Malina in Asien #7: Kulturwoche in Sri Lanka

Malina in Asien #7: Kulturwoche in Sri Lanka

Der Hauptsitz der Partnerorganisation ist in der Hochlandstadt Kandy, im Herzen von Sri Lanka. Kandys Zentrum selbst liegt in einem Tal, umgeben von besiedelten Hügeln. Die lebendige Stadt ist bekannt für ihre kulturellen Angebote, die traditionellen Tanzshows und den „Tempel of Tooth“, eine bedeutende Pilgerstätte für die Anhänger Buddhas. Mit Lage an einem ruhigen See und Tempelanlagen auf den Bergen ringsum, gibt es auch genug Orte, um dem Trubel der Innenstadt zu entkommen. Denn verbringt man ein paar Stunden im Gedränge der Märkte, die sich im gesamtem Zentrum ausbreiten und hat man das Hupen der Busse und TukTuks satt, ist eine Abwechslung oft sehr willkommen.

Etwa zehn Busminuten entfernt, in einer kleinen Nachbarschaft, zurückversetzt von der Straße und umgeben von Feldern, liegt das dreistöckige Volonteerhaus und somit unsere Unterkunft: das Green House. Geleitet vom Programmmanager Dhammika und betreut durch eine Gruppe freundlicher Singhalesen, bietet das Haus einen sicheren Platz für die bis zu vierzig jungen Menschen, die hier manchmal für mehrere Wochen oder Monate wohnen. Dhammika selbst ist ein sehr bemühter und charmanter Mann und löst mit seinem Motto „Everything is possible“ des Öfteren unsere Probleme.

Einführung
Am Montag unserer Kulturwoche erklärte er für alle Neuankömmlinge die Projekte. Es gibt eine breit gefächerte Auswahl, also fasse ich sie nur zusammen: Es gibt die Möglichkeit, in Kinderheimen mit verschiedensten Fokuspunkten zu arbeiten: mit Babies, beeinträchtigten Jungendlichen, Mädchen, Jungen. Außerdem kann man sich als Lehrer für Mönche oder Kinder eines indigenen Stammes, im Altersheim und bei Tempelrestaurationen betätigen, oder eines der Elefantenprojekte erkunden. Im südlichen Standort von Green Lion, dem Strandhaus in Ambalamgoda, gibt es ein Schildkrötenprojekt, die Body und Mind-, sowie die Strandwoche zur Auswahl. Je nach Projekt gibt es eine Mindestdauer für die Teilnehmer, auf die besonders bei den Projekten geachtet wird, bei denen Kinder involviert sind. Meiner Meinung nach sehr wichtig, da so die Bezugspersonen nicht ganz so oft wechseln.

Am ersten Tag in Kandy fuhren wir in die Innenstadt, um uns mit dem Nötigsten und natürlich etwas Schokolade einzudecken und gewannen einen ersten Eindruck. Nahe dem Busbahnhof, im Herzen der Stadt, befindet sich auch der Zentralmarkt. Eine große, weiße Buddhastatue wacht vom Hausberg aus über die Stadt und dient als Orientierungspunkt. Mit mir kamen lediglich vier weitere Neue an und so bildeten wir eine angenehme, multinationale Kleingruppe, bis im Laufe der Woche mehr Leute eintrudelten und sich eine aufgeweckte Stimmung breitmachte. Das Abendprogramm am Montag war eine der für die Region bekannten Tanzshows, bei welcher Frauen und Männer in singhalesischer Kleidung nicht nur rhythmisch tanzten, sondern auch Kunststücke und Feuerspektakel aufführten.

Ausflug in die Geschichte
Am Dienstag stand als erstes eine Bootsfahrt auf dem städtischen See auf dem Programm. Während das Boot sanft über die Wellen glitt, vorbei an den Palästen und Prunkbauten am Ufer, führte ich ein interessantes Gespräch mit einem der Guides über die politische Vergangenheit Sri Lankas. Schließlich waren die buddhistischen Singhalesen und die hinduistischen Tamil, beides Volksgruppen Sri Lankas, bis vor fünf Jahren noch in einem fünfundzwanzig Jahre andauernden Bürgerkrieg gewesen und ein Teil des Landes war für Touristen somit unzugänglich. Das Land sei im Aufschwung, meint er, aber es sei noch ein langer Weg. Stark geprägt ist Sri Lankas Vergangenheit und Gegenwart auch von der Kolonialisierung, deren Folgen heute noch zu spüren sind. Als wir später einen Friedhof besuchten, wurde uns anhand der Schicksale der größtenteils britischen Verstorbenen ein kleiner Einblick in vergangene Zeiten gewährt. Verteilt über die Woche besuchten wir auch Edelsteinmuseen, Teeplantagen und Textilproduktionsstätten, schließlich handelt es sich um Sri Lankas wichtigste Exportwaren.

Freiwilligenarbeit in Asien: leckeres Essen

Zu Besuch bei einer Gastfamilie
Mein Lieblingsprogramm fand jedoch am Mittwoch statt, als wir zu einer Familie eingeladen wurden, um mit ihnen zu kochen. So viele Gewürze hatte ich noch nie in einem Küchenschrank gesehen und beim Anblick der Kokosnüsse auf der Küchenanrichte rannte mir schon das Wasser im Mund zusammen. Bananenblütensalat und Jackfruit-Kokosnusseintopf standen auf dem Speiseplan. Eine Pracht für meine Augen und Delikatessen für meinen Gaumen. Während uns die Frau des Hauses in die Geheimnisse der hiesigen Kochkünste einweihte, unterhielten uns ihre zwei fröhlichen, kleinen Jungen und wir fühlten uns gleich willkommen. Auf Anfrage wird auch Homestay bei Familien in der Umgebung von Kandy und Ambalangoda angeboten. Eine gute Möglichkeit, Land und Leute in entspannter Umgebung ganz persönlich kennenzulernen. Leider herrschte zu meiner Projektzeit ein Gastfamilienengpass.

Sigirya
Am Donnerstag stand ein Ausflug nach Sigirya am Programm: Ein Felsen mit Geschichte, der von den Wärtern am Eingang als Ayers Rock von Asien bezeichnet wird. Die Brunnenanlagen davor und die Gebäude auf dem Gipfel wurden von alten Herrscherfamilien errichtet, die Wandmalereien in den Höhlen stammen aus längst vergessenen Zeiten, und Kultstätten der Mönche weisen auf die spirituelle Bedeutung des Ortes hin. Es kostete uns viel Energie, den Berg in der Mittagshitze zu erklimmen. Der Stopp bei einem Ayurvedagarten auf der Strecke hatte uns zu einem zu langen Aufenthalt verleitet. Als wir jedoch schließlich auf dem obersten Plateau angekommen waren, wussten wir,  es war die Mühe wert gewesen.

Tempelbesuche
Zum Abschluss der Woche besuchten wir einen buddhistischen und einen hinduistischen Tempel, um einen direkten Vergleich zu bekommen. Den zweiten Tempel fand ich besonders eindrucksvoll, da wir gerade rechtzeitig zu einer Zeremonie kamen. Der außen weiße, mit Steinfiguren und Verzierungselementen reich geschmückte Tempel war im Inneren fast dunkel, und nur an manchen Stellen fiel sanftes Licht durch die Öffnungen im Dach. An den Wänden waren Abbilder und Plastiken verschiedenster hinduistischer Gottheiten angebracht, und in der Mitte thronte, aus schwarzem Stein gemeißelt, eine heilige Kuh. Menschen hatten sich rund um eine Art Feueraltar versammelt und murmelten im Einklang ein Gebet. Ein fast mystischer Anblick.

Mitte April ist Sri Lanka im Ausnahmezustand, denn da findet das Singhalesische Neujahr statt. Schon Wochen davor blüht der Warenhandel. Neue Kleidung und Knallkörper verkaufen sich am besten. Religiöse und spirituelle Veranstaltungen häufen sich und die Stimmung erreicht einen Höhepunkt. Ein großer Anteil der Bevölkerung sind Landwirte, sie bringen zu dieser Zeit ihre letzte Ernte ein und können daher mit ein paar Urlaubstagen ins neue Jahr starten. Die Kinder werden in zweiwöchige Schulferien geschickt und die meisten Leute versammeln sich mit ihrer Familie, um die Feiertage gemeinsam in großer Runde zu verbringen.

So stelle ich mich auch auf ein – für mich – weiteres Neujahr ein. Shiva, unser Koch, verwöhnt uns mit singhalesischen Spezialitäten, wie Reis- und Bohnentörtchen und gemeinsam mit ein paar Leuten aus dem Green Haus mache ich mich Sonntagmorgen auf zum Strand von Ambalangoda, um dort das Schildkrötenprojekt zu beginnen.

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About Malina

Malina

Als ehemalige Stepin-Teilnehmerin hat Malina den einen oder anderen Asien-Tipp beigesteuert und uns in neun wunderbaren Berichten an ihren Erlebnissen als Volunteer teilhaben lassen: eindrucksvolle Kultur, ehrwürdige Traditionen, pures Leben und so manche Extreme. Wann immer es Malina wieder in die Ferne zieht, wird sie auch weiterhin als Gastautorin auf der Weltneugier darüber berichten.

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