Hanna in China #3: Erste Station – Shenyang

Hanna in China #3: Erste Station – Shenyang

Unsere Autorin Hanna Dreßen hat sich entschieden, mit unserem Teach and Travel Programm ein halbes Jahr in China zu verbringen, um dort Englisch zu unterrichten. Endlich geht es los! Nach dem Einführungsmonat in Beijing kommt Hanna an ihrem Kindergarten in Shenyang im Norden Chinas an: Von Unterricht, Matratzen und Reiseplänen.

Und schon ist der erste Monat in Beijing und damit auch der erste Abschnitt vom großen China-Abenteuer zu Ende. Es war wirklich eine super Zeit und ich habe sehr viele neue Eindrücke und Erfahrungen gesammelt. Der Abschied gestern Morgen war grausam. Doch schon acht Stunden später sind wir, das heißt mein Roommate Evelina, fünf andere aus unserer Gruppe und fünf Teilnehmer eines anderen Programms, in Shenyang angekommen. Unser neues Zuhause für die nächsten fünf Monate!

Wo ist meine Matratze?

Dort wurden wir von unserer Betreuerin und einer Lehrerin, Vicky und Cherry, abgeholt und direkt zu unserem Kindergarten gefahren. Der ist wirklich schön und überhaupt nicht so, wie man sich einen chinesischen Kindergarten vorstellt: Das Gebäude ist in verschiedenen Farben gestrichen. Wenn man hineingeht, baumeln einem hunderte selbstgebastelte Figuren von der Decke entgegen, die Räume sind modern und verspielt. Draußen gibt es Kaninchen, einen eigenen Garten, den die Kinder bepflanzen, und einen großen Schulhof.

Und schon geht die Arbeit im Kindergarten los

Blick auf den Schulhof des KindergartensAm nächsten Morgen mussten wir direkt um 7:30 Uhr beim Kindergarten sein. Jeder Morgen startet mit Gymnastik und Tanzen für alle Kinder und Lehrer auf dem Schulhof. »Good morning! – Good afternoon! – Good evening! – Nice to meet you!« Danach geht der Unterricht los und wir sollten einfach mal mit in unsere Klassen gehen.

Ich habe zwei Klassen mit Fünfjährigen. Die sind wirklich süß und können mich immerhin schon nach meinem Namen fragen. Da hört es dann aber auch schon auf. Ich saß also im Klassenraum mit 15 Kindern und vier Chinesinnen und hatte keine Ahnung, was ich machen soll. Also habe ich mich von den Kindern auf Chinesisch zuquatschen lassen und mit einigen Kommunikationsschwierigkeiten versucht mit ihnen zu spielen.

Meine dritte Klasse habe ich noch nicht kennengelernt. Es sind Zweijährige. Sie können noch nicht mal Chinesisch sprechen. Wie soll ich da Englisch unterrichten?!? Wir haben auch eine Schuluniform: Eine pinke, viel zu kurze Jogginghose, ein weiß-pinkes, bauchfreies T-Shirt und eine pinke Jacke. Ich kann’s kaum erwarten morgen früh in mein neues Outfit zu schlüpfen, für das es im Moment noch viel zu warm ist…

Von Animation und meinen Dreijährigen

Die erste Zeit im »Bèi ěr dí«-Kindergarten ist geschafft! Mir kommt es so vor als wären wir schon Monate hier, denn jede Stunde, sei sie auch nur zwanzig Minuten lang, erfordert einen riesigen Energieaufwand: Tanzen, Singen, »Stand up«, »Sit down«. Das komplette Animationsprogramm. Am Ende jeden Tages sind wir total müde und heiser. Aber langsam werde ich sicherer darin, die Kinder permanent bei der Stange zu halten, und es macht sogar Spaß.

Alle Kinder Hannas im StuhlkreisWerden sie unruhiger wird direkt eine Runde »Incy Wincy Spider« dazwischengeschoben und alle sind wieder dabei. Die große Herausforderung ist, dass ich den Dreijährigen nur zwei Wörter die Woche beibringen kann! Mit vielen verschiedenen Spielen, Bewegungen, Flashcards, Tänzen und Liedern passiert letztendlich jeden Tag dasselbe… mir gehen langsam die Ideen aus!

Wie die Klassenaufteilung zustande kam

Anfangs wollten Evelina und ich uns die verschiedenen Altersgruppen noch aufteilen. Der Schulleiter war dann aber der Meinung, dass mein Gesicht so »happy and kind« aussehe, vor Evelina würden die Kleinen Angst haben. Das lief darauf hinaus, dass ich jetzt nur Zwei- und Dreijährige unterrichten darf. Mist, ich hätte am ersten Tag nicht die ganze Zeit freundlich lächeln dürfen :P. Eine Gruppe mit Vierjährigen habe ich dann aber doch abbekommen. Das ist meine Lieblingsklasse, sie machen immer super mit und freuen sich wie verrückt, wenn ich ihnen einen Stift in die Hand drücke und sie die Farbe schreien dürfen.

Anfangsschwierigkeiten bei den ganz Kleinen

Etwas schwieriger ist das Ganze mit den Zweijährigen. Am Montag bin ich in die Klasse gegangen, um zu unterrichten. Die anderen Lehrer haben mich nur ungläubig angeschaut, denn vor uns spielte sich das reinste Chaos ab: Die Kleinen hatten ihren ersten Tag, alle haben geweint, die Gesichter tränenüberströmt, rüttelten an den Türgriffen und schrien »Māma, bàba!«. Hier sollte ich also meine ersten zwei Stunden verbringen. Hundertzwanzig sehr, sehr anstrengende Minuten. Die Kinder haben Angst vor mir. Sie haben noch nie einen Europäer gesehen und jedes Mal, wenn ich mich zu einer Gruppe an den Tisch setze, laufen alle davon.

Hannas Kindergartenkinder beim SpielenAm nächsten Tag habe ich es dann mit einem einfachen Lied versucht, doch statt mitzumachen, gucken sie mich nur mit großen Augen an, stehen auf und gehen. Das habe ich mir irgendwie anders vorgestellt. Heute lief es dann aber schon viel besser: Manche umarmen mich und schreien »I love you!«, da fühlt man sich doch gleich nicht mehr so fehl am Platz :).

»Bèi« heißt übrigens Baby, »Ĕr« du oder dein und »dí« heißt clever und schlau. »Wir machen dein Baby schlau!« ist also der Slogan unseres Kindergartens, ich werde mein Bestes geben!

Die Golden Week und das Mid-Autumn Festival

Endlich Wochenende! Jetzt sind es nur noch sechs Arbeitstage bis zur Golden Week, in der zu Ehren des Nationalfeiertags am 1. Oktober alle Chinesen frei haben. Mao Zedong hat an diesem Tag vor 53 Jahren auf dem Platz des Himmlischen Friedens die Volksrepublik China ausgerufen. Meist kurz vorher, immer am 15. Tag des 8. Mondmonats nach dem traditionellen chinesischen Kalender, wird das Mid-Autumn Festival gefeiert. Das deutsche Äquivalent für dieses Festival wäre am ehesten das Erntedankfest.

Alle schenken sich gegenseitig runde Kuchen mit Mondmustern in allen verschiedenen Größen und Geschmacksrichtungen. So wie zuhause um diese Zeit schon Lebkuchen im Supermarktregal liegt, gibt es die Mondkuchen hier jetzt schon überall. Jedes Mal, wenn wir einkaufen gehen, kaufen wir uns eine Miniversion für circa zehn Cent und probieren immer eine andere Geschmacksrichtung aus ;).

Reisepläne für die Kurzferien

Am nächsten Sonntagmorgen geht es dann los in die Innere Mongolei!!! Das heißt erstmal treffen wir uns alle in Beijing, um am Dienstag zusammen den Zug nach Hohhot zu nehmen. Wir gehen Kamelreiten, sehen den Gelben Fluss, fahren nach Baotou, besichtigen die größten Dinofossilien Chinas, fahren in Geländewagen durch die Dünen und gehen Sandboarden. Ich kann’s kaum erwarten alle wiederzusehen!

Hannas vorheriger Artikel Mehr Infos zum Programm

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4 Kommentare

  1. Hanna Dreßen

    Hanna Dreßen

    5. September 2012 at 07:11

    Danke für eure Unterstützung! Ich geb mein Bestes :)

    Antworten

  2. Cornelia

    3. September 2012 at 15:29

    Liebe Hanna,

    wirklich mutig, was duda machst. Lese deine Bericht gerne und weiß nicht, ob ich mit tauschen würde oder nicht.
    Du wirst dich sicher bald einleben und die Kinder werden dir an’s Herz wachsen.
    Kopf hoch.

    Liebe Grüße
    Cornelia

    Antworten

  3. Peter Pfeffer

    3. September 2012 at 14:59

    Lb. Hanna,
    wird schon werden.
    Ich hoffe, Du hast Dich schon eingelebt – zumindest ein wenig!
    :-)

    Antworten

  4. Hilarius

    31. August 2012 at 17:26

    Hi Hanna,

    habe mir Shenyang mal in google Maps angesehen … da ziehe einmal mehr den Hut vor deinem Mut: Respekt. Deine Beschreibung hört sich etwas enttäuscht an. Lass dich nicht entmutigen, all diese Erfahrungen gehören einerseits bei Reisen zu fremden Kulturen dazu, andererseits wirst du sie niemals mehr vergessen, niemand wird sie dir je nehmen können. Kopf hoch!

    Hee, wenn die Kurzen noch nicht mal Chinesisch sprechen, dann bring denen doch Deutsch bei.

    Antworten

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Hanna

Hanna aus NRW war bereits mit Stepin im High School USA-Programm unterwegs. Nun ist sie mit Teach & Travel China auf Reisen. Von ihren Trips und spannenden Erlebnissen berichtet sie live auf der Weltneugier.

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