Unsere Stipendiatin Lena wird in der nächsten Zeit ein High School-Jahr in der malerischen Provinz Nova Scotia (Kanada) verbringen. Nach ihrem letzten Bericht über den Remembrance Day, schreibt sie heute über ihre letzten Tage in Kanada – welches auch sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen hat.

Irgendwann ist auch die schönste Zeit einmal zu Ende und so blieb mir der wirklich schwere Abschied leider nicht erspart. Auch wenn meine letzte Woche sehr traurig war, weil mir das Land und die Leute so sehr ans Herz gewachsen sind, so haben meine Gastfamilie, Lehrer und Freunde diese Woche zu einer ganz besonderen gemacht. Ich zähle meine letzte Woche zu einer der schönsten, trotz meiner Traurigkeit, weil sie mir gezeigt hat, was für ein Glückspilz ich bin, Leute kennengelernt zu haben, die mir den Abschied so schwer machen.

Die Abschiedsrunde aus Lenas FreundenIch habe mich ganz lange geweigert, mit dem Packen zu beginnen, vielleicht einfach, weil ich es nicht wahrhaben wollte, dass es jetzt schon zu Ende ist. Es fühlte sich nach drei Monaten, in denen ich mich sehr gut eingelebt hatte, einfach komisch an, alles wieder aufzugeben. Im Endeffekt hat aber alles gut geklappt. Meine Koffer waren zwar voll bis obenhin, aber Übergewicht hatten sie keines.

Überraschungsparty meiner Freunde

Einer der schönsten Momente dieser Woche war die Überraschungsparty meiner Freunde für mich, von der ich bis zum Schluss nicht den Hauch einer Ahnung hatte. Aber wie das so ist, wenn ich jetzt im Nachhinein über das Verhalten meiner Gastmama und meiner beiden engsten Freunde, die das Ganze zusammen organisiert haben, nachdenke, hätte ich wirklich stutzig werden müssen! Ich kam nichtsahnend nach dem Abendessen mit einem Freund nach Hause und plötzlich geht das Licht an und alle meine Freunde springen aus ihren Verstecken und schreien: »Überraschung!«

Nach dem ersten Schreck war ich so gerührt, dass ich erstmal einige Minuten sprachlos dastand. Wer mich kennt, der weiß, dass es mir eigentlich so leicht nicht die Sprache verschlägt. Ich hatte mit wirklich nichts gerechnet und das war einfach das schönste Abschiedsgeschenk überhaupt! Wir haben dann alle zusammen einen tollen Abend mit witzigen Spielen und viel Essen verbracht. Zum krönenden Abschluss hat meine beste Freundin Giorgia dann noch einmal bei mir übernachtet, damit wir unsere Sleepover Tradition beenden konnten.

Und auch die Schule werde ich vermissen

Auch meine Lehrer haben sich teilweise für meinen Abschied etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Mein Drama Lehrer zum Beispiel: Seine Frau hat für mich eine Schwarzwälder Kirschtorte gebacken. Sie hatte den Schriftzug »Viel Glück Lena«. In meiner letzten Stunde haben wir sie dann alle zusammen aufgegessen. Unser Thema waren Monologe und jeder musste seinen vorführen. Mr. Baker und ich hatten uns abgesprochen und niemandem etwas erzählt davon, dass ich auf deutsch präsentieren werde.

Farewell Dinner mit Lenas FreundenDie Gesichter meiner Mitschüler, als ich anfing zu reden, waren wirklich einfach nur unbezahlbar! Danach saßen wir in einer Art Stuhlkreis und plötzlich sagte jeder der Reihe nach, was sie an mir mochten oder gut fanden. Das war so bewegend, dass wir irgendwie alle angefangen haben zu weinen, ich vorneweg.

Von der Schulleitung habe ich ein Buch über Nova Scotia bekommen. Es trägt die Inschrift »Von deinen Freunden an der West Kings District Highschool«. Das war – finde ich – auch eine sehr nette Geste. In meiner letzten Woche habe ich versucht, so viel Zeit wie möglich mit Freunden und meiner Familie zu verbringen. Ich denke, das ist mir gut gelungen. So konnte ich noch einmal mit allen zusammensein und hatte das Gefühl, mich gut verabschiedet zu haben. Der Rückflug verlief gut. Ich hatte zunächst noch etwas Respekt, weil ich noch nicht so oft alleine geflogen bin. Es hat aber alles wie selbstverständlich geklappt, trotz des emotionalen Chaos in mir drin ;-).

Mit diesem Beitrag endet Lenas Berichterstattung von einem aufregenden und schönen High School Aufenthalt in Nova Scotia. Wir hoffen euch haben ihre Berichte genau so gut gefallen wie uns. Wir danken dir Lena, dass du uns so ausführlich an deinem Leben in der zweiten Heimat teilnehmen ließt :-).

< Zu Lenas vorherigem Artikel Mehr Infos zum Programm

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