Malina in Asien #3: Im Reich der Elefanten

Malina in Asien #3: Im Reich der Elefanten

Noch etwas unbeholfen versuche ich mich den gemächlichen Schritten des Elefanten anzupassen, um nicht herunter zu fallen. Ich sitze direkt über seinen Schulterblättern und spüre jede Bewegung des Dickhäuters. Um genau zu sein, handelt es sich um eine Dickhäuter-Dame. Ihre ledrige Haut fühlt sich angenehm warm an und die vereinzelten dicken Borsten, die ihren Körper übersäen, kitzeln an meinen Beinen. Während sie in den Fluss hineintrottet, um sich von uns waschen zu lassen, schwimmt unser Guide schon voraus und lacht herzlich, als mich ein Schwall kalten Wassers aus dem Elefantenrüssel trifft.

Freiwilligenarbeit in Asien: Ritt auf dem ElefantenWährend die anderen sich einen gemütlichen Sonntagabend im Camp machten, ging es für meine Elefantencampgefährtin Wiebke und mich zum Busterminal und von da aus mit dem Nachtbus Richtung Norden, an die Grenze zu Myanmar. Als wir um fünf Uhr morgens etwas schläfrig aus dem Bus taumelten, bekamen wir den Ortswechsel wortwörtlich zu spüren, denn zum ersten Mal bei meiner Freiwilligenarbeit in Thailand war es schlichtweg kalt. Nach einer kurzen Welle des Unmuts darüber erwachten meine Sinne allerdings wieder richtig zum Leben und ich sah mich neugierig um.

Trotz des morgendlichen Dämmerlichts herrschte schon munteres Treiben. Grinsend wurden wir von den anderen Reisenden, größtenteils Familien mit jüngeren Kindern, inspiziert. Es dauerte jedoch nicht lange, bis ein Mann uns zuwinkte und sich als unser Gastgeber für diese Woche vorstellte. Von ihm wurden wir zu einem Jeep verwiesen, in dem wir fünf weitere, aber interessante Stunden gemeinsam mit Einheimischen auf ihrem Weg zurück in ihre Dörfer verbringen würden. Auf einer Bergstraße fuhren wir vorbei an Schluchten und Urwaldgestrüpp, sanfte Hügel in der Ferne, um die sich dichter Nebel schmiegte. Hinten auf der Ladefläche sitzend und den Fahrtwind im Gesicht, machte sich das Gefühl purer Freiheit in mir breit, als wir, mit fünf weiteren Passagieren auf dem Autodach, dahinbrausten.

Umphang
Als wir im Bergdorf Umphang ankamen, ließen wir es erstmal langsam angehen, erkundeten die Gegend und lernten schnell die wenigen anderen Farangs (westliche Ausländer) im Dorf kennen, die sich an einer Hand abzählen ließen. Umphang versprühte einen sehr angenehmen, natürlichen und untouristischen Charme, der einen fast glauben ließ, ein Abenteurer auf Expedition zu sein. Dies entspricht natürlich nicht der Wahrheit, denn ein paar Neugierige verirren sich immer hierher, um zu trekken, zu raften, Wasserfälle zu erkunden oder sich, wie wir, ein paar Tage den Elefanten zu widmen, welche nach einem Leben für den Tourismus in der Stadt wieder in ihre natürliche Umgebung gebracht worden waren.

Da wir uns am Montag noch von der langen Anreise erholen mussten, begannen wir erst am Dienstag das reguläre Programm. Mit Thun, unserem Begleiter für diese Woche, fuhren wir nach dem Frühstück zu einer Bananenplantage, um für den Elefanten, dem wir zugeteilt worden waren, Futter zu holen. Tuhn hatte ich spätestens dann ins Herz geschlossen, als wir das erste Mal mit ihm im Auto saßen und er mit der Musik seiner Auto-Cds Road-Trip-Stimmung verbreitete. Wiebke und ich konnten uns ein Schmunzeln nicht verkneifen, als die Songs von Notting Hill und Titanic als erste zwei Titel aus den Autolautsprechern schallten. Herzerfrischend, wie dieser starke Mann laut mitträllerte.

Bei der Plantage angekommen, lernten wir, ausgestattet mit einem Buschmesser, Bananenbäume zu fällen, deren saftiges Inneres bei diesen hohen Tagestemperaturen ein geeignetes Elefantenfutter darstellt. Eine echte Herausforderung für uns zwei Europäerinnen, schließlich waren wir eher Computerarbeit gewohnt und konnten jedes Mal nur staunen, wenn Thun mit einem Schlag einen der Bäume zu Fall brachte und dabei lediglich verschmitzt lächelte.

Gestatten, Matume
Eine wichtige und unterhaltsame Arbeit, die sich besonders lohnte, als wir kurze Zeit später unsere Elefantendame Matume kennenlernten. Matume, oder auch „short tail“, war ein ehrwürdiges Tier. Ich hielt kurz den Atem an, als sie sich langsam in unsere Richtung bewegte, einen kleinen Strauch mit dem Rüssel haltend, um sich damit von Fliegen freizufächern. Auf ihrem Kopf saß im Schneidersitz ein Mahout, ein Elefantenflüsterer sozusagen, welche jeweils einen Elefanten für die Dauer seines Lebens begleiten. Er redete mit ihr in der Sprache der hiesigen Bergvölker und leitete sie an, sich zur Futterstelle zu bewegen.

Freiwilligenarbeit in Asien: Wiebke und der ElefantDies ließ sie sich natürlich nicht zweimal sagen. Behutsam tastete sie mit ihrem muskulösen Rüssel uns entgegen und entnahm unseren Händen elegant die Bananenbaumstücke, die wir ihr reichten. Zum Dank ließ sie uns auf ihr in den Fluss hinein reiten und genoss es dort, gewaschen zu werden.Nachdem die Elefantendame gesättigt in den Dschungel verschwand, war es auch für uns Zeit kurz zu rasten.

Abends fuhren wir mit Thun und seinem Bekannten in ein sehr ursprüngliches Bergdorf, um etwas von der Lebensweise der Leute dort zu sehen, welche sich bis heute hält. Schon beim Aussteigen kam uns eine Schar Kinder von den Bambushütten entgegengelaufen. Hin und wieder übersetzte Thun das Gespräch mit den Älteren des Stammes  und er erzählte von lange dagewesenen Weisheiten und aktuellen Themen im Dorf. Am meisten erstaunte mich, neben der rüstigen achtzigjährigen Frau, die rauchend auf den Eingangsstufen ihrer Hütte kniete und gelenkiger schien als ich, die Photovoltaikanlage, die von der Regierung gesponsert wurde und fremd wie ein Raumschiff zwischen den Bambusbauten herausragte.

Freiwilligenarbeit in Asien: Der CampingausflugDen Großteil der Woche machten wir nach dem täglichen Programm mit Matume Ausflüge mit Thun und wurden dabei immer von anderen liebenswürdigen Ortsbewohnern begleitet. Wir wanderten zu einem idyllischen Wasserfall, erkundeten Fledermaushöhlen, zelteten in der Wildnis auf dem Gipfel eines Berges… Jeder Tag war unbezahlbar schön.

Am meisten hat mir das Campen gefallen. Es war ein wunderbares Gefühl, am Morgen auf dem Gipfel eines Berges aufzuwachen, mit atemberaubendem Ausblick auf die Dörfer in den Tälern und die grüne Hügellandschaft ringsum. Umgeben vom Summen der Bienen und dem süßlichen Duft der blühenden Bergsträucher, hießen wir den Tag willkommen. Das erste Mal, dass ich mich den Menschen in diesem Land so wirklich nahe fühlte und alltägliche aber auch tiefsinnige Gespräche mit ihnen führen konnte.

Freiwilligenarbeit in Asien: Trekking Ausflug zu den WasserfällenFast konnte man hier das Label „Tourist“ hinter sich lassen. Da wir nur zu zweit hergekommen waren, fühlte es sich eher an, als würden wir die Tage einfach mit Freunden aus dem Dorf verbringen, als tatsächlich an einem Programm teilzunehmen. Es war vor allem die innere Ruhe und  Freundlichkeit der Dorfbewohner, die mich zutiefst berührt hat. Besonders ersteres wurde mir noch nie so eindrucksvoll vorgelebt. Es war als würde konstant eine herzenswarme, beruhigende Ausstrahlung von diesen Menschen ausgehen.

Viel zu schnell war unsere Zeit in Umphang auch wieder vorüber. Der Charme des Dorfes und seiner Bewohner hatten mich vollkommen erobert. So echt fühlt sich das Leben sonst selten an. Als wir schlussendlich wieder packten, summte ich verträumt ein paar Titel von Thuns Auto-CD und war mir sicher, dass ich irgendwann einmal hierher zurückkehren würde.

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About Malina

Malina

Als ehemalige Stepin-Teilnehmerin hat Malina den einen oder anderen Asien-Tipp beigesteuert und uns in neun wunderbaren Berichten an ihren Erlebnissen als Volunteer teilhaben lassen: eindrucksvolle Kultur, ehrwürdige Traditionen, pures Leben und so manche Extreme. Wann immer es Malina wieder in die Ferne zieht, wird sie auch weiterhin als Gastautorin auf der Weltneugier darüber berichten.

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