Malina in Asien #2: Same, same, but different

Malina in Asien #2: Same, same, but different

„Same in your country?“, fragt mich unser Gruppenleiter, als wir bei einem kleinen Schuppen stehen bleiben, in dem Getränke, Snacks und Allerlei verkauft werden. Ich schüttle heftig den Kopf, denn der ist definitiv nicht wie der Supermarkt in meinem Ort zu Hause. „Mai!“, verneine ich und gehe in Gedanken weitere Thai Phrasen durch, die er mir in der Sprachstunde davor beigebracht hat. Er lacht und scherzt: „Same, same, but different!“, – ein Satz, den ich hier schon oft in anderen Situationen zu hören bekommen habe. Wenn ich zum Beispiel statt meinem bestellten Ananassaft einen Mango-Smoothie bekomme oder ich ein T-Shirt in einer anderen Größe möchte, sie es aber nicht haben… die Antwort auf meine hochgezogenen Augenbrauen ist immer dieselbe: „Same, same, but different!“. Ein Ausdruck, der für mich zur Kultur der Thais gehört.

Ich persönlich denke, es sind vor allem der thailändische Pragmatismus, die Liebe zur Harmonie und die Abneigung, Missverständnisse zuzugeben, Gründe dafür, dass dieser Satz so allgegenwärtig ist. Frei übersetzt würde man wahrscheinlich „ähnlich“ sagen und man sollte bald lernen, über den fehlenden Hang zur Kleinlichkeit zu schmunzeln und ihn als angenehme Abwechslung zur Heimat willkommen zu heißen. Über solche und ähnliche Kulturunterschiede plaudere ich mit unserem Guide, während wir durchs Dorf spazieren.
Schließlich bin ich auf Kulturwoche und genau solche Aha-Erlebnisse machen sie so spannend.

Ein paar Tage zuvor befand ich mich noch in Bangkok und wurde von einem Mitarbeiter der Organisation abgeholt und zum Busbahnhof gebracht. Auf dem Weg sammelten wir noch zwei Holländerinnen ein, die dasselbe Ziel hatten. Gemeinsam saßen wir kurze Zeit später im Bus nach Singburi, eine kleinere Stadt im Landesinneren und der Hauptstandort der Stepin-Partnerorganisation, welche die Projekte vor Ort managt. Etwas abseits des Stadtzentrums liegt eine idyllische Anlage mit grünem Garten und acht Bungalows. Hier würden wir uns für die kommende Woche niederlassen.

Schon bei unserer Ankunft standen mehrere junge Leute plaudernd vor dem Eingangstor und hießen uns freudig willkommen. Eine lebendige quirlige Stimmung umgab das internationale Camp, und auf dem Weg in mein Zimmer kamen mir immer mehr lächelnde Gesichter entgegen. Es war Sonntag und der Tag des Trubels, denn wie jede Woche kamen die meisten Volunteers zu dieser Zeit wieder ins Camp, um von hier aus weiterzufahren. Andere gingen abends zu ihrem nächsten Projekt und Neue kamen an, um wie wir an der Kulturwoche teilzunehmen. Ich brauchte eine Weile, bis ich den Überblick gewann. Beim gemütlichen Abend in der Bar nebenan, die zugleich Ausflüge anbietet und Wäscheservice macht, war erst mal Zeit alle kennenzulernen und sich zurechtzufinden. 22 Leute waren es die Woche davor, wir waren nun deutlich weniger.

Beginn der Kulturwoche
Montags ging es dann richtig los. In einer Gruppe von acht Leuten, geführt von unserem Guide, einem Thailänder, der sich uns mit seinem Spitznamen Ninja vorstellte, erkundeten wir erst einmal die nähere Umgebung. Ninja erzählte uns ein paar grundlegende Dinge über Thailand und plauderte mit uns über Politik, Geschichte und den Alltag. Es scheint, er weiß grundsätzlich zu jeder Frage eine spannende Antwort.

Der Glaube spielt hier auch im täglichen Leben eine große Rolle und so besuchten wir auch schon am ersten Tag, mit angemessener schulterbedeckter und knielanger Kleidung einen Tempel, in dessen Mitte eine riesige Buddhastatue thront. Wir bekamen die Chance, in einer kleinen Zeremonie mit Räucherstäbchen, Kerzen und Blumen, Buddha unsere Ehre zu erweisen. Beim Verlassen wurden wir auf einen kleinen Schrein aufmerksam gemacht, in dem der Hausgeist des Tempels wohnt. Auch jedes Privathaus hat einen kleinen Schrein für diesen Geist, denn er beschützt das Anwesen und seine Bewohner.

Mit kleinen Opfergaben in Form von Essen und Trinken wird ihm gehuldigt und mit großen Schritten wird über die Türschwelle getreten, um ihn nicht zu verärgern. Glück, Liebe, Gesundheit und Vermögen werden von der Geisterwelt beeinflusst und gelenkt. So gibt es tägliche und vor allem unterschiedlichste kleine Bräuche, um etwas zu erbitten. Als ich einmal mit einem jungen Thailänder redete, erzählte er mir, er sei nicht religiös. Selten mache er die traditionellen Rituale, doch der Glaube an Schicksal, die Kraft des Guten, das Karma – diese Dinge gehören zum Alltag, meinte auch er.

Freiwilligenarbeit in Asien: Tanzgruppe

Tanz und Geschichte
Nach dem Abendessen wurden wir im Camp von einer Tanzgruppe der lokalen Schule überrascht. Ein Bus fuhr vor und in wenigen Sekunden war der ganze Hof gefüllt mit hellen Kinderstimmen. Farbenfroh in traditionellen Kleidern liefen zuerst ein paar Mädchen in unsere Richtung. Ihnen folgten Trommler, eine Gruppe singender Schüler und ein paar Lehrer.

Mit großen Augen bestaunten wir sie, als sie begannen Musik zu machen und ein traditionelles Tanzstück aufführten. Es dauerte jedoch nicht lange, bis wir, einer nach dem anderen aufgefordert wurden mitzumachen und so zogen auch mich kleine Kinderhände auf die Tanzfläche. Ein schönes Willkommen in die thailändische Kultur.

Am Dienstagmorgen machten wir uns auf nach Ayutthaya und verbrachten den Tag ganz im Zeichen der Vergangenheit Thailands. Wir wanderten durch die Ruinenstadt, die langsam von der Natur zurückerobert wird und bekamen von Ninja die abenteuerlichsten Geschichten erzählt. Von der Blütezeit der Königsstadt, den Kriegen mit Myanmar und letztlich dem Untergang Ayutthayas lernten wir und verdauten diese Informationen anschließend bei dem „schwimmenden“ Markt in der Nähe, dessen Stände sich auf Stegen und Booten über einen kleinen See hinweg ausbreiten.

An den Abenden bat sich immer ein nettes Zusammensein mit Leuten aus allen Projekten an. Es dauerte eine Weile, aber nach und nach hörte man die jeweiligen Erzählungen der Reisenden. (Derzeit aus Holland, Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, Dänemark, Schweiz, UK, Norwegen und und und.) Alle waren aus unterschiedlichen Gründen hier: Weltreise, Semesterurlaub, Praktikum, Volontärsjahr etc. So machte es Spaß sich auszutauschen.

Freiwilligenarbeit in Asien: beim KochenTraditionelles Handwerk
Am nächsten Kulturtag beschäftigten wir uns mit handwerklichen Dingen. Wir besuchten das Queens Project, bei dem es darum geht, traditionelle Handwerkskünste zu erhalten. Zum Beispiel Stickerei, Holzschnitzerei und die Seidenproduktion. Diese Projekte wurden von der Königin initiiert und unterstützt. Ein besonders interessanter Ausflug, bei dem man die Menschen des Landes und ihre Handwerkskultur in Aktion erleben konnte. Um den Tag abzurunden wurden auch wir aktiv und knüpften mit Hilfe einiger junger Thai-Damen Armbänder, die wir als Andenken mitnahmen.

Ein ganz wichtiger Teil der thailändischen Kultur ist natürlich das Essen. Die wohl bekannteste Speise ist Pad Thai, ein Nudelgericht mit Gemüse und Fleisch. In einer Kochstunde übten wir uns in der Zubereitung, mit einem überraschend positiven Ergebnis. Schlemmen könnte man in Thailand allerdings immer und zu jeder Tageszeit. Von diversen Früchten, über Nudel- und Reisgerichte, Currys, Suppen, bis zu dem allseits beliebten Mango Sticky Rice gibt es viel zu probieren und entdecken. Ein paar Mutige wagen sich an Maden und Skorpione, da bleibe ich schon lieber bei meinem Kokosnuss-Eintopf.

Freiwilligenarbeit in Asien: Affentempel

Tempelbesuche
Ein Highlight der Woche blieb für viele wohl der Affentempel, der seinen Namen nicht umsonst trägt. In einem zerfallenen Tempel, mitten in der Stadt Lopburi, leben unzählige Affen, die in der ganzen Nachbarschaft ihr Unwesen treiben und einem frech Schmuck und Taschen klauen. Die Häuser ringsum haben sie schon längst erobert. Ganz nach der friedliebenden Haltung des Buddhismus bekämpfen die Thailänder sie allerdings nicht. So sind sie heute Touristenattraktion und übernahmen in unserer Abwesenheit unseren Bus. Ein Gefühl, wie im tiefsten Dschungel machte sich breit.

Mit einem Programm, bestehend aus verschiedensten Tempelbesuchen, Einblicken in soziale und kulturelle Institutionen, Ausflügen und Unternehmungen, gemeinschaftlichem Beisammensein und Festen, war diese Woche sehr gelungen. Für Thailand-Neueinsteiger definitiv lohnenswert und auch für Erfahrene eine nette Chance, Thailand von einem Einheimischen selbst nochmal gezeigt zu bekommen.


Bei uns allen machte sich schließlich die Vorfreude auf die jeweiligen Projekte breit. Besonders nun, da wir ein bisschen sensibler und aufmerksamer gemacht wurden gegenüber der Kultur Thailands. Bevor wir uns allerdings aufteilten, um in der kommenden Woche in verschiedenen Projekten zu arbeiten, machten die meisten noch einen Wochenendausflug nach Bangkok, um etwas Großstadtluft zu schnuppern.

Ich bereite mich inzwischen innerlich schon auf den Dschungel vor, denn für mich geht es bald gemeinsam mit meiner Zimmerkollegin Wiebke auf ins Elefantencamp.

„Laew phob gan mai!“, in Deutsch ganz einfach: „Bis bald!“

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About Malina

Malina

Als ehemalige Stepin-Teilnehmerin hat Malina den einen oder anderen Asien-Tipp beigesteuert und uns in neun wunderbaren Berichten an ihren Erlebnissen als Volunteer teilhaben lassen: eindrucksvolle Kultur, ehrwürdige Traditionen, pures Leben und so manche Extreme. Wann immer es Malina wieder in die Ferne zieht, wird sie auch weiterhin als Gastautorin auf der Weltneugier darüber berichten.

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