Doro in Paris #3: Das Naschen fängt da an, wo der Hunger aufhört

Doro in Paris #3: Das Naschen fängt da an, wo der Hunger aufhört

Was es mit »Saint Pierre auf einem Bett aus Algenrisotto, Fenchel-Orangenragout an Champagnerschaum« und Christoph Waltz auf sich hat, erklärt euch unsere Gastautorin Doro im vierten Artikel ihrer Serie über Paris. Hier ihre kulinarischen Empfehlungen.

»Das Naschen fängt da an, wo der Hunger aufhört« besagt sinngemäß das französische Sprichwort: »La gourmandise commence quand on n`a plus faim«. Insofern, und das kann ich voller Überzeugung sagen, habe ich während meines letzten Paris-Aufenthaltes ausschließlich genascht :-).

Fazit: Drei Tage nonstop Bauchschmerzen. Und es hat sich gelohnt ;-). Deshalb möchte ich euch nun einen kleinen kulinarischen Rundgang durch ausgewählte Brasserien der Stadt bieten und Fragen beantworten, wie: Wo kann man in Paris richtig traditionell essen? Wo geht man hin, wenn man es »schick« am liebsten hat und wo kehrt man auf einen letzten Absacker ein?

Chartier – preiswerte Volksspeisung in traditionellem Ambiente

Das Chartier ist ein Speiselokal, wie es sie im 19. Jahrhundert noch weitaus mehr gab. Eine echte Pariser Institution also. Wir kamen mittags um 12.30 Uhr dort an und mussten uns zunächst für ca. 20 Minuten draußen in die Schlange reihen. Das Publikum, was mit uns wartete, bestand aus einem Mix von Touristen und Franzosen, die ihre Mittagspause dort verbringen wollten. Irgendwann durften wir uns dann im Eingangsbereich aufhalten, wo man die (ich nenne sie mal) »Mensa-Stimmung« des Lokals schon wahrnehmen konnte.

Chartier – das antike Speiselokal

Es war laut, es war hektisch, wie in einem Bahnhof oder am Flughafen. Die Kellner wuselten wie eine Ameisenkolonie zwischen Küche und den einzelnen Tischen hin und her, Tische wurden in einer Geschwindigkeit auf- und abgedeckt, die imponierte. Nach ca. einer halben Stunde bekamen wir einen Tisch und durften relativ zügig bestellen.

Die Gerichte, die uns serviert wurden waren recht schlicht und nicht unbedingt DIE kulinarischen Höhenflüge. Auch der Wein war okay, aber eben kein Gaumen-Highlight. Dafür war unsere Bedienung sehr nett und wir waren satt :-).

Die Speisen in diesem Lokal sind aber eigentlich nebensächlich und sollten es auch sein, wenn man hier einkehrt. Ich betrachtete das ganze Geschehen wie ein Theaterstück, welches in einer zauberhaften Kulisse aufgeführt wird. Die Einrichtung ist nämlich ein unter Denkmalschutz stehendes Jahrhundertwendedekor.

Mein Fazit: Entweder man liebt das Chartier oder man hasst es. Als Fan von einer gewissen Dynamik muss ich sagen »Je l´aime« :-).

Adresse:
Restaurant Chartier
7 Rue du Faubourg Montmartre
75009 Paris
Métro: Grands Boulevards
Website: www.bouillon-chartier.com

Bofinger – Mit Christoph Waltz am Nebentisch

Am nächsten Abend verschlug es uns ins Bofinger – die älteste Brasserie in Paris. Diese gehört zur Flo-Kette und versprach eine gehobene Küche in einem stilvollen Ambiente. Wir wurden nicht enttäuscht.

Gegen 20 Uhr war es entgegen aller Erwartungen relativ ruhig und nur mäßig voll, Mich überraschten das freundlich und doch sehr gemütliche Flair und die zuvorkommende Bedienung. Sagt man den französischen Kellnern eine gewisse Coolness oder auch arrogante Art nach, wurden wir in dieser Hinsicht »enttäuscht«.

An einem Tisch im tollen Glaskuppelraum wurden wir von dem freundlichen Personal bestens und schnell bedient. Die Gerichte lagen im mittleren Preisbereich – für Pariser Verhältnisse absolut moderat. Das Publikum ist bunt gemischt. Verliebte Pärchen trifft man hier genauso an wie Künstler oder auch Theater bzw. Opernbesucher. Zu unserer Überraschung saß an unserem Nebentisch Christoph Waltz (Inglourious Bastards), den wir versuchten zu ignorieren, um ihn in Ruhe essen zu lassen. Ich, als großer Filmfreund, riskierte doch mal ab und an einen ungläubigen Blick. Unauffällig, versteht sich ;-).

Fazit: Sehr gute Küche, gemütliche Atmosphäre – gerne wieder!

Adresse:
Bofinger
5-7, Rue de la Bastille
75004 Paris
Métro: Bastille
Website: www.bofingerparis.com

La Coupole – Wo schon Simone de Beauvoir und Paul Sartre speisten

Am dritten Tag gingen wir ins La Coupole, das eine lange Traditionsgeschichte vorweisen kann. Hier kehren sowohl Geschäftsleute, Pariser als auch Touristen aus aller Welt ein. Auch hier ist es wohl die Einrichtung, an der der Blick hängenbleibt: Man sitzt in einem Jugendstillokal, umgeben von Figuren und Plastiken im Stil der Art Deco. Das Highlight: Eine Kuppel aus Buntglas. Das Publikum bewegt sich an diesem Tag im eher fortgeschritteneren Alter, die Bedienungen sind zurückhaltend, aber nicht unfreundlich.

Das Restaurant La Coupole in ParisDie Speisen sind sehr edel, aber für meinen Geschmack etwas zu extravagant. Ich bin eher der Typ, der sich auf einer Speisekarte für das Gericht »Fisch, Reis, Gemüse und Soße« als für »Saint Pierre auf einem Bett aus Algenrisotto, Fenchel-Orangenragout an Champagnerschaum« entscheidet, aber daran scheiden sich ja die Geister ;-).

Bekannt ist das La Coupole übrigens dafür, dass eine große Gruppe von Kellnern mindestens ein Mal am Tag »Un, deux, trois« laut durch den verdunkelten Raum ruft, um dann in einer langen Schlange zu dem Geburtstagskind des Tages zu gehen und diesem einen kleinen Kuchen mit Wunderkerzen zu überreichen. Nach einem ebenfalls lauthalsigen »Ca, c´est Paris« ziehen sie dann wieder von dannen, das Licht geht an und alle Gäste widmen sich wieder ihren Speisen, als wäre nichts gewesen.

Abschließend noch ein MUSS für dieses Lokal: die Crème brûlée. Besser bekommt ihr sie nirgends, versprochen ;).

Adresse:
La Coupole
102, Bd. du Montparnasse
75014 Paris
Métro: Vavin
Website: http://www.lacoupole-paris.com/fr/

Harry´s New York Bar – Die älteste Cocktailbar Europas

Menschen, die einem alkoholischen Getränk nicht abgeneigt sind, haben wohl schon von der legendären Harry´s New York Bar gehört, wurden hier doch die Cocktails Bloody Mary, Side Car und Blue Lagoon erfunden.

Die erste »Filiale« von »Harry`s New York Bar« wurde Jahre 1911 in Paris eröffnet. Berühmtheiten wie Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald oder auch Gertrude Stein gingen in den Goldenen Zwanzigern dort regelmäßig ein und aus. Ehrlich gesagt versprach ich mir sehr viel von dieser Bar, muss aber leider sagen: Umgehauen hat sie mich nicht. Vielmehr wirkte sie auf mich wie eine charmelose Provinz-Kaschemme mit teuren, aber nicht übermäßig guten Cocktails (und bei einem Caipi macht mir keiner was vor ;-)). Aber dieser Eindruck ist natürlich rein subjektiv und vielleicht waren wir auch einfach nur am falschen Abend dort.

Adresse:
5, Rue Daunou
75002 Paris
Métro: Opéra
Website: http://harrysbar.fr/en/

Ladurée – Pâtisserie mit Nostalgie-Flair

Bei diesem Namen läuft Gourmets und Naschkatzen aus aller Welt wohl das Wasser im Munde zusammen und auch wir konnten natürlich nicht widerstehen. Bekannt für seine Macarons, vorzügliche Schokoladenkuchen und feinstes Gebäck, finden sich einige Läden in ganz Paris.

Beim Einkaufen fühlt man sich fast wie Alice im Wunderland und man wird von bunten Pastellfaben, kitschigen Schächtelchen und einer märchenhaften Inneneinrichtung regelrecht verzaubert. Vor allem für die Frauen gilt: Unbedingt in einer Filiale vorbeischauen ;-)!

Website: http://www.laduree.fr

Abschließend möchte ich noch ein Vorurteil aus dem Weg räumen

Man hört ja oft von einer gewissen Arroganz der französischen Kellner gegenüber deutschen Gästen. Dies kann ich nicht bestätigen. Wir wurden überall wirklich freundlich bis lustig in Empfang genommen und sehr zuvorkommend bedient. Wahrscheinlich gilt auch hier wie überall: »Wie man’s in den Wald hineinruft…«

Mein Tipp ist auch: Unbedingt ein Wörterbuch mitnehmen oder jemanden, der die Sprache (und Speisebezeichnungen) perfekt versteht – ansonsten bekommt man anstatt Haxe auch mal ein echtes Schweinefüßchen ;-).

Ein Gastartikel von Doro Stritzel.

Doros vorheriger Artikel Deine Möglichkeiten in Frankreich

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Ein Kommentar

  1. Tina

    31. Oktober 2011 at 13:27

    Die Speisen sehen alle sehr lecker aus. Da werden Erinnerungen an meinen Parisbesuch wach. Dort gibt es überall kleine Cafés und Restaurants, die so interessant aussehen, dass man sofort reingehen möchte. Was ich auch getan habe. Die Auswahlen waren alle so vielfältig, dass ich ziemlich viel probiert habe. Auch wenn es manchmal etwas viel war. Wenn ich wieder in Paris bin, werde ich mich nach den gezeigten Restaurants umsehen. Bestimmt finde ich dort Speisen, die ich noch nicht probiert habe.

    Antworten

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