Cindy in Australien #4: In zwölf Schritten ins Outback

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Nun macht sich Cindy auf ins berühmt berüchtigte Outback: Von Brisbane bis Quilpie fährt sie fast 1000 Kilometer mit dem Auto bis sie endlich in der roten Wüste angekommen ist! Unterwegs kommt sie an kleinen Pubs vorbei und muss durch Elefantenrennen. Hier der vierte Teil ihrer Artikelserie.

Viele Wege führen nach Rom, und noch mehr Wege führen ins Outback. Besonders dann, wenn es sich um Australien handelt, wo die Küste nach wie vor eifrig besiedelt ist und das Landesinnere ignoriert wird. Es ist nur das Outback, wunderbar rot in den australischen Fotobänden.

Die Sonne strahlt durch Bäume des OutbacksEine Herausforderung für Burke & Wills und andere mutige Entdecker am Anfang des 19. Jahrhunderts, und letztendlich ist es doch nur ein Nirgendwo. Keine großen Städte und nur kerzengerade Straßen ohne Sehenswürdigkeiten. Manche Wege werden ganz von den Reiseführern vergessen: So wie der Warrego Highway von Brisbane nach Charleville und weiter.

Das kann nun dein Weg ins Outback sein, in zwölf einfachen Schritten. Sei dir bewusst: Das Outback beginnt nicht direkt hinter Brisbane. Es gibt keine Grenze, die das wilde, rote Australien von der menschenengen, hektischen Großstadt trennt. Langsam schleicht es sich in vielen kleinen Schritten ein, Kilometer für Kilometer, während du den Highway entlang fährst. Niemand weiß, wo genau das Outback beginnt. Aber du bemerkst es, wenn du dich auf dem richtigen Weg befindest.

Schritt 1: Allein unter Lastwagenfahrern (Kilometer 20)

Miete dir das kleinste Auto und schon nach wenigen Kilometern, wenn du die letzten Vororte Brisbanes hinter dir lässt, fühlst du dich wie eine Maus zwischen Elefanten. Lastwagenfahrer üben sich im Elefantenrennen.

Ein Store auf dem Weg ins OutbackUnd du wartest geduldig etliche Überholungsprozesse ab. Wenn du dann endlich überholen kannst, klein und flink in deinem weißen Hyundai Goetz, schauen die Lastwagenfahrer durch XXL-Sonnenbrillen auf dich durch die Windschutzscheibe herunter, grinsen und winken vergnügt. Du bist definitiv nicht im Alleingang auf deinem Weg ins Outback.

Schritt 2: Hinter der Great Divide Range, sagen sie (Kilometer 126)

Noch ist es verregnet, noch hängen die grauen Wolken tief und scheinen den Highway zu berühren. Du fährst höher und höher und wenn du die Autotüren in Toowoomba öffnest, weht dir eine frische Brise auf 700 Metern Höhe entgegen. Dahinter beginnt das Outback, haben dir die Leute in Brisbane erzählt. Dahinter siehst du allerdings nur grüne Felder, frisch gewässert von einem Hagelsturm, den du glücklicherweise um eine Stunde verpasst hast. Nichts erinnert dich an das Outback aus den Bildbänden. Es fühlt sich mehr nach einem herbstlichen Tag zu Hause in Deutschland an.

Schritt 3: Du senkst den Altersdurchschnitt (Kilometer 209)

Weitere Reisende, die nicht aus Lastwagen von oben herab auf dich herunter grinsen, triffst du auf Zeltplätzen. Sie erzählen dir von ihrer Rente, von ihren Wohnwägen und ihrem ehemaligen Wohnort. Das Durchschnittsalter liegt um die 65. »Eigentlich wollten wir nur zwei Monate in Dalby bleiben«, erzählt dir eine Frau, »aber es ist so schön hier.« Mittlerweile sind sie schon zwei Jahre hier, sehen es aber nach wie vor nur als Zwischenstation.

Ob sie jemals wieder zurück an die Sunshine Coast zieht? Wahrscheinlich nur, um die Enkelkinder zu besuchen. »Wir haben unser Haus damals verkauft.« erklärt sie. So wie viele andere australische Rentner, die ihr Hab und Gut verkaufen und alles in einen Wohnwagen und ein Allradfahrzeug investieren, um nach dem Arbeitsleben endlich ihr Reisefieber ausleben zu können. Du bist beruhigt, dass das Reisefieber scheinbar nie endet und nimmst es als Inspiration mit auf deinen lebenslangen Reiseweg.

Schritt 4: Verlassenheit (Kilometer 250)

Zwischen Dalby und Chinchilla ist es sehr ruhig und leise, nur der Fahrtwind rauscht in deinen Ohren. Du fährst durch kleine Dörfer hindurch, aber siehst nicht mehr als das Echo einer vergangenen Zeit. Einst scheinbar berühmt für ihre Kohleindurstrie, ist nichts mehr übrig geblieben als ein Monument am Ortseingang.

Verlassene Bahnstation im OutbackDer Supermarkt in Warra ist geschlossen, obwohl es kurz vor der Mittagszeit ist. Auf die scheinbar berühmten Burger, die sie auf einer Tafel anpreisen, musst du wohl verzichten. Auf einer Wäscheleine schaukelt die Wäsche im leichten Wind, doch nirgends kannst du die Einwohner entdecken. Fenster sind dunkel, Scheiben herausgebrochen. Hier werden Dörfer einfach verlassen und stehengelassen.

Schritt 5: Roter Staub auf dem Nummernschild (Kilometer 300)

Hinter Chinchilla hältst du an einem Obsthäuschen an, kaufst süße Chilimarmelade, selbst gemacht von der Verkäuferin, und Kartoffeln. Der Regen hat aufgehört, neben deinem kleinen Auto parken weiße Allradfahrzeuge.

Getreidekammern auf dem Weg ins OutbackUnd tatsächlich: Auf ihrem Nummernschild hat sich eine rote Staubschicht angesammelt! Ein paar Kilometer weiter wird das Land flacher und die Bäume scheinen in einem hellen, trockenen Grün. Rote Sandtrassen führen vom asphaltierten Highway ab und schlängeln sich durch gelbgoldene Getreidefelder. Du bist auf dem richtigen Outbackweg!

Schritt 6: Kein Handysignal (Kilometer 400)

Bis jetzt kannst du noch SMS zurück in die Großstadt und nach Hause schicken, du bist verbunden mit der Welt. Doch kaum fährst du durch Jackson, setzt das Handynetzwerk aus. Emergency calls only. Doch schlimm ist es nicht: Denn wer möchte erreichbar sein, wenn man auf dem Abenteuerweg ins Landesinnere ist? Wäre das Nirgendwo tatsächlich ein Nirgendwo, hättest du Handyempfang?

Schritt 7: Pubgeschichten (Kilometer 450)

Die Verlassenheit und die Empfangslosigkeit zum Rest der Welt schaffen zentrale Treffpunkte. Einer davon ist eindeutig der Pub. Die Straßen sind wie leergefegt, nicht einmal ein Lastwagen donnert durch das Dorf. Der Supermarktbesitzer ist in der Mittagspause, alle Einwohner an einer Straße außerhalb des Dorfes arbeiten. Die Stille der Hitze. Bis du die Dunkelheit und Kühle des Pubs betrittst und ein Bier und einen Meat Pie bestellst.

Ein kleines Lokal im OutbackDie Bedienung hinter der Theke mustert dich misstrauisch, doch meist sitzt ein Mann in seiner Pause auf deiner Seite der Theke und freut sich über einen Gesprächspartner. Er erzählt dir von seiner Liebe zum Outback, wo er machen kann, was er will. »Wenn ich fischen gehen will, gehe ich fischen. Wenn ich Kängurus jagen will, jage ich Kängurus.«

Du nickst und versuchst Filmausschnitte von Woolfs Creek in deinem Kopf zu ignorieren. Du wusstest schon damals, dass du diesen Film besser nicht hättest anschauen sollen. »Brisbane ist ein ewiges Rattenrennen.« meint er noch, bevor er wieder zur Arbeit aufbricht. Oder Dingos jagen geht. Du scheinst bereits etliche Lebensstile entfernt von Brisbane zu sein. Aber es ist zu aufregend, um die Großstadt zu vermissen.

Schritt 8: Roadtrains in der Weite (Kilometer 500)

Wenn es anfangs noch normale Lastwagen sind, die dich klein und unscheinbar fühlen lassen, sind es nun lange, große Roadtrains. Im Flimmern der Hitze tauchen sie am Ende der Straße auf, kommen schnell näher und werden noch schneller größer. Sie scheinen zu groß für die Straße und viel zu groß, um dir deine Straßenseite gefahrlos zu überlassen.

RindertransporterDu hältst das Lenkrad gerade, den Atem an- und den Horizont im Blick. Und während du alles festhältst, donnert und rauscht es, und mindestens 100 Rinderaugen aus den drei Anhängern des Roadtrains versuchen einen Blick auf dich zu erhaschen. Australien ist berühmt für sein Rindfleisch, und das scheint die Straße der Nahrungsmittelkette zu sein.

Schritt 9: Billytee im grünen Paradies (Kilometer 560)

Jede Staubschicht und jede heiße Weite hat ihre grüne Oase. Du findest sie direkt hinter Mitchell, empfohlen von der lokalen Pubbedienung, die dir ebenfalls alles über das Jagen von Dingos, Kängurus und Wildschweinen erzählt hat. Und die erwähnt hat, dass es aufgrund des Regens die Hochsaison der Schlangen sei. Am Fluss schlägst du dein Zelt auf, versuchst erfolglos zu angeln, obwohl der Platz Fisherman’s Rest heißt, und lauschst dem lauten Orchester scheinbar aller australischen Vogelarten, die sich hier versammelt haben und Namen wie Honeyeater tragen.

Eine Hotelfassade im OutbackDu fühlst dich so australisch wie nie zuvor, wenn du den Billy Kochtopf in das Lagerfeuer stellst, Teebeutel und Eukalyptusblätter im Wasser aufkochen lässt und »Walzing Mathilda« auf der Mundharmonika spielst: »And he sang as he watched and he waited till his billy boiled, who’ll come a-Walzing Matilda with me.»

Schritt 10: Gruß hinter der Windschutzscheibe (Kilometer 600)

Die Autos, die dir entgegenkommen, werden zählbar. Ein Auto aller fünfzehn Minuten und dann wieder nur die leere, lange Straße vor dir. Nicht sehr viele Menschen verirren sich in Australiens Landesinnere und wenn doch, sind es meist Arbeiter, die zu den Kohl- und Gasminen herausfahren. Doch je größer der Platz ist, je breiter die Weite ist, desto fester wird das Gemeinschaftsgefühl. Kurz nach Mitchell hebst du Zeige- und Mittelfinger hinter dem Lenkrad zum Gruß und der entgegenkommende Autofahrer grüßt dich winkend zurück. Du bist nicht allein, auch wenn der Horizont in Entfernung rückt.

Schritt 11: XXXX Gold beim Charleville Cup (Kilometer 750)

In Charleville triffst du endlich wieder auf Menschen und stolperst in das Dorfereignis des Jahres: Der Charleville Cup! Zeitversetzt mit dem Melbourne Cup auf dem Bildschirm galoppieren die Pferde auf der Rennbahn um die Wette und die Wetten sind vielzählig und hoch.

Pferderennen im OutbackAuch du setzt einige Dollar auf Pferdenamen wie Tuscan Image und Cash In A Hurry, trinkst das in Brisbane verpönte Queenslander Bier XXXX Gold mit den Einwohnern und wippst mit den Füßen im Takt der Countrymusik. Hier bist du angekommen, 750 Kilometer entfernt von der Großstadt, und es fühlt sich an, als hättest du tatsächlich die Menschen des Outbacks gefunden.

Schritt 12: Rote Erde am Ende der Gleise (Kilometer 950)

Doch du willst weiter. Charleville bezeichnet sich als Tor ins Outback, und tatsächlich: Wenn du dem Opal Way nach Quilpie folgst, fühlst du das Outback richtig und kannst es sehen. Kleine hellgrüne Büsche versammeln sich auf der roten Erde, tote Kängurus liegen am Straßenrand, lebendige Emus stolzieren davon und auf der rechten Seite liegt ein Autowrack.

Autowrack am StraßenrandWenn du in Quilpie ankommst, steht die Hitze und die Stille dort. Die Pubtür hörst du aus weiter Entfernung, genauso wie den Vogelruf von der anderen Seite des Dorfes. Keine Brise weht, keine Bewegung zu viel. Selbst der Zug von Brisbane kommt hier zum Stillstand. Hier ist das Outback. Rot, weit, still und heiß. Endlich fühlst du dich wie in einem Fotoband.

Cindys vorheriger Artikel Deine Möglichkeiten in Australien

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