Malina in Asien #4: Das Waisenhausprojekt

Malina in Asien #4: Das Waisenhausprojekt

Mit Pinsel und Farbe ausgestattet sitze ich vor einer Wand am Boden im Innenhof des Waisenhauses in Inburi. Neben mir ein fröhlich kreischender Junge, der an meinem Arm rüttelt. Mit größter Sorgfalt hat er einen Pappendeckel herangezogen und sich darauf neben mir niedergelassen, allerdings erst nachdem wir uns beide zuvor etwas schüchtern begutachtet hatten. Nun plaudert er ausgelassen mit mir in Thai, während ich nicke, improvisiere und versuche seinen Fragen und Aufforderungen nachzukommen. Er zeigt an Stellen auf der Wand, an denen ich bestimmte Gegenstände malen soll und macht mir schließlich pantomimisch klar, dass er einen Hasen gezeichnet haben will. Er quietscht vor Glück, als ich beginne den Nager auf die Wand zu skizzieren. Am Ende lachen wir beide so stark, dass ich Mühe habe, einen geraden Strich zu ziehen.

Für das Waisenhausprogramm war ich wieder zum Hauptstandort der Organisation nach Singburi zurückgekehrt. Ich wohnte wieder im Camp mit den anderen Volontären und fuhr immer morgens in das Waisenhaus im Nachbarort. Die Anlage dort besteht aus den Schlafsälen der Kinder, einer Schule, einem Tempel, einer Krankenstation, einer Kantine und einem Spielplatz. Der Großteil der dort lebenden Kinder hat eigentlich noch Eltern und stammt aus den Bergdörfern in Thailand und den Nachbarländern. Oft sind die Familien zu arm, um die Kinder zu ernähren, oder sie haben sie schlecht behandelt oder ausgesetzt. Im Waisenhaus bekommen die Kinder Verpflegung und Schulbildung. Was ihnen jedoch trotz alledem fehlt, sind Zuneigung und Bezugspersonen.

Das Freiwilligenprojekt besteht daraus, die Kinder und Waisenhausbetreuer in den verschiedensten Bereichen des Waisenhauses zu unterstützen. Eine Volontärin, die ganze sieben Monate im Waisenhaus verbracht hatte, erzählte mir zum Beispiel von ihrer Arbeit in der Krankenstation, welche sie besonders mehreren herumtobenden Jungen sehr nahe gebracht hat. Neben Spielen, Lernen, Pflegen, Ausflügen und anderen Aktivitäten unter Tags besteht auch einmal wöchentlich die Möglichkeit, im Waisenhaus bei den Kindern zu übernachten.

Freiwilligenarbeit in Asien: Malina und die KidsVon Mitte März bis Mitte Mai haben die Kinder Ferien, das heißt, der Großteil der Kinder kehrt zu ihren Familien zurück. Während dieser Zeit ist die Hauptaufgabe der Volunteers, das Waisenhaus auf Vordermann zu bringen. Die Anlage wird neu gestrichen, man kann sich also kreativ austoben und wändefüllende Meisterwerke erschaffen. Für alle, die sich etwas auspowern möchten, gibt es die Möglichkeit, gemeinsam mit einigen Thailändern Beton zu mischen, Fließen zu legen etc..

Da mein Aufenthalt genau in die Ferienzeit gefallen war, stand auch ich am Montagmorgen mit Pinsel und Eimer bereit. Gemeinsam mit fünf anderen jungen Leuten machte ich mich an die Arbeit. Die Stimmung war entspannt, Musik wurde aufgedreht, es wurde geplaudert und gelacht während wir bunte Eulen, Tiger und Fantasiewesen entstehen ließen. Hin und wieder leisteten uns ein paar Kinder Gesellschaft, betrachteten unsere Werke oder forderten uns zum Ballspiel auf. Den Dienstag verbrachten wir ähnlich und abends fuhren wir zu einem netten, kleinen Nachtmarkt, bei dem wieder alle Volontäre zusammenkamen. Es war vergnüglich, mit den anderen Geschichten von den verschiedenen Projekten auszutauschen, während wir vorbei an Ständen voll Essen, Kleidern und allerlei Waren durch den Markt schlenderten.

Freiwilligenarbeit in Asien: im UnterrichtAm Mittwoch durfte ich etwas Abwechslung in mein Programm bringen und das Sommercamp der Schule in Singburi besuchen, bei dem auch Leute von unserem Camp mithalfen und Englisch unterrichteten. Die dort zuständige Lehrerin war so erfreut über unseren Besuch, dass sie uns gleich stürmisch umarmte und mit der Freude eines Einser-Schülers ihre eigenen Englischkenntnisse präsentierte. Später durften wir mit den sechs- bis achtjährigen Schülern, die sich um uns versammelt hatten, kleine Lernspiele machen und themenspezifische, einfache Konversationen führen.

Nicht immer einfach für Schüler und Volunteers, da aufgrund der komplett fremden Sprache und der anderen Schriftzeichen oft einfach nur nachgesprochen wird, ohne zu verstehen. Bemüht waren sie jedoch sehr und strahlten jedes Mal übers ganze Gesicht, wenn sie eine Antwort richtig gesagt hatten oder eine Frage verstanden hatten. Bei der Arbeit mit thailändischen Kindern war jedoch immer zu beachten, dass man sie nicht zum Lob auf den Kopf tätscheln sollte. Denn der Kopf ist, im Gegensatz zu den Füßen, das reinste und heiligste Körperteil und es gilt als eine schlimme Beleidigung, ihn einfach auch nur zu berühren.

Freiwilligenarbeit in Asien: Malereien der KinderDen Vormittag und frühen Nachmittag verbrachten alle Freiwilligen Helfer jeweils mit ihren Projekten. Danach fuhren wir öfters zum Pool, um dort auszuspannen. Am Mittwoch veranstalteten wir alle gemeinsam ein Barbecue, am Donnerstag fuhren wir zu einer Shoppingmall und abends wurde Karten gespielt und im Gastgarten der Bar nebenan zusammengesessen. Für mich standen alle Projekte, die im Hauptquartier stattfanden, besonders im Zeichen der Gemeinschaft. Denn hier verbrachte man auch viel Zeit mit den anderen jungen Leuten und wuchs als Gruppe zusammen.

Am Wochenende beschloss ich dann, einen Ausflug mit fünf Freunden aus dem Camp zu machen. Wir organisierten uns einen Minivan und fuhren in das drei Stunden entfernte Kanchanaburi, Ausgangsziel für Touren in die umliegenden Nationalparkgebiete und den zooähnlichen Tigertempel, der für viele meiner Bekannten die Hauptattraktion darstellte. So verbrachten wir also noch ein paar sehr unterhaltsame Tage, bevor sich unsere Wege wieder trennten. Ich denke, es fiel den meisten ähnlich schwer wie mir, sich voneinander zu verabschieden, denn schließlich hatte sich schon ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt, manche würden sogar zusammen weiterreisen.

Freiwilligenarbeit in Asien: in der SchuleFür mich jedoch war es Zeit, etwas kürzer zu treten. Schließlich würde es in meiner nächsten Programmwoche wichtig werden, mich in Beschaulichkeit zu üben. Fern schienen das Camp und das Kinderdorf, als ich am Sonntagabend zum melodischen Chanten der Mönche im Dorf einschlief. Schließlich kreisten meine Gedanken schon um die mir bevorstehenden Tage, wo ich in die Welt des Buddhismus eintauchen würde.

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About Malina

Malina

Als ehemalige Stepin-Teilnehmerin hat Malina den einen oder anderen Asien-Tipp beigesteuert und uns in neun wunderbaren Berichten an ihren Erlebnissen als Volunteer teilhaben lassen: eindrucksvolle Kultur, ehrwürdige Traditionen, pures Leben und so manche Extreme. Wann immer es Malina wieder in die Ferne zieht, wird sie auch weiterhin als Gastautorin auf der Weltneugier darüber berichten.

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