Hanna in China #9: Das komplette, wahre China-Paket

Hanna in China #9: Das komplette, wahre China-Paket

Unsere Autorin Hanna Dreßen hat sich entschieden, mit unserem Teach and Travel Programm ein halbes Jahr in China zu verbringen, um dort Englisch zu unterrichten. Schon neigt sich ihre Zeit im Reich der Mitte dem Ende zu, aber was bedeutet es nun in China zu leben? Hier das komplette China-Paket.

Ein kurzer Zwischenbericht

Oh nooo! Nur noch eine Woche in Houjie und zwei Wochen in China?!? Im Moment ist es wirklich verrückt, wie schnell die Zeit vergeht. Und so viel ist im Moment los. Das Semester geht zu Ende, ich habe noch genau elf Unterrichtsstunden. Heute haben wir die mündlichen Prüfungen und nächste Woche die schriftlichen. Ragna, eine Freundin, die mit mir zusammen in Shenyang war und dort vor zwei Wochen schon ihren letzten Schultag hatte, ist zu Besuch und wir besichtigen die unzähligen Sehenswürdigkeiten von Houjie, dem Ghetto von Dongguan ;).

Hanna vor einer PagodeÜbermorgen kommen noch zwei andere Freunde, das wird lustig in meinem großzügigen 10-Quadratmeter-Apartment! Alle sind auf der Durchreise nach Hongkong. Zeit für ausführliche Berichte aus Shanghai habe ich also nicht. Obwohl das mehr als angebracht wäre. Es ist die absolut beste Stadt in China finde ich! Auf jeden Fall mein bester Trip!

Goodbye Schüler, goodbye Guangdong, goodbye Freunde!

Immer öfter kommt, wenn wir alle zusammensitzen, der Satz »Weißt du noch…« auf, wir schwelgen in wunderschönen Erinnerungen, liegen uns in den Armen und realisieren, wie großartig dieses China-Abenteuer war und was wir hier alles vermissen werden.

Es ist zum Heulen. Obwohl ich dazu gar nicht komme. Ragna ist noch hier und George, Norina und Tom sind auch am Freitag angekommen. Wenn ich mir mein Zimmer im Moment so anschaue, voller Rucksäcke, Taschen und Koffer, kann ich mir noch nicht vorstellen, dass es am Mittwoch schon leer und verlassen ist… Jeden Tag unternehmen wir etwas und ich sehe noch Sachen, zu denen ich in dem halben Jahr einfach nicht gekommen bin. Es ist schön, nochmal Tourist in Guangdong zu sein und zu begreifen, was unsere Provinz alles zu bieten hat! Die Hauptstadt Guangzhou, Shenzhen, das Meer und der Strand. Einerseits supermoderne Städte und andererseits, Dank der riesigen Entfernung zu den Beijinger Pateistuben, das echte China! Was für ein Glück wir hatten, hier zu landen!

Sonnenuntergang vor der Skyline DongguansAm Freitag war mein letzter richtiger Schultag, denn am Montag und Dienstag stehen die Examen an. Es war so traurig meinen Erst- und Zweitklässlern zu erklären, dass es »Time to say Goodbye« ist und sie nächstes Semester eine neue Lehrerin bekommen. Und zu sehen, wie sie langsam verstehen, dass ich nicht zurückkommen werde, und mir in die Arme fallen :(.

Ein paar letzte Tage und das »wahre China«

Am Mittwoch danach fuhr ich mit meinem Travelbuddy Ingvild mit dem Highspeed-Train nach Xi‘an, um die Terrakotta-Armee zu sehen. Am Samstag ging es nach Beijing. Beijing war die erste chinesische Stadt, die ich kennengelernt habe und auf eine ganz besondere Weise auch die Schönste. Der erste Monat in China war fantastisch und wir dachten alle »Wow, das ist China!«.

Doch als ich zurückgekehrt bin dachte ich eher: »Oh Gott, das ist ja wie zu Hause hier, so westlich und viel zu viele Ausländer!« Ich glaube, ich habe mich in den sechs Monaten doch ein wenig verändert und auf jeden Fall sehr viel gelernt. Und so schließt sich der Kreis. Am 23. Januar fliege ich zurück in die Heimat. Und so schwer es wird loszulassen, ich freue mich drauf :)!

Das komplette China-Paket

Ingvild ist der schrecklichste Travelbuddy, den man sich vorstellen kann. Aber wahrscheinlich musste es so kommen, dass ich eine Woche vor Abflug noch einmal das komplette China-Paket bei der Reise nach Xi’an abbekomme. Erst konnte ich meinen »Private Driver« nicht finden. Eine Viertelstunde später fand ich ihn schlafend hinterm Steuer. Als ich dann endlich am Busbahnhof Nancheng in Dongguan angekommen bin, traf ich Ingvild. Ich ging zum Ticketschalter, um Busfahrkarten nach Guangzhou für uns beide zu besorgen, doch musste eine halbe Stunde lang anstehen.

Viele Menschen laufen eine Kirschbaumallee entlangDas Spring Festival, chinesisches Neujahr, steht vor der Tür. Und damit die größte Migrationswelle der Geschichte. Jeder Chinese fährt nach Hause zu seiner Familie und da fast die ganze arbeitende Bevölkerung sehr weit weg von zuhause ihr Glück sucht, kommen da ein paar Milliarden Reisende zusammen. Es war also die Hölle los.

Der nächste Bus kam dann erst über eine Stunde später und natürlich saßen wir auch im Stau fest. Dank unserer großzügigen Planung hatten wir aber immer noch eine halbe Stunde Zeit. Wir ranntenzum Ticketautomaten, wo unseren Online-Tickets hinterlegt waren und uns alle netterweise vorließen. Doch der Automat akzeptierte nur chinesische ID-Cards und nicht unsere Reisepässe. Ich ließ Ingvild mit unserem Gepäckberg zurück und rannte zum Ticketschalter. Wieder ließen mich alle vor und wieder dauerte es trotzdem eine halbe Ewigkeit bis meine unglaublichen Chinesischkenntnisse und unsere fremdländischen Pässe akzeptiert wurden.

Nach drei nicht endenden Rolltreppen und mitten im Securitycheck schlug die Uhr 12:27. Unser Zug war abgefahren. Schweißgebadet (in Guangzhou herrschten immer noch 20 Grad) ließen wir uns und unsere dreizehn Taschen zu Boden sinken. Immerhin bekamen wir kostenfrei Ersatztickets. Am nächsten Morgen.

Eine Nacht am Bahnhof? – Zu einfach!

Wegen dem Balast, den wir mit uns herumschleppten, entschieden wir uns, einfach am Bahnhof zu bleiben. Der war wenigstens warm. Auf den gepolsterten Sitzen konnte man sich gut ausstrecken und wir müssten nicht um vier Uhr aufstehen, um unseren Zug um sieben zu erreichen. Nach ein paar langen Stunden richteten wir unser Schlaflager her, Ingvild zog sich ihren Häschenschlafanzug über und ich formte mir aus meinem Rucksack ein Kissen zurecht.

Zug am BahnsteigDoch gerade als wir die Augen schlossen kamen die Bahnhofswächter. Der letzte Zug sei für heute abgefahren. Der Bahnhof werde jetzt geschlossen. AAAAAAARGH!!! Niemand sprach Englisch, es war mitten in der Nacht, wir waren müde, uns war kalt, Hotels überstiegen unser Reisebudget, Taxis waren auch keine da und zwanzig Chinesen mit gleichem Schicksal glotzten uns dämlich an.

Nachdem wir erstmal minutenlang reglos dastanden, völlig überfordert, ging ich zu einem illegalen Fahrer, fragte nach dem billigsten Hotel, das er kannte, und nach leidenschaftslosen Verhandlungen über den Preis meinerseits brachte er uns zu seinem Minivan. Es war wie im Film: Wir stiegen in diese Klapperkiste, fuhren durch kleine, dunkle Gassen und landeten schon nach drei Minuten Fahrt, für die wir ordentlich geblecht hatten, bei einem kleinen, verwahrlosten Hotel. Die Bettwäsche schien nicht gerade frisch gewaschen zu sein, im Aschenbecher lagen alte Zigaretten und ein Waschbecken gab es nicht. Wir ließen uns aufs Bett fallen und bekamen endlich ein paar Stunden Schlaf.

Und endlich im richtigen Zug!

Am nächsten Morgen saßen wir endlich im Zug. Vorbei an verarmten Bauerndörfern, deren Existenz ich im Großstadtdschungel schon fast vergessen hatte. Der einzige Luxus den sie genießen ist wahrscheinlich die gute Luft. Und die ist vielleicht mehr wert als sie denken. Draußen wird es immer kälter und kahler. Die Sprache im Zug veränderte sich langsam vom kantonesischen Sing-Sang zum harten Nordchinesisch und die Menschen wurden immer größer. Was für ein Trip. Vielleicht werde ich in ein paar Jahrzehnten drüber lachen. Wenigstens habe ich eine weitere gute Geschichte zu erzählen :)!

Eine Überraschung in Xi’an und die Luft des Nordens

Xi‘an war dann doch die lange Reise wert. Das Lustigste war, dass eines Abends eine Freundin von uns in unser Hostelzimmer spaziert kam. Den ganzen Abend lang haben wir uns nicht mehr eingekriegt. Was für ein riesiger Zufall! Wir sind nicht nur in der gleichen Stadt, nicht nur im gleichen Hostel, nein, wir schlafen auch noch im gleichen Zimmer :D !?!

Das muslimische Viertel in Xi'anObwohl wir nun einen Tag verpasst hatten, haben wir alles gesehen, was wir sehen wollten: Das Muslim Quarter mit einer unglaublichen Atmosphäre und unglaublich gutem Streetfood. Die Terrakottaarmee, 8.000 Tonsoldaten, die von einem wahnsinnigen Kaiser errichten wurden, um ihn im Tod zu beschützen. Und eine Fahrradtour auf der Stadtmauer, dem zweitältesten Schutzwall nach der Großen Mauer.

Back to Beijing

Verrückt. Ich sitze gerade im gleichen Hostel in Sanlitun in Beijing, im gleichen Sessel, in dem ich einen Blogeintrag darüber verfasst habe, dass ich hier festsitze und immer noch nicht weiß, wohin die Reise geht. Anstatt Shorts und T-Shirt tragen wir jetzt dicke Wollsocken, die Heizungen (ja, in Beijing gibt es Heizungen!) laufen auf Hochtouren und draußen fällt mein erster Schnee in diesem Winter.

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Ein Kommentar

  1. Großmama

    22. Januar 2013 at 17:54

    Vielen Dank für deine Reiseberichte. So konnten wir vieles mit dir erleben, Jetzt wirst du uns so einiges zu erzählen haben. Guten Flug mein Schatz. Liebe Grüsse von deiner Grossmama

    Antworten

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Hanna aus NRW war bereits mit Stepin im High School USA-Programm unterwegs. Nun ist sie mit Teach & Travel China auf Reisen. Von ihren Trips und spannenden Erlebnissen berichtet sie live auf der Weltneugier.

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