Hanna in China #25: Kommunikation… oder auch nicht.

Hanna in China #25: Kommunikation… oder auch nicht.

Das war ein tolles Wochenende, eines der besten in China. Ich wünschte, ihr könntet vorbeikommen, damit ich euch alles zeigen kann. Denn so Vieles ist schwer zu erklären oder mit Worten gar nicht zu beschreiben!

Am Samstagmorgen bin ich mit dem Bus nach Zhongshan gefahren, um mir zusammen mit Ingvild die Stadt anzuschauen. Das hat irgendwie nicht so geklappt, wie wir es uns vorgestellt haben (wie so ziemlich alles in China). Erst mal sind wir an unterschiedlichen Busbahnhöfen angekommen, was wir aber erst nach einer langen Suchaktion festgestellt haben. Danach haben wir beide versucht herauszufinden, wo wir sind und wie wir am besten ins Stadtzentrum kommen. Eine unlösbare Aufgabe.

Zu den Chinesen verbindet mich immer noch eine Art Hassliebe. Diejenigen, die ich besser kenne, sind eigentlich genauso wie wir. Manchmal kommt es natürlich trotzdem noch zu Missverständnissen, aber sie sind so nett und hilfsbereit und lustig und manchmal auch ein bisschen abgedreht, dass das kein Problem ist. Mit denjenigen, die man aber aus verzweifelter Orientierungs- und Hilflosigkeit in einem riesigen Land voller Schriftzeichen anspricht, klappt das meistens nicht so gut. Es gibt ganz unterschiedliche Reaktionen auf meine Annäherungsversuche. Und denkt jetzt bloß nicht, dass die auf Englisch geschehen. Das ist hoffnungslos. Ich fange meistens mit meinem super Chinesisch an, gehe dann zu Händen und Füßen über, bis ich sie dann in den schlimmsten Fällen auf Deutsch anschreie! :D Manche sind wirklich süß, nehmen mich bei der Hand und zeigen mir wo ich hin muss. Andere laufen schon beim ersten Augenkontakt aus lauter Angst vor mir davon. Wieder andere versuche zu helfen und fangen wie wild an Schriftzeichen in die Luft zu malen, da weiß ich natürlich sofort Bescheid. Und dann gibt es die, die einfach mit völligem Unverständnis darauf reagieren, dass du ihre Sprache nicht so beherrscht wie sie. Die meisten haben schließlich noch nie einen Westler gesehen und kommen gar nicht auf die Idee, dass du sie nicht verstehen könntest. Entweder grinsen sie dich nur dümmlich an und zeigen mit dem Finger auf dich oder sie werden richtig wütend, werden immer lauter und schreien dich schließlich auf Kantonesisch an. Eigentlich verständlich, aber irgendwann auch ziemlich nervig. Auf Gesten wird dabei verzichtet. Selbst wenn es um die Richtung oder Zahlen geht, die ich manchmal in ihrem starken Dialekt nicht verstehe, werden nicht die Hände benutzt. Das wäre ja zu einfach.

Naja, schließlich hat Ingvild dann ein Taxi genommen, um zu mir zu kommen. Die Fahrt dauerte keine Minute, sie befand sich an einer Station ungefähr 100 Meter von mir entfernt. Und genau das meine ich: Diese Hilflosigkeit macht mich in solchen Situationen völlig fertig. Und eigentlich muss man das so akzeptieren, schließlich sind wir Gäste in diesem Land und sollten lieber mal ihre Sprache vernünftig lernen. Aber die Tatsache, dass sie es meistens gar nicht versuchen, uns überhaupt nicht verstehen wollen, bringt uns gelegentlich auf die Palme. Letztendlich haben wir das getan, was wir immer tun: Darüber gelacht. „That’s China!“

Nach dem dann doch relativ kurzen Ausflug nach Zhongshan sind wir weiter nach Sanxiang gefahren, wo viele unserer Freunde wohnen, die vor zwei Monaten schon eine legendäre Halloween Party geschmissen haben. Die Erwartungen waren also hoch. Und wurden übertroffen! Es war eine tolle Party mit unglaublicher Dekoration: Kunstschnee, einer Schneeballschlacht, Eiszapfen an der Decke, einem Selbstgebastelten Kaminofen, einem echten Santa und Geschenken. Unsere chinesischen Freunde denken jetzt, dass wir immer so Weihnachten feiern! :D

Am nächsten Morgen sind wir dann verkatert zu den Quanyan Hot Springs gefahren. Ein wunderbarer Ort für einen Sonntagnachmittag. Wir haben diesen Ausflug extra für Mitte Dezember geplant, um uns in den heißen Bädern aufzuwärmen, letztendlich lagen wir aber bei 28 Grad in Bikini am Pool. Und beim Schwitzen in den 40 Grad heißen Quellen wurde uns anstatt Eiswasser warmes Wasser gereicht. Denn das ist gesund und erfrischt irgendwie trotzdem. Hier trinken alle nur heißes Wasser. Wahrscheinlich auch, weil es daran erinnert, dass es abgekocht und somit genießbar ist. Aber noch nicht mal das stimmt. Letztens wurden Warnungen herausgegeben, dass man das Leitungswasser nicht einmal mehr zum Spülen benutzen soll, es sei zu gefährlich. Da fragt man sich wofür es überhaupt noch gut ist… Wir hatten jedenfalls einen tollen Tag in Bädern mit Sellerie, Orangen oder Gurken. Einem Pool mit Fischen, die dir am ganzen Körper rumknabbern (brrrr…), einem Dampfbad, in dem wir uns mit verschieden duftenden Salzen eingerieben haben, heißen Steine zum Ausruhen und natürlich Massagen! Göttlich! :)

 

Hanna in China #24: ESSEN // HIER WEITERLESEN // Hanna in China #26: ♫ Do they know it’s Christmas time at all? ♫

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5 Kommentare

  1. Kathi

    15. Januar 2013 at 19:04

    Hey Hanna,

    zufaelligerweise auf deinen Blog gestossen. Echt sehr cool und interessant geschrieben. Haha – mit den Kommunikationsschwierigkeiten kann ich nur zu gut verstehen – ich suffer auch grad hier in Tanzania mit meinem Swahili. Hast du wirklich nur auf Englisch unterrichtet? Und wie sieht’s so mit deinen Freuden aus? Koennen die auch ein wenig Englisch?

    Hoert sich auf jeden Fall nach ner echt guten Zeit an – wuensch dir ne gute Rueckreise und nen tollen Start in Good old Germany!

    Antworten

    • Hanna Dreßen

      Hanna Dreßen

      21. Januar 2013 at 06:40

      Hey Kathi!
      Das unterrichten war toll, natürlich nur auf Englisch und mit Händen und Füßen ;) Alle meine Freunde hier sprechen Englisch, denn sonst würden wir hier ziemlich stumm voreinander sitzen, mein Chinesisch reicht für richitge Freundschaft wirklich nicht!

      Danke und dir auch noch viel Glück in Tanzania und mit deinem Swahili ;)

      Antworten

  2. Cornelia

    23. Dezember 2012 at 16:32

    Köstlich,Hanna.

    Antworten

  3. Hilarius

    22. Dezember 2012 at 12:30

    Hallo Hanna,
    danke für den wieder einmal schönen Bericht. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie schwierig die Kommunikation ist! Es gibt auch Wörterbücher-Apps, die auch Chinesisch nach der Übersetzung laut aussprechen. Allerdings halten sie dich dann wahrscheinlich für einen Außerirdischen, wenn sie es nicht eh schon tun, wenn du auch auf der Straße die Weihnachtsbommel auf dem Kopf trägst.
    Weiterhin viel Spaß und hab ein schönes Weihnachtsfest mit deinen Freunden!

    Hilarius

    Antworten

    • Hanna Dreßen

      Hanna Dreßen

      23. Dezember 2012 at 03:13

      Haha, der Weihnachtsbommel kommt nur zu ganz besonderen Anlässen zum Einsatz… zum Beispiel morgen Abend! ;)
      Leider wurde mir nur mein iPhone mit all diesen tollen Apps in Peking geklaut :(

      Frohe Weihnachten!

      Antworten

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Hanna aus NRW war bereits mit Stepin im High School USA-Programm unterwegs. Nun ist sie mit Teach & Travel China auf Reisen. Von ihren Trips und spannenden Erlebnissen berichtet sie live auf der Weltneugier.

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