Ich muss ehrlich zugeben, ich wusste nicht viel über Sri Lanka. Ich hatte gehört, es sei eine Insel in Form einer Träne, oder – weniger dramatisch – eines Tropfens, gelegen im Indischen Ozean. Wahrscheinlich hätte ich dem Land die Attribute exotisch, traumhaft und schön zugemessen und dabei an Werbeplakatstrände von Reisemagazinen gedacht. Sri Lanka ist jedoch viel mehr.

Ein abenteuerlicher Flug nach Sri Lanka

Als ich am Flughafen in Thailand auf meinen Flug nach Colombo, Sri Lankas Hauptstadt, wartete, glaubte ich nicht, dass ich die beiden Länder so unterschiedlich empfinden würde. Sobald ich an Bord des Flugzeuges trat, war ich mir meines Irrtums jedoch bewusst. Es mag reiner Zufall gewesen sein, doch unter den Passagieren konnte ich keine weitere Frau ausmachen. Die Flugbegleiterinnen trugen bauchfreie, türkisfarbene Saris und versuchten bemüht, die herumlaufenden Männer auf den Sitzen zu halten. Die Profile der Menschen muteten indisch an, zumindest für mein nicht kennerhaftes Auge.

Tuktuk auf Sri Lankas StraßenEs dauerte nicht lange und schon tönte aus dutzenden Mobiltelefonen östliche Musik und Gesang. Gespräche wurden über mehrere Reihen hinweg geführt. Ich muss zugeben, für ein paar Minuten saß ich einfach nur auf meinem Sitz und starrte ringsum. Ich musste lächeln. Wo war ich hier hingeraten?

Meine Vorfreude auf dieses für mich bisher völlig unbekannte Land steigerte sich und während ich rätselte, welches landestypische Flugzeugessen hier wohl serviert werden würde, tat ich es meinem Nachbar gleich und widmete mich dem Bollywood Film am Bordbildschirm. Es gab übrigens Fisch- oder Hühnercurry und spezielles Essen für muslimische Passagiere.

Buddhismus scheint nicht gleich Buddhismus zu sein

Das führt uns zum Thema Religion. Neben Sri Lankas größter Religionsgruppe, dem Buddhismus, sind Hinduismus, Christentum und der Islam stark verbreitet. Gesänge, tönen aus den Moscheen, während Mönche in den buddhistischen Tempeln meditieren. Es scheint ein friedliches Zusammenleben zu sein, doch nicht immer war es reibungslos. Schließlich befanden sich Sri Lankas Völkergruppen bis vor kurzem im Bürgerkrieg. Ich stellte mir außerdem bald die Frage: Ist Buddhismus gleich Buddhismus? Bisher kannte ich ihn nur aus Thailand. Mit den eher schlicht gehaltenen Außenfassaden und der hiesigen Version der Buddhastatue ist wohl ein äußerlicher Unterschied auch für Laien zu erkennen. Es gibt verschiedene Arten des Buddhismus und so sind auch in Sri Lanka scheinbar andere Akzente gesetzt.

Zugfahrten – immer wieder interessant

Meine zwei lebhaftesten und ersten Eindrücke von der Insel – eine Autofahrt und eine Zugfahrt – beinhalten Wesentliches, denke ich. Ich habe in meinem Leben noch nichts so Chaotisches gesehen wie Sri Lankas Straßen. Die Mittelstreifen sind im Grunde völlig überflüssig. TukTuks, Mopeds, Fahrräder und Autos schlängeln sich scheinbar rücksichtslos durch den Verkehr und scheinen lediglich vor den aufgemotzten, Reggae-Musik spielenden, rasenden Linienbussen Respekt zu haben. Es stinkt, ist laut und heiß. Das Zugfahren hingegen ist etwas entspannter. Die Strecke zwischen der Hochlandstadt Kandy und dem Küstendorf Ambalangoda war für mich eine der eindrucksvollsten. Die Zeit verging wie im Flug, während ich die üppige Landschaft Sri Lankas vorbeiziehen sah.

Markt auf Sri LankaSo mancher saß im Türrahmen der Eisenbahn, ließ die Füße hinausbaumeln und konnte mit ausgestreckter Hand die eine oder andere grasende Kuh streicheln. Immer wieder zwängten sich Essensverkäufer durch die oft sehr vollen Gänge und bei den größeren Stationen versuchten auch Spielzeugverkäufer ihr Glück. Ihre kleine Darbietung hatte Teleshoppingcharakter.

Typisch Touri in Asien

Während der Fahrt sprachen mich immer wieder Leute an und verwickelten mich in Gespräche über das Land und meine Reise. Im Zug ganz angenehm zur Unterhaltung, aber auf den Straßen manchmal sehr anstrengend. Touristen scheinen immer noch ein ungewöhnlicher Anblick zu sein, besonders in ihrer westlichen und manchmal etwas unangebrachten Kleidung.

Spaziergang auf den GleisenOft kann man nicht einmal die Straße entlang gehen, ohne angesprochen zu werden. »What‘s your name?«, »Babe«, »Where are you from?«, »Come to me!« sind dabei die gewöhnlich und etwas befremdlichen Ansprechphrasen, die einem nachgerufen werden. Ganz besonders bei den Märkten herrscht dabei auch keine Berührungsangst.

Die Neugier und Offenheit der Einheimischen sind jedoch auch erfreulich. Wenn einem Fremde freundlich zuwinken und zulächeln, fühlt man sich schließlich gleich willkommen. Positiv erstaunt war ich jedes Mal wieder von dem guten Englisch, mit dem ich angesprochen wurde. Als ich nach der Schulbildung fragte, wurde mir erklärt, dass die Regierung sehr bemüht sei, allen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen und sowohl Schule, als auch Materialien würden zur Verfügung gestellt. Die Anzahl der Englischstunden werden von Jahr zu Jahr erhöht und auch die Minderheitensprache Sri Lankas, Tamil, soll zum Pflichtfach werden. Ich habe das Gefühl, das Land befindet sich im Wandel: Traditionen und das altbekannte Inselleben stehen den modernen Zeiten und dem Tourismus gegenüber.

Freiwilligenarbeit in Asien: Nostalgische Autos und NaturAlte Busse und Autos auf den Straßen lassen die Nostalgie hochleben und die farbenfrohen Saris der Frauen sind teilweise so extravagant, als gäbe es eine Modenshow. Teeplantagen und Kolonialstädte haben den Charme alter Hollywoodfilme und so gibt es viel zu entdecken und kennenzulernen in diesem bunten, lebensfrohen Chaos.

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