Hanna in China #32: Zuhause :)

Hanna in China #32: Zuhause :)

Zuhause. :) Plötzlich war es dann soweit. Um zehn Uhr morgens habe ich mich auf den Weg zum Flughafen gemacht. Natürlich war es traurig mich in Peking von Ingvild und Ingvild zu verabschieden, aber irgendwie hatte ich die Abreise schon seit Wochen auf dem Schirm und es war dann doch gut, dass es endlich losging. Eigentlich hörte sich alles ganz einfach an: Mein Flug ging um zwei und um fünf sollte ich schon in Frankfurt sein! Drei Stunden Flug von China nach Deutschland…leider plus sieben Stunden Zeitverschiebung. ;)

Endlich in Frankfurt gelandet und nach strengsten Zollkontrollen, bei denen ich mit viel Glück davongekommen bin, konnte ich mich vor Lachen kaum noch halten. Was war denn hier los? „Hallo! Ich bin wieder da! Wo sind die Kameras?“ Auf einmal sahen wieder alle genauso aus wie ich! Ich bin wieder Durchschnitt, nichts besonderes mehr, einer von Vielen! Mein Celebritystatus war von einer Minute auf die nächste verpufft. :( Andererseits war das absolut genial. Ich kann wieder mit dem Strom schwimmen und in der Masse untertauchen. Das ist auch mal ganz nett, besonders wenn man nach zehn Stunden Flug völlig übermüdet aus dem Flugzeug steigt.

Hier ist alles so unglaublich einfach. Man guckt auf die Schilder, liest einfach so was da steht und läuft los! Am Bahnschalter redet man dann ohne Hände und Füße mit dem Beamten, kauft ein Ticket, und bekommt sogar auf Deutsch erklärt wo man hin muss. Ganz ohne peinliches Schweigen, Angestarre und ausgelacht zu werden. In der Bahn hatte ich dann die ganz Zeit Angst in der ersten Klasse gelandet zu sein. So schön, großzügig und sauber, so leise, kein Rumgerotze und –geschreie, und vor allem so wunderbar anonym. Und so unterhaltsam, beim Sitznachbar die SMS mitzulesen und Gesprächen um sich herum zu lauschen. Hach, ich liebe die Deutsche Bahn! ;)

Die erste kleine Hürde war dann meine Familie über meine Ankunftszeit in Köln zu informieren. „Entschuldigen Sie, könnte ich bitte ihr Handy benutzen? Ich komme gerade aus China und meins funktioniert hier nicht“ So richtig abgekauft hat mir das glaub ich keiner, aber ich kann‘s ihnen nicht verübeln. Da mein Zug nach Belgien fuhr, war es unter den ganzen Belgiern erst mal schwer ein deutsches Handy aufzutreiben (ich liebe diese Vielfalt!!!). Nach entspannten 56 Minuten Fahrt war ich dann endlich in Köln und hüpfte trotz 15 Kilo-Rucksack aufgeregt auf und ab um endlich meine Familie wiederzusehen! Als auf einmal meine große Schwester vor mir stand, bin ich vor Schock fast auf die Gleise gesprungen.

Es ist so wunderschön endlich wieder zuhause bei meiner Familie zu sein! Einerseits total komisch und anders, andererseits hat sich überhaupt nichts verändert. Ich ziehe die Schuhe aus, stelle sie neben die Tür, und es ist, als wäre ich nie weggewesen. Kann es wirklich sein, dass ich gestern noch an Maos Grab stand, mit seinem skurril angeleuchteten verzerrten Gesicht? Das Haus ist mit Willkommensplakaten auf Chinesisch und roter Neujahrsdekoration geschmückt und es ist so warm und gemütlich und heimelig. Obwohl es für mich schon mitten in der Nacht ist, quatschen wir noch lange, schauen Fotos, lachen und essen, endlich wieder alle zusammen, gutes deutsches Abendbrot. Um sechs Uhr morgens chinesischer Zeit komme ich dann endlich ins Bett. Auf einmal wieder hellwach, es ist Zeit aufzustehen! Die Matratze ist viel zu weich, ich habe das Gefühl zu versinken.

Jetzt sitze ich hier also am Donnerstagmorgen mit furchtbaren Rückenschmerzen und todmüde. Der Flugzeugfraß scheint mir auch nicht so gut bekommen zu sein. Jetzt bin ich erst mal froh auf unserer kuscheligen Couch zu sitzen, in den verschneiten Garten und den sauberen, klaren Himmel herauszuschauen und über alles nachzudenken. In den nächsten Tagen habe ich keine anderen Pläne als erst mal mein Jetlag zu überwinden und meine Freunde und Familie endlich wiederzusehen. Aber vor allem will ich versuchen zu verarbeiten, das alles zu verstehen und eine Bilanz zu ziehen. Was für ein verrücktes, verrücktes, verrücktes halbes Jahr. So viel ist passiert, ich habe so viel gesehen, so viel erlebt, so viele Leute kennengelernt, so viele Höhen und Tiefen überwunden. Auch wenn es anfangs, in Shenyang, Zeiten gab, in denen ich einfach nur nach Hause wollte, dachte, was für ein riesiger Fehler, bereue ich nichts. Es war nicht immer nur schön, hat nicht immer nur Spaß gemacht, aber es war eine Erfahrung, die ich um wirklich nichts in der Welt eintauschen möchte. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, dieses Chinaabendteuer anzutreten. Ich bin verwirrt, überfordert, tottraurig und überglücklich, aber vor allem unglaublich stolz auf mich.

 

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9 Kommentare

  1. Britta

    1. April 2014 at 09:53

    Hallo Hanna,
    super schön deine Berichte!! Bin über den Artikel im Spotlight Magazin darauf gestoßen, wirklich super! :-) LG

    Antworten

    • Hanna Dreßen

      Hanna Dreßen

      1. April 2014 at 13:19

      Hallo Britta,
      danke für dein Kommentar, es freut mich immer wieder wenn mein Blog nach so langer Zeit noch gelesen wird :)

      Antworten

  2. 阿米高

    31. Januar 2013 at 13:01

    欢迎德国,
    liebe Hanna, ich habe vor einem halben Jahr Deine Beijing-posts gelesen und seitdem immer mal wieder an Dich gedacht und wo Du wohl gelandet bist, aber auf Deinen Blog hatte ich es bis heute irgendwie nicht mehr geschafft. Nun habe ich eine Stunde in Deinem Blog gestöbert und mich köstlich amüsiert… super geschrieben… und wieso kommt mir das alles so bekannt vor? Wenn Du mal sehnsucht nach China-Küche hast und einen Fress-Buddy brauchst – ich bin dabei!
    Francois

    Antworten

    • Hanna Dreßen

      Hanna Dreßen

      13. Februar 2013 at 10:40

      Hi Francois,
      danke für deinen lieben Kommentar. Jetzt bin ich schon seit fast drei Wochen wieder zuhause, chinesisches Essen vermisse ich NOCH nicht! ;)
      Hab gehört, du bist auch wieder unterwegs.
      Viel Spaß und liebe Grüße,
      Hanna

      Antworten

  3. Großmama

    25. Januar 2013 at 10:39

    Danke Hanna für die vielen schonen Kommentare besonders aber für deinen Abschlussbericht, der deine ganzen Gefühle wiedergibt. Nun ruhe dich aus und lass alles sacken. Wir sind alle mächtig stolz auf dich und sehr sehr froh, dass du wiederheil gelandet ist. Wir hören voneinander. Küsschen von deiner Grossmama

    Antworten

  4. Sowfiee

    24. Januar 2013 at 22:53

    Juhuuuuu, willkommen zu Hause :***

    Antworten

    • Hanna Dreßen

      Hanna Dreßen

      25. Januar 2013 at 11:55

      Danke Sowfie! ;) Sehen wir uns ganz bald? xx

      Antworten

  5. Korinna

    24. Januar 2013 at 18:04

    Herzlich willkommen zurück :-) Die Zeit rast ja :-) Genieße die freie Zeit, und versuche deinen Kulturschock zu überwinden :-) Das ist das wichtigste!
    GLG
    Korinna

    Antworten

    • Hanna Dreßen

      Hanna Dreßen

      24. Januar 2013 at 18:44

      Daanke Korinna! Ja, du hast Recht, der Kulturschock macht mich im Moment noch ziemlich fertig, aber das gehört dazu! Liebe Grüße!

      Antworten

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Hanna

Hanna aus NRW war bereits mit Stepin im High School USA-Programm unterwegs. Nun ist sie mit Teach & Travel China auf Reisen. Von ihren Trips und spannenden Erlebnissen berichtet sie live auf der Weltneugier.

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