Daniel in Australien #6: Daniel Heinen im Interview

Daniel in Australien #6: Daniel Heinen im Interview

Seit der letzten Woche versorgt unser Gastautor Daniel Heinen die Weltneugier im Rahmen einer kleinen Artikelserie mit seinen Berichten aus Australien (Sydney und Cairns). In der guten Tradition unserer Interviews per E-Mail stellen wir ihn euch heute mit einem solchen Gespräch vor.

Stepin: Hallo Daniel. Zunächst natürlich vielen Dank, dass du dir etwas Zeit für uns und unsere Fragen genommen hast. Wo in Australien erreichen wir dich gerade?

Daniel: Ich lebe zurzeit in Sydney, da ich hier an der Macquarie University meinen Master mache. Deshalb bleibt auch nur in den Semesterferien Zeit zum Reisen. Aber auch in und um Sydney kann man so Einiges erleben, wie ihr ja schon in meinen Berichten gesehen habt. Denn gerade die Gegend ist auf Touristen eingerichtet und aufgrund der Einwohner aus über 50 Ländern sehr interkulturell. Ich muss also nicht weit fahren, um immer wieder neue Dinge zu entdecken.

Stepin: Bevor wir mit dem eigentlichen Interview beginnen, möchten wir dich bitten, uns deinen bisherigen Werdegang in ein paar Worten zu schildern.

Ein Unihörsaal von obenDaniel: Angefangen habe ich mit einer Ausbildung zum Automobil-kaufmann. Jedoch habe ich schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Danach ging es ins Praktikum beim Lokalradio Welle West in Heinsberg, wo ich danach als freier Mitarbeiter tätig war. Der Job hat mir richtig viel Spaß gemacht, aber ich wollte mehr ausprobieren und habe mir dann auch noch Zeitung und Fernsehen angeschaut.

Danach ging es nach Gelsenkirchen ins Studium für Journalismus und PR. Gleichzeitig habe ich für die Nachrichtenredaktion von n-tv gearbeitet. Während des Studiums hat es mich aber mehr und mehr in die PR gezogen. Deshalb führte mich mein Weg nach dem Abschluss nach Düsseldorf in eine Online PR Agentur. Ein toller und spannender Job. Aber das konnte immer noch nicht alles gewesen sein. Eine letzte Herausforderung fehlte noch. Also entschied ich mich für den Master in Australien. Meine Chefin war übrigens toll. Sie hat mich bei all meinen Entscheidungen unterstützt und mich außerdem ermutigt, den Schritt zu machen.

Stepin: Die Leser der Weltneugier kennen dich ja hauptsächlich als unseren »Mann vor Ort« in Australien. Was hat dich an dem Land gereizt und wie sind die bisherigen Eindrücke von Sydney und dem fünften Kontinent?

Daniel: Während meines ersten Studiums habe ich zwei Semester in Wales verbracht. Seitdem hatte ich die Idee, meinen Master in Australien oder Neuseeland zu machen. Einen Grund dafür kann ich nicht wirklich nennen. Ich wollte einfach hierhin. Die USA haben mich nie gereizt und Afrika und Asien genauso wenig. Obwohl ich vorher nie hier war, wollte ich nirgendwo anders hin.

Und meine Eindrücke sind gerade deshalb gut, weil ich – wie kaum andere Studenten, die ich kennengelernt habe – mit echten Australiern zusammen wohne. Das kommt recht selten vor, denn meistens wohnen internationale Studenten zusammen. Ich sehe es als noch größere Chance, meine Englischkenntnisse zu verbessern. Ich kann mich noch gut an das erste Telefonat mit meinem Vermieter und Mitbewohner erinnern. Ich habe kein Wort verstanden und er auch nicht. Aber man kann ich an jeden Akzent gewöhnen und wir kommen prima miteinander aus. Australier sind eben sehr laid-back. »No worries, mate!«

Wie gesagt: Man kann sogar in und um Sydney sehr viel erleben. Aber besonders faszinierend finde ich, dass dieses Land so groß ist wie Europa, nur etwa 22 Millionen Einwohner hat und – egal, wo man hier hinfährt – überall der gleiche Akzent gesprochen wird. In Deutschland setze ich mich nur wenige Stunden ins Auto und bin in Frankreich oder Italien oder den Niederlanden. Und sogar in Großbritannien unterscheiden sich die Akzente enorm voneinander. Ich glaube, dass die Dinge hier auch dadurch viel entspannter sind.

Stepin: Unterschiede zum Leben in Deutschland?

Daniel: Eine umfangreiche Antwort würde hier sicher den Rahmen sprengen. Aber es gibt viele Unterschiede. Wie schon gesagt, sind Australier einfach ruhiger und entspannter. Es passiert häufiger, dass man eine halbe Stunde auf den Bus wartet, weil einer einfach nicht kommt.

Sydney Opera House im SonnenuntergangOder dass der Kassierer im Supermarkt so unglaublich langsam arbeitet, dass man eine Viertelstunde in der Schlange steht. »You get used to it«, heißt es hier. Es ist eben insgesamt nicht so steif. In der Uni wird jeder mit Vornamen angesprochen. Titel wie Doktor oder Professor sind hier nur wichtig für das Gehalt, ändern aber fast nichts am gesellschaftlichen Status.

Stepin: Du erwähntest eingangs, dass du bereits in Deutschland ein Studium absolviert hast. Inwieweit unterscheidet sich das Leben als Student in Australien – abgesehen von inhaltlichen Schwerpunkten – von der bisherigen Erfahrung?

Daniel: Der größte Unterschied ist sicher, dass ich hier mit ganz vielen internationalen Studenten studiere. Chinesen, Japaner, Österreicher, Inder, Niederländer… im ersten Semester hatten wir nicht einen einzigen australischen Dozenten. Das Studentenleben ist aber nicht viel anders als in Deutschland. Wir treffen uns abends und gehen gemeinsam essen oder grillen bei einem Freund zu Hause. Das ist eigentlich genau wie in Deutschland auch. In gewisser Weise sind Studenten überall gleicht ;-).

Stepin: Etwas in eigener Sache: Für viele Leute, die für längere Zeit nach Australien gehen wollen – z. B. für einen Work & Travel-Programm – stellt sich die Frage, ob sie mit einer Organisation reisen oder den Trip selbst auf die Beine stellen können. Was denkst du darüber bzw. wie sind deine diesbezüglichen Eindrücke von den Leuten vor Ort?

Daniel: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es mit einer Organisation viel einfacher ist. Die Ansprechpartner haben alle Informationen und Erfahrungen, die man zum Studieren oder für ein Work and Travel-Programm braucht. Das alles alleine in Erfahrung zu bringen ist harte Arbeit und kostet mindestens doppelt so viel Zeit.

Es gibt einfach so viele Baustellen, die bei einem solchen Projekt beachtet werden müssen. Wie finanziere ich das? Gibt es Stipendien oder Kredite? Wo kann ich auf meiner Reise arbeiten? Gibt es Ansprechpartner vor Ort, bei denen ich mich melden kann? Das sind nur einige Fragen, die eine solche Organisation beantworten kann. Viele meiner Kommilitonen hier haben sich auch eine solche Organisation gewandt und alle waren mit dem Service sehr zufrieden. Ich kann es also nur empfehlen.

Stepin: Bevor wir zum Schluss kommen, was sind deine Pläne für die nahe Zukunft in Down Under bzw. könntest du dir vorstellen, langfristig in Australien zu leben?

Rubiks Cube am Strand von SydneyDaniel: Nein, langfristig möchte ich nicht hier leben. Für mich war es quasi eine letzte Herausforderung. Und es bringt mich sowohl persönlich als auch beruflich weiter, wenn ich einen internationalen Master in der Tasche habe. Ganz davon abgesehen, wie wichtig Englisch mittlerweile im Job geworden ist.

Die nahe Zukunft sieht so aus, dass nächste Woche das zweite Semester los geht, also viel Arbeit. Und dann möchte ich gerne danach noch ein wenig reisen. Wohin, weiß ich noch nicht genau. Vielleicht hat ja einer meiner Mitstreiter eine gute Idee.

Stepin: Ok, damit die Chance auf die berühmt-berüchtigten letzten Worte (…)

Daniel: Die Frage, vor der sich jeder immer am meisten fürchtet… Aber mal im Ernst. Ich kann ein Studium oder Semester im Ausland nur jedem ans Herz legen. Ihr lernt eine andere Kultur kennen, seht ein anderes Land, lernt die Sprache und ganz viele Menschen aus der ganzen Welt kennen. Es ist sicher nicht immer einfach, sich zurecht zu finden, aber genau das macht doch den Reiz aus, oder?

Und – ganz besonders wichtig – diese Chance bekommt ihr wahrscheinlich nicht wieder. Und es ändert die Sicht auf manche Dinge und bringt euch weiter. Denkt also nicht zu lange darüber nach, sondern macht es einfach. Es gibt genügend Möglichkeiten für Finanzierung und Organisation der Reise. Wer noch Fragen an mich hat, immer her damit.

Stepin: Vielen Dank.

Daniels vorheriger Artikel Deine Möglichkeiten in Australien

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