der Strand verlockend vor der Türe liegt. Umso mehr freuten wir uns nachher, als wir uns ins Meer stürzen konnten. Am Mittwoch war wieder Fütterungszeit und am Nachmittag brachten wir die großen Schildkröten direkt ans Meer und reinigten sie dort. Ein lustiger Anblick: Eine Gruppe von offensichtlich ortsfremden Leuten mit jeweils einer am Rücken liegenden Schildkröte und Palmenbürsten in der Hand. Am Donnerstag und Freitag wiederholten sich die Aufgaben der Vortage und wir durften uns zu guter Letzt noch mit Pinsel und Farbe an den Mauern der Anlage verewigen.

Nicht jede Woche gleicht der anderen, was das Programm mit den Schildkröten angeht. Was ansteht wird gemacht. So durften die Volontäre in der Vorwoche dutzenden Babyschildkröten bei ihrem Weg zurück ins Meer helfen. Wir gingen am Donnerstag in der Nacht auf Suche nach Schildkröteneiern. Doch nicht nur wir hatten dieses Vorhaben – Schildkröteneier sind ein beliebter Fund, da sie als Delikatessen auf den Märkten gutes Geld bedeuten. Diesmal waren wir jedoch die ersten Finder und brachten sie in unser Reservoir, um sie dort bis zum Schlüpfen aufzubewahren. Eine sehr lustige Strandwanderung mit Triumphgefühlen.

Während der Woche wurden ebenso Yoga und Massagestunden angeboten. Das sind eigentlich Bestandteile der ebenso am Strand gehaltenen Body und Mind Woche, aber für uns gegen Aufzahlung  auch machbar. Der Yogalehrer sprach zu meiner Überraschung sogar fließend Deutsch, obwohl er noch nie außer Landes gekommen war. Er meinte, er hat es sich selbst beigebracht und viele Gelegenheiten, mit Touristen seine Sprachkenntnisse zu üben. Im Laufe der Zeit traf ich zu meiner Überraschung mehrere Sri Lankesen, die äußerst gutes Deutsch beherrschten. Die meisten davon wegen des Tourismus. Reisen außerhalb des Landes hatten die wenigsten getätigt, da es abgesehen von den hohen Preisen schwierig ist, ein Visum zu bekommen.

Das Leben neben dem Projekt
In unserer Freizeit stand der Strand für uns allein zur Verfügung. War es uns zu heiß und die Wellen zu hoch, entspannten wir im Garten des Hotels. Ich ging fast jeden Tag ins um die Ecke gelegene Zentrum, um frische Früchte zu kaufen. Schließlich sind Mangos, Ananas und Papayas dort schlichtweg ein Traum. Allein dafür könnte ich lange schwärmen. Zwanzig TukTuk-Minuten entfernt liegt das Dorf Hikkaduwa, das im Gegensatz zu Ambalangoda extrem touristisch ist. Cafés, Restaurants, Shops und Bars säumen dort den Strand und die Hauptstraße, und zogen uns des Öfteren für einen Nachmittagsausflug oder eine Strandparty an.

Am Freitag fand in unserer Unterkunft eine Geburtstagsfeier für ein zwölfjähriges Mädchen aus dem Dorf statt und wir waren für diese Feierlichkeit eingeladen. Ein DJ legte am Nachmittag auf und es gab allerlei Köstlichkeiten. Die Leute waren festlich gekleidet und die Mädchen trugen Kleider, neben denen eine Märchenprinzessin erblassen würde. Es dauerte nicht lange, bis ausgelassen getanzt wurde. Als die Feier dem Ende zuging, machten wir einen Ausflug in ein Kloster im Nachbardorf, in dem der größte liegende Buddha Sri Lankas ruht. Wir meditierten und plauderten dort mit einem Mönch, der ein Anhänger der Fröhlichkeitsmeditation war, bei der es um das sammeln positiver Gedanken geht.


Am Wochenende reiste ich mit drei Mädchen vom Projekt in das südlich gelegen Galle Fort, eine ehemalige niederländische Kolonie. Ein entzückendes Städtchen, bestückt mit Kunstgalerien und Restaurants. Das Reisen in Sri Lanka war relativ einfach und billig, mit guten Zug- und Busverbindungen. Eilig durfte man es allerdings nicht haben. Ich hatte auch keinerlei Probleme, allein zu reisen. Die Einheimischen waren immer hilfsbereit und zeigten mir die richtige Station oder den richtigen Bus. Zugegebenermaßen war ich aber in der Gruppe entspannter.

Wo man auch hinkam, sah man Leute Cricket spielen: auf Feldern, am Strand, auf Müllhalden. Sri Lankas wohl beliebtester Sport und ebenso ein Hinweis auf die ehemalige Kolonialmacht England. Mit gemischten Gefühlen blicke ich dem Ende der Reise entgegen. Drei Monate voller spannender Erfahrungen, toller Bekanntschaften und schöner Momente.

Zum Abschied danke ich mit einem ‚Estudi‘ für die wertvolle Zeit und winke Sri Lanka ‚Auf Wiedersehen‘. Lächelnd blicke ich allem entgegen, was noch kommen mag.

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About Malina

Malina

Als ehemalige Stepin-Teilnehmerin hat Malina den einen oder anderen Asien-Tipp beigesteuert und uns in neun wunderbaren Berichten an ihren Erlebnissen als Volunteer teilhaben lassen: eindrucksvolle Kultur, ehrwürdige Traditionen, pures Leben und so manche Extreme. Wann immer es Malina wieder in die Ferne zieht, wird sie auch weiterhin als Gastautorin auf der Weltneugier darüber berichten.

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