Heute hat Markus Büssecker wieder einen Artikel über seinen Aufenthalt in Kanada Aufenthalt verfasst. Diesmal geht es um den Distillery District, einem Viertel in Toronto: Was machen, wenn eine der größten Brennereien im Land die Pforten schließt? Vor dieser Frage standen die Väter der Stadt 1990. Ganz einfach, man lässt eine Gruppe ambitionierter Investoren auf das Areal. Die haben aus dem Industriegelände ein Szeneviertel gemacht, das nicht nur Touristen anlockt.

»Raindrops keep fallin´ on my head«

Das wäre das passende Lied zu meinem Sonntagsauflug. Gerade im Oktober ist das Wetter Gesprächsthema Nummer eins bei den Kanadiern. Es ist nass und ungemütlich kalt. Zudem macht das Wetter sowieso was es will. Die Wettervorhersage für Ontario ist mit Garantie unzuverlässig. Also den Regenschirm geschnappt und raus zum Distillery District. So schlimm können 15 Minuten zu Fuß von der Union Station nicht sein. Denkste!

Eingang zum Distillery District TorontoGefühlte 45 Minuten später und als Spielball der Fallwinde zwischen den Hochhäusern erreiche ich eines der Eingangstore zur ehemaligen »Gooderham & Worts« Distillery. Ich hoffe es hält, was es vespricht. Auf den ersten Blick sieht es genauso aus wie auf den Postkarten: Industrigebäude im Klinkerbaustil, Kranschienen und Kopfsteinpflaster.

Designer und Brauer

Der Distillery District ist eine Welt für sich. Etwa 40 Gebäude sind im Zuge der Umgestaltung  hergerichtet worden. Wo ehemals Korn gelagert wurde, ist jetzt ein Designerladen eingezogen. Überhaupt ist das ganze Flair in Richtung Künstler- und Szenetreff ausgerichtet. Es gibt Galerien, Boutiquen und Cafés. Natürlich finde sich auch Restaurants am Platz. Mit der Mill Street Brauerei ist auch ein Vertreter der Mikrobrauereien im District beheimatet. Die Mikrobrauereien sind im Wesentlichen lokale Brauereien in Privatbesitz von Jungunternehmen, die den etablierten Großmächten Molson und Labatt den Markt streitig machen.

Ungeachtet dessen liegt die Attraktivität sämtlicher Gastrobetriebe sicherlich in den großzügig angelegten Außenbereichen. Dazu braucht es allerdings Sommer und Sonne. Ich habe beides nicht zur Hand. Mir bleibt also nichts anderes übrig als in einer Schokoladenmanufaktur Zuflucht zu suchen.Kürbiskopf vor den Fassaden des Distillery District Toronto

Die Schokolade der Maya

Schokoladenmanufaktur meine ich in diesem Fall wortwörtlich, den hier kann man sogar durch die Scheibe mit ansehen wie die Schokolade hergestellt wird. Ich bestelle mir eine Maya-Schokolade. Anscheinend mochten es die Maya scharf. Da ist definitiv Chili drin. Der »Göttertrank« ist auch ohne Indiana Jones ein Abenteuer für meine Geschmacksnerven, das ich nicht bereue. Ich bin nicht der einzige Gast an diesem Nachmittag. Gute Schokolade lässt sogar den fiesen Nieselregen vergessen. Der Distillery District ist mit seinen drei Straßen mehr als überschaubar.

Kakao im Distillery District TorontoAllerdings ist es hier ähnlich wie rund um den Kensington Market: Es gibt ein kunterbuntes Angebot an Geschäften, das darauf wartet, entdeckt zu werden. Dabei sind es vor allem die Unikate in den Läden, die das Stöbern spannend machen. Es ist aber ein ordentlich gefülltes Sparschwein von Nöten, Einzigartigkeit hat schließlich ihren Preis. Ein Nachmittag vergeht hier wie im Flug. Ich bleibe bis zum Ladenschluss um 17:30 Uhr. Jetzt heißt es wieder den Schirm aufspannen. Für den Moment bin ich dann doch auf diejenigen neidisch, die eine Wohnung hier haben. Ich sollte mal mit den Investoren reden… demnächst.

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