Hanna in China #30: Das komplette China-Paket

Hanna in China #30: Das komplette China-Paket

Ingvild ist der schrecklichste Travelbuddy den man sich vorstellen kann. Was für ein großer Fehler. ;) Aber wahrscheinlich musste es so kommen, dass ich eine Woche vor Abflug nochmal das komplette China-Paket abbekomme.

Total sentimental und total verliebt in China habe ich mich von meinen Kleinen, von Vicky, Eli und Paula und von meinem winzigen, gemütlichen Appartement verabschiedet. Am Mittwochmorgen brachte Eli mich zu der Stelle, an der ich zum ersten Mal Houjie’schen Boden berührt habe und die Verkettung von unglücklichen Ereignissen begann.

Erst mal konnte ich meinen Private Driver nicht finden. Eine Viertelstunde später fand ich ihn schlafend hinter’m Steuer. Als ich dann endlich in Nancheng angekommen bin, traf ich Ingvild. Ingvild und ihre zehn Zentner Gepäck, mit denen sie völlig überfordert war. Ich ging also zum Ticketschalter, um Busfahrkarten nach Guangzhou für und beide zu besorgen, doch musst eine halbe Stunde lang anstehen. Das Spring Festival, chinesisches Neujahr steht vor der Tür. Und damit die größte Migrationswelle der Geschichte. Jeder Chinese fährt nach Hause zu seiner Familie, und da fast die ganze arbeitende Bevölkerung sehr weit weg von zuhause ihr Glück sucht, kommen da ein paar Milliarden Reisende zusammen. Es war also die Hölle los. Der nächste Bus kam dann erst über eine Stunde später und natürlich saßen wir auch im Stau fest. Dank unserer großzügigen Planung hatten wir aber immer noch eine halbe Stunde Zeit. Wir rannten also, so gut wie es mit den zehn Zentnern ging, zum Ticketautomaten, wo unseren Online-Tickets hinterlegt waren und alle uns netterweise vorließen. Doch der Automat akzeptierte nur chinesische ID-Cards und nicht unsere Reisepässe. Ich ließ also Ingvild mit unserem Gepäckberg zurück und rannte zum Ticketschalter. Wieder ließen alle mich vor und wieder dauerte es trotzdem eine halbe Ewigkeit bis meine unglaublichen Chinesischkenntnisse und unsere fremdländischen Pässe akzeptiert wurden. Nach drei nicht endenden Rolltreppen und mitten im Securitycheck schlug die Uhr 12:27. Unser Zug war abgefahren. Schweißgebadet (in Guangzhou herrschten immer noch 20 Grad) ließen wir uns und unsere 13 Taschen zu Boden sinken. Immerhin bekamen wir kostenfrei Ersatztickets. Am nächsten Morgen.

Wegen dem Balast, den wir mit uns herumschleppten, entschieden wir uns, einfach am Bahnhof zu bleiben. Der war wenigstens warm, auf den gepolsterten Sitzen konnte man sich gut ausstrecken und wir müssten nicht um vier Uhr aufstehen um unseren Zug um sieben zu erreichen. Nach ein paar langen Stunden richteten wir unser Schlaflager her, Ingvild zog sich ihren Häschenschlafanzug über und ich formte mir aus meinem Rucksack ein Kissen zurecht. Doch gerade als wir die Augen schlossen kamen die Bahnhofswächter. Der letzte Zug sei für heute abgefahren. Der Bahnhof werde jetzt geschlossen. AAAAAAARGH!!! Niemand sprach Englisch, es war mitten in der Nacht, wir waren müde, uns war kalt, Hotels überstiegen unser Reisebudget, Taxis waren auch keine da und zwanzig Chinesen mit gleichem Schicksal glotzten uns dämlich an. Nachdem wir erst mal minutenlang reglos dastanden, völlig überfordert, ging ich zu einem illegalen Fahrer, fragte nach dem billigsten Hotel, dass er kannte, und nach leidenschaftslosen Verhandlungen über den Preis meinerseits brachte er uns zu seinem Minivan. Es war wie im Film: Wir stiegen in diese Klapperkiste, fuhren durch kleine, dunkle Gassen und landeten schon nach drei Minuten Fahrt, für die wir ordentlich geblecht hatten, bei einem kleinen, verwahrlosten Hotel. Die Bettwäsche schien nicht gerade frisch gewaschen zu sein, im Aschenbecher lagen alte Zigaretten und ein Waschbecken gab es nicht. Wir ließen uns aufs Bett fallen und bekamen endlich ein paar Stunden Schlaf.

Jetzt sitzen wir endlich im Zug. Doch anstatt die Landschaft zu genießen, ist alles so versmogt, dass man höchstens zehn Meter weit sehen kann. Vorbei an verarmten Bauerndörfern, deren Existenz ich im Großstadtdschungel schon fast vergessen hatte. Der einzige Luxus den sie genießen ist wahrscheinlich die gute Luft. Und die ist vielleicht mehr wert als sie denken. Draußen wird es immer kälter und kahler. Die Sprache im Zug verändert sich langsam vom kantonesischen Sing-Sang zum harten Nordchinesisch und die Menschen werden immer größer.

Was für ein Trip. Vielleicht werde ich in ein paar Jahrzehnten drüber lachen (eigentlich jetzt schon ;)). Wenigstens habe ich eine weitere gute Geschichte zu erzählen! :)

 

Hanna in China #29: Bye bye Teacher Hanna! // HIER WEITERLESEN // Hanna in China #31: Back to Beijing

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Ein Kommentar

  1. Großmama

    22. Januar 2013 at 17:54

    Vielen Dank für deine Reiseberichte. So konnten wir vieles mit dir erleben, Jetzt wirst du uns so einiges zu erzählen haben. Guten Flug mein Schatz. Liebe Grüsse von deiner Grossmama

    Antworten

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About Hanna

Hanna

Hanna aus NRW war bereits mit Stepin im High School USA-Programm unterwegs. Nun ist sie mit Teach & Travel China auf Reisen. Von ihren Trips und spannenden Erlebnissen berichtet sie live auf der Weltneugier.

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