Gerd in Kanada #4: Erste Eindrücke von der Wildnis

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In unserer Serie »Reise an den Rand der Arktis – Churchill in Kanada« begleiten wir Gerd Dreßen bei seiner Reise in die eisige Kälte der Arktis. Nach seiner Bären-Safari und einer Begegnung mit Eisbären erfährt er in seinem neuen Artikel, wie es denn so ist, mit Eisbären als Nachbarn.

Mit Linda hab’ ich mich mehrmals darüber unterhalten, wie es denn so ist, das Leben am Rande der Zivilisation. Sie sagte, dass sie schon im ersten Moment »Oh Gott, das ist ja am A… der Welt!« gedacht habe, als sie erfuhr, wo sie denn für die nächsten Monate arbeiten und leben sollte. Aber das war nur der erste Moment.

Bei unserem Besuch ist sie schon einige Monate in Churchill. Und sie betont immer wieder, dass sie das »einfache Leben« – wie sie es nennt – und die Menschen mag. Und sie betont, dass Churchill nichts für Mädchen ist, die nur ans Shoppen denken. Unter anderem, weil es nun mal keine Geschäfte gibt. Außer einem sündhaft teuren Supermarkt, in dem es wirklich alles gibt, von der Tütensuppe über Möbel bis hin zum fahrbereiten Quad.

Vom »einfachen« Leben am Rande der Zivilisation

Straßenschilder

Wie läuft es denn so, dieses einfache Leben? Es gibt noch wenige hübsch-hässliche  Hütten, in denen Inuits wohnen. Schon beim Anblick der verfallenden Behausungen und dem Gedanken an bis zu -40 Grad Celsius im Winter überkommt einen das Frösteln. Kaum vorstellbar, dass Menschen der so genannten »First Nation« unter solchen Bedingungen leben.

Der »moderne« Kanadier hat’s da schon komfortabler. Da gibt es kaum einen Unterschied zu unserem Zuhause hier in Deutschland. (Ok, die Pickups sind ne Nummer größer!) Da gibt es die Einbauküche ebenso wie den Flachbildschirm. Die Wohnungen sind echt gemütlich eingerichtet. Ein Unterschied zu Deutschland: Für den Kanadier ist es völlig ok, im »Basement« zu leben. Kanadier sind echte Kellerkinder! Und die sind richtig toll ausgebaut und eingerichtet – außer eben, dass die Fenster fehlen.

Doch »einfach« meint mehr als die Wohnbedingungen

Wenn Linda von dem »einfachen Leben« spricht, muss sie also etwas anderes meinen. Ich hab‘ danach gesucht. Und ich glaub‘, ich hab ein Stückchen davon gefunden. »Einfach« heißt zum Beispiel, man lebt – meistens und sofern das möglich ist – im Einklang mit der Natur. Die flößt Respekt ein, denn die Kälte hat mindestens acht Monate lang alles fest im Griff!

Weltneugier Churchill Kanada 22

Sie schickt Eis und Schnee vom Polarkreis, die alles unter sich begraben. Und Mutter Natur lässt für kurze Zeit die Tundra ergrünen. Man muss hier oben am Ufer der zufrierenden Hudson Bay gestanden haben, um ermessen zu können, was Einsamkeit und Alleinsein ist. Das lehrt, mit sich selbst klarzukommen. Und das schweißt zusammen.

»Einfach« bedeutet auch, dass es sinnfreie Zerstreuung kaum gibt. Keine Discos, keine In-Kneipen. Klar, es gibt das kanadische TV-Programm, man trifft sich abends hin und wieder in einer einfachen kleinen Bar und lauscht einem Gitarrenspieler, der es zu regionaler Berühmtheit gebracht hat. Aber darüber hinaus bleibt viel Zeit, um sich intensiv mit seinem Freunden zu beschäftigen. Da gibt es dann Spieleabende (das kann richtig Spaß machen! Wirklich!). Oder gemeinsames Kochen ist angesagt. Und das schmeckt!

Ein Blick zurück

Weltneugier Churchill Kanada 24Wenn Ihr mich fragt, sind ein paar Monate in Churchill – im wahrsten Sinne des Wortes – eindrucksvoller als jede Selbsterfahrungsgruppe. Na ja, und genau genommen haben die jungen Leute hier eine der schärfsten Partymeilen, die ich je gesehen habe: »Miss Piggy«, das alte Flugzeugwrack, ist im kurzen Sommer die angesagte Location, wenn’s darum geht, mal ein wenig die Sau rauszulassen ;-)

Bernhard und ich sind jetzt seit drei Monaten wieder zurück im regnerischen Deutschland. Und ich muss sagen, dieser »Outpost« Kanadas lässt mich nicht los. Ich ertappe mich zum Beispiel dabei, wie ich alle paar Tage mein Wetter-App aufrufe und mal kurz nachschaue, wie kalt es denn da in Kanada gerade ist (heute: satte -24 Grad Celsius. Klar und trocken). Was soll ich sagen? Vielleicht versteht ihr mich, wenn ihr dieses Bild betrachtet…

Kleine Fischerhütte am See

(c) Fotos Bernhard Moll/Stepin

Gerds vorheriger Artikel Deine Möglichkeiten in Kanada

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