High School auf See: Das schwimmende Klassenzimmer

High School auf See: Das schwimmende Klassenzimmer

„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon“ (Augustinus von Hippo, 354 – 430). Schon der lateinische Philosoph erkannte damals, dass das Reisen zu einer umfassenderen Weltansicht führt, den eigenen Horizont erweitert und sogar zur Bildung beiträgt. Also warum schickt man die Schüler nicht einfach auf eine Weltreise, auf der sie dann nicht nur die Welt sehen, sondern auch Menschen aus allen Ländern und ihre Kultur kennenlernen? Ein solches Konzept wird verfolgt bei dem sogenannten „Class Afloat“-Programm, was übersetzt so viel heißt wie „schwimmendes Klassenzimmer“.

Imagine your School is a majestic tall Ship sailing to twenty Ports on four Continents

Wie jetzt – auf einem Segelschiff zur Schule zu gehen?! Das klingt selbst für mich (auch wenn ich schon längst nicht mehr zur Schule muss) wie ein perfektes Abenteuer! Vier bis neun Monate lang umsegeln die Schüler dabei die Meere und haben gleichzeitig Unterricht in einem schwimmenden Klassenzimmer. Doch das Klassenzimmer ist auch ihr zu Hause, wo sie schlafen, essen, lernen, zusammen etwas unternehmen, ihre Freizeit verbringen und worum sie sich auch kümmern müssen, denn so ein Segelschiff schwimmt ja nicht von alleine um die Welt.

High School auf See: SegelschiffDie SS SØrlandet, wie das Schiff offiziell heißt, startet dieses Jahr von Kanada aus, genauer gesagt von Collingwood, Ontario und zwar am 22. August. Dort werden die Schüler, die aus aller Welt stammen, eine Woche lang auf die High School auf See vorbereitet. Niemand muss übrigens Vorerfahrungen im Segeln haben, denn dies lernen alle Schüler erst dort. Dabei können sie sich in Ruhe kennenlernen und gemeinsam die Gegend erkunden.

Die Route
An den kanadischen Städten Windsor und Montreal vorbei geht es von Kanada über den großen Teich nach Portugal und Spanien. In Cadiz dürfen die Eltern ihre Kinder an Bord das erste Mal für ein paar Tage besuchen, doch dann geht es direkt weiter nach Marokko und Teneriffa. In Mittelafrika wird in Senegal gehalten, danach kommen die kapverdischen Inseln und schließlich Barbados, wo auch die Semesterferien stattfinden. Über Weihnachten und Neujahr können die Schüler also nach Hause fliegen oder auf Barbados ihre Ferien verbringen.

Nach den Ferien wird die High School auf See von Barbados gestartet und der nächste Stopp ist Curacao. Danach folgen Kolumbien, Costa Rica, die dominikanische Republik und Cuba, wo die Eltern wieder zu Besuch kommen dürfen. Die letzten Stationen, die im Bermuda Dreieck sind die Turcs und Caicos Inseln sowie die Insel Bermuda. Von dort aus geht es wieder in Richtung Europa, nämlich nach Frankreich, in die Niederlande und nach Schottland. Der allerletzte Stopp ist in Kristiansand in Norwegen, wo auch die Graduation stattfinden wird. Das sind dann insgesamt 18 Länder und 23 Häfen. Wer will da nicht doch nochmal freiwillig auf die High School auf See und Wurzelziehen wiederholen?

Der Alltag auf dem Schiff
Das Segelschiff bleibt in jedem Hafen für ungefähr drei bis sechs Tage. An Land werden verschiedene schulische, aber auch soziale Projekte durchgeführt, mit denen man das Land kennenlernt und wichtiges lernt, aber auch Kulturevents, Museen und Sehenswürdigkeiten werden besucht.

High School auf See: Soziale ProjekteNatürlich bleibt auch immer genügend Freizeit, um Aktivitäten wie Schnorcheln, Tauchen, Schwimmen oder Wandern, nachzugehen. Pro Tag haben die Schüler 5 Unterrichtsstunden a 55 Minuten, in denen sie den ganzen Lernstoff beigebracht bekommen. Dabei ist der Lernplan der High School auf See immer dem jeweiligen Ziel angepasst, auf welches das Segelschiff zusteuert.

Zurzeit befindet sich die SS SØrlandet übrigens in Kapstadt. Bevor die Schüler und die Crew an Land gingen, haben sie etwas über die Apartheid gelernt. Um zu verstehen, wie die Afrikaner sich bei dieser ungerechten und ungleichen Behandlung gefühlt haben  müssen, haben die Schüler ein kleines Experiment unternommen: Jedem wurden, gemäß seines Alters, nur bestimmte Rechte eingeräumt. Ältere Schüler durften alles, während den Jüngeren einiges verboten wurde. Außerdem lasen die Schüler die Autobiographie von Nelson Mandela und werden daher auch die Robben Island besuchen.
Einen kleinen Einblick in das Leben an Bord, liefert auch dieses Video:


Geographie, Geschichte und Politik sind nicht die einzigen Unterrichtsfächer, welche die Schüler belegen müssen, nein. Auch Englisch, Literatur, Wirtschaft, Existenzgründung, Jura, Anthropologie, Philosophie, Soziologie, Psychologie, Mathematik, Biologie und Chemie stehen auf dem Stundenplan der High School auf See. Besondere Fächer, die es nur auf dem Schiff gibt, da es sich dort natürlich super anbietet sind: Aboriginal Studies sowie Meeresbiologie und Ozeanologie. Der Unterricht findet in kleinen Lerngruppen statt, da das am effektivsten für den Lernerfolg ist. Die Unterrichtssprache ist im Übrigen Englisch, das heißt, auch wenn man nicht segeln kann, sollte man auf jeden Fall gut Englisch sprechen. Außerdem braucht man keine Angst haben, dass man nach einem Jahr auf Schiff in der Schule zu Hause nicht mehr mithalten kann, denn das Lernniveau an Bord ist sehr hoch und entspricht dem kanadischen Standard, der weltweit sehr anerkannt ist.

High School auf See: MastEin typischer Tag an Deck sieht wie folgt aus:
07:00 – 07:30 Aufstehen und Morgensport an Deck
07:30 – 08:00  Frühstück und Ankleiden
08:00 – 08:15  Zusammenkunft für die täglichen Ankündigungen
08:15 – 09:00  Putzdienst, tägliche Arbeiten am und um das Schiff
09:00 – 19:00  Schulunterricht und Tageswache
12:30 – 13:30  Mittagessen
17:30 – 18:30  Abendessen und Küchendienst
19:30 – 22:00  Abendliche Aktivitäten
20:00 – 08:00  2 Stunden Nachtwache

Jeweils zwei Stunden am Tag und zwei Stunden in der Nacht steht die Wache an. Dabei müssen die Schüler beim Segeln mithelfen, das Schiff putzen oder reparieren oder einfach nur den Seegang beobachten. Das klingt nun hart, scheint aber sehr viel Spaß zu bereiten und harte Arbeit wird auch belohnt. Die freie Zeit an Bord können die Schüler selbst gestalten. Viele lesen, lernen, schauen einen Film, helfen beim Segeln oder engagieren sich in Clubs. Dafür, dass nur 60 Schüler an Bord Platz haben, gibt es erstaunlich viele Clubs, wie zum Beispiel den Glee Club, den Dance Club, den Theater Club, diverse Sport Clubs, den Astro Club oder den Photographie Club. Damit es nicht langweilig wird an Bord gibt es auch viele unterhaltsame Events, wie Partys, Karaoke Nächte und vieles mehr.

Wer nun neugierig geworden ist und mal lesen will, wie ein echter Floatie den Aufenthalt an Bord fand, der findet auf unserer Webseite einige Erfahrungsberichte über die High School auf See. Ahoi!

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